Was Dengue ist und wo es vorkommt
Dengue ist eine Virusinfektion, die durch den Stich infizierter Stechmücken übertragen wird — vor allem durch die Gelbfiebermücke Aedes aegypti und die Asiatische Tigermücke. Anders als die Überträger der Malaria sind diese Mücken tagaktiv, mit Schwerpunkten am frühen Morgen und späten Nachmittag, und sie fühlen sich gerade in Städten wohl: Kleinste Wasseransammlungen in Blumentöpfen, Eimern oder Autoreifen genügen ihnen zur Brut.
Verbreitet ist Dengue in weiten Teilen der Tropen und Subtropen: Süd- und Südostasien, Lateinamerika und die Karibik, Afrika sowie Teile des Pazifikraums. Die Fallzahlen haben weltweit über Jahrzehnte deutlich zugenommen, und mit der Ausbreitung der Tigermücke werden inzwischen auch in Südeuropa vereinzelt lokale Übertragungen registriert. Für Reisende gehört Dengue damit zu den häufigsten fieberhaften Infektionen, die aus warmen Ländern mit nach Hause gebracht werden.
Eine Besonderheit macht die Erkrankung medizinisch anspruchsvoll: Es gibt vier verschiedene Virustypen. Eine durchgemachte Infektion schützt dauerhaft nur vor dem jeweiligen Typ — und eine spätere Zweitinfektion mit einem anderen Typ verläuft statistisch häufiger schwer. Wer bereits einmal Dengue hatte, sollte das deshalb bei der reisemedizinischen Beratung immer angeben.
Symptome: von grippeähnlich bis gefährlich
Nach einer Inkubationszeit von meist vier bis zehn Tagen beginnt die Erkrankung typischerweise abrupt: hohes Fieber, starke Kopfschmerzen — oft hinter den Augen —, ausgeprägte Muskel- und Gelenkschmerzen, Übelkeit und Abgeschlagenheit. Der alte Name „Knochenbrecherfieber“ beschreibt das Gefühl vieler Betroffener treffend. Häufig tritt um den dritten bis fünften Tag ein flächiger Hautausschlag hinzu. Viele Infektionen verlaufen aber auch mild oder ganz unbemerkt.
Die meisten Erkrankten erholen sich innerhalb von ein bis zwei Wochen vollständig, wobei Müdigkeit und Erschöpfung noch länger nachwirken können. Entscheidend ist jedoch die kritische Phase um die Entfieberung herum, meist zwischen dem dritten und siebten Krankheitstag: In einem kleinen Teil der Fälle entwickelt sich gerade dann — wenn das Fieber schon sinkt und Besserung naht — ein schweres Dengue mit Flüssigkeitsverschiebungen, Blutungsneigung und Kreislaufversagen.
Die Warnzeichen dafür sollte jede und jeder Reisende kennen: anhaltendes Erbrechen, starke Bauchschmerzen, Blutungen aus Nase oder Zahnfleisch, Blut im Erbrochenen oder Stuhl, ausgeprägte Unruhe oder Teilnahmslosigkeit, kalte feuchte Haut und deutlich verminderte Urinmenge. Treten solche Zeichen auf, ist unverzüglich eine Klinik aufzusuchen — mit rechtzeitiger Infusionsbehandlung ist die Prognose auch schwerer Verläufe gut.
Schutz: Mückenabwehr ist die halbe Miete
Da es keine spezifische Therapie gegen das Virus gibt, ist die Vermeidung von Stichen der wichtigste Schutz — und zwar konsequent über den ganzen Tag, nicht nur abends. Verwenden Sie ein wirksames Repellent auf unbedeckter Haut; als gut belegt gelten Wirkstoffe wie DEET oder Icaridin in ausreichender Konzentration. Erneuern Sie den Auftrag nach Herstellerangabe, besonders nach Schwitzen oder Baden, und tragen Sie zuerst die Sonnencreme auf, dann das Repellent.
Kleidung ist die zweite Säule: lange, locker sitzende, helle Kleidung schützt mechanisch; für Aufenthalte mit hoher Mückendichte kann das Imprägnieren der Kleidung den Schutz zusätzlich erhöhen. In der Unterkunft helfen Klimaanlage oder Fliegengitter, ein Moskitonetz ist überall dort sinnvoll, wo Fenster offen stehen. Denken Sie auch an die Umgebung: Leeren Sie Wasseransammlungen auf Balkon oder Terrasse Ihrer Unterkunft — genau dort brüten die Überträger.
Seit einigen Jahren steht zusätzlich ein Impfstoff zur Verfügung, der in Deutschland zugelassen ist. Ob die Impfung für Sie sinnvoll ist, hängt von Reiseziel, Reisedauer, Alter und vor allem davon ab, ob Sie bereits eine Dengue-Infektion durchgemacht haben — die Empfehlungen unterscheiden sich hier deutlich. Lassen Sie sich dazu frühzeitig, idealerweise mehrere Wochen vor Abreise, reisemedizinisch beraten; die Impfserie braucht Zeit.
Im Krankheitsfall: was zu tun und was zu lassen ist
Wenn Sie während oder kurz nach einer Reise in ein Risikogebiet Fieber entwickeln, gilt: ärztlich abklären lassen — vor Ort in einer verlässlichen Einrichtung oder nach der Rückkehr, dann immer mit dem Hinweis auf die Reise. Hinter Fieber nach Tropenaufenthalt können neben Dengue auch andere behandlungsbedürftige Erkrankungen wie Malaria stecken, die sicher unterschieden werden müssen; dafür genügen einfache Blutuntersuchungen.
Die Behandlung des unkomplizierten Dengue-Fiebers ist unterstützend: körperliche Schonung, viel trinken, Fieber senken. Ein wichtiger Punkt betrifft die Wahl des Schmerzmittels: Zur Fieber- und Schmerzlinderung wird Paracetamol empfohlen. Auf Acetylsalicylsäure und andere blutverdünnend wirkende Schmerzmittel wie Ibuprofen sollte bei Verdacht auf Dengue dagegen verzichtet werden, weil sie die erkrankungsbedingte Blutungsneigung verstärken können.
Beobachten Sie sich in der Phase der Entfieberung besonders aufmerksam und suchen Sie beim Auftreten der genannten Warnzeichen sofort eine Klinik auf. Und noch ein Gedanke an die Daheimgebliebenen: Wer mit einer frischen Dengue-Infektion nach Hause reist, sollte sich auch dort vor Mückenstichen schützen — in Regionen mit Tigermücken kann das Virus sonst weitergegeben werden.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich vor Reisen in Risikogebiete individuell reisemedizinisch beraten — auch zur Frage einer Dengue-Impfung — und klären Sie Fieber während oder nach einer Tropenreise immer ärztlich ab. Bei Warnzeichen wie anhaltendem Erbrechen, starken Bauchschmerzen, Blutungen, Teilnahmslosigkeit oder Kreislaufproblemen suchen Sie unverzüglich eine Notaufnahme auf. In Deutschland erreichen Sie den Notruf unter der 112.
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