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Abnehmen·5. September 2026·7 min Lesezeit

Wie unterscheidet sich eine GLP-1-Tablette von der Wochenspritze?

Seit September 2026 gibt es Semaglutid auch als Tablette. Der Wirkstoff ist derselbe wie im Pen, der Alltag damit ein anderer. Was sich bei Einnahme, Dosierung, Lagerung und Kosten unterscheidet.

Medizinisch geprüft · deinrezept.de Ärzteteam
Wie unterscheidet sich eine GLP-1-Tablette von der Wochenspritze?
Kurz gesagt

Tablette und Wochenspritze enthalten denselben Wirkstoff, Semaglutid. Der Unterschied liegt im Weg in den Körper: Die Tablette wird einmal täglich morgens nüchtern geschluckt, der Pen einmal pro Woche unter die Haut gespritzt. Die Tablette braucht keinen Kühlschrank und keine Nadel, verlangt aber einen festen Morgenablauf. Welche Form passt, hängt vom Alltag ab, nicht von der Wirkung.

Derselbe Wirkstoff, zwei Wege in den Körper

Semaglutid ahmt das Darmhormon GLP-1 nach. Es meldet dem Gehirn Sättigung, verlangsamt die Magenentleerung und senkt so die aufgenommene Energiemenge. Ob der Wirkstoff gespritzt oder geschluckt wird, ändert an diesem Mechanismus nichts. Es ändert aber, wie der Wirkstoff dorthin kommt, wo er wirken soll.

Warum die Tablette so empfindlich ist

Semaglutid ist ein Eiweißmolekül. Im Magen würde es normalerweise verdaut, bevor es ins Blut gelangt. Die Tablette umgeht das mit einem Hilfsstoff, der die Magenwand kurzzeitig durchlässiger macht. Das funktioniert nur, wenn der Magen leer ist und die Tablette nicht mit viel Flüssigkeit verdünnt wird. Daraus ergeben sich die Einnahmeregeln, um die es weiter unten geht.

Warum eine Spritze pro Woche reicht

Bei der Spritze fällt diese Hürde weg. Der Wirkstoff wird direkt ins Unterhautfettgewebe gegeben und von dort langsam über die Woche freigesetzt. Semaglutid bindet dabei an Eiweiße im Blut, was seinen Abbau verzögert und die lange Wirkdauer erklärt. Deshalb reicht eine Gabe pro Woche, und deshalb bleibt der Wirkspiegel über die Woche vergleichsweise gleichmäßig.

In Deutschland ist die Tablette seit dem 1. September 2026 im Handel. Sie ist für dieselbe Patientengruppe zugelassen wie der Pen: Erwachsene mit einem BMI ab 30 oder ab 27 mit gewichtsbedingter Begleiterkrankung, jeweils zusätzlich zu Ernährungsumstellung und mehr Bewegung. Was die Zulassung im Einzelnen umfasst, haben wir bereits beschrieben.

Einnahme im Alltag: täglich nüchtern oder einmal pro Woche

Hier liegt der eigentliche Unterschied, und er entscheidet oft darüber, welche Form durchgehalten wird.

MerkmalTabletteWochenspritze
Rhythmuseinmal täglicheinmal pro Woche, fester Wochentag
Zeitpunktmorgens nüchtern, vor dem ersten Essen und Trinkenbeliebige Tageszeit, mit oder ohne Mahlzeit
Regelnim Ganzen mit höchstens 120 ml Wasser schlucken, danach 30 Minuten wartenInjektionsstelle wechseln (Bauch, Oberschenkel, Oberarm)
Lagerungtrocken, bis 30 °C, kein Kühlschrankvor der ersten Anwendung im Kühlschrank
UnterwegsBlister in die TascheKühlung planen, Nadeln und Entsorgung mitdenken
VergessenDosis auslassen, nicht nachholen, am nächsten Morgen normal weiterinnerhalb von fünf Tagen nachholen, sonst auslassen

Die 30 Minuten nach der Tablette sind kein Detail. In dieser Zeit sollten Sie nichts essen, nichts trinken und keine anderen Tabletten nehmen, auch keinen Kaffee. Wer morgens direkt aus dem Haus muss oder Medikamente nimmt, die ebenfalls nüchtern gehören, etwa Schilddrüsenhormone, sollte das vorher mit der Ärztin oder dem Arzt durchgehen. Was die Zulassung der Tablette im Einzelnen umfasst, steht in unserem Beitrag zur Zulassung.

Beim Pen ist die Hürde eine andere: Die Injektion selbst. Sie ist mit einer sehr dünnen Nadel wenig schmerzhaft, aber für manche Menschen bleibt sie eine Überwindung. Wer damit hadert, findet in der Tablette eine Alternative ohne Nadel. Umgekehrt empfinden viele den Wochenrhythmus als Erleichterung, weil er im Alltag kaum Aufmerksamkeit verlangt: einmal spritzen, sechs Tage nicht daran denken.

Dosisstufen: Wie beide Formen gesteigert werden

Beide Formen beginnen mit einer niedrigen Dosis, die alle vier Wochen erhöht wird. Das gibt dem Magen-Darm-Trakt Zeit, sich zu gewöhnen, und hält Übelkeit im Rahmen. Die Stufen unterscheiden sich, weil bei der Tablette nur ein kleiner Teil des Wirkstoffs aufgenommen wird.

StufeTablette (täglich)Wochenspritze (wöchentlich)
Wochen 1 bis 41,5 mg0,25 mg
Wochen 5 bis 84 mg0,5 mg
Wochen 9 bis 129 mg1,0 mg
Wochen 13 bis 169 mg oder 25 mg (siehe unten)1,7 mg
ab Woche 17Erhaltungsdosis2,4 mg

Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Die Fachinformation nennt für die Tablette eine Erhaltungsdosis von 25 mg. Diese Stärke ist in Deutschland derzeit nicht im Handel. Erhältlich sind 1,5 mg, 4 mg und 9 mg. Die Fachinformation erlaubt ausdrücklich, auf einer niedrigeren Stufe zu bleiben, wenn die höhere nicht vertragen wird oder nicht verfügbar ist. In der Praxis heißt das: Die Tablette läuft in Deutschland zurzeit bis 9 mg.

Was das für die Wirkung bedeutet, lässt sich nur mit Vorsicht sagen. Die Zulassungsstudie zur Tablette wurde mit 25 mg geführt. Der Gewichtsverlust lag dort in einer ähnlichen Größenordnung wie beim Pen, der in seiner Zulassungsstudie über 68 Wochen im Mittel rund 15 Prozent des Körpergewichts erreichte, gegenüber gut 2 Prozent unter Placebo. Für die 9-mg-Stufe allein gibt es keine vergleichbare Zahl. Wer mit der Tablette beginnt, sollte das wissen und die Erwartung daran ausrichten.

Ob und wann die nächste Stufe passt, entscheidet in jedem Fall die ärztliche Prüfung, nicht der Kalender. Wer eine Stufe gut verträgt und abnimmt, kann dort auch länger bleiben.

Lagerung, Reisen, Kosten und die Frage, welche Form passt

Lagerung. Die Tablette bleibt bei Zimmertemperatur stabil, solange sie trocken und unter 30 °C liegt. Der Pen gehört bis zur ersten Anwendung in den Kühlschrank, danach darf er einige Wochen bei Zimmertemperatur bleiben. Das hängt mit der Darreichungsform zusammen und ist auf der Seite zu Übergewicht mit erklärt.

Reisen. Mit der Tablette reisen Sie wie mit jedem anderen Medikament. Der Pen braucht auf längeren Reisen eine Kühltasche, im Flugzeug gehört er ins Handgepäck, und für die Nadeln brauchen Sie unterwegs eine sichere Entsorgung.

Kosten. Beide Formen sind bei Adipositas ohne Diabetes eine Selbstzahlerleistung. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt Arzneimittel zur Gewichtsregulierung nach § 34 Abs. 1 SGB V grundsätzlich nicht, unabhängig von Darreichungsform und Wirkstoff. Sie zahlen also das Präparat in der Apotheke selbst. Dazu kommt bei uns die ärztliche Prüfung Ihres Fragebogens, die 2,98 € kostet, und der Versand aus der Apotheke Ihrer Wahl. Wann eine Kasse doch zahlt, etwa bei Typ-2-Diabetes, haben wir gesondert zusammengestellt.

Welche Form passt. Die Frage lässt sich am ehesten über den Alltag beantworten:

  • Wer morgens einen ruhigen, festen Ablauf hat und Nadeln vermeiden möchte, kommt mit der Tablette meist gut zurecht.
  • Wer unregelmäßig aufsteht, morgens sofort Kaffee braucht oder andere Nüchternmedikamente nimmt, ist mit dem Wochenrhythmus des Pens oft besser bedient.
  • Wer bereits mit dem Pen eine hohe Dosis erreicht hat, sollte einen Wechsel nur ärztlich begleitet angehen, weil die Tablette in Deutschland derzeit bei 9 mg endet.
  • Wer viel unterwegs ist, spart sich mit der Tablette Kühltasche und Nadelentsorgung.

Beide Formen sind verschreibungspflichtig. Ob eine medikamentöse Therapie für Sie überhaupt infrage kommt, klärt eine ärztliche Beratung. Wie das bei uns abläuft, erfahren Sie auf der Seite zu Übergewicht und Adipositas.

Häufige Fragen

Wirkt die Tablette genauso gut wie die Spritze?

In der Zulassungsstudie mit 25 mg lag der Effekt der Tablette in ähnlicher Größenordnung wie beim Pen. Diese Stärke ist in Deutschland aber noch nicht erhältlich. Für die verfügbare Höchststufe von 9 mg gibt es keine direkte Vergleichszahl.

Kann ich von der Spritze auf die Tablette wechseln?

Ein Wechsel ist möglich, gehört aber in ärztliche Hände. Die Dosisstufen beider Formen entsprechen sich nicht eins zu eins, und die Tablette endet in Deutschland derzeit bei 9 mg.

Was passiert, wenn ich die Tablette nach dem Frühstück nehme?

Dann wird deutlich weniger Wirkstoff aufgenommen. Die Dosis ist dann nicht gefährlich, aber weitgehend wirkungslos. Lassen Sie die Einnahme an diesem Tag aus und nehmen Sie die nächste Tablette am folgenden Morgen wieder nüchtern.

Bekomme ich beides ohne Arztbesuch?

Nein. Beide Formen sind verschreibungspflichtig. Eine Ärztin oder ein Arzt muss prüfen, ob die Therapie für Sie geeignet ist, entweder in der Praxis oder über eine telemedizinische Beratung.

Quellen

  1. Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA): Wegovy, Produktinformation und Bewertungsbericht. ema.europa.eu
  2. Fachinformation Wegovy® 1,5 mg / 4 mg / 9 mg Tabletten, Novo Nordisk, Stand Juli 2026.
  3. Wilding JPH et al.: Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). New England Journal of Medicine 2021; 384: 989–1002.
  4. Deutsche Adipositas-Gesellschaft: S3-Leitlinie Prävention und Therapie der Adipositas, AWMF-Register 050-001, Version 5.0, 2024. register.awmf.org
  5. § 34 Abs. 1 SGB V, Ausschluss von Arzneimitteln zur Regulierung des Körpergewichts. gesetze-im-internet.de
Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Ob eine medikamentöse Therapie bei Übergewicht für Sie geeignet ist und in welcher Form, entscheidet eine Ärztin oder ein Arzt nach Prüfung Ihrer Vorerkrankungen und Medikamente. Bei anhaltender Übelkeit, starken Bauchschmerzen oder Anzeichen einer Bauchspeicheldrüsenentzündung suchen Sie umgehend ärztliche Hilfe. In Notfällen wählen Sie die 112.

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