Was ist Propranolol?
Propranolol ist ein Betablocker und wurde in den 1960er Jahren entwickelt. Die Entwicklung wurde 1988 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Propranolol blockiert unselektiv sowohl Beta-1- als auch Beta-2-Rezeptoren.
Neben Bluthochdruck wird Propranolol bei zahlreichen weiteren Erkrankungen eingesetzt: Migräneprophylaxe, essentieller Tremor, Angststörungen mit körperlichen Symptomen (Lampenfieber), Hyperthyreose und infantile Hämangiome. Bekannte Präparate sind Propra-ratiopharm® und Obsidan®.
Da Propranolol nicht kardioselektiv ist, wird es bei reinem Bluthochdruck heute seltener verordnet als Bisoprolol oder Metoprolol. Seine Vielseitigkeit macht es aber weiterhin zu einem wichtigen Medikament.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Propranolol
Propranolol blockiert Beta-1- und Beta-2-Rezeptoren unselektiv:
Beta-1-Blockade (Herz):
- Senkt Herzfrequenz und Blutdruck
- Reduziert den Sauerstoffverbrauch des Herzens
- Hemmt die Renin-Freisetzung
Beta-2-Blockade (Lunge, Gefäße, Stoffwechsel):
- Kann Bronchien verengen (cave: Asthma)
- Kann periphere Durchblutung verschlechtern
- Beeinflusst Glukose- und Fettstoffwechsel
- Hemmt die Glykogenolyse in der Leber
Besondere Eigenschaften:
- Lipophil – gute Passage der Blut-Hirn-Schranke
- Zentrale Wirkung (Migräneprophylaxe, Tremorbehandlung, Angstlösung)
- Membranstabilisierende Wirkung
- Hemmt die Umwandlung von T4 zu T3 (nützlich bei Hyperthyreose)
Wirkungseintritt: Schneller Wirkungseintritt nach 1-2 Stunden. Halbwertszeit 3-6 Stunden, daher mehrmals tägliche Einnahme nötig (außer Retardform).
Für wen ist es geeignet?
Propranolol ist geeignet für:
- Erwachsene mit Bluthochdruck
- Migräneprophylaxe
- Essentieller Tremor
- Hyperthyreose (Symptomkontrolle)
- Situationsangst / Lampenfieber
- Angina pectoris
- Nach Herzinfarkt
Besonders geeignet bei:
- Migräne (gut belegt)
- Tremor
- Schilddrüsenüberfunktion
- Angst mit körperlichen Symptomen (Herzklopfen, Schwitzen, Zittern)
Nicht geeignet:
- Asthma bronchiale (strikt kontraindiziert!)
- Schwere COPD
- AV-Block II./III. Grades
- Schwere Bradykardie
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Prinzmetal-Angina
Verfügbare Dosierungen
Bluthochdruck:
- Startdosis: 40 mg zweimal täglich
- Übliche Dosis: 80-160 mg täglich (aufgeteilt auf 2-3 Gaben)
- Maximaldosis: 320 mg täglich
- Retardform: 80-160 mg einmal täglich
Migräneprophylaxe:
- 40-80 mg zweimal bis dreimal täglich
- Auftitrierung über 2-3 Wochen
Essentieller Tremor:
- 40 mg zwei- bis dreimal täglich
- Steigerung bis 120-240 mg täglich
Lampenfieber (situativ):
- 10-40 mg etwa 30-60 Minuten vor der Situation
Verfügbare Stärken:
- 10 mg, 40 mg, 80 mg Tabletten
- 80 mg, 160 mg Retardkapseln
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog sind 3 Packungsvarianten gelistet: 3 Stärken in einer Packungsgröße.
- Darreichungsform
- Filmtablette
- Stärken
- 10 mg, 40 mg, 80 mg
- Packungsgrößen
- 100 Stück
| Stärke | Packung | PZN |
|---|---|---|
| 10 mg | 100 Stück | 16146510 |
| 40 mg | 100 Stück | 02388801 |
| 80 mg | 100 Stück | 01030581 |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Einnahmehinweise
Einnahme (Normalform):
- Zwei- bis dreimal täglich
- Vor den Mahlzeiten (gleichmäßigere Aufnahme)
- Mit Wasser einnehmen
Einnahme (Retardform):
- Einmal täglich
- Kapseln nicht öffnen oder zerkauen
- Unabhängig von Mahlzeiten
Wichtige Hinweise:
- Niemals abrupt absetzen (langsam über 1-2 Wochen ausschleichen)
- Regelmäßige Puls- und Blutdruckkontrolle
- Bei Diabetikern: Blutzucker engmaschig kontrollieren
- Nicht bei Asthma einnehmen
- Anästhesisten vor Operationen informieren
Gegenanzeigen
Propranolol darf nicht eingenommen werden bei:
- Asthma bronchiale (strikt kontraindiziert!)
- Schwere COPD mit Bronchospastik
- AV-Block II./III. Grades
- Sick-Sinus-Syndrom
- Schwere Bradykardie (unter 50/min)
- Kardiogener Schock
- Schwere Hypotonie
- Unbehandeltes Phäochromozytom
- Metabolische Azidose
- Prinzmetal-Angina
- Schwere periphere Durchblutungsstörungen
Vorsicht bei:
- Diabetes mellitus (starke Maskierung von Hypoglykämie-Symptomen)
- Leichter COPD
- Psoriasis
- Myasthenia gravis
- Schwere Niereninsuffizienz
Schwangerschaft: Nur bei strenger Indikation. Kann zu neonataler Bradykardie und Hypoglykämie führen.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1-10%):
- Müdigkeit, Erschöpfung
- Kalte Hände und Füße (stärker als bei selektiven Betablockern)
- Bradykardie
- Magen-Darm-Beschwerden
- Schlafstörungen, lebhafte Träume
Gelegentlich (0,1-1%):
- Depressive Verstimmungen
- Potenzstörungen
- Bronchospasmus
- Schwindel
- Gewichtszunahme
- Verschlechterung des Glukose- und Fettstoffwechsels
Selten:
- Raynaud-Syndrom (weiße Finger)
- Halluzinationen
- Verschlechterung einer Psoriasis
- Alopezie (Haarausfall)
Wichtig: Da Propranolol auch Beta-2-Rezeptoren blockiert, treten Nebenwirkungen wie kalte Extremitäten, Bronchospasmus und Stoffwechselveränderungen häufiger auf als bei kardioselektiven Betablockern.
Wechselwirkungen
Kontraindiziert mit:
- Verapamil oder Diltiazem i.v.
- MAO-Hemmer (Ausnahme MAO-B-Hemmer)
Vorsicht bei:
- Insulin und orale Antidiabetika → starke Maskierung von Hypoglykämie
- Adrenalin → paradoxer Blutdruckanstieg und Bradykardie
- Clonidin → verstärkte Rebound-Hypertonie nach Absetzen von Clonidin (zuerst Propranolol langsam absetzen, Clonidin erst einige Tage später schrittweise reduzieren)
- Ergotaminpräparate → verstärkte Vasokonstriktion
- Rifampicin → beschleunigter Propranolol-Abbau
- Cimetidin → erhöhte Propranolol-Spiegel
- CYP1A2- und CYP2D6-Hemmer → erhöhte Spiegel
Nahrung: Proteinreiche Mahlzeiten können die Bioverfügbarkeit von Propranolol erhöhen. Grapefruitsaft kann die Spiegel ebenfalls leicht erhöhen.
Häufige Fragen
Ja, Propranolol ist bei Lampenfieber und Prüfungsangst wirksam. Es blockiert die körperlichen Angstsymptome wie Herzrasen, Zittern und Schwitzen. Üblicherweise werden 10-40 mg etwa 30-60 Minuten vor der belastenden Situation eingenommen. Die Wirkung auf die geistige Leistung ist minimal.
Propranolol ist nicht kardioselektiv und blockiert auch Beta-2-Rezeptoren, was zu mehr Nebenwirkungen führt (kalte Hände, Bronchospasmus, Stoffwechselveränderungen). Neuere, kardioselektive Betablocker wie Bisoprolol oder Metoprolol haben ein besseres Nebenwirkungsprofil.
Ja, Propranolol ist zur Migräneprophylaxe offiziell zugelassen. Es kann die Häufigkeit von Migräneattacken um 40-50% reduzieren. Die Wirkung tritt nach 4-6 Wochen regelmäßiger Einnahme ein. Die übliche Dosis liegt bei 80-240 mg täglich.
Propranolol blockiert auch die Beta-2-Rezeptoren in den Bronchien. Diese Rezeptoren halten die Atemwege offen. Eine Blockade kann bei Asthmatikern einen lebensbedrohlichen Bronchospasmus auslösen. Asthmatiker sollten nur kardioselektive Betablocker wie Bisoprolol in niedriger Dosis erhalten.
Ähnliche Medikamente
Passt Propranolol zu Ihnen?
Ein zugelassener Arzt prüft Ihre Angaben und stellt bei Eignung ein Rezept aus. Diskret und sicher.
Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





