Planen Sie etwa sechs Wochen Vorlauf ein. Viele Reiseimpfungen bestehen aus zwei oder drei Terminen im Abstand von Wochen, und der Schutz baut sich erst danach vollständig auf. Für Gelbfieber gilt eine feste Frist, der Nachweis wird erst zehn Tage nach der Impfung anerkannt. Auch kurzfristig ist oft mehr möglich, als viele annehmen.
Die Faustregel: sechs Wochen, im Zweifel früher
Reisemedizinische Fachgesellschaften raten dazu, die Beratung etwa vier bis sechs Wochen vor Abflug zu führen. Dieser Zeitraum ist kein Sicherheitspuffer aus Vorsicht, sondern ergibt sich aus drei Dingen: dem Abstand zwischen den einzelnen Impfterminen, der Zeit, die das Immunsystem für den Aufbau des Schutzes braucht, und den Fristen, die bei Nachweispflichten gelten.
Wer eine Fernreise über ein Jahr im Voraus bucht, muss trotzdem nicht sofort losziehen. Sinnvoll ist der Blick in den Impfpass, sobald das Reiseziel feststeht. Denn erst dann lässt sich sagen, ob überhaupt etwas fehlt. Bei vielen Zielen sind es nicht die exotischen Impfungen, die nachgeholt werden müssen, sondern die Standardimpfungen, die im Erwachsenenalter durchgerutscht sind. Tetanus und Diphtherie werden alle zehn Jahre aufgefrischt, und die Auffrischung ist ein guter Anlass, den restlichen Impfpass mit durchzugehen. Welche Auffrischungen für Erwachsene empfohlen sind, haben wir gesondert beschrieben.
Warum der Schutz nicht sofort da ist
Eine Impfung wirkt nicht wie ein Medikament, das nach der Einnahme anschlägt. Der Körper muss die Antikörper erst bilden. Bei einer Erstimpfung dauert das in der Regel ein bis zwei Wochen, bei einer Auffrischung geht es deutlich schneller, weil das Immungedächtnis bereits angelegt ist. Wer also am Vortag der Reise die dritte Dosis einer begonnenen Serie bekommt, ist besser gestellt als jemand, der am Vortag zum ersten Mal geimpft wird.
Welche Reiseimpfung wie viele Termine braucht
Die folgende Übersicht zeigt die üblichen Grundschemata. Sie ersetzt keine individuelle Beratung, weil Alter, Vorerkrankungen und der genaue Reiseverlauf die Auswahl mitbestimmen.
| Impfung | Grundschema | Vorlauf bis zum Schutz |
|---|---|---|
| Hepatitis A | 1 Dosis, zweite Dosis nach 6 bis 12 Monaten für den Langzeitschutz | etwa 2 Wochen |
| Hepatitis B | 3 Dosen im Schema 0, 1 und 6 Monate | etwa 6 Monate für die volle Serie |
| Tollwut (vorbeugend) | 3 Dosen an Tag 0, 7 und 21 oder 28 | 3 bis 4 Wochen |
| FSME | 3 Dosen, zweite nach 1 bis 3 Monaten, dritte nach 5 bis 12 Monaten | guter Teilschutz nach 2 Dosen |
| Japanische Enzephalitis | 2 Dosen an Tag 0 und 28 | etwa 5 Wochen |
| Typhus (Schluckimpfung) | 3 Kapseln an Tag 1, 3 und 5 | etwa 10 Tage nach der letzten Kapsel |
| Typhus (Spritze) | 1 Dosis | mindestens 2 Wochen vor Ankunft |
| Cholera (Schluckimpfung) | 2 Dosen im Abstand von 1 bis 6 Wochen | letzte Dosis mindestens 1 Woche vor Ankunft |
| Gelbfieber | 1 Dosis | Nachweis gültig ab Tag 10 |
| Meningokokken ACWY | 1 Dosis | etwa 2 Wochen |
An dieser Tabelle wird sichtbar, woher die sechs Wochen kommen. Eine Tollwutimpfung allein füllt schon drei bis vier Wochen, eine Impfung gegen Japanische Enzephalitis fünf. Wer beides braucht und dazu noch eine Hepatitis-Serie beginnt, kommt mit zwei Wochen Vorlauf nicht aus.
Wenn die Zeit knapp ist
Eine kurzfristig gebuchte Reise ist kein Grund, auf Impfschutz zu verzichten. Für mehrere Impfstoffe sind verkürzte Schemata zugelassen, die dieselbe Zahl an Terminen in wenige Wochen packen.
- Hepatitis A und B kombiniert: Für den kombinierten Impfstoff ist ein Schema an Tag 0, 7 und 21 zugelassen, mit einer vierten Dosis nach zwölf Monaten.
- FSME: Einer der beiden in Deutschland verfügbaren Impfstoffe erlaubt ein Schnellschema an Tag 0, 7 und 21.
- Japanische Enzephalitis: Für Erwachsene bis 65 Jahre ist ein verkürztes Schema an Tag 0 und 7 zugelassen.
Diese Schemata sind ärztlich zu entscheiden und nicht immer die bessere Wahl, weil sie oft eine zusätzliche Auffrischung nach sich ziehen. Sie zeigen aber, dass auch zehn Tage vor Abflug noch etwas geht.
Was gleichzeitig geimpft werden darf
Mehrere Impfungen an einem Termin sind der Normalfall und kein Kompromiss. Totimpfstoffe können ohne Abstand untereinander und zu Lebendimpfstoffen gegeben werden. Für zwei Lebendimpfstoffe gilt eine Regel, die den Zeitplan sprengen kann: Sie werden entweder am selben Tag verabreicht oder im Abstand von mindestens vier Wochen. Das betrifft in der Reisemedizin vor allem die Gelbfieberimpfung, wenn gleichzeitig eine fehlende Masern-Mumps-Röteln-Impfung nachgeholt werden soll. Wer diese Kombination braucht und den gemeinsamen Termin verpasst, verliert einen Monat.
Feste Fristen: Gelbfieber und Nachweispflichten
Bei den meisten Impfungen ist der Vorlauf eine medizinische Empfehlung. Bei Gelbfieber ist er eine Einreisevoraussetzung. Nach den Internationalen Gesundheitsvorschriften der Weltgesundheitsorganisation wird die Impfbescheinigung erst zehn Tage nach der Impfung gültig. Wer neun Tage vorher geimpft wird, ist medizinisch auf dem Weg, gilt an der Grenze aber als nicht geimpft. Seit 2016 ist die Bescheinigung anschließend lebenslang gültig, eine Auffrischung nach zehn Jahren ist für die Anerkennung nicht mehr nötig.
Dazu kommt eine organisatorische Hürde. Die Gelbfieberimpfung darf in Deutschland nur in staatlich zugelassenen Gelbfieber-Impfstellen verabreicht werden, nicht in jeder Hausarztpraxis. Diese Stellen haben begrenzte Sprechzeiten, und in der Hauptreisezeit sind Termine knapp. Rechnen Sie die Terminsuche in Ihren Vorlauf mit ein.
Eine zweite Nachweispflicht betrifft Meningokokken. Für die Einreise nach Saudi-Arabien zur Pilgerfahrt wird ein Impfnachweis gegen Meningokokken ACWY verlangt, der mindestens zehn Tage vor der Einreise ausgestellt sein muss. Welche Nachweise ein Land aktuell verlangt, ändert sich, und maßgeblich sind die Angaben des Auswärtigen Amtes zum Reiseziel am Tag der Einreise.
Was außer Impfungen Vorlauf braucht
Impfungen sind der Teil der Reisevorbereitung mit den längsten Fristen, aber nicht der einzige.
Malariaprophylaxe
Anders als eine Impfung wird die medikamentöse Vorbeugung erst kurz vor der Einreise begonnen, je nach Wirkstoff ein bis zwei Tage oder mehrere Wochen vorher. Das Rezept und die Auswahl des passenden Mittels gehören trotzdem in die Beratung, denn nicht jeder Wirkstoff passt zu jedem Reiseziel und zu jeder Vorerkrankung. Was bei der Vorbeugung gegen Malaria zu bedenken ist, hängt stark vom Reiseland ab.
Dauermedikamente und Reiseapotheke
Wer regelmäßig Medikamente nimmt, sollte den Vorrat für die gesamte Reise plus einige Reservetage rechtzeitig sichern. Bei uns kostet die ärztliche Prüfung Ihres Anliegens 2,98 €, dazu kommt der Versand aus einer Apotheke Ihrer Wahl mit 7,95 € bei Nicht-Cannabis-Präparaten. Was sonst in das Gepäck gehört, steht in unserer Checkliste für die Reiseapotheke. Für Länder mit einfachem Hygienestandard lohnt außerdem ein Blick auf die Vorbeugung von Reisedurchfall, der häufigsten Reisekrankheit überhaupt.
Beratung statt Standardliste
Welche Impfungen nötig sind, hängt nicht nur vom Land ab, sondern von Region, Jahreszeit, Reisestil und Aufenthaltsdauer. Eine Rundreise durch Städte stellt andere Anforderungen als vier Wochen auf dem Land ohne feste Unterkunft. Einen Überblick über die üblichen Empfehlungen für tropische Ziele geben wir im Beitrag zu Impfungen und Vorsorge bei Tropenreisen.
Häufige Fragen
Reicht eine Woche vor der Reise noch aus?
Für einige Impfungen ja, für andere nicht. Eine Auffrischung wirkt innerhalb weniger Tage, und für Hepatitis A oder die Kombinationsimpfung gibt es verkürzte Schemata. Der Gelbfiebernachweis wird dagegen erst zehn Tage nach der Impfung gültig, diese Frist lässt sich nicht abkürzen.
Muss ich das Impfschema wiederholen, wenn ich einen Termin verpasse?
In der Regel nicht. Für Impfserien gilt der Grundsatz, dass jede Impfung zählt und ein zu großer Abstand die bisherigen Dosen nicht entwertet. Die Serie wird dort fortgesetzt, wo sie unterbrochen wurde. Ob das im Einzelfall gilt, entscheidet die impfende Praxis anhand des Impfpasses.
Kann ich mehrere Reiseimpfungen an einem Tag bekommen?
Ja. Totimpfstoffe können gleichzeitig gegeben werden, an verschiedenen Einstichstellen. Nur bei zwei Lebendimpfstoffen gilt entweder der gleiche Tag oder ein Abstand von mindestens vier Wochen.
Zahlt die Krankenkasse Reiseimpfungen?
Reiseimpfungen sind keine Pflichtleistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Viele Kassen erstatten sie freiwillig als Satzungsleistung, meist gegen Vorlage der Rechnung. Fragen Sie vor dem Termin bei Ihrer Kasse nach, welche Impfungen und welcher Anteil übernommen werden.
Quellen
- Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut: Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, Epidemiologisches Bulletin. rki.de
- Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und Globale Gesundheit (DTG): Empfehlungen zu Reisen und Reiseimpfungen.
- Weltgesundheitsorganisation: Internationale Gesundheitsvorschriften (2005), Anlage 7 zur Gelbfieberimpfung und zur Gültigkeit der Impfbescheinigung.
- Fachinformation Engerix®-B Erwachsene, GlaxoSmithKline, Angaben zum Impfschema.
- Auswärtiges Amt: Reise- und Sicherheitshinweise, Abschnitt Medizinische Hinweise. auswaertiges-amt.de
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welche Impfungen für Ihr Reiseziel nötig oder empfohlen sind und in welchem Abstand sie gegeben werden, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung Ihres Impfpasses, Ihrer Vorerkrankungen und Ihres Reiseverlaufs. Treten nach einer Impfung starke oder anhaltende Beschwerden auf, wenden Sie sich an Ihre Praxis oder außerhalb der Sprechzeiten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. In Notfällen wählen Sie die 112.
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