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Abnehmen·13. September 2026·8 min Lesezeit

1,5, 4 oder 9 mg: Wie läuft die Dosissteigerung bei der Tablette?

Die Tablette wird in Vierwochenschritten gesteigert: 1,5 mg, dann 4 mg, dann 9 mg. Warum jede Stufe so lange dauert, was bei Beschwerden erlaubt ist und warum die Erhaltungsdosis von 25 mg in Deutschland noch fehlt.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
1,5, 4 oder 9 mg: Wie läuft die Dosissteigerung bei der Tablette?
Kurz gesagt

Die Steigerung läuft in Vierwochenschritten: Sie beginnen mit 1,5 mg einmal täglich, wechseln nach vier Wochen auf 4 mg und nach weiteren vier Wochen auf 9 mg. Die Fachinformation sieht als Erhaltungsdosis 25 mg vor, diese Stärke ist in Deutschland nicht im Handel. Wer eine Stufe schlecht verträgt, bleibt auf ärztlichen Rat länger auf der vorherigen.

Die drei Stufen: 1,5 mg, 4 mg und 9 mg

Die Tablette enthält Semaglutid, denselben Wirkstoff wie die Wochenspritze, aber in deutlich höheren Milligrammzahlen. Der Grund steht in der Fachinformation: Nur etwa 1 bis 2 Prozent des geschluckten Wirkstoffs gelangen ins Blut, der Rest wird im Magen-Darm-Trakt abgebaut. Die Zahl auf der Packung lässt sich deshalb nicht mit den Dosisstufen des Pens vergleichen. Vergleichbar ist nur das Prinzip: niedrig anfangen, in festen Abständen steigern.

StufeZeitraumDosisHinweis
1Woche 1 bis 41,5 mg einmal täglichStartdosis zur Gewöhnung, keine Zieldosis
2Woche 5 bis 84 mg einmal täglichWechsel frühestens nach vier Wochen
3ab Woche 99 mg einmal täglichhöchste in Deutschland erhältliche Stärke
4ab Woche 1325 mg einmal täglichlaut Fachinformation Erhaltungsdosis, in Deutschland nicht im Handel

Jede Stufe dauert mindestens vier Wochen. Das ist eine Untergrenze, keine Aufforderung, am 29. Tag zu wechseln. Wer nach vier Wochen noch mit Übelkeit zu tun hat, bleibt länger auf der aktuellen Stärke.

Eine Tablette pro Tag, nie zwei

Für jede Stufe gibt es eine eigene Tablettenstärke. Die Fachinformation ist hier eindeutig: Es wird höchstens eine Tablette am Tag eingenommen, und zwei Tabletten einer niedrigeren Stärke sind kein Ersatz für die nächste Stufe. Wer von 4 mg auf 9 mg wechselt, braucht also eine neue Packung. Der Hintergrund ist die empfindliche Aufnahme im Magen, die von Wassermenge, Nüchternzustand und weiteren Tabletten im Magen abhängt. Laut Fachinformation sinkt die aufgenommene Menge um rund ein Drittel, wenn fünf andere Tabletten gleichzeitig geschluckt werden.

Die Einnahmeregeln gelten auf jeder Stufe

Ob 1,5 mg oder 9 mg: Die Tablette wird nüchtern eingenommen, nach einer Nüchternphase von mindestens acht Stunden, für die meisten Menschen also direkt nach dem Aufstehen. Sie wird im Ganzen mit höchstens 120 ml Wasser geschluckt, nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut, und danach folgen mindestens 30 Minuten ohne Essen, Trinken und andere Tabletten. Diese Regeln ändern sich mit der Dosis nicht. Warum die Tablette nüchtern eingenommen werden muss, haben wir in einem eigenen Beitrag erklärt.

Warum jede Stufe vier Wochen dauert

Die vier Wochen sind kein Zufall. Semaglutid hat eine Halbwertszeit von etwa einer Woche, bei der Tablette genauso wie beim Pen. Bei täglicher Einnahme baut sich der Wirkspiegel im Blut deshalb langsam auf und erreicht laut Fachinformation erst nach vier bis fünf Wochen ein stabiles Niveau. Erst dann lässt sich beurteilen, wie eine Stufe wirklich vertragen wird.

Der zweite Grund ist der Magen-Darm-Trakt. Semaglutid verlangsamt die Magenentleerung und wirkt im Gehirn auf das Sättigungsgefühl. Beides ist gewollt, beides macht aber gerade am Anfang Beschwerden. In der Zulassungsstudie OASIS 4 zur 25-mg-Tablette waren Magen-Darm-Beschwerden die häufigsten Nebenwirkungen:

NebenwirkungTablette 25 mgPlacebo
Übelkeit46,6 %18,6 %
Erbrechen30,9 %5,9 %
Verstopfung20,1 %9,8 %
Verdauungsbeschwerden (Dyspepsie)18,1 %8,8 %
Durchfall17,6 %8,8 %
Bauchschmerzen16,7 %7,8 %

Die Zahlen stammen aus der Fachinformation und beziehen sich auf 64 Wochen Behandlung mit der 25-mg-Stufe. Die meisten Beschwerden waren leicht bis mäßig ausgeprägt. Wegen Magen-Darm-Beschwerden beendeten 3,4 Prozent der Teilnehmenden die Behandlung vorzeitig. Für die einzelnen Stufen 1,5 mg, 4 mg und 9 mg gibt es keine eigenen Häufigkeiten. Für die Wochenspritze zeigt eine gepoolte Auswertung von drei Zulassungsstudien, dass die Beschwerden vor allem während der Aufdosierung auftreten, überwiegend vorübergehen und zu 98 Prozent leicht bis mäßig sind. Genau in diese Phase fällt jede Dosiserhöhung, und genau deshalb gibt es sie nur alle vier Wochen.

Was das für die ersten Monate bedeutet

Bis zur 9-mg-Stufe vergehen mindestens acht Wochen, die vollständige Aufdosierung bis 25 mg dauert nach Angaben der EMA 16 Wochen. Die ersten zwei Monate sind deshalb Eingewöhnung, nicht der Zeitraum, in dem Sie die volle Wirkung erwarten sollten. Trinken Sie in dieser Zeit genug: Erbrechen und Durchfall kosten Flüssigkeit, und laut Fachinformation kann ein Flüssigkeitsmangel die Nierenfunktion beeinträchtigen.

Wenn eine Stufe nicht vertragen wird

Die Fachinformation regelt diesen Fall ausdrücklich: Wird eine Dosis nicht vertragen, kann die Behandlung auf der vorherigen Stufe fortgesetzt werden. Es gibt keinen Zwang zur nächsten Stufe und keinen Nachteil, wenn eine Stufe acht statt vier Wochen dauert. Drei Wege stehen offen:

  • Länger bleiben. Die aktuelle Stärke wird über die vier Wochen hinaus beibehalten, bis die Beschwerden nachlassen.
  • Zurückgehen. Wer nach dem Wechsel auf 4 mg oder 9 mg deutlich stärkere Übelkeit hat als zuvor, kann auf die vorherige Stärke zurück und es nach einigen Wochen erneut versuchen.
  • Auf einer Stufe bleiben. Wer mit 4 mg oder 9 mg abnimmt und sich wohlfühlt, muss nicht weiter steigern. Die Fachinformation erlaubt es, die Dosis dauerhaft auf einer niedrigeren Stufe zu halten.

Alle drei Wege gehören in ärztliche Hände, weil die Ärztin oder der Arzt dabei auch andere Ursachen für die Beschwerden ausschließt. Bei einer telemedizinischen Behandlung heißt das: Beschwerden im Fragebogen offen angeben, statt die Stufe eigenmächtig zu wechseln. Die ärztliche Prüfung des Fragebogens kostet bei uns 2,98 €.

Vergessene Tablette

Eine vergessene Tablette wird nicht nachgeholt. Sie nehmen die nächste am folgenden Tag zur gewohnten Zeit, ohne die Dosis zu verdoppeln. Fällt Ihnen die Tablette erst nach dem Frühstück ein, gilt dasselbe: an diesem Tag auslassen, am nächsten Morgen nüchtern weiter. Ein einzelner ausgelassener Tag verändert den Wirkspiegel wegen der Halbwertszeit von etwa einer Woche nur wenig.

Wann Sie nicht abwarten sollten

Übelkeit in den ersten Wochen ist häufig und meist harmlos. Anders sieht es aus bei anhaltendem Erbrechen, bei dem nichts mehr im Körper bleibt, bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen können und auf eine Bauchspeicheldrüsenentzündung hinweisen, oder bei einem aufgeblähten Bauch mit Erbrechen und fehlendem Stuhlgang. In solchen Fällen hilft keine Dosisanpassung, sondern eine ärztliche Abklärung, außerhalb der Sprechzeiten über die 116117 und im Notfall über die 112.

Die 25-mg-Frage und der Wechsel vom Pen

Wer die Fachinformation liest, findet eine vierte Stufe: 25 mg einmal täglich als Erhaltungsdosis, erreichbar ab Woche 13. Diese Stärke ist in der EU zugelassen, in Deutschland aber derzeit nicht im Handel. Erhältlich sind seit dem 1. September 2026 die Stärken 1,5 mg, 4 mg und 9 mg. Die Aufdosierung endet deshalb vorerst bei 9 mg, was die Fachinformation ausdrücklich zulässt.

Was die Studienzahlen bedeuten

Die wichtigste Einschränkung: Die Zulassungsstudie OASIS 4 wurde mit 25 mg geführt. An ihr nahmen 307 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas teil. Unter 25 mg verloren sie über 64 Wochen im Mittel 13,6 Prozent ihres Körpergewichts, unter Placebo waren es 2,2 Prozent. Für die 9-mg-Stufe allein gibt es keine vergleichbare Zahl aus einer Zulassungsstudie. Wer heute mit der Tablette beginnt, sollte den eigenen Verlauf deshalb mit der Ärztin oder dem Arzt bewerten und nicht an der 25-mg-Studie messen. Kommt die 25-mg-Stärke später in den Handel, gilt dasselbe Schema: Wechsel frühestens nach vier Wochen auf 9 mg.

Vom Pen auf die Tablette

Für den Wechsel von der Wochenspritze auf die Tablette beschreibt die Fachinformation nur einen Weg: von der Erhaltungsdosis 2,4 mg des Pens direkt auf 25 mg Tablette, begonnen eine Woche nach der letzten Injektion. Weil 25 mg in Deutschland nicht verfügbar ist, lässt sich dieser Weg zurzeit nicht wie beschrieben gehen. Ein Wechsel gehört deshalb in ärztliche Hände, zumal die Stufen beider Formen einander nicht eins zu eins entsprechen:

ZeitraumTablette (täglich)Pen (wöchentlich)
Woche 1 bis 41,5 mg0,25 mg
Woche 5 bis 84 mg0,5 mg
Woche 9 bis 129 mg1,0 mg
Woche 13 bis 1625 mg (nicht im Handel)1,7 mg
ab Woche 17Erhaltungsdosis2,4 mg

Die Milligrammzahlen sagen nichts über die Stärke der Wirkung aus, weil die Tablette nur zu einem kleinen Teil aufgenommen wird. 9 mg als Tablette entsprechen deshalb weder 9 mg gespritztem Semaglutid noch einer bestimmten Pen-Stufe. Wie sich Tablette und Wochenspritze im Alltag unterscheiden, haben wir bereits verglichen.

Beide Formen sind verschreibungspflichtig und für Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingter Begleiterkrankung zugelassen, jeweils als Ergänzung zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung, wie es auch die S3-Leitlinie zur Adipositas vorsieht. Ob eine medikamentöse Therapie für Sie infrage kommt, klärt eine ärztliche Beratung, mehr dazu auf der Seite zu Übergewicht und Adipositas. Was vor einem Rezept für eine Abnehmtablette geprüft wird, haben wir gesondert zusammengefasst.

Häufige Fragen

Kann ich schneller steigern, wenn ich die Tablette gut vertrage?

Nein. Die Fachinformation nennt vier Wochen als Mindestdauer je Stufe, und der Wirkspiegel erreicht erst nach vier bis fünf Wochen ein stabiles Niveau. Wer früher wechselt, beurteilt die Verträglichkeit einer Dosis, die noch gar nicht vollständig wirkt. Über jeden Wechsel entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Muss ich überhaupt bis 9 mg steigern?

Nein. Wer mit 1,5 mg oder 4 mg abnimmt und die Dosis gut verträgt, kann auf dieser Stufe bleiben. Die Fachinformation erlaubt es ausdrücklich, die Behandlung auf der vorherigen Dosis fortzusetzen. Ob das im Einzelfall sinnvoll ist, hängt vom Verlauf ab und wird ärztlich entschieden.

Wann gibt es die 25-mg-Tablette in Deutschland?

Dazu gibt es keine verlässliche Angabe. Die Stärke ist in der EU zugelassen, aber in Deutschland derzeit nicht im Handel. Bis dahin endet die Aufdosierung bei 9 mg, und die Fachinformation deckt das Verbleiben auf dieser Stufe ab.

Ist Übelkeit ein Zeichen dafür, dass die Tablette wirkt?

Nein. Für die Wochenspritze hat eine gepoolte Auswertung von drei Zulassungsstudien gezeigt, dass der Gewichtsverlust weitgehend unabhängig davon ist, ob Magen-Darm-Beschwerden auftreten. Wer keine Übelkeit hat, nimmt deshalb nicht weniger ab, und wer starke Übelkeit hat, sollte sie nicht als Beweis für die Wirkung hinnehmen.

Quellen

  1. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Wegovy, Produktinformation (Fachinformation) und Übersicht, Stand August 2026. ema.europa.eu
  2. Fachinformation Wegovy® 1,5 mg / 4 mg / 9 mg Tabletten, Novo Nordisk, Stand Juli 2026.
  3. Wharton S et al.: OASIS 4, Phase-3-Studie zu oralem Semaglutid 25 mg bei Erwachsenen mit Übergewicht oder Adipositas. New England Journal of Medicine 2025, vorab veröffentlicht am 17. September 2025.
  4. Wharton S et al.: Gastrointestinale Verträglichkeit von Semaglutid 2,4 mg und Zusammenhang mit dem Gewichtsverlust, gepoolte Analyse der Studien STEP 1 bis 3. Diabetes, Obesity and Metabolism 2022; 24: 94–105.
  5. Deutsche Adipositas-Gesellschaft: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, AWMF-Register 050-001, Version 5.0, 2024. register.awmf.org
Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob und in welchem Tempo eine Dosis gesteigert wird, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung Ihrer Vorerkrankungen, Ihrer Medikamente und Ihres Verlaufs. Ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig. Bei anhaltendem Erbrechen, starken Bauchschmerzen, die in den Rücken ausstrahlen, oder Anzeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe, außerhalb der Sprechzeiten über die 116117. In Notfällen wählen Sie die 112.

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