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Allgemein·3. Oktober 2026·7 min Lesezeit

Grippeimpfung: Für wen sie sinnvoll ist und wann

Oktober und November sind die klassischen Impfmonate: Wem die Ständige Impfkommission die Grippeimpfung empfiehlt, wie gut sie schützt und welche Mythen Sie getrost vergessen können.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Grippeimpfung: Für wen sie sinnvoll ist und wann

Warum Grippe kein grippaler Infekt ist

Im Alltag wird „Grippe“ für fast jeden Atemwegsinfekt verwendet — medizinisch ist die echte Influenza jedoch etwas anderes als eine Erkältung. Sie beginnt typischerweise schlagartig mit hohem Fieber, trockenem Husten, starken Kopf- und Gliederschmerzen und einem ausgeprägten Krankheitsgefühl, das gesunde Erwachsene ein bis zwei Wochen außer Gefecht setzen kann. Ausgelöst wird sie durch Influenzaviren, die sich jeden Winter in Wellen durch die Bevölkerung bewegen.

Das eigentliche Problem der Influenza sind ihre Komplikationen: Lungenentzündungen durch das Virus selbst oder durch nachfolgende bakterielle Infektionen, die Verschlechterung bestehender Herz- und Lungenerkrankungen, in schweren Fällen Krankenhausaufenthalte und Todesfälle. Je nach Stärke der Welle gehen in Deutschland pro Saison Hunderttausende Arztbesuche und etliche Todesfälle auf das Konto der Influenza — mit erheblichen Unterschieden von Jahr zu Jahr. Betroffen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Schwangere und Menschen mit geschwächtem Immunsystem.

Weil die Viren sich ständig verändern, wird der Impfstoff jedes Jahr an die erwarteten Varianten angepasst — und deshalb muss die Impfung jährlich wiederholt werden. Der Schutz der Vorsaison reicht für den nächsten Winter nicht aus, selbst wenn sich die Virusstämme nur wenig verändert haben, denn auch die Antikörperspiegel sinken mit der Zeit.

Wem die Impfung empfohlen wird

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die jährliche Grippeimpfung gezielt den Gruppen, die am meisten von ihr profitieren. An erster Stelle stehen alle Menschen ab 60 Jahren — für sie ist ein Hochdosis-Impfstoff vorgesehen, der die altersbedingt schwächere Immunantwort ausgleicht. Ebenso empfohlen ist die Impfung allen Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel, bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung schon ab dem ersten: Sie schützt die werdende Mutter, deren Immunsystem in der Schwangerschaft verändert arbeitet, und über die mitgegebenen Antikörper auch das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten.

Die dritte große Gruppe sind Menschen jeden Alters mit chronischen Erkrankungen: Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen wie Asthma und COPD, Diabetes und andere Stoffwechselerkrankungen, chronische Leber- und Nierenerkrankungen, neurologische Erkrankungen sowie angeborene oder erworbene Immunschwäche. Dazu kommen Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen sowie Menschen, die Risikopatienten gefährden könnten — medizinisches und Pflegepersonal ebenso wie Angehörige im selben Haushalt.

Und alle anderen? Für gesunde Erwachsene unter 60 spricht die STIKO keine generelle Empfehlung aus — verboten ist die Impfung deshalb nicht. Wer beruflich viel Kontakt zu Menschen hat, einen anstrengenden Winter vor sich hat oder schlicht das eigene Ausfallrisiko senken möchte, kann sich impfen lassen; viele Krankenkassen übernehmen die Kosten inzwischen freiwillig für alle Versicherten. Fragen kostet nichts.

Der richtige Zeitpunkt — und was die Impfung leistet

Der klassische Impfzeitraum in Deutschland sind Oktober und November: Der Impfschutz ist etwa zwei Wochen nach der Impfung aufgebaut und trägt dann durch die Hauptwelle, die hierzulande meist nach dem Jahreswechsel ihren Höhepunkt erreicht. Auch eine spätere Impfung ist sinnvoll, solange die Welle läuft — „zu spät“ ist es erst, wenn die Saison vorbei ist. Die Impfung kann zudem gleichzeitig mit anderen Impfungen gegeben werden, etwa der COVID-19-Auffrischung; das erspart einen zweiten Termin.

Was darf man erwarten? Ehrlicherweise keinen hundertprozentigen Schutz: Die Wirksamkeit schwankt von Saison zu Saison, je nachdem, wie gut Impfstoff und zirkulierende Viren zusammenpassen. Aber auch in durchwachsenen Jahren senkt die Impfung das Risiko zu erkranken spürbar — und, wichtiger noch, sie macht schwere Verläufe, Krankenhausaufenthalte und Komplikationen deutlich seltener. Für Risikogruppen ist genau das der entscheidende Nutzen.

Zur Verträglichkeit: Die heute verwendeten Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren — eine „Grippe durch die Impfung“ ist damit ausgeschlossen. Häufig sind lediglich Rötung und Druckschmerz an der Einstichstelle, gelegentlich ein bis zwei Tage Abgeschlagenheit oder leicht erhöhte Temperatur: Zeichen, dass das Immunsystem arbeitet. Wer in dieser Zeit dennoch eine Erkältung bekommt, hat sie sich anderswo eingefangen — die Impfung schützt schließlich nur vor Influenza, nicht vor den über 200 Erkältungsviren.

Praktische Fragen rund um die Impfung

Geimpft wird in Hausarzt- und Facharztpraxen, vielerorts auch in Betrieben durch die Arbeitsmedizin — und seit einigen Jahren können sich Erwachsene zusätzlich in vielen Apotheken gegen Grippe impfen lassen. Für die genannten Risikogruppen ist die Impfung Kassenleistung; bringen Sie einfach Ihren Impfausweis mit, damit die Impfung dokumentiert wird. Verloren gegangene Impfpässe sind übrigens kein Hindernis — die Praxis stellt einen neuen aus.

Ein paar Sonderfälle verdienen Erwähnung: Bei einer akuten Erkrankung mit Fieber wird die Impfung verschoben, ein einfacher Schnupfen ist dagegen kein Hinderungsgrund. Die früher verbreitete Zurückhaltung bei Hühnereiweißallergie ist weitgehend überholt — auch hier ist die Impfung nach ärztlicher Einschätzung fast immer möglich. Kinder und Jugendliche mit chronischen Erkrankungen werden ebenfalls jährlich geimpft; für sie steht neben der Spritze je nach Alter auch ein Nasenspray-Impfstoff zur Verfügung.

Und jenseits der Impfung? Die üblichen Hygieneregeln senken das Ansteckungsrisiko zusätzlich: regelmäßiges Händewaschen, Lüften, Abstand zu hustenden und niesenden Menschen — und wer selbst krank ist, bleibt zu Hause und kuriert sich aus. Die Impfung ist der wirksamste Einzelbaustein, aber sie wirkt am besten als Teil eines vernünftigen Gesamtverhaltens durch die Erkältungssaison.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob und wann eine Grippeimpfung für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie am besten individuell mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke — insbesondere bei chronischen Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei früheren Impfreaktionen. Suchen Sie bei hohem Fieber mit Atemnot, Brustschmerzen oder ausgeprägter Schwäche zeitnah ärztliche Hilfe auf; in Notfällen wählen Sie die 112.

Themen:grippeimpfunginfluenzaimpfungherbstpräventionrisikogruppen
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