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Cannabis·6. September 2026·7 min Lesezeit

Was sagen THC-, CBD- und Terpenwerte über eine Sorte aus?

Jede Sortenbeschreibung nennt THC, CBD und Terpene. Der THC-Wert bestimmt die Dosis, CBD verändert das Profil, Terpene prägen Geruch und Geschmack. Was die Zahlen aussagen und wo ihre Grenzen liegen.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Was sagen THC-, CBD- und Terpenwerte über eine Sorte aus?
Kurz gesagt

THC- und CBD-Werte geben an, wie viel Wirkstoff in einem Gramm Blüten steckt, nicht wie es wirkt. Der THC-Gehalt bestimmt vor allem, wie stark eine Dosis ausfällt, der CBD-Anteil verändert das Wirkprofil. Terpene prägen Geruch und Geschmack, ihr Einfluss auf die Wirkung ist wissenschaftlich nur teilweise belegt. Die Zahlen helfen beim Vergleich, ersetzen aber keine ärztliche Einstellung der Dosis.

THC-Gehalt: Was die Prozentzahl bedeutet

Auf jeder Sortenbeschreibung steht ein THC-Wert, etwa „THC 18 %“ oder eine Spanne wie „THC 16 bis 20 %“. Die Zahl bezeichnet den Anteil von Tetrahydrocannabinol am Trockengewicht der Blüten. Ein Gramm einer Sorte mit 18 Prozent THC enthält also rund 180 Milligramm des Wirkstoffs. Bei einer Sorte mit 8 Prozent sind es 80 Milligramm, weniger als die Hälfte. Wer von einer Sorte auf eine andere wechselt, wechselt deshalb auch die Dosis, selbst wenn die Menge in Gramm gleich bleibt.

Gesamt-THC und Säureform

In der getrockneten Pflanze liegt der größte Teil des THC als Säure vor, als THCA. Diese Form ist nicht psychoaktiv. Erst durch Hitze, etwa im Verdampfer, wird sie in wirksames THC umgewandelt. Der deklarierte Wert auf der Packung ist in der Regel der Gesamtgehalt, also THCA und THC zusammengerechnet auf das, was nach der Umwandlung verfügbar wäre. Ein Vergleich zweier Sorten funktioniert nur, wenn beide Angaben auf derselben Grundlage beruhen. Das Deutsche Arzneibuch schreibt für Cannabisblüten vor, wie dieser Gesamtgehalt bestimmt wird.

Was der THC-Wert nicht sagt

Der THC-Gehalt beschreibt die Stärke, nicht die Art der Wirkung. Zwei Sorten mit jeweils 20 Prozent THC können sich in der Wahrnehmung deutlich unterscheiden, weil andere Inhaltsstoffe hinzukommen. Ein hoher THC-Wert bedeutet auch nicht automatisch eine bessere Eignung. Für viele Beschwerden wird mit niedrigen Dosen begonnen, und ein hoher Gehalt erschwert eher die feine Abstufung. Wie THC und CBD in Blüten dosiert werden, haben wir in einem eigenen Beitrag beschrieben.

CBD: Der zweite Wert und das Verhältnis der beiden

Cannabidiol, kurz CBD, ist der zweite Wert, den fast jede Sortenbeschreibung nennt. CBD wirkt nicht berauschend und greift anders in das Endocannabinoid-System ein als THC. In vielen THC-reichen Sorten liegt der CBD-Gehalt unter einem Prozent und spielt praktisch keine Rolle. Bei ausgewogenen Sorten stehen beide Werte in einer ähnlichen Größenordnung, bei CBD-dominanten Sorten kehrt sich das Verhältnis um.

TypTHCCBDEinordnung
THC-dominanthoch, oft 15 bis 25 %unter 1 %deutliche psychoaktive Wirkung, niedrige Einstiegsdosen üblich
Ausgewogenmittel, etwa 5 bis 12 %ähnlich hoch wie THCpsychoaktive Wirkung wird bei gleichem THC-Wert oft als milder beschrieben
CBD-dominantunter 1 %hoch, oft 8 bis 15 %kaum oder nicht berauschend

Das Verhältnis von THC zu CBD sagt oft mehr über eine Sorte aus als jeder Einzelwert. Es gibt Hinweise aus Studien, dass CBD einzelne Wirkungen von THC abschwächen kann, etwa Angst oder Herzrasen, die Datenlage dazu ist aber uneinheitlich. Sicher ist: Eine Sorte mit 10 Prozent THC und 10 Prozent CBD ist nicht „halb so stark“ wie eine mit 20 Prozent THC, sondern ein anderes Präparat mit einem anderen Profil. Die Unterschiede zwischen CBD und THC haben wir gesondert erklärt.

Terpene: Geruch, Geschmack und ein offenes Kapitel

Terpene sind Duftstoffe, die in vielen Pflanzen vorkommen, in Nadelbäumen, Zitrusfrüchten, Hopfen oder Lavendel. In Cannabisblüten machen sie zusammen meist nur wenige Prozent des Trockengewichts aus, prägen aber Geruch und Geschmack fast vollständig. Sortenbeschreibungen nennen deshalb oft die drei bis fünf häufigsten Terpene, manchmal mit Prozentangabe.

TerpenKommt auch vor inGeruch
MyrcenHopfen, Mango, Thymianerdig, krautig
LimonenZitrusschalenzitrusartig, frisch
Beta-Caryophyllenschwarzer Pfeffer, Nelkenwürzig, pfeffrig
Alpha-PinenKiefernharz, Rosmarinharzig, nach Nadelwald
LinaloolLavendel, Korianderblumig
TerpinolenMuskatnuss, Teebaumsüßlich, krautig

Was über die Wirkung von Terpenen bekannt ist

Einzelnen Terpenen werden in Sortenbeschreibungen gern Eigenschaften zugeschrieben: Myrcen soll entspannen, Limonen die Stimmung heben, Pinen die Konzentration stützen. Ein großer Teil dieser Zuordnungen stammt aus Laborversuchen mit isolierten Substanzen oder aus Erfahrungsberichten. Belastbare Studien am Menschen, in denen ein Terpen in der Menge geprüft wurde, die beim Verdampfen einer Blüte tatsächlich aufgenommen wird, sind selten. Eine Ausnahme ist Beta-Caryophyllen: Es bindet nachweislich an den CB2-Rezeptor des Endocannabinoid-Systems und gilt deshalb selbst als Cannabinoid.

Die Idee, dass Cannabinoide und Terpene gemeinsam anders wirken als jeder Stoff für sich, wird als Entourage-Effekt bezeichnet. Sie ist plausibel und wird seit Jahren diskutiert, aber bislang nur in Teilen belegt. Wer eine Sorte nach ihrem Terpenprofil auswählt, tut das derzeit eher nach Geschmack und persönlicher Erfahrung als nach gesicherter Evidenz. Das ist kein Fehler, nur eine andere Grundlage.

Ein praktischer Punkt bleibt: Terpene sind flüchtig. Sie gehen bei langer oder warmer Lagerung teilweise verloren und verdampfen bei unterschiedlichen Temperaturen. Was auf der Packung steht, beschreibt den Zustand zum Zeitpunkt der Analyse. Warum die alte Einteilung in Indica und Sativa wenig über das Terpenprofil aussagt, lesen Sie in unserem Beitrag zu den Sortentypen.

Wie genau die Werte sind: Arzneibuch, Chargen und Spannen

Cannabisblüten für die Apotheke müssen den Anforderungen des Deutschen Arzneibuchs entsprechen. Die Monographie „Cannabisblüten“ legt fest, wie Identität, Gehalt und Reinheit geprüft werden. Für den Gehalt an THC und CBD gilt ein Toleranzbereich um den deklarierten Wert. Eine Sorte mit „20 % THC“ auf dem Etikett kann in einer Charge also etwas darüber oder darunter liegen und trotzdem den Vorgaben entsprechen. Die Abweichung ist begrenzt, bei hohen Gehalten auf einen Anteil des deklarierten Wertes, bei niedrigen Gehalten auf wenige Prozentpunkte.

Jede Charge ist eine eigene Messung

Cannabis ist ein Naturprodukt. Der Gehalt schwankt von Ernte zu Ernte, mit Licht, Nährstoffen und Erntezeitpunkt. Deshalb tragen die Packungen einer Sorte eine Chargennummer, und zu jeder Charge gehört ein Analysenzertifikat mit den gemessenen Werten. Sortenübersichten, die viele Chargen zusammenfassen, geben aus diesem Grund häufig eine Spanne an, etwa „THC 18 bis 22 %“. Die Zahl auf der Packung, die Sie aus der Apotheke erhalten, ist die genauere Angabe.

Wo die Werte herkommen

Die Analyse erfolgt beim Hersteller oder Importeur nach den Regeln der Arzneimittelherstellung. Apotheken prüfen die Identität der Blüten zusätzlich, bevor sie abgegeben werden, so verlangt es die Apothekenbetriebsordnung für Ausgangsstoffe. Für Patientinnen und Patienten heißt das: Die Werte sind belastbar, aber sie beschreiben eine Charge, nicht eine Sorte für alle Zeit. Eine Übersicht über Sorten mit ihren Werten und Terpenprofilen finden Sie in unserem Sortenverzeichnis.

Was die Werte für die Auswahl bedeuten

Aus den drei Kennzahlen lässt sich für die Praxis einiges ableiten, aber nicht alles:

  • THC-Gehalt bestimmt die Dosis pro Gramm. Bei einem Wechsel auf eine Sorte mit höherem Gehalt sollte die Menge zunächst gesenkt werden.
  • CBD-Anteil verändert das Profil. Sorten mit nennenswertem CBD werden häufig für den Tag gewählt, weil die psychoaktive Wirkung bei gleichem THC-Wert oft als milder beschrieben wird.
  • Terpenprofil entscheidet über Geruch und Geschmack und möglicherweise über Nuancen der Wirkung. Belege dafür sind lückenhaft.
  • Spanne statt Einzelwert bedeutet: Die tatsächliche Charge kann irgendwo innerhalb dieser Spanne liegen. Prüfen Sie den Wert auf der Packung.

Welche Sorte und welche Dosis im Einzelfall passen, entscheidet die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt anhand der Diagnose, der bisherigen Therapie und der Verträglichkeit. Die Werte sind dafür eine Grundlage, nicht das Ergebnis. Allgemeine Informationen zu den gesetzlichen Voraussetzungen finden Sie auf unserer Seite zu medizinischem Cannabis.

Häufige Fragen

Ist eine Sorte mit 25 Prozent THC besser als eine mit 15 Prozent?

Nein, sie ist stärker, nicht besser. Ein höherer Gehalt bedeutet mehr Wirkstoff pro Gramm und damit weniger Spielraum bei der Dosierung. Für viele Anwendungen sind mittlere Gehalte praktikabler.

Warum steht auf der Sortenseite eine Spanne, auf der Packung aber ein fester Wert?

Die Spanne fasst mehrere Chargen zusammen, der Packungswert stammt aus der Analyse genau dieser Charge. Maßgeblich für die Dosierung ist der Wert auf der Packung.

Kann ich aus dem Terpenprofil auf die Wirkung schließen?

Nur begrenzt. Terpene prägen Geruch und Geschmack, ihre Wirkung im Menschen ist bei den Mengen, die beim Verdampfen aufgenommen werden, kaum untersucht. Persönliche Erfahrung ist hier verlässlicher als Tabellen.

Was bedeutet „Gesamt-THC“?

Der Wert rechnet die Säureform THCA und das freie THC zusammen. Er gibt an, wie viel wirksames THC nach dem Erhitzen höchstens verfügbar ist, und ist die übliche Angabe auf Packungen und in Analysenzertifikaten.

Quellen

  1. Deutsches Arzneibuch (DAB), Monographie „Cannabisblüten“ (Cannabis flos), herausgegeben vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM).
  2. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Bundesopiumstelle: Medizinisches Cannabis. bfarm.de
  3. Gertsch J et al.: Beta-caryophyllene is a dietary cannabinoid. Proceedings of the National Academy of Sciences 2008; 105: 9099–9104.
  4. Russo EB: Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology 2011; 163: 1344–1364.
  5. Medizinal-Cannabisgesetz (MedCanG). gesetze-im-internet.de
Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob und in welcher Form medizinisches Cannabis für Sie infrage kommt und welche Dosis angemessen ist, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach persönlicher Prüfung. Bei Herzrasen, Kreislaufproblemen, Verwirrtheit oder starker Angst nach der Anwendung wenden Sie sich an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117. In Notfällen wählen Sie die 112.

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