Was ist PCOS?
Das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine hormonelle Stoffwechselstörung, die 5–10 % aller Frauen im gebärfähigen Alter betrifft. Trotz des Namens sind die namensgebenden Zysten an den Eierstöcken nur eines von mehreren möglichen Merkmalen — und nicht alle Betroffenen haben sie.
Beim PCOS produzieren die Eierstöcke übermäßig viele Androgene (männliche Sexualhormone). Dies führt zu einer Reihe von Symptomen, die von Frau zu Frau sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können. PCOS ist eine der häufigsten Ursachen für Unfruchtbarkeit und erhöht das Risiko für Diabetes Typ 2, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Endometriumkarzinom.
Die genauen Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Eine genetische Veranlagung und Insulinresistenz spielen eine zentrale Rolle. Etwa 70 % der Frauen mit PCOS haben eine Insulinresistenz — unabhängig vom Körpergewicht.
Symptome und Diagnosekriterien
Die Diagnose wird nach den Rotterdam-Kriterien gestellt. Mindestens 2 von 3 Kriterien müssen erfüllt sein:
- Zyklusstörungen: Ausbleibende Periode (Amenorrhoe) oder seltene Menstruation (Oligomenorrhoe mit Zyklen >35 Tage). Ursache: fehlender oder verspäteter Eisprung.
- Hyperandrogenismus: Klinisch (Hirsutismus, Akne, androgenetische Alopezie) oder labortechnisch (erhöhte Androgenwerte im Blut).
- Polyzystische Ovarien im Ultraschall: Mindestens 12 Follikel (2–9 mm) pro Eierstock oder ein erhöhtes Ovarialvolumen (>10 ml).
Weitere häufige Symptome:
- Gewichtszunahme: Besonders am Bauch, oft schwer wieder abzunehmen
- Stimmungsschwankungen: Depressive Verstimmung und Ängstlichkeit sind häufig
- Müdigkeit: Durch Schlafapnoe und Insulinresistenz
- Dunkle Hautverfärbungen: Acanthosis nigricans (samtige Verdickungen in Hautfalten) als Zeichen der Insulinresistenz
Behandlung je nach Beschwerden
PCOS ist nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich gut behandeln. Die Therapie richtet sich nach den individuellen Beschwerden und dem Kinderwunsch:
Ohne Kinderwunsch
- Antibabypille: Reguliert den Zyklus, senkt Androgene und schützt die Gebärmutterschleimhaut. Pillen mit antiandrogenen Gestagenen (Chlormadinon, Dienogest) sind besonders geeignet.
- Spironolacton: Blockiert Androgenrezeptoren und hilft bei Hirsutismus und Akne. Nur mit sicherer Verhütung!
- Metformin: Verbessert die Insulinresistenz und kann bei übergewichtigen Frauen Zyklusstörungen bessern.
Mit Kinderwunsch
- Letrozol: Mittel der ersten Wahl zur Ovulationsinduktion bei PCOS (wirksamer als Clomifen)
- Clomifen: Klassisches Medikament zur Eisprungförderung
- IVF: Bei Versagen der medikamentösen Therapie
Lebensstiländerung
Bei übergewichtigen Frauen kann bereits eine Gewichtsabnahme von 5–10 % den Zyklus normalisieren und die Fruchtbarkeit verbessern. Regelmäßige Bewegung verbessert die Insulinempfindlichkeit unabhängig vom Gewichtsverlust.
Langzeitrisiken und Vorsorge
PCOS ist mehr als ein gynäkologisches Problem — es betrifft den gesamten Stoffwechsel. Wichtige Langzeitrisiken und empfohlene Vorsorgeuntersuchungen:
- Diabetes Typ 2: 40–60 % der Frauen mit PCOS entwickeln bis zum 40. Lebensjahr eine gestörte Glukosetoleranz oder Diabetes. Regelmäßiger oGTT (alle 1–3 Jahre) empfohlen.
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Erhöhtes Risiko durch Insulinresistenz, Dyslipidämie und chronische Entzündung. Blutdruck und Blutfette regelmäßig kontrollieren.
- Endometriumkarzinom: Durch dauerhaft fehlenden Eisprung und ungebremsten Östrogeneinfluss auf die Gebärmutterschleimhaut. Schutz durch regelmäßige Gestagengabe oder Pille.
- Psychische Gesundheit: Depressionen und Angststörungen sind bei PCOS 3-mal häufiger. Screening und niedrigschwelliger Zugang zu psychologischer Unterstützung sind wichtig.
Eine frühzeitige Diagnose und konsequente Behandlung können die Langzeitrisiken erheblich reduzieren.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. PCOS erfordert eine individuelle Therapieplanung durch erfahrene Gynäkologen oder Endokrinologen. Nehmen Sie Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung ein.




