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Asthmamittel und ihre Rollen

Bedarfsspray oder Dauertherapie? Die Asthmamittel im Vergleich

Zwei Inhalatoren können gleich aussehen und trotzdem Gegensätzliches tun. Der eine öffnet die verengten Atemwege für den Moment, der andere behandelt die Entzündung, die sie eng werden lässt. Aus dieser Aufgabenteilung folgt der wichtigste Satz dieser Seite: Wer sein Bedarfsspray häufig braucht, ist nicht gut eingestellt. Die Nationale VersorgungsLeitlinie zieht die Schwelle bei zweimal pro Woche — und leitet daraus keine höhere Bedarfsdosis ab, sondern den Beginn einer antientzündlichen Behandlung.

Stand: 2026-08-27
KriteriumBedarfsspray (kurzwirksame Bronchialerweiterer)Inhalative Kortikoide (Dauertherapie)Tablette (Leukotrienrezeptor-Antagonist)
Rolle im Behandlungsplan
Reserve für akute AtemnotGrundlage der LangzeitbehandlungZusatz oder eng begrenzte Ausnahme
Was der Wirkstoff bewirkt
erweitert die verengte Bronchialmuskulaturdämpft die Entzündung der Atemwegsschleimhautblockiert Botenstoffe, die die Atemwege verengen und entzünden
Anwendung
inhalativ, nur bei Beschwerdeninhalativ, nach festem PlanTablette, geschluckt
Rezeptpflicht
verschreibungspflichtigverschreibungspflichtigverschreibungspflichtig
Anwendungsrhythmus
unregelmäßig — und genau darin liegt die Aussagekrafttäglich, unabhängig von Beschwerdentäglich
Wo die Grenze liegt
häufiger als zweimal pro Woche gilt bei Erwachsenen als Anlass, die Behandlung zu ändernwirkt nicht im Anfall — dafür bleibt das Bedarfsspray zuständigals alleinige Behandlung ab 15 Jahren nur unter engen Voraussetzungen vorgesehen
Bezug zur Asthmakontrolle
der Verbrauch ist eines der vier Kriterien der SymptomkontrolleZiel ist, dass keines der vier Kriterien mehr erfüllt istersetzt die Verlaufskontrolle nicht — Lungenfunktion und Verschlechterungen bleiben maßgeblich
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Die drei Rollen im Detail

Auch das, was gegen den jeweiligen Weg spricht, ist aufgeführt. Die drei sind kein Angebot zur Auswahl, sondern haben im Behandlungsplan verschiedene Aufgaben.

Bedarfsspray (kurzwirksame Bronchialerweiterer)

Stärken

  • Erweitert die verengten Atemwege und lindert damit die akute Luftnot
  • Wird nur genommen, wenn Beschwerden da sind — keine feste Einnahmezeit
  • Gehört als Notfallreserve zu jedem Behandlungsplan, auch bei gut eingestelltem Asthma
  • Kann vor sportlicher Belastung eingesetzt werden, ohne dass das als Kontrollverlust zählt

Limitationen

  • Behandelt ausschließlich das Symptom — die Entzündung in den Atemwegen bleibt unberührt
  • Häufiger Gebrauch verdeckt eine Verschlechterung, statt sie zu beheben
  • Verschreibungspflichtig; die Verschreibungsverordnung führt diese Wirkstoffe ohne Ausnahme
  • Zittern, Herzklopfen und Unruhe sind typische Begleiterscheinungen
Beste Wahl für

Die Reserve für akute Beschwerden — nicht die Grundlage einer Behandlung und kein Ersatz für eine Dauertherapie.

Inhalative Kortikoide (Dauertherapie)

Stärken

  • Behandeln die Entzündung, aus der die Beschwerden überhaupt erst entstehen
  • Werden eingeatmet und wirken vor Ort in den Atemwegen, nicht im ganzen Körper wie eine Tablette
  • Bilden nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie die Grundlage der Langzeitbehandlung
  • Verringern nach der Leitlinienbewertung die Zahl akuter Verschlechterungen

Limitationen

  • Wirken nicht im Anfall — für die akute Atemnot bleiben sie ungeeignet
  • Müssen regelmäßig genommen werden, auch an beschwerdefreien Tagen; genau daran scheitert die Behandlung oft
  • Heiserkeit und Pilzbefall im Mund sind bekannt; Ausspülen nach der Anwendung gehört dazu
  • Verschreibungspflichtig, und die Einstellung braucht ärztliche Verlaufskontrollen
Beste Wahl für

Alle, bei denen die Beschwerden nicht auf seltene Einzelereignisse beschränkt bleiben — die Leitlinie zieht die Schwelle bewusst niedrig.

Tablette (Leukotrienrezeptor-Antagonist)

Stärken

  • Wird geschluckt — keine Inhalationstechnik nötig, die falsch angewendet werden kann
  • Eine Möglichkeit für Menschen, die nicht inhalieren können oder die Inhalation nicht vertragen
  • Wird in der Leitlinie als Zusatz zu einer bestehenden Behandlung betrachtet

Limitationen

  • Die Leitlinie spricht sich ab 15 Jahren gegen den alleinigen Einsatz aus, außer wenn Inhalation ausscheidet
  • In der Bewertung der Leitlinie den inhalativen Kortikoiden bei akuten Verschlechterungen unterlegen
  • Neuropsychiatrische Nebenwirkungen sind beschrieben — von Schlafstörungen bis, sehr selten, Suizidalität
  • Verschreibungspflichtig; in der Routineversorgung erhielten nur 0,17 Prozent der über 15-Jährigen diesen Weg allein
Beste Wahl für

Die eng umgrenzte Ausnahme, wenn inhalative Kortikoide nicht anwendbar oder nicht verträglich sind — ärztlich zu begründen.

Was Ihre Beobachtung für die Behandlung bedeutet

Bewusst ohne Präparatenennung. Die Zeilen ordnen ein, was aus der jeweiligen Beobachtung für die weitere Beurteilung folgt.

  • Ich brauche mein Bedarfsspray mehrmals in der Woche
    Das ist der Punkt, an dem die Leitlinie eine antientzündliche Dauertherapie vorsieht — zu klären ist sie ärztlich, nicht durch mehr Bedarfsspray
  • Ich wache nachts durch Atemnot oder Husten auf
    Damit ist eines der vier Kontrollkriterien erfüllt — das gehört beurteilt, bevor an der Medikation etwas geändert wird
  • Ich möchte nichts inhalieren müssen
    Dann ist zu prüfen, ob die eng gefassten Voraussetzungen der Leitlinie für eine Alternative überhaupt vorliegen
  • Mein Kind greift regelmäßig zum Bedarfsspray
    Für Kinder und Jugendliche legt die Leitlinie eine strengere Schwelle an als für Erwachsene — hier zählt bereits jeder Einsatz
  • Meine Einstellung ist unverändert und ich brauche Nachschub
    Dann kommt die Folgeverordnung in Betracht, sofern Beschwerden und Dosierung wirklich gleich geblieben sind

Häufige Fragen

Wie oft darf man zum Bedarfsspray greifen, bevor etwas nicht stimmt?

Bei Erwachsenen liegt die Schwelle bei zweimal pro Woche. Die Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma (4. Auflage, Version 5.0 von 2024) sieht in ihrer Empfehlung 4-19 vor, dass eine antientzündliche Therapie begonnen werden soll, sobald ein kurzwirksames Bedarfsmedikament häufiger als zweimal wöchentlich angewendet wird. Zur Begründung heißt es dort, der häufige Gebrauch spiegele „lediglich eine vermeintliche Symptomkontrolle“ wider und erhöhe ohne antientzündliche Therapie das Risiko akuter Verschlechterungen. Bei Kindern und Jugendlichen legt dieselbe Leitlinie eine strengere Linie an: Dort gilt bereits jeder Einsatz eines Bedarfsmedikaments in einer beliebigen Woche als Hinweis auf verminderte Symptomkontrolle. Häufiger Bedarf ist damit ein Warnzeichen — und kein Grund, die Reserve aufzustocken.

Woran erkenne ich, ob mein Asthma kontrolliert ist?

An vier Fragen, die sich auf die letzten vier Wochen beziehen: Traten Symptome tagsüber häufiger als zweimal in der Woche auf? Gab es nächtliches Erwachen durch Asthma? Wurde das Bedarfsmedikament häufiger als zweimal in der Woche gebraucht? Waren Alltagsaktivitäten eingeschränkt? Die Nationale VersorgungsLeitlinie ordnet danach ein: kein Kriterium erfüllt heißt gut kontrolliert, ein bis zwei Kriterien teilweise kontrolliert, drei bis vier unkontrolliert. Hinzu kommt die Beurteilung des Risikos für künftige Verschlechterungen über Lungenfunktion und die Zahl bereits durchgemachter Verschlechterungen.

Warum reicht das Bedarfsspray allein nicht aus?

Weil es an einer anderen Stelle ansetzt, als das Problem sitzt. Der kurzwirksame Wirkstoff entspannt die Muskulatur um die Bronchien und macht die Atemwege damit vorübergehend weiter. Die Entzündung der Schleimhaut, die die Atemwege überhaupt erst empfindlich und eng macht, bleibt davon unberührt. Wer die Beschwerden so lindert, ohne die Entzündung zu behandeln, fühlt sich besser, ist aber nicht besser geschützt. Genau diesen Zustand beschreibt die Leitlinie als scheinbare Kontrolle bei erhöhtem Risiko.

Welche Rolle spielt die Tablette in diesem Bild?

Eine deutlich kleinere, als ihre Bekanntheit vermuten lässt. Die Nationale VersorgungsLeitlinie empfiehlt ab einem Alter von 15 Jahren, den Leukotrienrezeptor-Antagonisten nicht als alleinige Behandlung einzusetzen — es sei denn, die betreffende Person kann inhalative Kortikoide nicht inhalieren oder verträgt sie nicht. Hinzu kommen neuropsychiatrische Nebenwirkungen, auf die eine behördliche Mitteilung ausdrücklich hinweist: Schlafstörungen, Depression und Agitiertheit gelegentlich, Aufmerksamkeits- und Gedächtnisstörungen selten, Halluzinationen und Suizidalität sehr selten. In der Routineversorgung erhielten nach einer Datenauswertung nur 0,17 Prozent der über 15-Jährigen diesen Weg als alleinige Behandlung.

Sind Asthmasprays rezeptpflichtig?

Ja, alle drei hier verglichenen Wege. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung führt die betreffenden Wirkstoffe in ihrer Anlage 1, und zwar ohne Ausnahme für eine bestimmte Stärke oder Packungsgröße. § 48 Abs. 1 AMG bestimmt dazu, dass solche Arzneimittel „nur bei Vorliegen einer ärztlichen oder zahnärztlichen Verschreibung“ an Verbraucher abgegeben werden dürfen. Es gibt bei Asthma also keinen Weg, an der ärztlichen Beurteilung vorbeizukommen — was bei einer Erkrankung, deren Verschlechterung lebensbedrohlich werden kann, auch der Sinn der Regelung ist.

Lässt sich eine bestehende Asthmabehandlung online fortführen?

Wenn die Einstellung steht und sich nichts geändert hat, ist die Folgeverordnung der vorgesehene Weg. Verändert hat sich etwas allerdings schon dann, wenn das Bedarfsmedikament öfter gebraucht wird als zuvor, wenn nächtliche Beschwerden hinzukommen oder wenn Belastungen nicht mehr möglich sind, die vorher möglich waren. Das gehört dann nicht in eine Nachbestellung, sondern in eine Verlaufskontrolle — die Leitlinie sieht dafür ausdrücklich die Erhebung der Lungenfunktion und der durchgemachten Verschlechterungen vor.

Pflichthinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Hinweis zur Methodik

Die Daten in diesem Vergleich wurden zuletzt am 2026-08-27 überprüft. Quellen: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma, 4. Auflage (2024), AWMF nvl-002, AMVV — Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln, Anlage 1, § 48 AMG — Verschreibungspflicht, deinrezept.de — Behandlung bei Asthma. Angaben zu eigenen Preisen und Versandkosten stammen aus dem laufenden System, nicht aus dem Marketing. Preise und Verfügbarkeit können sich kurzfristig ändern. Kein bezahltes Placement, keine Affiliate-Links.

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