Regelschmerzen: Mehr als nur unangenehm
Dysmenorrhoe — so der medizinische Fachbegriff für Regelschmerzen — ist eines der häufigsten gynäkologischen Symptome überhaupt. Bis zu 90 % aller Frauen erleben im Laufe ihres Lebens Menstruationsschmerzen, bei etwa 10–15 % sind die Schmerzen so stark, dass sie den Alltag, die Arbeit oder die Schule erheblich beeinträchtigen.
Man unterscheidet zwei Formen:
- Primäre Dysmenorrhoe: Regelschmerzen ohne organische Ursache. Beginnt meist in den ersten Jahren nach der ersten Periode und ist durch eine Überproduktion von Prostaglandinen bedingt.
- Sekundäre Dysmenorrhoe: Regelschmerzen aufgrund einer Grunderkrankung (Endometriose, Myome, Adenomyose, Kupferspirale). Tritt häufig erst nach Jahren beschwerdefreier Perioden auf.
Prostaglandine verursachen Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur, die den Abtransport der Gebärmutterschleimhaut unterstützen. Bei übermäßiger Prostaglandin-Produktion werden diese Kontraktionen so stark, dass sie die Durchblutung der Gebärmutter zeitweise unterbrechen — ähnlich einem Muskelkrampf.
Hausmittel und nicht-medikamentöse Maßnahmen
Viele Frauen erfahren Linderung durch diese bewährten Maßnahmen:
- Wärme: Wärmflasche, Kirschkernkissen oder Wärmepflaster auf dem Unterbauch. Studien zeigen, dass Wärme (ca. 40 °C) ähnlich wirksam sein kann wie Ibuprofen.
- Leichte Bewegung: Yoga, Walken oder sanftes Dehnen können Krämpfe lösen. Besonders Yoga-Übungen wie die „Katze-Kuh" oder die „Kindhaltung" werden als hilfreich empfunden.
- TENS-Gerät: Transkutane elektrische Nervenstimulation am Unterbauch kann die Schmerzwahrnehmung reduzieren.
- Akupressur: Der Punkt „Milz 6" (vier Fingerbreit oberhalb des inneren Knöchels) wird in der traditionellen chinesischen Medizin bei Menstruationsschmerzen stimuliert.
- Magnesium: 200–400 mg/Tag können Menstruationskrämpfe reduzieren (idealerweise ab der zweiten Zyklushälfte einnehmen).
- Omega-3-Fettsäuren: Wirken entzündungshemmend und können die Prostaglandin-Produktion senken. 1–2 g EPA/DHA täglich.
Medikamentöse Therapie
Wenn Hausmittel nicht ausreichen, helfen Medikamente effektiv:
NSAR — Mittel der ersten Wahl
Nicht-steroidale Antirheumatika hemmen die Prostaglandin-Synthese und wirken direkt an der Ursache:
- Ibuprofen: 400–600 mg alle 6–8 Stunden. Am wirksamsten, wenn vor oder bei Beginn der Schmerzen eingenommen.
- Naproxen: 250–500 mg zweimal täglich. Längere Wirkdauer als Ibuprofen.
Tipp: Beginnen Sie die Einnahme bereits 1 Tag vor der erwarteten Periode oder bei den allerersten Anzeichen. Einmal etablierte starke Krämpfe sind schwerer zu durchbrechen.
Hormonelle Therapie
Die Antibabypille im Langzyklus (ohne Pillenpause) unterdrückt den Eisprung und reduziert den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. Viele Frauen haben dadurch keine oder deutlich schwächere Periodenblutungen und -schmerzen. Auch die Hormonspirale (Levonorgestrel-IUD) kann Regelschmerzen erheblich lindern.
Buscopan
Butylscopolamin (Buscopan®) wirkt krampflösend auf die glatte Muskulatur der Gebärmutter. Besonders wirksam in Kombination mit NSAR.
Wann zum Arzt?
Suchen Sie einen Gynäkologen auf, wenn:
- Schmerzmittel nicht mehr ausreichend wirken
- Die Regelschmerzen zunehmend stärker werden
- Regelschmerzen erstmals im Erwachsenenalter auftreten (Hinweis auf sekundäre Dysmenorrhoe)
- Die Schmerzen auch außerhalb der Periode bestehen
- Starke Blutungen (mehr als 7 Tage oder Wechsel des Hygieneprodukts alle 1–2 Stunden)
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr hinzukommen
- Sie aufgrund der Schmerzen regelmäßig der Arbeit/Schule fernbleiben
Diese Symptome können auf eine Endometriose, Myome oder Adenomyose hindeuten, die eine spezifische Behandlung erfordern. Je früher eine Endometriose erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Starke Regelschmerzen sind nicht „normal" und müssen nicht ausgehalten werden. Sprechen Sie mit Ihrem Gynäkologen über Ihre Beschwerden — es gibt wirksame Behandlungsmöglichkeiten.




