Was der Körper beim Tauchen leistet
Tauchen gehört zu den faszinierendsten Arten, Urlaub zu verbringen — und zu den Sportarten, bei denen der Körper unter besonderen physikalischen Bedingungen arbeitet. Mit jedem Meter Tiefe steigt der Umgebungsdruck; schon in zehn Metern ist er doppelt so hoch wie an der Oberfläche. Alle luftgefüllten Räume des Körpers müssen diesen Druck ausgleichen: Mittelohr und Nasennebenhöhlen über die Verbindungsgänge, die Lunge über die Atmung aus dem Regler.
Dazu kommt ein zweiter Effekt: Unter Druck löst sich mehr Stickstoff aus der Atemluft im Gewebe. Beim Auftauchen muss dieser Stickstoff kontrolliert wieder abgegeben werden — steigt man zu schnell auf, perlt er wie in einer geöffneten Sprudelflasche aus und kann eine Dekompressionserkrankung auslösen. Genau deshalb gibt es Aufstiegsregeln, Sicherheitsstopps und Nullzeitgrenzen, die jede Tauchausbildung vermittelt.
Für gesunde Menschen ist Sporttauchen mit guter Ausbildung und vernünftigem Verhalten ein sicherer Sport. Aber die besonderen Bedingungen erklären, warum bestimmte Erkrankungen unter Wasser zum Risiko werden, das an Land keines wäre — und warum die ehrliche Einschätzung der eigenen Gesundheit vor dem ersten Atemzug aus der Pressluftflasche stehen sollte, nicht danach.
Die Tauchtauglichkeitsuntersuchung
Viele Tauchbasen im Ausland begnügen sich mit einem selbst ausgefüllten Fragebogen — wer dort Vorerkrankungen ankreuzt, braucht ohnehin ein ärztliches Attest. Unabhängig davon empfehlen die tauchmedizinischen Fachgesellschaften eine richtige Tauchtauglichkeitsuntersuchung: vor dem Einstieg in den Sport, danach in regelmäßigen Abständen — üblich sind drei Jahre bei gesunden Erwachsenen, jährlich bei Kindern, Jugendlichen und Menschen ab etwa 40 Jahren.
Untersucht wird gezielt das, was unter Wasser zählt: Herz und Kreislauf (Abhören, Blutdruck, je nach Alter und Vorgeschichte ein EKG, gegebenenfalls ein Belastungs-EKG), die Lunge (Abhören, Lungenfunktionsprüfung), die Ohren mit Blick auf Trommelfell und Druckausgleich, außerdem Fragen zu neurologischen Erkrankungen, Medikamenten und psychischer Belastbarkeit. Idealerweise führt die Untersuchung eine Ärztin oder ein Arzt mit tauchmedizinischer Qualifikation durch — Adressen vermitteln die Fachgesellschaften und Tauchverbände.
Das Ergebnis ist mehr als ein Stempel: Ein gutes Tauglichkeitsgespräch klärt individuelle Grenzen („tauglich mit Einschränkungen“ ist ein häufiges, sinnvolles Ergebnis), gibt Hinweise zu Medikamenten und beantwortet die Fragen, die man einer Urlaubsbasis nicht stellen kann. Wer chronisch krank ist, bekommt hier die realistische Einschätzung, welche Form des Tauchens — etwa flachere Tiefen, kein Strömungstauchen — vertretbar ist.
Erkrankungen, die Grenzen setzen
Einige Erkrankungen vertragen sich schlecht mit dem Druck- und Gaswechsel des Tauchens. An erster Stelle steht die Lunge: Ein unkontrolliertes Asthma, Lungenblasen oder ein früherer spontaner Pneumothorax erhöhen das Risiko, dass beim Auftauchen Luft im Gewebe gefangen bleibt und die Lunge verletzt — Letzteres gilt in der Regel als dauerhafter Ausschlussgrund. Gut kontrolliertes Asthma ist dagegen nach individueller tauchmedizinischer Prüfung häufig mit dem Sport vereinbar.
Beim Herzen zählen belastbare Pumpfunktion und stabiler Rhythmus; nach Infarkten, bei relevanten Klappenfehlern oder Rhythmusstörungen entscheidet die kardiologische Einschätzung. Ein Sonderfall ist das offene Foramen ovale, eine häufige kleine Verbindung zwischen den Herzvorhöfen: Sie erhöht das Risiko bestimmter Dekompressionsunfälle und wird nach einem solchen Ereignis gezielt gesucht. Erkrankungen mit plötzlichem Kontrollverlust — unbehandelte Epilepsie, unklare Ohnmachten, schwer einstellbarer Diabetes mit Unterzuckerungen — sind unter Wasser besonders kritisch, weil dort niemand „kurz anhalten“ kann.
Auch Alltäglicheres spielt eine Rolle: Wer erkältet ist, bekommt den Druckausgleich oft nicht zustande und riskiert ein Barotrauma des Mittelohrs — der häufigste Tauchunfall überhaupt. Abschwellende Nasensprays sind keine Lösung, denn ihre Wirkung kann in der Tiefe nachlassen und den Rückweg blockieren. Gleiches gilt nach frischen Operationen, bei Schwangerschaft (Tauchen wird hier generell nicht empfohlen) und unter Medikamenten, die müde machen. Im Zweifel: verschieben. Das Riff wartet.
Sicher tauchen im Urlaub: die wichtigsten Regeln
Neben der Tauglichkeit entscheidet das Verhalten über die Sicherheit. Die Klassiker der Ausbildung gelten überall: nie allein tauchen, langsam auftauchen, Sicherheitsstopp einhalten, ausreichend Oberflächenpausen zwischen den Tauchgängen. Alkohol und Tauchen vertragen sich nicht — auch nicht am Vorabend in größerer Menge. Und ausreichend trinken hilft tatsächlich der Dekompression, denn Flüssigkeitsmangel verschlechtert die Stickstoffabgabe.
Die wichtigste Urlaubsregel betrifft den Heimflug: Zwischen dem letzten Tauchgang und dem Flug sollten mindestens 12, nach mehreren Tauchtagen besser 24 Stunden liegen. Der reduzierte Kabinendruck wirkt sonst wie ein zusätzlicher Aufstieg und kann eine Dekompressionserkrankung auslösen, obwohl unter Wasser alles richtig lief. Planen Sie den letzten Urlaubstag also über Wasser — Schnorcheln geht immer.
Und wenn doch etwas passiert? Symptome wie ungewöhnliche Müdigkeit, Gelenk- oder Muskelschmerzen, Hautflecken, Kribbeln, Taubheit, Schwindel, Seh- oder Sprachstörungen nach dem Tauchen sind verdächtig auf einen Dekompressionsunfall — auch wenn sie erst Stunden später auftreten. Dann gilt: Sauerstoff atmen, wenn verfügbar, viel trinken und umgehend ärztliche Hilfe suchen; Tauchbasen kennen die nächstgelegene Druckkammer, und internationale Taucher-Notfallhotlines beraten rund um die Uhr. Eine Tauchunfallversicherung, die Druckkammerbehandlungen abdeckt, gehört deshalb ins Reisegepäck wie der Tauchschein selbst.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie Ihre Tauchtauglichkeit vor dem Einstieg in den Sport und bei Vorerkrankungen individuell tauchmedizinisch beurteilen und tauchen Sie nicht mit akuten Infekten, unter sedierenden Medikamenten oder in der Schwangerschaft. Bei Beschwerden nach einem Tauchgang — Kribbeln, Lähmungen, Schwindel, Atemnot, Haut- oder Gelenksymptomen — suchen Sie unverzüglich medizinische Hilfe auf und informieren Sie die Behandelnden über die Tauchgänge. Im Notfall wählen Sie die 112.
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