Mitesser sprechen für Akne, eine anhaltende Rötung der Gesichtsmitte für Rosacea. Akne beginnt am verstopften Talgdrüsenfollikel und meist in der Pubertät, Rosacea an den Gefäßen und meist nach dem 30. Lebensjahr. Beide machen Papeln und Pusteln, deshalb die Verwechslung. Die Behandlung unterscheidet sich deutlich, weil Rosacea-Haut auf viele Aknemittel gereizt reagiert.
Der Unterschied, der zuerst zählt
Beide Erkrankungen zeigen sich im Gesicht, beide machen entzündliche Papeln und Pusteln, beide verlaufen in Schüben. Auseinanderhalten lassen sie sich trotzdem recht zuverlässig, wenn man auf zwei Dinge achtet: auf Mitesser und auf die Farbe der Haut zwischen den Pickeln.
Akne beginnt am verstopften Follikel
Bei der Akne verhornt der Ausführungsgang der Talgdrüse, der Talg staut sich, es entstehen Mitesser. Fachsprachlich heißen sie Komedonen, offen als schwarze Punkte, geschlossen als weißliche Knötchen. Aus ihnen entwickeln sich entzündete Papeln, Pusteln und in schweren Fällen Knoten. Die Komedonen sind das eigentliche Erkennungsmerkmal. Fehlen sie vollständig, ist die Diagnose Akne fraglich. Betroffen sind neben dem Gesicht häufig Brust, Rücken und Schultern, also die Regionen mit den meisten Talgdrüsen. Die Erkrankung beginnt in der Regel in der Pubertät, kann aber bis weit ins Erwachsenenalter reichen. Was dahintersteckt, wenn sie erst spät auftritt, steht in unserem Beitrag zur Akne im Erwachsenenalter.
Rosacea beginnt am Gefäß
Bei der Rosacea, im Deutschen auch Rosazea geschrieben, steht eine anhaltende Rötung der Gesichtsmitte im Vordergrund. Betroffen sind Wangen, Nase, Kinn und die mittlere Stirn. Dazu kommen Phasen, in denen die Rötung plötzlich zunimmt und Hitze oder Brennen auslöst. Diese Schübe werden Flush genannt. Typisch sind außerdem sichtbar erweiterte Äderchen, die Teleangiektasien, und bei einem Teil der Betroffenen entzündliche Papeln und Pusteln. Mitesser gehören nicht dazu. Die Haut um die Augen bleibt oft ausgespart, während die Augen selbst beteiligt sein können. Der Beginn liegt meist jenseits des 30. Lebensjahres. Eine Übersicht über Verlauf und Behandlungswege finden Sie auf unserer Seite zur Rosacea.
Auch das Hautgefühl unterscheidet sich. Aknehaut ist häufig fettig glänzend. Rosacea-Haut reagiert dagegen oft empfindlich, sie brennt oder sticht bei Pflegeprodukten, bei Sonne und bei Temperaturwechseln, ohne dass äußerlich viel zu sehen wäre.
Die Merkmale nebeneinander
Die folgende Übersicht fasst zusammen, worauf eine dermatologische Untersuchung achtet. Kein einzelnes Merkmal beweist für sich etwas, das Gesamtbild entscheidet.
| Merkmal | Akne | Rosacea |
|---|---|---|
| Mitesser | vorhanden, prägend für die Diagnose | fehlen |
| Haut zwischen den Pickeln | meist normal gefärbt, oft fettig | anhaltend gerötet, empfindlich |
| Erweiterte Äderchen | untypisch | häufig, vor allem an Wangen und Nase |
| Ort | Gesicht, Brust, Rücken, Schultern | Gesichtsmitte, selten außerhalb |
| Beginn | meist in der Pubertät | meist nach dem 30. Lebensjahr |
| Beschwerden | eher Druckgefühl in Knoten | Brennen, Stechen, Hitzegefühl |
| Auslöser im Alltag | Hormone, mechanische Reizung | UV-Licht, Hitze, Alkohol, scharfes Essen, Stress |
| Augen | nicht beteiligt | können trocken, gerötet und sandig wirken |
Die Auslöser sind ein praktischer Hinweis. Wer nach einem Glas Rotwein, unter der Sonne oder in der Sauna eine deutliche Gesichtsröte bekommt, die langsam wieder abklingt, beschreibt ein Rosacea-Muster. Ende Mai lohnt dieser Blick besonders, weil die UV-Belastung steigt und Sonnenlicht zu den am häufigsten genannten Auslösern zählt.
Wer unsicher ist, kommt mit einer einfachen Notiz über zwei bis drei Wochen oft weiter als mit dem Spiegel. Festgehalten werden Tag, Uhrzeit, Essen und Getränke, Temperatur, Sport, Stress und der Zustand der Haut. Wiederholt sich ein Muster, etwa Röte nach heißen Getränken oder nach dem Aufenthalt in der Sonne, ist das für die ärztliche Einordnung wertvoller als eine Momentaufnahme. Bei der Akne bringt eine solche Notiz weniger, weil die Schübe seltener an einzelne Auslöser gebunden sind.
Was die Rosacea sonst noch zeigen kann
Die Rosacea wird heute nicht mehr in feste Stadien eingeteilt, sondern nach den vorhandenen Merkmalen beschrieben. Die internationale Konsensusgruppe ROSCO nennt zwei Merkmale, die für sich allein zur Diagnose ausreichen.
- eine anhaltende Rötung der Gesichtsmitte, die zeitweise zunimmt
- eine knotige Verdickung der Haut, meist an der Nase, fachsprachlich Phym
Alle übrigen Merkmale zählen als Hinweise, die erst in Kombination tragen. Dazu gehören Flush, Papeln und Pusteln, Teleangiektasien und die Beteiligung der Augen. Die Verdickung der Nase betrifft überwiegend Männer und entwickelt sich über Jahre.
Wenn die Augen mitmachen
Trockene, brennende, gerötete oder lichtempfindliche Augen sind bei Rosacea keine Nebensache. Die Augenbeteiligung kann den Hautzeichen vorausgehen und wird deshalb oft übersehen. Bleiben solche Beschwerden bestehen, gehören sie augenärztlich abgeklärt, unabhängig davon, wie ruhig die Haut gerade ist.
Der dritte Kandidat im Gesicht
Neben Akne und Rosacea gibt es ein drittes Bild, das beiden ähnelt: die periorale Dermatitis mit kleinen Papeln und Pusteln um Mund, Nase oder Augen, meist mit einem schmalen freien Saum an der Lippenkante. Sie entsteht oft nach zu reichhaltiger Pflege oder nach kortisonhaltigen Cremes im Gesicht. Wie sie sich abgrenzt, beschreibt unser Beitrag zur perioralen Dermatitis.
Warum die Verwechslung der Haut schadet
Die Behandlungen laufen auseinander, und zwar in beide Richtungen. Wer eine Rosacea mit einem klassischen Akneschema angeht, trifft auf eine Haut, die Reizungen schlecht verträgt. Wer umgekehrt eine Akne wie eine Rosacea behandelt, lässt die Komedonen unbehandelt, aus denen die Entzündungen immer wieder entstehen.
| Ansatz | Akne | Rosacea |
|---|---|---|
| Äußerliche Standardmittel | Retinoide, Benzoylperoxid, Azelainsäure, Kombinationen daraus | Ivermectin, Metronidazol, Azelainsäure |
| Rötung selbst | kein eigener Behandlungspunkt | gefäßverengende Mittel äußerlich, Laser bei erweiterten Äderchen |
| Innerliche Therapie | Antibiotika nur zusammen mit äußerlicher Behandlung, in schweren Fällen ein Vitamin-A-Säure-Abkömmling | niedrig dosiertes Doxycyclin in entzündlichen Phasen |
| Kortisoncreme im Gesicht | ungeeignet | ungeeignet, kann das Bild verschlechtern |
Ein Punkt verdient eigene Aufmerksamkeit. Kortisonhaltige Cremes wirken auf den ersten Blick, weil sie die Rötung dämpfen. Nach dem Absetzen kommt sie oft stärker zurück, und bei längerer Anwendung im Gesicht kann ein rosaceaähnliches Bild überhaupt erst entstehen. Cremes aus der Hausapotheke gehören deshalb nicht in ein gerötetes Gesicht, solange die Ursache nicht geklärt ist.
Gemeinsam ist beiden Erkrankungen die Basis. Milde Reinigung ohne Alkohol und ohne grobe Schleifpartikel, eine Pflege, die nicht brennt, und konsequenter Sonnenschutz. Bei der Rosacea ist der Sonnenschutz Teil der Behandlung und nicht nur Vorsorge. Welche äußerlichen Wirkstoffe bei entzündlicher Akne infrage kommen, ist auf unserer Seite zur Akne zusammengestellt.
Auch der Zeitrahmen unterscheidet sich. Äußerliche Aknebehandlungen brauchen Geduld, sichtbare Besserung stellt sich meist erst nach mehreren Wochen ein, und in den ersten Wochen kann das Hautbild vorübergehend schlechter aussehen. Bei der Rosacea zielt die Behandlung auf zwei Ebenen, die getrennt beurteilt werden. Papeln und Pusteln sprechen auf entzündungshemmende Wirkstoffe an, die anhaltende Rötung und die erweiterten Äderchen dagegen kaum. Wer das weiß, bewertet den Erfolg realistischer und setzt eine wirksame Behandlung nicht zu früh ab.
Wann eine ärztliche Einschätzung sinnvoll ist
Eine ärztliche Beurteilung ist angezeigt, wenn die Rötung über Monate bleibt, wenn Knoten oder Narben entstehen, wenn die Augen mitbeteiligt sind oder wenn eine begonnene Behandlung nach acht bis zwölf Wochen nichts bewirkt. Beide Erkrankungen lassen sich gut steuern, aber keine von beiden verschwindet von selbst dauerhaft. Rosacea gilt als chronisch, das Ziel ist ein ruhiger Hautzustand über lange Zeiträume.
Häufige Fragen
Kann ich Akne und Rosacea gleichzeitig haben?
Ja, das kommt vor, vor allem im mittleren Lebensalter. Dann finden sich Komedonen und gleichzeitig eine anhaltende Rötung der Gesichtsmitte. Die Behandlung wird in diesem Fall kombiniert und vorsichtig aufgebaut, weil die gereizte Haut weniger verträgt.
Hilft ein Aknemittel aus der Drogerie bei Rosacea?
Meist nicht. Produkte mit Alkohol, Peelingkörnern oder hohen Konzentrationen austrocknender Wirkstoffe reizen Rosacea-Haut zusätzlich und können einen Schub auslösen. Sinnvoller ist eine milde Basispflege, bis die Diagnose steht.
Verschwindet Rosacea wieder?
Rosacea verläuft chronisch und in Schüben. Mit passender Behandlung und dem Meiden persönlicher Auslöser lässt sich die Haut über lange Zeiträume ruhig halten. Erweiterte Äderchen und eine verdickte Nase bilden sich allerdings nicht von allein zurück.
Reicht ein Foto für die Unterscheidung?
Ein gutes Foto bei Tageslicht zeigt vieles, etwa Komedonen, Rötungsmuster und erweiterte Äderchen. Für die Beurteilung der Augen, für tastbare Knoten und für die Abgrenzung seltenerer Hauterkrankungen ersetzt es die Untersuchung vor Ort nicht.
Quellen
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie Rosazea, AWMF-Registernummer 013-065.
- Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie zur Therapie der Akne, AWMF-Registernummer 013-017.
- Tan J et al.: Updating the diagnosis, classification and assessment of rosacea, Empfehlungen des Global ROSacea COnsensus (ROSCO) Panels. British Journal of Dermatology 2017.
- van Zuuren EJ et al.: Interventions for rosacea. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015.
- Fachinformation Soolantra® 10 mg/g Creme (Ivermectin), Galderma.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob hinter einer Gesichtsrötung mit Papeln eine Rosacea, eine Akne oder eine andere Hauterkrankung steckt, klärt eine ärztliche Untersuchung. Bei plötzlicher starker Schwellung, Sehstörungen oder starken Augenschmerzen suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, in Notfällen wählen Sie die 112.
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