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Hautpflege·27. Oktober 2026·7 min Lesezeit

Trockene Haut im Herbst und Winter: richtige Pflege

Spannen, Schuppen, Juckreiz: Sobald die Heizperiode beginnt, streikt bei vielen die Haut. Warum das so ist und mit welcher Pflege Sie die Hautbarriere durch den Winter bringen.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Trockene Haut im Herbst und Winter: richtige Pflege

Warum die Haut im Winter austrocknet

Jedes Jahr das gleiche Muster: Kaum beginnt die Heizperiode, spannt die Haut nach dem Duschen, die Unterschenkel schuppen, die Hände werden rau und rissig. Das ist kein Zufall, sondern Physik und Physiologie. Die oberste Hautschicht wird von einer Barriere aus Hornzellen und hauteigenen Fetten zusammengehalten — einer Art Mörtel aus Lipiden, der Wasser in der Haut hält und Reizstoffe draußen. Genau diese Barriere gerät im Winter von mehreren Seiten unter Druck.

Kalte Luft kann kaum Feuchtigkeit aufnehmen, und beheizte Innenräume senken die relative Luftfeuchte oft drastisch — die Haut gibt dann kontinuierlich mehr Wasser an die Umgebung ab. Gleichzeitig drosseln die Talgdrüsen bei Kälte ihre Produktion, sodass der schützende Fettfilm dünner wird. Der ständige Wechsel zwischen frostiger Außenluft und überheizten Räumen, dazu Wind und bei manchen die Reibung von Schals und Wollkleidung: All das führt zu dem, was Dermatologen Austrocknungsekzem nennen können, wenn es schlimm wird — zunächst aber schlicht zu trockener, empfindlicher Winterhaut.

Besonders betroffen sind Regionen mit wenigen Talgdrüsen — Unterschenkel, Hände, Ellenbogen — sowie Menschen mit von Natur aus trockener Haut, Neurodermitis-Veranlagung und ältere Menschen, deren Haut ohnehin weniger Fette und Feuchthaltefaktoren bildet.

Reinigung: weniger ist mehr

Der größte Hebel gegen Winterhaut liegt ausgerechnet dort, wo man es nicht vermutet: beim Waschen. Heißes Wasser und Seife lösen genau die Fette aus der Haut, die die Barriere zusammenhalten — jede ausgiebige heiße Dusche spült ein Stück Schutzfilm mit ins Abwasser. Die Regeln für die kalte Jahreszeit sind deshalb unspektakulär, aber wirksam: lieber kurz und lauwarm duschen statt lang und heiß, Vollbäder als Ausnahme genießen und rückfettende Dusch- und Badezusätze verwenden.

Bei den Reinigungsprodukten lohnt der Blick aufs Etikett: Milde, seifenfreie Waschlotionen mit hautneutralem pH-Wert um 5,5 reinigen ausreichend, ohne die Barriere zusätzlich zu entfetten. Stark schäumende Produkte, parfümlastige Duschgele und „porentief reinigende“ Peelings sind im Winter die falschen Freunde. Und auch die Wasch-Frequenz darf man hinterfragen: Achseln, Leisten, Füße und Hände brauchen tägliche Reinigung — die Unterschenkel eines Büromenschen nicht zwingend Seife.

Nach dem Waschen gilt die Drei-Minuten-Regel: Haut trocken tupfen statt rubbeln und die Pflege auftragen, solange die Haut noch leicht feucht ist — so wird die Restfeuchte gleich mit eingeschlossen. Wer diese eine Gewohnheit etabliert, hat für die Winterhaut schon mehr getan als mit jedem teuren Spezialprodukt, das im Schrank vergessen wird.

Die richtige Pflege: reichhaltiger und gezielter

Im Winter darf — und sollte — die Pflege reichhaltiger ausfallen als im Sommer: Lotionen mit hohem Wasseranteil weichen Cremes und Salben mit höherem Fettanteil. Bewährte Inhaltsstoffe sind gut untersucht und müssen nicht teuer sein: Urea (Harnstoff) bindet Feuchtigkeit in der Hornschicht — je nach Konzentration von milder Pflege bis zur Behandlung rauer Stellen; Glycerin wirkt ähnlich feuchtigkeitsbindend und ist auch für empfindliche Haut geeignet; Ceramide und andere Barrierelipide ersetzen verlorenen „Mörtel“; Panthenol und Niacinamid beruhigen gereizte Haut. Ein Hinweis: Auf rissiger, entzündeter Haut kann Urea brennen — dort zunächst auf Glycerin- und Ceramid-basierte Produkte ausweichen.

Gezielte Zuwendung verdienen die Problemzonen: Die Hände leiden unter häufigem Waschen und Kälte am meisten — eine Handcreme an jedem Waschplatz und eine fettreiche Portion über Nacht wirken Wundern gleich; beim Spülen und Putzen schützen Handschuhe. Die Lippen haben keine Talgdrüsen und danken einen einfachen Pflegestift ohne viel Parfüm. Für die Unterschenkel mit Schuppenbildung und Juckreiz sind Urea-haltige Lotionen nach jedem Duschen die richtige Antwort.

Beim Gesicht schließlich lohnt der Saisonwechsel im Badezimmerschrank: die leichte Sommer-Feuchtigkeitspflege gegen eine reichhaltigere Wintercreme tauschen, an Skitagen und in den Bergen an Kälteschutzcremes und — bei Sonne und Schnee — konsequent an Sonnenschutz denken. Die UV-Strahlung macht im Winter keine Pause, sie wird nur unterschätzt.

Raumklima, Kleidung und Warnzeichen

Neben der Pflege hilft das Drehen an den Umgebungsfaktoren. Überheizte Räume sind Hauttrockner: 19 bis 21 Grad genügen den meisten, und regelmäßiges Stoßlüften hält die Luftqualität hoch. Wäsche auf dem Ständer im Wohnraum, Wasserschalen an der Heizung oder ein Luftbefeuchter heben die Luftfeuchte spürbar an — angenehm sind 40 bis 60 Prozent. Trinken Sie ausreichend, auch wenn der Durst im Winter leiser ruft; ein Flüssigkeitsdefizit zeigt sich auch an der Haut.

Bei der Kleidung gilt das Zwiebelprinzip mit hautfreundlicher Basis: Baumwolle oder weiche Funktionsfasern direkt auf der Haut, kratzige Wolle darüber statt darunter. Handschuhe, Mütze und Schal schützen die exponierten Zonen — genau dort entsteht sonst die raue Winterhaut zuerst.

Und wann reicht Pflege nicht mehr? Wenn die Haut trotz konsequenter Basispflege über Wochen juckt, sich rote, entzündete oder nässende Areale bilden, schmerzhafte Risse an Händen oder Fersen entstehen oder der Schlaf unter dem Juckreiz leidet, gehört der Befund in ärztliche Hände. Dahinter können ein Austrocknungsekzem, eine Neurodermitis, eine Kontaktallergie oder — gerade bei hartnäckigem Juckreiz ohne sichtbaren Befund — auch innere Ursachen wie Schilddrüsen-, Nieren- oder Stoffwechselerkrankungen stecken. Kurzzeitig eingesetzte entzündungshemmende Cremes bringen die Haut dann schneller zur Ruhe als monatelanges Experimentieren mit Kosmetik.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie anhaltend juckende, entzündete, nässende oder rissige Hautstellen ärztlich abklären — insbesondere, wenn Basispflege über zwei bis vier Wochen keine Besserung bringt oder der Verdacht auf Neurodermitis, eine Allergie oder eine innere Ursache besteht. Kortisonhaltige Cremes gehören auch bei Winterekzemen in ärztliche Begleitung.

Themen:trockene hauthautpflegewinterhautbarrierejuckreizfeuchtigkeitspflege
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