Was ist Novothyral?
Novothyral ist ein Kombinationspräparat, das beide Schilddrüsenhormone enthält: Levothyroxin (T4) und Liothyronin (T3). Es wird zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) eingesetzt.
Die meisten Patienten kommen mit reinem T4 (L-Thyroxin) gut zurecht, da der Körper T4 in das aktivere T3 umwandelt. Einige Patienten berichten jedoch trotz normaler TSH-Werte über anhaltende Beschwerden wie Müdigkeit oder Konzentrationsstörungen. In diesen Fällen kann eine Kombinationstherapie mit T3 erwogen werden.
Novothyral wird von Merck hergestellt. Die Verordnung erfordert eine sorgfältige ärztliche Abwägung.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Levothyroxin (T4) / Liothyronin (T3)
Das Präparat enthält zwei Schilddrüsenhormone.
Levothyroxin (T4) ist die künstlich hergestellte Form des Hormons, das die Schilddrüse überwiegend bildet. Es wirkt als Speicherform: Der Körper wandelt es nach Bedarf in das aktive T3 um. Dadurch stellt sich ein gleichmäßiger Spiegel ein.
Liothyronin (T3) ist bereits die aktive Form. Es wirkt schneller, aber auch kürzer.
Die Kombination ist zur Behandlung einer Schilddrüsenunterfunktion zugelassen. In der Praxis kommt sie vor allem dann infrage, wenn unter reinem Levothyroxin Beschwerden bleiben, obwohl die Blutwerte stimmen. Ob das im Einzelfall zutrifft, entscheidet die ärztliche Prüfung anhand der Blutwerte.
Weil der T3-Anteil rascher anflutet, reagiert der Körper empfindlicher auf Dosisänderungen als bei einem reinen T4-Präparat. Schon kleine Abweichungen können Herzklopfen, Unruhe oder Schlafstörungen auslösen.
Für wen ist es geeignet?
Novothyral kann geeignet sein für:
- Patienten mit Hypothyreose, die unter reinem T4 weiterhin Symptome haben
- Nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung
- Bei nachgewiesener eingeschränkter T4-zu-T3-Umwandlung
Standardtherapie bleibt L-Thyroxin allein. Die Kombinationstherapie ist nicht für alle Patienten geeignet und wird von Fachgesellschaften nicht generell empfohlen.
Besondere Vorsicht und ärztliche Abklärung bei:
- Koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen mit schnellem Puls (schon eine leichte Überfunktion durch das Arzneimittel ist unbedingt zu vermeiden, die Schilddrüsenwerte werden häufiger kontrolliert)
- Älteren Patienten (Beginn mit niedriger Dosis, langsame Steigerung, mehr Levothyroxin und weniger Liothyronin als sonst üblich)
- Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko (engmaschige Kontrolle der Schilddrüsenwerte)
Verfügbare Dosierungen
Verfügbare Stärken:
- Novothyral 75: 75 mcg T4 + 15 mcg T3
- Novothyral 100: 100 mcg T4 + 20 mcg T3
Dosierung:
- Individuell nach TSH, fT3 und fT4
- Beginn mit der niedrigsten Dosis
- Engmaschige Laborkontrollen erforderlich
- Umstellung von L-Thyroxin auf Novothyral nur unter ärztlicher Aufsicht
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog ist eine Packungsvariante gelistet: eine Stärke in einer Packungsgröße.
- Darreichungsform
- Tablette
- Stärken
- 100/20 µg
- Packungsgrößen
- 100 Stück
| Stärke | Packung | PZN | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 100/20 µg | 100 Stück | 02560849 | 100 Tage |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Die Reichweite ist der im Katalog hinterlegte Wert für die übliche Dosierung. Wie lange eine Packung tatsächlich reicht, hängt von der ärztlich festgelegten Dosis ab.
Einnahmehinweise
- Einmal täglich morgens, nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit etwas Wasser.
- Der Abstand zur Mahlzeit ist wichtig: Nahrung, besonders Kaffee, Milch und Sojaprodukte, vermindert die Aufnahme.
- Die Dosis wird ärztlich festgelegt und langsam gesteigert — bei älteren Menschen und bei Herzerkrankungen besonders vorsichtig.
- Nicht eigenmächtig erhöhen oder absetzen. Auch wenn sich nichts zu ändern scheint: Die Wirkung baut sich über Wochen auf.
Abstände zu anderen Mitteln
- Mindestens zwei Stunden Abstand zu Mitteln mit Kalzium, Magnesium oder Eisen sowie zu Mitteln gegen Sodbrennen.
- Mindestens vier bis fünf Stunden Abstand zu Colestyramin und ähnlichen Mitteln.
Vergessene Einnahme: Fällt es am selben Morgen auf, kann die Tablette nachgeholt werden. Sonst am nächsten Tag normal weitermachen — nicht die doppelte Menge nehmen.
Kontrolle: Nach jeder Dosisänderung und nach einem Präparatewechsel gehören die Blutwerte kontrolliert, üblicherweise nach sechs bis acht Wochen.
Gegenanzeigen
Nicht anwenden bei:
- Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile.
- Unbehandelter Überfunktion der Schilddrüse.
- Unbehandelter Nebennierenrindenschwäche.
- Unbehandelter Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse mit Nebennierenbeteiligung.
- Frischem Herzinfarkt, akuter Herzmuskelentzündung, akuter Entzündung aller Schichten der Herzwand.
Ärztlich abzuklären vor der Anwendung: Koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, schwere oder lang bestehende Unterfunktion der Schilddrüse sowie höheres Lebensalter. In diesen Fällen wird besonders langsam eingestellt.
Nicht zur Gewichtsabnahme. Schilddrüsenhormone sind dafür nicht geeignet; bei normaler Schilddrüsenfunktion können höhere Dosen schwere, auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen.
Mögliche Nebenwirkungen
Bei richtig eingestellter Dosis sind Nebenwirkungen selten. Treten sie auf, sind es meist Zeichen einer zu hohen Dosis — der Körper reagiert dann wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion:
- Herzklopfen, schneller oder unregelmäßiger Puls
- Innere Unruhe, Nervosität, Zittern
- Schlafstörungen
- Vermehrtes Schwitzen, Wärmeempfindlichkeit
- Gewichtsabnahme trotz unveränderten Essens
- Durchfall
- Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe
- Bei Frauen: Zyklusstörungen
Solche Anzeichen gehören ärztlich abgeklärt; meist genügt eine Anpassung der Dosis.
Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut. Bei längerer Anwendung höherer Dosen kann die Knochendichte abnehmen.
Sofort ärztlich abklären lassen bei: anhaltendem Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Schmerzen in der Brust oder Atemnot.
Wechselwirkungen
Die Wirkung kann abgeschwächt werden durch:
- Mittel mit Kalzium, Magnesium oder Eisen sowie Mittel gegen Sodbrennen (Abstand einhalten)
- Colestyramin, Colestipol, Sevelamer
- Bestimmte Mittel gegen Epilepsie (Carbamazepin, Phenytoin), Rifampicin
- Sojahaltige Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel
Die Wirkung anderer Mittel kann sich ändern:
- Blutverdünnende Mittel vom Cumarin-Typ: Die Blutungsneigung kann steigen; die Gerinnungswerte sind zu kontrollieren.
- Zuckersenkende Mittel und Insulin: Der Bedarf kann sich ändern; der Blutzucker ist engmaschiger zu kontrollieren.
- Herzglykoside: Die Wirkung kann nachlassen.
Weiteres: Amiodaron, jodhaltige Kontrastmittel und Lithium beeinflussen die Schilddrüsenfunktion. Östrogenhaltige Präparate können den Bedarf erhöhen.
Bitte alle eingenommenen Arzneimittel angeben, auch nicht verschreibungspflichtige.
Häufige Fragen
Wenn trotz normaler TSH-Werte unter L-Thyroxin-Monotherapie Symptome wie Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Stimmungsschwankungen bestehen bleiben. Die Entscheidung trifft der Endokrinologe nach sorgfältiger Diagnostik.
Nicht grundsätzlich. L-Thyroxin ist die Standardtherapie und für die meisten Patienten ausreichend. Novothyral kann bei ausgewählten Patienten hilfreich sein, hat aber durch den T3-Anteil mehr kardiovaskuläre Risiken.
Fachgesellschaften empfehlen in der Regel reines T4 als Standardtherapie. T3 hat eine kurze Halbwertszeit, was zu Schwankungen im Hormonspiegel führen kann. Die Datenlage zur Überlegenheit der Kombination ist nicht eindeutig.
Quellen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





