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Männergesundheit·11. September 2026·6 min Lesezeit

Wie schnell und wie lange wirken PDE-5-Hemmer?

Zwischen 15 und 30 Minuten bis zum Wirkeintritt, zwischen vier und 36 Stunden Wirkdauer: Die vier Wirkstoffe dieser Gruppe unterscheiden sich vor allem in der Zeit. Was die Fachinformationen dazu sagen.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Wie schnell und wie lange wirken PDE-5-Hemmer?
Kurz gesagt

Die vier verfügbaren PDE-5-Hemmer beginnen je nach Wirkstoff nach 15 bis 30 Minuten zu wirken und halten zwischen etwa vier und 36 Stunden an. Am schnellsten setzt Avanafil ein, am längsten wirkt Tadalafil. Über den Eintritt entscheidet, wie rasch der Wirkstoff ins Blut übergeht, über die Dauer entscheidet die Halbwertszeit. Eine fettreiche Mahlzeit verzögert den Eintritt bei zwei der vier Wirkstoffe deutlich.

Warum Wirkstoffe derselben Gruppe verschieden schnell sind

Alle vier Substanzen greifen an derselben Stelle an. Bei sexueller Erregung setzen Nervenenden im Schwellkörper Stickstoffmonoxid frei. Daraufhin entsteht der Botenstoff cGMP, die glatte Muskulatur der Schwellkörperarterien erschlafft, und mehr Blut strömt ein. Ein Enzym mit dem Namen Phosphodiesterase Typ 5 baut cGMP wieder ab. Genau dieses Enzym blockieren PDE-5-Hemmer. Der Botenstoff bleibt länger erhalten, die Erektion wird fester und hält länger.

Am Wirkprinzip unterscheiden sich die vier Wirkstoffe kaum. Unterschiedlich sind zwei Größen aus der Pharmakokinetik, und diese beiden erklären fast alles, was im Alltag auffällt.

Der Eintritt hängt an der Aufnahme

Wie schnell ein Wirkstoff aus dem Darm ins Blut übergeht, bestimmt, wann die Konzentration hoch genug für einen spürbaren Effekt ist. Avanafil erreicht seinen Spitzenspiegel nach 30 bis 45 Minuten und ist damit der rascheste der Gruppe. Sildenafil und Vardenafil brauchen etwas länger. Tadalafil erreicht sein Maximum erst nach ungefähr zwei Stunden. Deshalb steht in jeder Fachinformation ein anderer empfohlener Vorlauf vor dem Geschlechtsverkehr. Der angegebene Zeitpunkt ist dabei kein Startschuss, sondern der frühestmögliche Beginn. Danach bleibt die Wirkung über Stunden bestehen, sie setzt nicht schlagartig ein und endet nicht schlagartig.

Die Dauer hängt an der Halbwertszeit

Die Halbwertszeit gibt an, in welcher Zeit die Hälfte des Wirkstoffs abgebaut ist. Bei Sildenafil liegt sie bei drei bis fünf Stunden, bei Vardenafil bei vier bis fünf Stunden, bei Avanafil bei sechs bis 17 Stunden, bei Tadalafil bei 17,5 Stunden. Aus diesem einen Wert ergibt sich das lange Zeitfenster von bis zu 36 Stunden, das Tadalafil von den anderen abhebt. Welche medizinischen Ursachen hinter einer Erektionsstörung stecken können, steht auf unserer Seite zu Erektionsstörungen.

Die vier Wirkstoffe im Zeitvergleich

Die folgenden Angaben stammen aus den Fachinformationen der Präparate und aus der Leitlinie der European Association of Urology. Sie beschreiben den Regelfall bei nüchterner Einnahme. Wie ein einzelner Mensch reagiert, kann davon abweichen.

WirkstoffEinnahme vor dem VerkehrWirkeintrittWirkdauerHalbwertszeitFettreiche Mahlzeit
Sildenafil30 bis 60 Minutenab etwa 30 Minutenetwa 4 bis 5 Stunden3 bis 5 StundenSpitzenspiegel rund 29 Prozent niedriger, Maximum etwa eine Stunde später
Vardenafil25 bis 60 Minutenab etwa 25 bis 30 Minutenetwa 4 bis 5 Stunden4 bis 5 Stundenverzögert die Aufnahme
Tadalafilmindestens 30 Minutenab etwa 30 Minutenbis zu 36 Stunden17,5 Stundenohne bedeutsamen Einfluss
Avanafil15 bis 30 Minutenab etwa 15 Minutenin Studien etwa 6 Stunden6 bis 17 StundenSpitzenspiegel rund 39 Prozent niedriger, Maximum etwa 1,25 Stunden später

Sildenafil ist der älteste Vertreter der Gruppe. Die Fachinformation empfiehlt die Einnahme etwa eine Stunde vor dem Geschlechtsverkehr und nennt als möglichen Rahmen 30 Minuten bis vier Stunden vorher. Die Leitlinie der europäischen Urologen weist darauf hin, dass sich eine Wirksamkeit noch bis zu zwölf Stunden nach der Einnahme nachweisen lässt. Im Alltag planen die meisten Männer trotzdem mit vier bis fünf Stunden.

Vardenafil verhält sich zeitlich sehr ähnlich. Auch hier stört eine schwere Mahlzeit die Aufnahme. Für die Praxis heißt das: Wer mit einem der beiden kurz wirksamen Mittel plant, sollte die Einnahme eher vor das Essen legen als danach.

Tadalafil fällt aus dem Rahmen. Sein Spiegel steigt langsam und fällt sehr langsam wieder ab, deshalb reicht das Zeitfenster über anderthalb Tage. Das nimmt den Druck, den Zeitpunkt genau zu planen. Daneben gibt es die niedrig dosierte Dauereinnahme mit 5 mg täglich, bei der sich nach einigen Tagen ein gleichmäßiger Spiegel einstellt. Wer die Eigenschaften nachlesen möchte, findet sie auf der Wirkstoffseite zu Tadalafil.

Avanafil ist der jüngste Wirkstoff der Gruppe. In den Zulassungsstudien gelang bereits 15 Minuten nach der Einnahme in 24,7 Prozent beziehungsweise 28,2 Prozent der Versuche ein befriedigender Geschlechtsverkehr, unter Placebo waren es 13,8 Prozent. Einen Vergleich der Wirkstoffe über die Zeitfrage hinaus haben wir gesondert zusammengestellt.

Was den Eintritt verzögert und die Wirkung dämpft

Wenn eine Tablette scheinbar nicht anschlägt, liegt es häufig nicht am Wirkstoff, sondern an den Umständen der Einnahme.

Die Mahlzeit davor

Eine fettreiche Mahlzeit verzögert bei Sildenafil und Avanafil die Aufnahme messbar und senkt den erreichten Spitzenspiegel. Bei Sildenafil verschiebt sich das Maximum um etwa eine Stunde nach hinten, der Spitzenwert liegt rund 29 Prozent niedriger. Bei Avanafil sind es etwa 1,25 Stunden und rund 39 Prozent. Für Vardenafil beschreibt die Leitlinie ebenfalls eine verzögerte Aufnahme nach fettreichem Essen. Tadalafil ist davon praktisch nicht betroffen. Wer ein schnell wirkendes Präparat nach einem üppigen Essen nimmt, sollte also mehr Zeit einplanen.

Alkohol

Alkohol beeinträchtigt die Erektion unabhängig vom Medikament, weil er die Nervenreize und die sexuelle Erregung dämpft. Größere Mengen senken zudem selbst den Blutdruck und können Schwindel und Kreislaufbeschwerden verstärken, wenn zugleich ein PDE-5-Hemmer wirkt. Ein Glas Wein macht in der Regel keinen Unterschied. Ein durchzechter Abend kann die Wirkung dagegen zunichtemachen, und zwar unabhängig davon, welcher der vier Wirkstoffe genommen wurde.

Dosis, Erregung und Wechselwirkungen

Eine zu niedrige Dosis ist ein häufiger Grund für ein enttäuschendes Ergebnis. Ob eine Steigerung sinnvoll ist, entscheidet die ärztliche Beurteilung. Ohne sexuelle Stimulation passiert dagegen mit keiner Dosis etwas, weil der Wirkstoff nur den Abbau eines Botenstoffs bremst, den der Körper selbst erst bilden muss. Grapefruitsaft und Medikamente, die das Enzym CYP3A4 hemmen, etwa bestimmte Antimykotika, Makrolid-Antibiotika oder HIV-Proteasehemmer, erhöhen den Wirkspiegel und damit die Nebenwirkungen. Auch Anspannung spielt hinein, wie der Beitrag zu Leistungsdruck und psychischen Ursachen zeigt.

Wirkdauer bedeutet nicht Dauererektion

Das Zeitfenster in der Tabelle beschreibt, wie lange der Wirkstoff eine Erektion ermöglicht, nicht wie lange eine Erektion besteht. Ohne Erregung bleibt nichts zurück, was sichtbar wäre. Nach dem Samenerguss klingt die Erektion ab wie sonst auch, und sie lässt sich innerhalb des Zeitfensters erneut aufbauen.

Zwei Punkte sind medizinisch wichtig. Erstens gilt für alle vier Wirkstoffe bei Einnahme nach Bedarf höchstens eine Dosis pro 24 Stunden. Eine zweite Tablette am selben Tag steigert die Wirkung nicht verlässlich, wohl aber die Nebenwirkungen. Zweitens ist eine schmerzhafte Erektion, die länger als vier Stunden anhält, ein Notfall. Dieser Zustand heißt Priapismus und kann das Schwellkörpergewebe dauerhaft schädigen, wenn er unbehandelt bleibt.

Bei der täglichen Dauereinnahme in niedriger Dosis verschwimmt die Frage nach dem Zeitfenster. Der Spiegel bleibt dann durchgehend auf einem Niveau, sodass sich der Zeitpunkt nicht mehr planen lässt. Der Preis dafür ist die tägliche Einnahme, auch an Tagen ohne sexuelle Aktivität, und eine dauerhafte Belastung mit dem Wirkstoff. Ob diese Form für Sie geeignet ist, hängt von Begleiterkrankungen und den übrigen Medikamenten ab. Welche Wege bei einer Erektionsstörung sonst noch offenstehen, beschreibt unser Überblick zu Ursachen und Behandlung.

Häufige Fragen

Wirkt eine Tablette auch ohne sexuelle Erregung?

Nein. PDE-5-Hemmer verhindern nur den Abbau eines Botenstoffs, den der Körper bei sexueller Stimulation selbst freisetzt. Ohne Erregung fehlt der Auslöser, und es passiert nichts.

Kann ich zwei verschiedene Wirkstoffe kombinieren?

Nein. Alle vier greifen am selben Enzym an, sodass sich vor allem die Nebenwirkungen addieren, insbesondere der Blutdruckabfall. Es gilt höchstens eine Dosis eines einzigen Wirkstoffs innerhalb von 24 Stunden.

Was tun, wenn nach einer Stunde nichts geschieht?

Warten Sie das volle Zeitfenster ab, bei einer schweren Mahlzeit auch länger. Erst wenn mehrere Versuche unter guten Bedingungen erfolglos bleiben, sollten Sie die Dosis oder den Wirkstoff ärztlich überprüfen lassen.

Warum wirkt Tadalafil noch am nächsten Tag?

Seine Halbwertszeit von 17,5 Stunden ist etwa vier- bis fünfmal so lang wie die von Sildenafil und Vardenafil. Deshalb liegt auch nach einem Tag noch genug Wirkstoff im Blut, um eine Erektion zu ermöglichen, sobald Erregung dazukommt.

Quellen

  1. European Association of Urology: EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health, Kapitel Management of Erectile Dysfunction, 2026. uroweb.org
  2. Fachinformation Sildenafil Viatris 25 mg / 50 mg / 100 mg Filmtabletten, Viatris, Stand Oktober 2022.
  3. Fachinformation Spedra (Avanafil), Produktinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur. ema.europa.eu
  4. Fachinformation Cialis (Tadalafil), Lilly Deutschland.
  5. Fachinformation Levitra (Vardenafil), Bayer Vital.
Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. PDE-5-Hemmer sind verschreibungspflichtig. Sie dürfen nicht zusammen mit Nitraten, mit sogenannten Poppers oder mit dem Wirkstoff Riociguat eingenommen werden, weil der Blutdruck lebensbedrohlich abfallen kann. Wer kürzlich einen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatte, unter schwerer Herzschwäche, niedrigem Blutdruck oder bestimmten Augenerkrankungen leidet, braucht vorher eine ärztliche Abklärung. Setzen Sie das Mittel ab und lassen Sie sich untersuchen, wenn plötzlich das Sehen oder das Hören nachlässt. Wenn beim Geschlechtsverkehr Brustschmerzen, Atemnot oder Bewusstseinsstörungen auftreten oder eine Erektion länger als vier Stunden anhält, wählen Sie sofort die 112. Für dringende, aber nicht lebensbedrohliche Fragen außerhalb der Sprechzeiten erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der 116117.

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