Was ist Jodthyrox?
Jodthyrox ist ein Kombinationspräparat, das Levothyroxin (Schilddrüsenhormon T4) und Kaliumjodid (Jod) enthält. Es wird zur Behandlung eines Kropfes durch Jodmangel eingesetzt.
Deutschland gilt als Jodmangelgebiet. Jod ist ein essenzieller Baustein für die Produktion der Schilddrüsenhormone T3 und T4. Wenn die Schilddrüse zu wenig Jod erhält, kann sie nicht ausreichend Hormone produzieren.
Jodthyrox kombiniert die direkte Hormonsubstitution (Levothyroxin) mit der Jodversorgung (Kaliumjodid) in einer Tablette.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Levothyroxin-Natrium (T4) / Kaliumjodid
Das Präparat enthält zwei Bestandteile.
Levothyroxin (T4) ist die künstlich hergestellte Form des Hormons, das die Schilddrüse überwiegend bildet. Der Körper wandelt es nach Bedarf in das aktive T3 um. Es ersetzt fehlendes Schilddrüsenhormon.
Jodid ist der Baustein, aus dem die Schilddrüse ihre Hormone selbst herstellt. Fehlt Jod, kann sie nicht genug produzieren und wächst — es entsteht ein Kropf.
Die Kombination ist für die Behandlung des einfachen Kropfes ohne Funktionsstörung gedacht, wenn neben dem Hormon eine zusätzliche Jodgabe sinnvoll ist — und zur Vorbeugung eines erneuten Kropfes nach einer Operation. Das Hormon nimmt der Schilddrüse Arbeit ab und bremst so den Wachstumsreiz, während das Jodid den Mangel ausgleicht.
Die Behandlung ist in der Regel auf ein bis zwei Jahre angelegt. Danach wird meist mit Jodid allein weitergeführt, sofern die Ernährung nicht genug Jod liefert.
Ob diese Kombination im Einzelfall passt, entscheidet die ärztliche Prüfung anhand der Blutwerte und einer Untersuchung der Schilddrüse. Bei einer Schilddrüsenautonomie kann zusätzliches Jod eine Überfunktion auslösen — deshalb gehört das vorher abgeklärt.
Für wen ist es geeignet?
Jodthyrox ist geeignet für:
- Struma (Schilddrüsenvergrößerung) durch Jodmangel
- Strumaprophylaxe nach Schilddrüsenoperation (Teilresektion)
- Euthyreote Struma (vergrößerte Schilddrüse bei normaler Funktion)
Nicht geeignet bei:
- Hashimoto-Thyreoiditis (Jod kann die Autoimmunreaktion verschlimmern!)
- Schilddrüsenüberfunktion
- Schilddrüsenautonomie (heiße Knoten)
- Jodallergie
Verfügbare Dosierungen
Verfügbare Stärke:
- 100 mcg Levothyroxin + 131 mcg Kaliumjodid (entspricht 100 mcg Jod)
Dosierung:
- In der Regel 1 Tablette täglich
- Dosisanpassung über Kombination mit zusätzlichem L-Thyroxin möglich
- Individuelle Einstellung nach TSH-Wert
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog ist eine Packungsvariante gelistet: eine Stärke in einer Packungsgröße.
- Darreichungsform
- Tablette
- Stärken
- 100/130,8 µg
- Packungsgrößen
- 100 Stück
| Stärke | Packung | PZN | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 100/130,8 µg | 100 Stück | 03021333 | 100 Tage |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Die Reichweite ist der im Katalog hinterlegte Wert für die übliche Dosierung. Wie lange eine Packung tatsächlich reicht, hängt von der ärztlich festgelegten Dosis ab.
Einnahmehinweise
- Einmal täglich morgens, nüchtern, mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser.
- Der Abstand zur Mahlzeit ist wichtig: Nahrung, besonders Kaffee, Milch und Sojaprodukte, vermindert die Aufnahme.
- Die Dosis wird ärztlich festgelegt und langsam gesteigert.
- Nicht eigenmächtig ändern oder absetzen. Die Wirkung baut sich über Wochen auf.
Abstände zu anderen Mitteln
- Mindestens zwei Stunden zu Mitteln mit Kalzium, Magnesium oder Eisen sowie zu Mitteln gegen Sodbrennen.
- Mindestens vier bis fünf Stunden zu Colestyramin und ähnlichen Mitteln.
Vor Untersuchungen der Schilddrüse — Szintigrafie, Radiojodtest oder -behandlung — sowie vor Untersuchungen mit jodhaltigem Kontrastmittel muss das Präparat rechtzeitig abgesetzt werden. Der Zeitpunkt gehört ärztlich festgelegt.
Kontrolle: Nach jeder Dosisänderung gehören die Blutwerte kontrolliert, üblicherweise nach sechs bis acht Wochen.
Gegenanzeigen
Nicht anwenden bei:
- Überempfindlichkeit gegen einen der Bestandteile.
- Überfunktion der Schilddrüse jeglicher Herkunft — auch einer noch nicht spürbaren (latenten).
- Schilddrüsenautonomie, ob umschrieben oder verteilt — auch bei kleinen autonomen Bezirken kann zusätzliches Jod eine Überfunktion auslösen.
- Unbehandelter Nebennierenrindenschwäche.
- Unbehandelter Funktionsstörung der Hirnanhangsdrüse mit Nebennierenbeteiligung.
- Frischem Herzinfarkt, akuter Herzmuskelentzündung, akuter Entzündung aller Schichten der Herzwand.
- Dermatitis herpetiformis Duhring.
- Einer bestimmten Gefäßentzündung (hypokomplementämische Vaskulitis).
Ärztlich abzuklären: koronare Herzkrankheit, Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, höheres Lebensalter, Nierenerkrankungen sowie eine geplante Untersuchung oder Behandlung der Schilddrüse.
Nicht zur Gewichtsabnahme. Bei normaler Schilddrüsenfunktion können höhere Dosen schwere, auch lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen.
Mögliche Nebenwirkungen
Bei richtig eingestellter Dosis sind Nebenwirkungen selten. Treten sie auf, sind es meist Zeichen einer zu hohen Hormondosis — der Körper reagiert wie bei einer Überfunktion:
- Herzklopfen, schneller oder unregelmäßiger Puls
- Innere Unruhe, Nervosität, Zittern
- Schlafstörungen
- Vermehrtes Schwitzen, Wärmeempfindlichkeit
- Gewichtsabnahme trotz unveränderten Essens
- Durchfall
- Kopfschmerzen, Muskelschwäche
Durch den Jodanteil zusätzlich möglich
- Bei Jodüberempfindlichkeit: Fieber, Hautausschlag, Juckreiz, Brennen in den Augen, Reizhusten, Durchfall, Kopfschmerzen — dann die Einnahme beenden und ärztlich abklären lassen
- Bei zu hoher Jodzufuhr: metallischer Geschmack, Reizung der Schleimhäute (Schnupfen, Bindehautentzündung), akneartige Hautveränderungen
- Auslösung einer Schilddrüsenüberfunktion, besonders bei vorbestehender Autonomie oder bei älteren Menschen mit Knotenkropf
Sofort ärztlich abklären lassen bei: anhaltendem Herzrasen, Herzrhythmusstörungen, Schwellung im Gesicht oder Rachen, Atemnot.
Wechselwirkungen
Die Aufnahme des Hormons wird vermindert durch: Mittel mit Kalzium, Magnesium oder Eisen, Mittel gegen Sodbrennen, Säureblocker (Protonenpumpenhemmer), Colestyramin, Colestipol, Sevelamer, Sucralfat, Orlistat, Kaffee zu nah an der Einnahme sowie sojahaltige Nahrung. Semaglutid (Abnehmspritze) erhöht die Aufnahme um rund ein Drittel — bei gleichzeitiger Behandlung sind die Werte engmaschiger zu kontrollieren.
Den Abbau beschleunigen: Carbamazepin, Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin.
Wegen des Jodanteils zusätzlich zu beachten:
- Mittel gegen Schilddrüsenüberfunktion (Thiamazol, Carbimazol, Propylthiouracil): Jod kann ihre Wirkung abschwächen.
- Lithium: kann zusammen mit Jod eine Unterfunktion und eine Schilddrüsenvergrößerung begünstigen.
- Kaliumsparende entwässernde Mittel: Der Kaliumspiegel kann steigen.
- Jodhaltige Kontrastmittel und jodhaltige Desinfektionsmittel erhöhen die Jodzufuhr zusätzlich.
Die Wirkung anderer Mittel kann sich ändern:
- Blutverdünnende Mittel vom Cumarin-Typ: Blutungsneigung kann steigen.
- Zuckersenkende Mittel und Insulin: Der Bedarf kann sich ändern.
Bitte alle eingenommenen Arzneimittel angeben, auch nicht verschreibungspflichtige und Nahrungsergänzungsmittel — viele enthalten Jod. Biotin in Nahrungsergänzungsmitteln kann die Messung der Schilddrüsenwerte verfälschen; vor einer Blutabnahme angeben.
Häufige Fragen
Das ist grundsätzlich möglich. Die Kombinationstablette vereinfacht die Einnahme.
Nein, bei Hashimoto-Thyreoiditis wird von zusätzlichem Jod abgeraten, da es die Autoimmunreaktion verstärken kann. Für Hashimoto-Patienten ist reines L-Thyroxin ohne Jodzusatz geeignet.
Ja, Deutschland gehört zu den Jodmangelgebieten. Obwohl die Versorgung durch jodiertes Speisesalz verbessert wurde, erreichen viele Menschen nicht die empfohlene tägliche Jodzufuhr. Dies kann zu Schilddrüsenvergrößerung und -unterfunktion beitragen.
Quellen
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





