Was ist L-Thyroxin?
L-Thyroxin (Levothyroxin) ist ein Medikament zur Behandlung der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Es enthält synthetisches Thyroxin (T4), das dem körpereigenen Schilddrüsenhormon entspricht.
Bei einer Hypothyreose produziert die Schilddrüse zu wenig Hormone. L-Thyroxin ersetzt das fehlende Hormon und normalisiert den Stoffwechsel. Es wird in der Regel lebenslang eingenommen.
L-Thyroxin ist unter zahlreichen Markennamen erhältlich, darunter L-Thyroxin Henning®, L-Thyrox® HEXAL®, Euthyrox®, Eferox® und Levothyroxin Abdi. Die Präparate unterscheiden sich in Hilfsstoffen und können nicht beliebig ausgetauscht werden.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Levothyroxin-Natrium (T4)
Levothyroxin ist die künstlich hergestellte Form von Thyroxin (T4) — des Hormons, das die Schilddrüse überwiegend bildet. Der Körper kann es nicht von dem körpereigenen Hormon unterscheiden.
T4 ist eine Speicherform. Der Körper wandelt es nach Bedarf in das aktive T3 um, und zwar dort, wo es gebraucht wird. Dadurch stellt sich ein gleichmäßiger Hormonspiegel ein, der über den Tag kaum schwankt.
Schilddrüsenhormone steuern den Stoffwechsel: Wärmeproduktion, Herzfrequenz, Verdauung, Konzentration, Stimmung. Bei einer Unterfunktion laufen diese Vorgänge verlangsamt ab — Müdigkeit, Frieren, Gewichtszunahme, Antriebslosigkeit sind typisch. Die Behandlung ersetzt das fehlende Hormon.
Der Wirkstoff hat eine enge therapeutische Breite: Schon kleine Unterschiede in der aufgenommenen Menge können Blutwert und Befinden verschieben. Deshalb ist die genaue Dosis wichtig, und deshalb ist ein Präparatewechsel kein reiner Verwaltungsvorgang.
Für wen ist es geeignet?
L-Thyroxin ist geeignet für:
- Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) jeder Ursache
- Hashimoto-Thyreoiditis
- Nach Schilddrüsenoperation (teilweise oder vollständig)
- Nach Radiojodtherapie
- Strumaprophylaxe (Kropfvorbeugung)
- Suppressionstherapie bei Schilddrüsenkarzinom
- Angeborene Hypothyreose
Die häufigste Ursache in Deutschland: Hashimoto-Thyreoiditis – eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift.
Verfügbare Dosierungen
Verfügbare Stärken:
- 25, 50, 75, 88, 100, 112, 125, 137, 150, 175, 200 mcg
Dosierung:
- Sehr individuell – richtet sich nach TSH-Wert, Alter, Gewicht und Begleiterkrankungen
- Startdosis bei Erwachsenen: meist 25-50 mcg/Tag
- Steigerung alle 4-6 Wochen um 25 mcg
- Übliche Erhaltungsdosis: 75-150 mcg/Tag
- Bei älteren Patienten/Herzerkrankungen: vorsichtiger beginnen (12,5-25 mcg)
TSH-Zielwert: Meist 0,4-2,5 mU/l (individuell festlegen).
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog sind 4 Packungsvarianten gelistet: 4 Stärken in 2 Packungsgrößen. Die Packungen reichen von 50 bis 100 Stück.
- Darreichungsform
- Tablette
- Stärken
- 75 µg, 100 µg, 125 µg, 150 µg
- Packungsgrößen
- 100 Stück, 50 Stück
| Stärke | Packung | PZN | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 75 µg | 100 Stück | 02532741 | 100 Tage |
| 100 µg | 50 Stück | 06488787 | 50 Tage |
| 125 µg | 100 Stück | 02532801 | 100 Tage |
| 150 µg | 100 Stück | 02532830 | 100 Tage |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Die Reichweite ist der im Katalog hinterlegte Wert für die übliche Dosierung. Wie lange eine Packung tatsächlich reicht, hängt von der ärztlich festgelegten Dosis ab.
Einnahmehinweise
- Einmal täglich morgens, nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser.
- Der Abstand zur Mahlzeit ist entscheidend. Kaffee, Milch, Sojaprodukte und ballaststoffreiche Nahrung vermindern die Aufnahme deutlich.
- Die Dosis wird ärztlich festgelegt und meist einschleichend gesteigert.
- Nicht eigenmächtig ändern oder absetzen. Die Wirkung baut sich über Wochen auf.
Abstände zu anderen Mitteln
- Mindestens zwei Stunden zu Mitteln mit Kalzium, Magnesium oder Eisen sowie zu Mitteln gegen Sodbrennen.
- Mindestens vier bis fünf Stunden zu Colestyramin und ähnlichen Mitteln.
Vergessene Einnahme: Fällt es am selben Vormittag auf, kann die Tablette nachgeholt werden. Sonst am nächsten Tag normal weitermachen — nicht die doppelte Menge nehmen.
Nach einem Präparatewechsel gehören die Blutwerte kontrolliert, üblicherweise nach sechs bis acht Wochen. Das gilt auch beim Wechsel zwischen Präparaten mit gleicher Wirkstoffmenge.
Gegenanzeigen
Nicht anwenden bei:
- Überempfindlichkeit gegen Levothyroxin oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Unbehandelter Überfunktion der Schilddrüse.
- Unbehandelter Nebennierenrindenschwäche.
- Unbehandelter Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse mit Nebennierenbeteiligung.
- Frischem Herzinfarkt, akuter Herzmuskelentzündung, akuter Entzündung aller Schichten der Herzwand.
Ärztlich abzuklären vor der Anwendung: Koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, höheres Lebensalter sowie eine länger bestehende Unterfunktion. In diesen Fällen wird mit einer niedrigen Dosis begonnen und langsam gesteigert.
In der Schwangerschaft wird die Behandlung fortgeführt; der Bedarf steigt oft. Die Blutwerte sind engmaschiger zu kontrollieren. Nicht zusammen mit Mitteln gegen eine Schilddrüsenüberfunktion anwenden.
Nicht zur Gewichtsabnahme. Bei normaler Schilddrüsenfunktion können höhere Dosen schwere, auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen.
Mögliche Nebenwirkungen
Bei richtig eingestellter Dosis sind Nebenwirkungen selten. Treten sie auf, sind es meist Zeichen einer zu hohen Dosis:
- Herzklopfen, schneller oder unregelmäßiger Puls
- Innere Unruhe, Nervosität, Zittern
- Schlafstörungen
- Vermehrtes Schwitzen, Wärmeempfindlichkeit
- Gewichtsabnahme trotz unveränderten Essens
- Durchfall
- Kopfschmerzen, Muskelschwäche, Muskelkrämpfe
- Bei Frauen: Zyklusstörungen
Solche Anzeichen gehören ärztlich abgeklärt; meist genügt eine Anpassung der Dosis.
Selten: Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, etwa Ausschlag oder Nesselsucht. Bei längerer Anwendung höherer Dosen kann die Knochendichte abnehmen.
Sofort ärztlich abklären lassen bei: anhaltendem Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Schmerzen in der Brust oder Atemnot.
Wechselwirkungen
Die Aufnahme wird vermindert durch:
- Mittel mit Kalzium, Magnesium oder Eisen; Mittel gegen Sodbrennen
- Säureblocker (Protonenpumpenhemmer wie Pantoprazol oder Omeprazol) — sie verändern den pH-Wert im Magen; bei Beginn oder Ende einer solchen Behandlung gehören die Schilddrüsenwerte kontrolliert
- Colestyramin, Colestipol, Sevelamer, Lanthancarbonat
- Sucralfat, Orlistat
- Sojahaltige Nahrung und Nahrungsergänzungsmittel
- Kaffee, wenn er zu nah an der Einnahme getrunken wird
Die Aufnahme wird erhöht durch:
- Semaglutid: Die gleichzeitige Anwendung kann die aufgenommene Menge beeinflussen. Nach einer Einzeldosis Semaglutid zum Einnehmen stieg sie um rund ein Drittel. Wer beides bekommt, braucht engmaschigere Kontrollen der Schilddrüsenwerte und gegebenenfalls eine Anpassung der Dosis.
Den Abbau beschleunigen: Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin.
Die Wirkung anderer Mittel kann sich ändern:
- Blutverdünnende Mittel vom Cumarin-Typ: Die Blutungsneigung kann steigen; die Gerinnungswerte sind zu kontrollieren.
- Zuckersenkende Mittel und Insulin: Der Bedarf kann sich ändern; besonders zu Beginn der Behandlung ist der Blutzucker engmaschiger zu kontrollieren.
Weiteres: Amiodaron, jodhaltige Kontrastmittel und Lithium beeinflussen die Schilddrüsenfunktion. Östrogenhaltige Präparate können den Bedarf erhöhen. Salicylate und hohe Dosen Furosemid können die Hormonwerte im Blut verschieben. Bestimmte Krebsmittel (Tyrosinkinase-Hemmer) und HIV-Mittel (Protease-Hemmer) können die Wirkung abschwächen.
Vor einer Blutabnahme: Biotin — in vielen Nahrungsergänzungsmitteln für Haut und Haare enthalten — kann die Messung der Schilddrüsenwerte verfälschen. Bitte vorher angeben, falls Sie Biotin einnehmen.
Bitte alle eingenommenen Arzneimittel angeben, auch nicht verschreibungspflichtige.
Häufige Fragen
Bei den meisten Formen der Hypothyreose (z. B. Hashimoto) ist eine lebenslange Einnahme erforderlich. Nach einer Schilddrüsenoperation ebenfalls. In seltenen Fällen (z. B. vorübergehende Schilddrüsenentzündung) kann ein Absetzversuch möglich sein.
Kaffee reduziert die Aufnahme von L-Thyroxin aus dem Darm erheblich. Warten Sie mindestens 30 Minuten nach der Einnahme, bevor Sie Kaffee trinken. Ideal ist eine Stunde Abstand.
L-Thyroxin-Präparate verschiedener Hersteller können sich in der Bioverfügbarkeit leicht unterscheiden. Ein Wechsel sollte nur in Absprache mit dem Arzt erfolgen, und der TSH-Wert sollte 6-8 Wochen danach kontrolliert werden.
Der TSH-Wert im Blut ist der wichtigste Parameter. Er sollte regelmäßig kontrolliert werden. Achten Sie auch auf Symptome: Bei Müdigkeit und Kälteempfindlichkeit kann die Dosis zu niedrig sein, bei Herzrasen und Unruhe zu hoch.
Quellen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





