Eine Verschlechterung in den ersten Wochen ist bei fast jeder Aknetherapie eingeplant. Wirkstoffe wie Retinoide oder Benzoylperoxid lösen verstopfte Talgdrüsen von innen, sodass längst angelegte Mitesser gleichzeitig an die Oberfläche kommen. Dazu kommt eine Reizung der obersten Hautschicht. Beides gehört zum Verlauf und beruhigt sich meist nach vier bis sechs Wochen.
Was in der Haut passiert, bevor sie besser wird
Akne beginnt nicht an dem Tag, an dem ein Pickel sichtbar wird. Am Anfang steht der Mikrokomedo, eine winzige Verstopfung im Ausführungsgang der Talgdrüse. Hornzellen lösen sich dort nicht mehr richtig ab und verkleben mit Talg. Bis daraus ein sichtbarer Mitesser oder eine entzündete Pustel wird, vergehen Wochen. In jeder Haut mit Akne liegt also ein Vorrat an Vorstufen, den man von außen nicht sieht.
Warum Retinoide alles auf einmal nach oben holen
Genau an dieser Stelle setzen topische Retinoide wie Adapalen oder Tretinoin an. Sie normalisieren die Verhornung im Follikel und lösen die Verklebung. Das betrifft die Verstopfungen, die morgen entstehen würden, und ebenso jene, die schon seit Wochen still im Gang liegen. Diese Vorstufen entleeren sich in kurzer Zeit, und was vorher unsichtbar war, wird sichtbar. Der Eindruck ist paradox: Die Haut arbeitet die Altlast ab und sieht dabei schlechter aus als vorher.
Warum die Haut zusätzlich gereizt reagiert
Der zweite Anteil hat mit dem Wirkstoff selbst zu tun. Retinoide, Benzoylperoxid und Azelainsäure greifen alle in die oberste Hautschicht ein. In den ersten Wochen antwortet die Haut darauf mit Rötung, Spannen, Brennen und feiner Schuppung. Bei Retinoiden hat diese Reaktion einen eigenen Namen, die Retinoid-Dermatitis. Sie ist unangenehm, aber sie ist kein Zeichen für eine Unverträglichkeit, solange sie sich in Grenzen hält und nach einigen Wochen nachlässt.
Beide Vorgänge laufen gleichzeitig ab, und deshalb fällt der Tiefpunkt einer Aknetherapie oft in die zweite bis vierte Woche. Wer die Ursachen und Formen der Akne nachlesen möchte, findet sie auf unserer Seite zum Krankheitsbild Akne.
Wann welche Behandlung typischerweise durchhängt
Die Phase sieht je nach Wirkstoff anders aus. Der folgende Überblick beschreibt den üblichen Verlauf und ersetzt keine ärztliche Einschätzung im Einzelfall.
| Behandlung | Was in den ersten Wochen auffällt | Wann es sich meist beruhigt |
|---|---|---|
| Topische Retinoide (zum Beispiel Adapalen, Tretinoin) | Rötung, Schuppung, Spannen, deutlich mehr sichtbare Mitesser | Reizung nach zwei bis vier Wochen, sichtbare Besserung der Akne nach etwa acht Wochen |
| Benzoylperoxid | Trockenheit, Schuppung, gelegentlich Brennen, Bleichen von Handtüchern und Kleidung | Trockenheit meist ab der zweiten bis dritten Woche rückläufig |
| Azelainsäure | Kribbeln oder Brennen direkt nach dem Auftragen, leichte Rötung | oft schon nach wenigen Tagen bis zwei Wochen |
| Kombination aus Retinoid und Benzoylperoxid | stärkste Reizung der topischen Optionen, dafür der schnellste Rückgang entzündlicher Läsionen | Reizung nach etwa vier Wochen |
| Antibiotikum als Tablette, immer mit äußerlicher Behandlung kombiniert | anfangs wenig Veränderung, gelegentlich Magenbeschwerden, erhöhte Lichtempfindlichkeit | Wirkung auf die Entzündung meist ab Woche vier bis sechs |
| Isotretinoin als Kapsel | trockene Lippen und Nase ab den ersten Tagen, bei schwerer Akne kann sich das Hautbild anfangs verschlechtern | Schub meist innerhalb der ersten Wochen, danach stetige Besserung |
Die deutsche Leitlinie empfiehlt, den Erfolg einer Aknebehandlung nicht vor acht bis zwölf Wochen zu beurteilen. Genau darin liegt das Problem: Der Tiefpunkt liegt Wochen vor dem Zeitpunkt, an dem sich sinnvoll etwas beurteilen lässt. Wie sich der zeitliche Ablauf über die ganze Therapie darstellt, haben wir in einem eigenen Beitrag zu der Frage wie lange eine Aknetherapie bis zur Wirkung braucht aufgeschlüsselt.
Ein Punkt betrifft die Erwartung an Tabletten. Ein Antibiotikum wirkt gegen die Entzündung, nicht gegen die Verstopfung im Follikel. Deshalb wird es nach der Leitlinie nie allein gegeben, sondern immer zusammen mit einer äußerlichen Behandlung, die an der Verhornung ansetzt. Der äußerliche Anteil bringt in dieser Kombination die anfängliche Reizung mit, der Nutzen der Tablette zeigt sich später. Wer das weiß, ordnet die ersten Wochen anders ein.
Was Sie in den ersten Wochen tun können
Die Reizung lässt sich in den meisten Fällen abfedern, ohne die Behandlung zu unterbrechen. Bewährt haben sich diese Punkte:
- Langsam einschleichen. Ein Retinoid muss nicht ab Tag eins jeden Abend auf die Haut. Zwei bis drei Abende pro Woche in der ersten Zeit und dann eine Steigerung sind ärztlich oft ausdrücklich vorgesehen.
- Erbsengroße Menge für das ganze Gesicht. Mehr Creme wirkt nicht besser, sie reizt nur stärker.
- Auf trockene Haut auftragen. Nach dem Waschen einige Minuten warten. Feuchte Haut nimmt mehr Wirkstoff auf und reagiert entsprechend heftiger.
- Rückfettende Pflege dazu. Eine leichte, nicht komedogene Feuchtigkeitscreme mindert Schuppung und Spannen. Sie hebt die Wirkung nicht auf.
- Konsequenter Sonnenschutz. Retinoide, Benzoylperoxid und einige Antibiotika machen die Haut lichtempfindlicher. Ein Lichtschutzfaktor 50 am Tag gehört im Frühjahr fest dazu.
- Nichts ausdrücken. Manipulieren verlängert die Entzündung und erhöht das Risiko bleibender Narben genau in der Phase, in der ohnehin viel an die Oberfläche kommt.
Was nicht hilft, ist häufigeres oder kräftigeres Waschen. Aggressive Reinigung entfernt Fett aus der Hautbarriere, die durch den Wirkstoff bereits beansprucht ist, und verstärkt die Reizung. Zweimal täglich mit einem milden Waschsyndet reicht. Welche äußerlichen Wirkstoffe sich in Wirkung und Verträglichkeit unterscheiden, haben wir im Vergleich der beiden gängigsten Substanzen gegenübergestellt. Erwachsene mit spät auftretender Akne finden die Besonderheiten ihrer Verlaufsform im Beitrag zu Akne im Erwachsenenalter.
Hilfreich ist außerdem eine schlichte Verlaufskontrolle. Fotografieren Sie Ihr Gesicht zu Beginn und danach alle zwei Wochen bei gleichem Licht, am besten am Fenster ohne direkte Sonne. Das Auge im Spiegel bewertet jeden einzelnen Tag neu und verliert die Richtung, ein Bildvergleich über acht Wochen zeigt dagegen, ob sich etwas bewegt. Notieren Sie dazu, an welchen Tagen Sie das Mittel aufgetragen haben. Beides zusammen ist die beste Grundlage für das nächste ärztliche Gespräch.
Wann die Verschlechterung nicht mehr normal ist
Es gibt eine Grenze, ab der eine Verschlechterung kein eingeplanter Teil des Verlaufs mehr ist. Sprechen Sie ärztlich ab, wenn eines dieser Zeichen auftritt:
- Nässende, verkrustete oder stark geschwollene Stellen statt einzelner Pusteln
- Große, schmerzhafte Knoten, die tief unter der Haut sitzen und nicht abheilen
- Fieber, Gelenkschmerzen oder ein deutliches Krankheitsgefühl zusammen mit dem Hautschub
- Eine Reizung, die nach sechs Wochen unvermindert stark bleibt oder sich weiter steigert
- Juckende, scharf begrenzte Rötung im Auftragungsbereich, die an eine Kontaktallergie denken lässt
Der Sonderfall unter Isotretinoin
Bei schwerer, stark entzündlicher Akne kann sich das Hautbild unter Isotretinoin zu Beginn deutlich verschlechtern. In seltenen Fällen entwickelt sich daraus ein sehr schwerer Schub mit ausgedehnten, schmerzhaften Knoten und Allgemeinsymptomen. Diese Reaktion braucht rasch ärztliche Hilfe, weil die Behandlung dann angepasst und die Entzündung gezielt gedämpft werden muss. Deshalb wird die Therapie in der Regel niedrig dosiert begonnen und engmaschig begleitet.
Isotretinoin unterliegt darüber hinaus einem Schwangerschaftsverhütungsprogramm, weil der Wirkstoff schwere Fehlbildungen verursacht. Für gebärfähige Personen gelten verpflichtende Schwangerschaftstests, eine zuverlässige Verhütung von einem Monat vor Beginn bis einen Monat nach Ende der Behandlung und eine auf 30 Tage begrenzte Verordnungsmenge. Die Behandlung gehört in fachärztliche Hand und wird nicht ohne persönliche Untersuchung begonnen.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Verschlechterung zu Beginn?
Bei äußerlichen Wirkstoffen liegt der Tiefpunkt meist in der zweiten bis vierten Woche, danach nimmt die Reizung ab. Eine sichtbare Besserung der Akne selbst zeigt sich in der Regel erst nach etwa acht Wochen. Die Leitlinie sieht eine Beurteilung des Erfolgs nach acht bis zwölf Wochen vor.
Soll ich die Behandlung abbrechen, wenn die Haut schlechter wird?
In den meisten Fällen nicht, denn ein Abbruch in dieser Phase verschenkt die eigentliche Wirkung. Sinnvoller ist es, die Anwendung vorübergehend auf jeden zweiten Abend zu reduzieren und mehr Pflege einzusetzen. Bei nässenden Stellen, Knoten oder Fieber sprechen Sie stattdessen ärztlich nach.
Ist die Verschlechterung ein Zeichen dafür, dass das Mittel wirkt?
Sie ist mit dem Wirkmechanismus gut vereinbar, taugt aber nicht als Erfolgsnachweis. Manche Menschen durchlaufen die Phase kaum und sprechen trotzdem gut an. Ein ausbleibender Schub bedeutet also nicht, dass die Behandlung nichts bringt.
Hilft eine Pause, bis sich die Haut beruhigt hat?
Längere Pausen setzen den Prozess in Teilen zurück, weil sich die Verhornung im Follikel erneut aufbaut. Besser ist eine niedrigere Anwendungsfrequenz über einige Wochen. Wie das für Ihre Haut aussieht, klärt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt.
Quellen
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie Therapie der Akne, AWMF-Registernummer 013-017.
- Fachinformation Differin® 0,1 % Gel (Adapalen), Galderma.
- Fachinformation Aknenormin® Weichkapseln (Isotretinoin), Almirall Hermal.
- Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Bewertungsverfahren zu retinoidhaltigen Arzneimitteln, Schwangerschaftsverhütungsprogramm und Warnhinweise, 2018. ema.europa.eu
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob und mit welchen Wirkstoffen eine Akne behandelt wird, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung Ihres Hautbefundes, Ihrer Vorerkrankungen und Ihrer übrigen Medikamente. Bei stark schmerzhaften Knoten, nässenden Hautstellen mit Fieber oder einem deutlichen Krankheitsgefühl suchen Sie zeitnah ärztliche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Notfällen wählen Sie die 112.
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