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Allgemein·30. Oktober 2026·6 min Lesezeit

Grippe- und Corona-Impfung am selben Tag: Geht das?

Beide Impfungen an einem Termin sparen einen Praxisbesuch. Die STIKO hält das für sicher, wenn in verschiedene Arme geimpft wird. Wer beide Impfungen braucht und wann ein getrennter Termin besser passt.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Grippe- und Corona-Impfung am selben Tag: Geht das?
Kurz gesagt

Ja. Die Ständige Impfkommission erlaubt ausdrücklich, Grippe- und COVID-19-Impfung am selben Termin zu geben, jeweils in einen anderen Arm. Ein Mindestabstand ist nicht nötig, die Schutzwirkung leidet nicht. Rechnen Sie mit etwas stärkeren Reaktionen an den Einstichstellen. Getrennte Termine sind nur dann sinnvoller, wenn Sie die COVID-Impfung ohnehin schon im Spätsommer hatten.

Was die STIKO zur gleichzeitigen Impfung sagt

Die Frage kommt jeden Herbst in Praxen und Apotheken auf, und die Antwort der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut ist eindeutig: Influenza- und COVID-19-Impfstoffe können simultan verabreicht werden. Die Injektionen sollen dabei in unterschiedliche Gliedmaßen erfolgen, also zum Beispiel links die Grippeimpfung und rechts die COVID-19-Impfung. Ein zeitlicher Abstand zwischen beiden Impfungen ist nicht erforderlich.

Warum zwei Arme

Beide Impfstoffe werden in den Muskel gespritzt, meist in den Oberarm. Werden sie an derselben Stelle gegeben, lassen sich Reaktionen später nicht mehr zuordnen, und die örtliche Entzündungsreaktion kann sich addieren. Zwei Arme halten die Reaktionen getrennt und machen es leichter, eine ungewöhnliche Schwellung zu erkennen.

Was Studien zur Kombination zeigen

Die Empfehlung stützt sich auf Untersuchungen, in denen beide Impfungen gleichzeitig oder getrennt gegeben wurden. In der britischen ComFluCOV-Studie erhielten Erwachsene entweder beide Impfungen an einem Tag oder die Grippeimpfung drei bis vier Wochen später. Die Antikörperantwort auf beide Impfstoffe war in beiden Gruppen vergleichbar. Nebenwirkungen traten bei gleichzeitiger Gabe etwas häufiger auf, blieben aber leicht und kurz. Das RKI weist deshalb darauf hin, dass Geimpfte über möglicherweise verstärkte, vorübergehende Lokalreaktionen aufgeklärt werden sollen.

Wichtig für die Einordnung: Das Immunsystem verarbeitet täglich eine Vielzahl fremder Strukturen. Zwei Impfstoffe an einem Tag überfordern es nicht. Diese Sorge war schon bei Kombinationsimpfungen für Kinder unbegründet und ist es auch hier.

Wer welche Impfung braucht

Die Zielgruppen beider Impfungen überschneiden sich, sind aber nicht identisch. Bei der Grippe zieht die STIKO die Altersgrenze bei 60 Jahren, bei COVID-19 seit der Anpassung im Juli 2026 bei 75 Jahren, zuvor lag sie bei 60. Für Menschen mit Grunderkrankungen gelten beide Empfehlungen unabhängig vom Alter.

MerkmalGrippeimpfungCOVID-19-Impfung
Altersgrenze ohne Vorerkrankungab 60 Jahrenab 75 Jahren
Grunderkrankungenchronische Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenerkrankungen, Diabetes, Immunschwächeab 6 Monaten mit Grunderkrankung oder Immunschwäche
Schwangerealle ab dem 2. Trimenonmit Grunderkrankung oder Schwangerschaftskomplikation ab dem 2. Trimenon
PflegeeinrichtungenBewohner und PersonalBewohner und Personal mit direktem Kontakt
Medizinisches Personaljabei erhöhtem Infektionsrisiko, etwa Notaufnahme oder Intensivstation
Rhythmusjährlich, jedes Jahr neu zusammengesetzter Impfstoffjährlich, an die aktuelle Variante angepasst
Impfstoff ab 60Hochdosis- oder MF59-adjuvantierter Impfstoffangepasster mRNA- oder Proteinimpfstoff

Für Menschen ab 60 Jahren empfiehlt die STIKO seit der Saison 2025/2026 bei der Grippe gezielt einen Hochdosisimpfstoff oder einen mit dem Wirkverstärker MF59. Beide lösen im älteren Immunsystem eine stärkere Antwort aus als der Standardimpfstoff und gelten als gleichwertig. Fragen Sie in der Praxis nach, welcher vorrätig ist.

Wer eine chronische Erkrankung hat, etwa Asthma oder Typ-2-Diabetes, fällt in beide Gruppen. Bei diesen Erkrankungen verlaufen Grippe und COVID-19 häufiger schwer, weil die Atemwege ohnehin gereizt sind oder Infekte den Stoffwechsel aus dem Gleichgewicht bringen. Wer sich gegen Grippe impfen lassen sollte, haben wir im Einzelnen beschrieben.

Wann getrennte Termine sinnvoller sind

Die gleichzeitige Impfung ist erlaubt, aber nicht in jedem Fall der beste Weg. Die STIKO weist auf einen Punkt hin, der oft übersehen wird: COVID-19 und Grippe verlaufen derzeit saisonal unterschiedlich. Die COVID-Wellen beginnen meist schon im Spätsommer, die Grippewelle erst um den Jahreswechsel. Deshalb kann es sinnvoll sein, die COVID-19-Impfung schon im September zu geben und die Grippeimpfung erst im Oktober oder November.

Zwei Wege, beide richtig

  • Zwei Termine: COVID-19 im Spätsommer, Grippe zwischen Oktober und Mitte Dezember. Der Schutz passt dann besser zum Verlauf der jeweiligen Welle.
  • Ein Termin: beide Impfungen im Oktober oder Anfang November. Der zweite Praxisbesuch entfällt, der COVID-Schutz setzt etwas später ein, deckt aber die Wintermonate ab.

Anfang November, also jetzt, ist der Zeitpunkt für die Grippeimpfung ohnehin gut gewählt. Der Schutz ist nach 10 bis 14 Tagen aufgebaut, die Grippewelle kommt in den meisten Jahren erst im Januar. Wer die COVID-Impfung noch nicht hatte, kann sie jetzt gleich mitnehmen. Wer sie schon im September bekommen hat, kommt nur für die Grippe. Auch wer erst im Dezember oder Januar dazu kommt, sollte die Grippeimpfung noch nachholen. Die Welle dauert meist bis in den März, und der Schutz baut sich innerhalb von zwei Wochen auf.

Wann Sie warten sollten

Bei einem akuten fieberhaften Infekt wird nicht geimpft, weder einzeln noch kombiniert. Eine leichte Erkältung ohne Fieber ist dagegen kein Grund zum Verschieben. Nach einer kürzlich durchgemachten COVID-19-Infektion kann die Auffrischung meist einige Monate warten, weil die Infektion selbst den Schutz auffrischt. Wie lange, hängt von Alter und Risiko ab und gehört ins Gespräch in der Praxis. Wie sich eine Erkältung von einer echten Grippe unterscheidet, hilft bei der Einschätzung, ob Sie gerade impffähig sind.

Was nach der Impfung normal ist

Impfreaktionen sind ein Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet. Sie beginnen meist innerhalb von 24 Stunden und klingen nach ein bis drei Tagen ab. Bei gleichzeitiger Impfung können sie etwas ausgeprägter sein, vor allem an den Einstichstellen.

ReaktionÜblichÄrztlich abklären
EinstichstelleSchmerz, Rötung, Schwellung von wenigen Zentimetern, ein bis drei Tagestark zunehmende Schwellung, Eiter, Rötung, die sich ausbreitet
AllgemeinMüdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen, leichtes Fieber, FröstelnFieber über 39 °C, das länger als zwei Tage anhält
Kreislaufkurze Schwäche direkt nach der ImpfungAtemnot, Schwellung im Gesicht, Nesselsucht binnen Minuten (Notfall)
BrustkeineBrustschmerz, Herzstolpern oder Luftnot in den Tagen nach einer mRNA-Impfung

Schwere allergische Reaktionen sind sehr selten und treten fast immer innerhalb der ersten 15 bis 30 Minuten auf. Deshalb bleiben Sie nach der Impfung noch kurz in der Praxis oder Apotheke. Eine Hühnereiweißallergie ist bei den heutigen Grippeimpfstoffen in den meisten Fällen kein Hindernis mehr, sollte aber vorher genannt werden.

Am Impftag selbst brauchen Sie nichts Besonderes zu beachten. Essen und trinken Sie normal, schwere körperliche Anstrengung und Sauna verschieben Sie besser auf den nächsten Tag. Ein Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen dürfen Sie nehmen, wenn die Beschwerden stören, aber nicht vorbeugend vor der Impfung. Es gibt Hinweise, dass eine vorsorgliche Einnahme die Immunantwort leicht dämpfen kann. Kühlen Sie den Arm bei Bedarf und bewegen Sie ihn normal weiter, das beschleunigt das Abklingen der Schwellung.

Blutverdünner sind kein Grund, auf die Impfung zu verzichten. Die Injektion erfolgt dann mit einer dünnen Nadel, die Einstichstelle wird länger gedrückt. Sagen Sie vor der Impfung, welche Medikamente Sie nehmen. Der Herbsttermin eignet sich auch, um den Impfpass durchzugehen. Welche Auffrischimpfungen für Erwachsene sonst anstehen, haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengestellt.

Häufige Fragen

Kann ich beide Impfungen in der Apotheke bekommen?

Ja. Apotheken dürfen Erwachsene ab 18 Jahren gegen Grippe und COVID-19 impfen, sofern das pharmazeutische Personal dafür geschult ist. Ob beide Impfungen an einem Termin angeboten werden, hängt vom Vorrat ab. Fragen Sie vorher telefonisch nach.

Muss ich einen Abstand zu anderen Impfungen einhalten?

Totimpfstoffe, zu denen Grippe- und COVID-19-Impfstoffe zählen, brauchen untereinander keinen Abstand. Auch die RSV-Impfung mit einem proteinbasierten Impfstoff kann am selben Tag gegeben werden. Bei Lebendimpfstoffen wie gegen Masern gelten eigene Regeln, die die Praxis kennt.

Verstärken sich die Nebenwirkungen bei gleichzeitiger Impfung?

Etwas. In Studien berichteten Geimpfte nach der Kombination häufiger über Schmerzen an der Einstichstelle und Müdigkeit als nach einer Einzelimpfung. Schwere Nebenwirkungen waren nicht häufiger. Die Reaktionen klingen in der Regel nach ein bis zwei Tagen ab.

Ich bin 65 und gesund. Brauche ich beide Impfungen?

Die Grippeimpfung ja, sie wird allen ab 60 empfohlen. Die COVID-19-Auffrischung empfiehlt die STIKO ohne Grunderkrankung erst ab 75 Jahren. Wer jünger ist und sich trotzdem schützen möchte, kann das in der Praxis besprechen. Die Impfung ist dann eine Einzelfallentscheidung.

Quellen

  1. Robert Koch-Institut: Schutzimpfung gegen Influenza, Antworten auf häufig gestellte Fragen (Koadministration, Impfempfehlung, Impfstoffe ab 60 Jahren). rki.de
  2. Robert Koch-Institut: STIKO-Empfehlung zur COVID-19-Impfung, Stand 27. Juli 2026. rki.de
  3. Ständige Impfkommission: Empfehlungen der STIKO 2026, Epidemiologisches Bulletin, Januar 2026.
  4. Lazarus R et al.: Safety and immunogenicity of concomitant administration of COVID-19 vaccines with seasonal influenza vaccines in adults in the UK (ComFluCOV). Lancet 2021; 398: 2277–2287.
Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Ob und wann Sie geimpft werden sollten, hängt von Alter, Vorerkrankungen und Medikamenten ab und wird in der Praxis oder Apotheke vor der Impfung geklärt. Bei Atemnot, Schwellungen im Gesicht oder Kreislaufkollaps unmittelbar nach einer Impfung wählen Sie die 112. Bei Fragen außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

Themen:grippeimpfungcorona-impfungstikoimpfungerkältungwinterimmunsystem
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