Warum Impfungen auch für Erwachsene wichtig sind
Viele Erwachsene gehen davon aus, dass sie durch die Impfungen in der Kindheit ausreichend geschützt sind. Doch einige Impfschutzwirkungen lassen mit der Zeit nach und benötigen Auffrischungen. Zudem gibt es Impfungen, die erst im Erwachsenenalter empfohlen werden.
Laut Robert Koch-Institut haben in Deutschland:
- 50 % der Erwachsenen keinen ausreichenden Schutz gegen Tetanus und Diphtherie
- 85 % der nach 1970 Geborenen keine oder nur eine Masernimpfung
- Viele Erwachsene keinen Keuchhusten-Schutz — dabei ist Pertussis für Säuglinge lebensgefährlich
Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut gibt regelmäßig aktualisierte Empfehlungen heraus, welche Impfungen für welche Altersgruppen empfohlen sind.
STIKO-Empfehlungen für alle Erwachsenen
Folgende Impfungen empfiehlt die STIKO für alle Erwachsenen:
Tetanus und Diphtherie
Auffrischung alle 10 Jahre. Die nächste fällige Auffrischung sollte einmalig als Tdap-Kombination (mit Pertussis) erfolgen.
Pertussis (Keuchhusten)
Einmalige Auffrischung im Erwachsenenalter, danach bei jeder Td-Auffrischung als Tdap. Besonders wichtig für Personen mit engem Kontakt zu Säuglingen.
Masern
Für alle nach 1970 Geborenen mit unklarem Impfstatus, fehlender Impfung oder nur einer Impfung in der Kindheit: Einmalige Impfung mit einem MMR-Impfstoff.
COVID-19
Auffrischimpfungen gemäß aktueller STIKO-Empfehlung, insbesondere für Risikogruppen und Personen ab 60 Jahren.
Influenza (Grippe)
Jährliche Impfung empfohlen für: Personen ab 60 Jahren, chronisch Kranke, Schwangere, medizinisches Personal und Bewohner von Pflegeeinrichtungen.
Pneumokokken
Einmalige Impfung für Personen ab 60 Jahren und für Risikogruppen (chronische Lungen-, Herz- oder Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunschwäche).
Gürtelrose (Herpes zoster)
Für alle Personen ab 60 Jahren (ab 50 Jahren bei Risikogruppen): Zwei Dosen Totimpfstoff (Shingrix®). Auch für Personen, die bereits eine Gürtelrose hatten.
Reiseimpfungen und besondere Indikationen
Je nach Reiseziel, Beruf oder Gesundheitszustand können weitere Impfungen sinnvoll sein:
Reiseimpfungen
- Hepatitis A: Empfohlen für Reisen nach Südeuropa, Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika. 2 Dosen (0 und 6–12 Monate) bieten lebenslangen Schutz.
- Hepatitis B: Für Reisen mit engem Kontakt zur lokalen Bevölkerung, medizinischen Eingriffen im Ausland oder längeren Aufenthalten.
- Typhus: Bei Reisen nach Südasien und in Regionen mit schlechter Hygiene.
- Gelbfieber: Pflichtimpfung für viele afrikanische und südamerikanische Länder.
- Tollwut: Empfohlen bei Reisen in Tollwut-Risikogebiete mit Tierkontakt (Trekking, Radfahren).
Berufliche Indikationen
- Hepatitis B: Medizinisches Personal, Pflegekräfte, Polizei, Feuerwehr
- FSME: Personen in Risikogebieten (v. a. Baden-Württemberg, Bayern) mit Naturkontakt
- Meningokokken: Laborpersonal, Reisende in den afrikanischen Meningitisgürtel
Impf-Check: So prüfen Sie Ihren Impfstatus
Viele Menschen kennen ihren aktuellen Impfstatus nicht. So gehen Sie vor:
- Impfpass suchen: Das gelbe Impfbuch (Internationaler Impfausweis) enthält alle dokumentierten Impfungen. Wenn Sie ihn nicht finden, können Hausärzte anhand der Krankenakte möglicherweise rekonstruieren.
- Titerbestimmung: Bei unklarem Status kann ein Bluttest zeigen, ob noch Antikörper vorhanden sind (z. B. für Hepatitis B, Masern, Varizellen).
- Im Zweifelsfall impfen: Die STIKO betont: Auch ohne dokumentierte Vorimpfung ist eine (Nach-)Impfung sicher. Es gibt keine „Überimpfung".
- Digitaler Impfpass: Über die CovPass-App oder die elektronische Patientenakte (ePA) können Impfungen digital dokumentiert werden.
Tipp: Bringen Sie Ihren Impfpass zu jedem Arztbesuch mit. So können fehlende Impfungen direkt nachgeholt werden. Gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten für alle STIKO-empfohlenen Impfungen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Impfentscheidungen sollten immer unter Berücksichtigung der persönlichen Gesundheitssituation mit Ihrem Arzt besprochen werden. Die aktuellen STIKO-Empfehlungen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Instituts.




