Was ist Spironolacton?
Spironolacton ist ein Aldosteronantagonist und kaliumsparendes Diuretikum. Es hemmt die Wirkung des Hormons Aldosteron, das für die Wasser- und Salzretention verantwortlich ist. Im Gegensatz zu Furosemid und Torasemid führt Spironolacton nicht zu Kaliumverlust, sondern spart Kalium ein.
Die RALES-Studie hat gezeigt, dass niedrig dosiertes Spironolacton bei schwerer Herzinsuffizienz die Sterblichkeit um 30% senkt – ein bahnbrechendes Ergebnis. Spironolacton wird bei Herzinsuffizienz, therapieresistentem Bluthochdruck, Leberzirrhose mit Aszites und primärem Hyperaldosteronismus eingesetzt.
Spironolacton hat auch antiandrogene Eigenschaften, was bei Frauen außerhalb der Zulassung zur Behandlung von hormoneller Akne und Hirsutismus genutzt wird, bei Männern aber zu Gynäkomastie (Brustvergrößerung) führen kann.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Spironolacton
Spironolacton blockiert den Mineralokortikoidrezeptor (Aldosteronrezeptor):
Wirkmechanismus:
- Kompetitive Hemmung von Aldosteron am Mineralokortikoidrezeptor
- Aldosteron kann keine Natrium-Rückresorption und Kalium-Sekretion mehr auslösen
- Natrium und Wasser werden ausgeschieden
- Kalium wird eingespart (kaliumsparendes Diuretikum)
Bei Herzinsuffizienz:
- Verhindert die schädliche Wirkung von Aldosteron auf das Herz
- Reduziert kardiale Fibrose (Vernarbung)
- Verbessert die Endothelfunktion
- Senkt die Sterblichkeit um 30% (RALES-Studie)
Antiandrogene Wirkung:
- Blockiert Androgenrezeptoren
- Hemmt die Testosteronproduktion
- Kann bei Frauen: Akne und Hirsutismus verbessern (Anwendung außerhalb der Zulassung)
- Kann bei Männern: Gynäkomastie und Potenzstörungen verursachen
Wirkungseintritt: Langsamer Wirkungseintritt über 2-3 Tage. Volle Wirkung erst nach 1-2 Wochen. Lange Wirkdauer durch aktiven Metaboliten Canrenon (Halbwertszeit 16-20 Stunden).
Für wen ist es geeignet?
Spironolacton ist geeignet für:
- Chronische Herzinsuffizienz (NYHA III-IV, als Zusatztherapie)
- Therapieresistenter Bluthochdruck (als 4. Medikament)
- Primärer Hyperaldosteronismus (Conn-Syndrom)
- Leberzirrhose mit Aszites und Ödemen
- Hypokaliämie durch andere Diuretika
Besonders empfohlen bei:
- Schwere Herzinsuffizienz
- Bluthochdruck, der auf 3 Medikamente nicht anspricht
- Conn-Syndrom (Aldosteron-produzierendes Adenom)
- Leberzirrhose mit Aszites
Nicht geeignet:
- Schwere Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min)
- Schwere Hyperkaliämie
- Morbus Addison
- Anurie
- Gleichzeitig mit Eplerenon
Verfügbare Dosierungen
Herzinsuffizienz:
- 25-50 mg einmal täglich
- Bei Kalium unter 5,0 mmol/l: 25 mg
- Bei Kalium über 5,5 mmol/l: Dosis reduzieren oder pausieren
Therapieresistenter Bluthochdruck:
- 25-50 mg einmal täglich
Leberzirrhose mit Aszites:
- Startdosis: 100 mg täglich
- Steigerung bis 400 mg täglich möglich
- In Kombination mit Furosemid (Verhältnis 100:40)
Primärer Hyperaldosteronismus:
- 100-400 mg täglich
Verfügbare Stärken:
- 25 mg, 50 mg, 100 mg Tabletten
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog sind 2 Packungsvarianten gelistet: 2 Stärken in 2 Packungsgrößen. Die Packungen reichen von 50 bis 100 Stück.
- Darreichungsform
- Filmtablette
- Stärken
- 25 mg, 50 mg
- Packungsgrößen
- 50 Stück, 100 Stück
| Stärke | Packung | PZN | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 25 mg | 50 Stück | 02475003 | 50 Tage |
| 50 mg | 100 Stück | 03574115 | 100 Tage |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Die Reichweite ist der im Katalog hinterlegte Wert für die übliche Dosierung. Wie lange eine Packung tatsächlich reicht, hängt von der ärztlich festgelegten Dosis ab.
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal täglich, vorzugsweise morgens oder mittags
- Zu oder nach den Mahlzeiten (verbesserte Aufnahme)
- Mit ausreichend Wasser
Wichtige Hinweise:
- Engmaschige Kaliumkontrollen (Kalium kann gefährlich ansteigen!)
- Keine Kalium-Ergänzungsmittel ohne ärztliche Anweisung
- Keine kaliumhaltigen Salzersatzmittel
- Nierenwerte regelmäßig kontrollieren
- Bei Kalium über 5,5 mmol/l: sofort Arzt kontaktieren
Monitoring:
- Kalium und Kreatinin: nach 1 Woche, 4 Wochen, dann alle 3 Monate
- Bei Herzinsuffizienz: engmaschigere Kontrollen
Gegenanzeigen
Spironolacton darf nicht eingenommen werden bei:
- Schwere Hyperkaliämie (über 5,5 mmol/l)
- Schwere Niereninsuffizienz (GFR unter 30 ml/min)
- Morbus Addison (Nebenniereninsuffizienz)
- Anurie
- Gleichzeitig mit Eplerenon
- Überempfindlichkeit gegen Spironolacton
Vorsicht bei:
- Mäßige Niereninsuffizienz (engmaschige Kaliumkontrollen)
- Gleichzeitige Einnahme von ACE-Hemmern/Sartanen (Hyperkaliämie-Risiko!)
- Diabetes mellitus (Hyperkaliämie-Risiko erhöht)
- Gleichzeitige NSAR-Einnahme
- Ältere Patienten
Schwangerschaft und Stillzeit: Kontraindiziert in der gesamten Schwangerschaft und in der Stillzeit. Die antiandrogene Wirkung kann die Entwicklung männlicher Feten stören.
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1-10%):
- Hyperkaliämie (wichtigste Nebenwirkung!)
- Gynäkomastie bei Männern (dosisabhängig, bis 10%)
- Brustspannen und -empfindlichkeit
- Magen-Darm-Beschwerden
- Müdigkeit, Schläfrigkeit
- Kopfschmerzen
Gelegentlich (0,1-1%):
- Menstruationsstörungen bei Frauen
- Stimmungsveränderungen bei Frauen
- Potenzstörungen bei Männern
- Hautausschlag
- Übelkeit, Erbrechen
- Muskelkrämpfe
Selten:
- Schwere Hyperkaliämie (lebensbedrohlich!)
- Hyponatriämie
- Metabolische Azidose
- Leberwerterhöhungen
- Blutbildveränderungen
Gynäkomastie: Die Brustvergrößerung bei Männern ist dosisabhängig und reversibel nach Absetzen. Alternative bei Unverträglichkeit: Eplerenon (selektiver, weniger antiandrogen).
Wechselwirkungen
Gefährliche Kombinationen (Hyperkaliämie-Risiko!):
- ACE-Hemmer und Sartane → engmaschige Kaliumkontrollen!
- Kalium-Ergänzungsmittel → kontraindiziert
- Andere kaliumsparende Diuretika (Triamteren, Amilorid) → kontraindiziert
- Eplerenon → kontraindiziert
- Trimethoprim → verstärkte Hyperkaliämie
Vorsicht bei:
- NSAR → verminderte Diurese, Hyperkaliämie
- Lithium → erhöhte Lithiumspiegel
- Digoxin → erhöhte Digoxin-Spiegel
- Antihypertensiva → verstärkte Blutdrucksenkung
Wichtig: Die Kombination von Spironolacton mit ACE-Hemmern/Sartanen ist bei Herzinsuffizienz Standard, erfordert aber engmaschige Kaliumkontrollen. Das Risiko einer schweren Hyperkaliämie ist real!
Häufige Fragen
Die RALES-Studie zeigte, dass niedrig dosiertes Spironolacton (25 mg) bei schwerer Herzinsuffizienz die Sterblichkeit um 30% senkt. Es verhindert die schädliche Wirkung von Aldosteron auf das Herz und reduziert die kardiale Fibrose. Heute ist es fester Bestandteil der Herzinsuffizienz-Therapie.
Spironolacton hat eine antiandrogene Wirkung und blockiert Androgenrezeptoren. Bei Männern kann dies zu einer reversiblen Brustvergrößerung (Gynäkomastie) und Brustschmerzen führen. Die Alternative Eplerenon verursacht diese Nebenwirkung deutlich seltener.
Sehr gefährlich! Ein Kaliumspiegel über 6,0 mmol/l kann zu schweren Herzrhythmusstörungen bis hin zum Herzstillstand führen. Deshalb sind regelmäßige Blutkontrollen unter Spironolacton Pflicht. Vermeiden Sie Kalium-Ergänzungsmittel und kaliumhaltige Salzersatzmittel.
Beide sind Aldosteronantagonisten. Eplerenon ist selektiver und verursacht deutlich weniger Gynäkomastie und Potenzstörungen. Eplerenon wird bevorzugt, wenn Spironolacton wegen antiandrogener Nebenwirkungen nicht vertragen wird.
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.





