Bei Regelschmerzen wirkt grundsätzlich jede Kombinationspille, bei sehr starken Blutungen gibt es zwei eigens dafür zugelassene Wege, bei Akne und vermehrter Behaarung ein antiandrogen wirkendes Gestagen. Wer kein Östrogen erhalten darf, kommt für eine reine Gestagenpille infrage. Die Wahl richtet sich also nach dem Beschwerdebild und nach Ihren Risikofaktoren, nicht nach dem Bekanntheitsgrad eines Präparats.
Woran sich Pillen überhaupt unterscheiden
Auf dem Markt sind Dutzende Präparate, die sich in drei Punkten unterscheiden: im Östrogen, im Gestagen und im Einnahmeschema. Diese drei Stellschrauben erklären, warum eine Pille bei Akne sinnvoll sein kann und eine andere bei starken Blutungen.
Das Östrogen
Die meisten Kombinationspillen enthalten Ethinylestradiol, üblich sind heute 20 oder 30 Mikrogramm pro Tablette. Daneben gibt es Präparate mit körpereigenem Estradiol, etwa als Estradiolvalerat oder als Estradiol in Kombination mit Nomegestrolacetat. Das Östrogen stabilisiert die Gebärmutterschleimhaut und bestimmt mit, wie regelmäßig die Blutung ausfällt. Reine Gestagenpillen kommen ohne Östrogen aus.
Das Gestagen
Der zweite Bestandteil macht den größeren Unterschied. Gestagene wirken nicht gleich: Manche haben eine antiandrogene Komponente, dämpfen also die Wirkung männlicher Geschlechtshormone an Haut und Haarfollikeln. Andere haben das nicht. Vom Gestagen hängt außerdem das Thromboserisiko ab, das je nach Wirkstoff unterschiedlich hoch liegt. Am niedrigsten liegt es bei Levonorgestrel, Norgestimat und Norethisteron, die der Rote-Hand-Brief von 2021 auf derselben Stufe führt. Deshalb steht bei einer Erstanwendung häufig Levonorgestrel am Anfang. Für Chlormadinonacetat und für Nomegestrolacetat mit Estradiol ist das Risiko dort ausdrücklich noch nicht bewertet.
| Gestagen | Besonderheit | Häufig eingesetzt bei |
|---|---|---|
| Levonorgestrel | keine antiandrogene Wirkung, niedrigstes Thromboserisiko, gemeinsam mit Norgestimat und Norethisteron | Erstanwendung, reine Verhütung, Regelschmerzen |
| Dienogest | antiandrogen | Akne, unreine Haut, vermehrte Körperbehaarung |
| Chlormadinonacetat | antiandrogen, Thromboserisiko noch nicht abschließend bewertet | Akne, unreine Haut |
| Drospirenon | antiandrogen, schwach wassertreibend | Akne, zyklisches Spannungsgefühl |
| Desogestrel, Gestoden | ohne ausgeprägte antiandrogene Wirkung | reine Verhütung, auch als Gestagenpille ohne Östrogen |
| Nomegestrolacetat | mit körpereigenem Estradiol kombiniert, Thromboserisiko noch nicht abschließend bewertet | Verhütung bei Wunsch nach Estradiol statt Ethinylestradiol |
Das Schema
Klassisch werden 21 Tabletten genommen, danach folgt eine siebentägige Pause mit Abbruchblutung. Verbreitet sind auch Schemata mit 24 Wirktabletten und vier Tagen Pause oder Placebo, weil die kürzere Pause den Hormonspiegel gleichmäßiger hält. Beim Langzyklus wird die Pause seltener eingelegt, sodass weniger Blutungen auftreten. Dafür gibt es eigens zugelassene Präparate. Ob eine durchgehende Einnahme mit Ihrem Präparat vorgesehen ist, steht in der Gebrauchsinformation und gehört ärztlich besprochen. Eine Übersicht über die Unterschiede zwischen Kombinationspille und reiner Gestagenpille finden Sie in unserem Vergleich beider Pillenarten.
Regelschmerzen und sehr starke Blutungen
Beides sind die häufigsten Gründe, aus denen eine Pille nicht nur zur Verhütung genommen wird. Die Ansätze unterscheiden sich aber deutlich.
Schmerzen
Regelschmerzen entstehen durch Prostaglandine, die die Gebärmuttermuskulatur zusammenziehen. Eine Kombinationspille baut die Schleimhaut schwächer auf, dadurch entstehen weniger Prostaglandine und die Blutung fällt schwächer und schmerzärmer aus. Dieser Effekt ist nicht an ein bestimmtes Gestagen gebunden, sodass hier auch ein Präparat mit Levonorgestrel infrage kommt. Wenn die Schmerzen vor allem in den Tagen der Pause auftreten, kann eine verkürzte Pause oder ein Langzyklus helfen. Was sonst noch gegen Regelschmerzen wirkt, von Wärme bis zu entzündungshemmenden Schmerzmitteln, steht in unserem Beitrag zu Menstruationsbeschwerden.
Starke Blutungen
Bei sehr starken Blutungen ohne organische Ursache gibt es zwei Optionen mit ausdrücklicher Zulassung für genau diese Beschwerde. Die eine ist eine Pille aus Estradiolvalerat und Dienogest, die zur Behandlung starker Menstruationsblutungen ohne organische Ursache bei Frauen zugelassen ist, die eine orale Verhütung wünschen. Die andere ist die Hormonspirale mit 52 Milligramm Levonorgestrel, die bei zu starken Regelblutungen angewendet werden darf und den Vorteil hat, dass nichts täglich eingenommen werden muss. Die niedriger dosierten Hormonspiralen tragen diese Zulassung nicht, sie sind reine Verhütungsmittel.
Vor jeder hormonellen Behandlung sollte geklärt sein, woher die starke Blutung kommt. Myome, Polypen, eine Schilddrüsenerkrankung oder ein Eisenmangel gehören abgeklärt, bevor die Blutung nur gedämpft wird. Auch eine Endometriose kann hinter starken und schmerzhaften Blutungen stecken. Dafür gibt es einen eigenen Wirkstoff, Dienogest in einer Dosis von 2 Milligramm ohne Östrogen, der zur Behandlung der Endometriose zugelassen ist. Er ist allerdings kein Verhütungsmittel, sodass die Verhütung gesondert geregelt werden muss.
Unregelmäßiger Zyklus, PCOS und die Haut
Ein unregelmäßiger Zyklus ist keine Diagnose, sondern ein Befund. Dahinter können ein polyzystisches Ovarialsyndrom, eine Schilddrüsenfunktionsstörung, starkes Unter- oder Übergewicht, Stress oder eine erhöhte Prolaktinkonzentration stecken. Eine Pille macht den Zyklus planbar, sie behandelt aber nicht die Ursache. Deshalb steht die Abklärung vor dem Rezept.
Beim polyzystischen Ovarialsyndrom kommen häufig seltene Blutungen, Akne und vermehrte Körperbehaarung zusammen. Hier ist eine Kombinationspille mit einem antiandrogen wirkenden Gestagen naheliegend, weil sie beides angeht: Sie sorgt für eine regelmäßige Blutung und senkt die Wirkung männlicher Geschlechtshormone an Haut und Haaren. Infrage kommen Präparate mit Dienogest, Chlormadinonacetat oder Drospirenon.
Für die Haut gilt dasselbe Prinzip, mit einer Einschränkung. In Deutschland sind die meisten Kombinationspillen ausschließlich zur Verhütung zugelassen, auch wenn sie ein antiandrogenes Gestagen enthalten. Die Wirkung auf unreine Haut ist dann ein erwünschter Nebeneffekt und kein zugelassenes Anwendungsgebiet. Ein Blick in die Gebrauchsinformation zeigt, was für Ihr Präparat gilt. Bis eine Wirkung auf die Haut sichtbar wird, vergehen in der Regel mehrere Monate.
Eine Sonderstellung hat die Kombination aus Cyproteronacetat und Ethinylestradiol. Sie ist zur Behandlung androgenbedingter Akne und vermehrter Behaarung zugelassen und wirkt stark antiandrogen. Nach einer europäischen Risikobewertung aus dem Jahr 2013 darf sie aber erst eingesetzt werden, wenn örtliche Behandlungen und Antibiotika nicht ausgereicht haben. Der Grund ist ein höheres Thromboserisiko als bei anderen Präparaten.
PMS, Stimmung und wenn kein Östrogen infrage kommt
Beim prämenstruellen Syndrom treten in den Tagen vor der Blutung Beschwerden wie Reizbarkeit, gedrückte Stimmung, Spannungsgefühl in der Brust und Wassereinlagerungen auf. Untersucht wurde vor allem ein Schema mit Drospirenon und 24 Wirktabletten. Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2012 fand dabei einen Vorteil bei schweren Verlaufsformen, bei leichteren Beschwerden war das Bild uneinheitlich. In Deutschland ist für diese Präparate das prämenstruelle Syndrom kein zugelassenes Anwendungsgebiet, die Anwendung erfolgt also auf ärztliche Einschätzung hin. Was sonst hilft, von Zyklustagebuch bis Bewegung, haben wir im Beitrag zum prämenstruellen Syndrom zusammengestellt.
Umgekehrt kann eine Pille die Stimmung auch belasten. Stimmungsschwankungen und depressive Verstimmung sind als unerwünschte Wirkungen hormoneller Verhütungsmittel beschrieben. Wenn sich die Stimmung nach dem Beginn deutlich verändert, ist das ein Grund, das Präparat ärztlich zu besprechen, und kein Grund zum Durchhalten.
Wenn Östrogen nicht infrage kommt
Es gibt Situationen, in denen eine Kombinationspille nicht angewendet werden darf. Dazu zählen Migräne mit Aura, eine durchgemachte Thrombose oder Lungenembolie, bekannte Gerinnungsstörungen und die ersten Wochen nach einer Geburt. Rauchen ist keine starre Gegenanzeige, gilt ab einem Alter von 35 Jahren aber als deutlicher Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die Gebrauchsinformationen raten dann zu einer anderen Verhütungsmethode. In diesen Fällen bleibt die reine Gestagenpille eine Möglichkeit, weil das Östrogen der entscheidende Risikofaktor für venöse Thrombosen ist.
Verfügbar sind zwei Wirkstoffe: Desogestrel in einer Dosis von 75 Mikrogramm täglich und Drospirenon in einer Dosis von 4 Milligramm im Schema mit 24 Wirktabletten und vier Placebotabletten. Beide werden ohne Pause durchgenommen. Der Preis dafür ist ein unregelmäßiges Blutungsmuster, das von völliger Blutungsfreiheit bis zu häufigen Schmierblutungen reichen kann. Wer eine planbare Blutung braucht, wird damit weniger zufrieden sein, wer vor allem Ruhe möchte, oft sehr.
| Beschwerde | Naheliegender Ansatz | Zu beachten |
|---|---|---|
| Regelschmerzen | Kombinationspille, bei Schmerzen in der Pause verkürzte Pause oder Langzyklus | Gestagentyp zweitrangig |
| Sehr starke Blutung | Estradiolvalerat mit Dienogest oder Hormonspirale mit 52 Milligramm Levonorgestrel | organische Ursachen vorher abklären |
| Unregelmäßiger Zyklus | Kombinationspille | Ursache klären, die Pille verdeckt sie |
| Akne, vermehrte Behaarung, PCOS | Kombinationspille mit antiandrogenem Gestagen | Wirkung auf die Haut erst nach Monaten |
| Prämenstruelles Syndrom | Schema mit Drospirenon und 24 Wirktabletten | in Deutschland kein zugelassenes Anwendungsgebiet |
| Endometriose | Dienogest 2 Milligramm ohne Östrogen | verhütet nicht, Verhütung gesondert regeln |
| Migräne mit Aura, Thrombose in der Vorgeschichte, Rauchen ab 35, Stillzeit | reine Gestagenpille | unregelmäßige Blutungen möglich, bei Rauchen ab 35 ärztlich abwägen |
Welche dieser Wege für Sie tatsächlich passt, hängt von Ihrer Vorgeschichte ab, von Blutdruck, Gewicht, Migräneform, Rauchverhalten und Thrombosen in der Familie. Diese Punkte gehören vor jeder Verschreibung geklärt. Eine Übersicht über die Methoden und ihre Sicherheit finden Sie auf unserer Seite zur Verhütung.
Häufige Fragen
Kann ich die Pille wechseln, wenn meine Haut schlechter wird?
Ein Wechsel auf ein Präparat mit antiandrogenem Gestagen ist möglich und wird bei Akne häufig gemacht. Die Umstellung gehört ärztlich begleitet, weil sich mit dem Gestagen auch das Thromboserisiko ändert. Rechnen Sie mit mehreren Monaten, bevor sich die Haut sichtbar verändert.
Hilft die Pille bei starken Blutungen wirklich?
Für zwei Ansätze gibt es eine ausdrückliche Zulassung bei starken Menstruationsblutungen ohne organische Ursache: eine Pille aus Estradiolvalerat und Dienogest sowie die Hormonspirale mit 52 Milligramm Levonorgestrel. Vorher sollte geklärt sein, ob Myome, Polypen oder eine Gerinnungsstörung dahinterstecken.
Ist die Pille bei unregelmäßigem Zyklus die Lösung?
Sie sorgt für eine regelmäßige Abbruchblutung, behandelt aber keine Ursache. Nach dem Absetzen zeigt sich der eigene Zyklus meist wieder so, wie er vorher war. Deshalb steht die Abklärung von Schilddrüse, Prolaktin und möglichem polyzystischem Ovarialsyndrom vor der Verschreibung.
Welche Pille passt bei Migräne mit Aura?
Kombinationspillen mit Östrogen sind bei Migräne mit Aura nicht geeignet, weil das Schlaganfallrisiko erhöht ist. Reine Gestagenpillen mit Desogestrel oder Drospirenon bleiben eine Möglichkeit. Diese Entscheidung sollte ärztlich getroffen werden, nachdem die Migräneform genau eingeordnet wurde.
Wie lange dauert es, bis eine neue Pille wirkt?
Auf Blutungsstärke und Regelschmerzen wirkt sie meist ab dem ersten oder zweiten Zyklus. Zwischenblutungen in den ersten drei Monaten sind häufig und geben sich oft von selbst. Für die Haut sind mehrere Monate der übliche Zeitraum.
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte: Themendossier Kombinierte hormonale Kontrazeptiva. bfarm.de
- Rote-Hand-Brief zu kombinierten hormonalen Kontrazeptiva vom 30. September 2021, Tabelle 1 zum Risiko venöser Thromboembolien. akdae.de
- Fachinformation Qlaira® Filmtabletten, Bayer Vital GmbH, aktuelle Fassung.
- Fachinformation YAZ® 0,02 mg/3 mg Filmtabletten, Bayer Vital GmbH, Stand Oktober 2025.
- Lopez LM, Kaptein AA, Helmerhorst FM: Oral contraceptives containing drospirenone for premenstrual syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews 2012, Issue 2, CD006586.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Welches hormonelle Präparat für Sie geeignet ist und ob es überhaupt infrage kommt, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung Ihrer Vorgeschichte, Ihrer Medikamente und Ihrer Risikofaktoren. Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerz, einseitiger Beinschwellung, Sehstörungen oder heftigen Kopfschmerzen wählen Sie sofort die 112. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 weiter.
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