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Triptane bei der Migräneattacke
Triptane im Vergleich: Wirkeintritt, Wirkdauer und Darreichungsform
Sieben Wirkstoffe tragen dieselbe Endung und verhalten sich doch deutlich verschieden. Der eine flutet rasch an und ist ebenso rasch wieder verschwunden, der andere lässt sich Stunden Zeit und bleibt dafür länger. Dazu kommt die Frage, auf welchem Weg der Wirkstoff überhaupt ankommt — was bei einer Attacke mit Erbrechen über Wirkung oder Wirkungslosigkeit entscheidet. Zwei Dinge gelten für alle: Sie behandeln die Attacke, nicht die Migräne. Und ab zehn Einnahmetagen im Monat können sie selbst zum Problem werden.
Zolmitriptan und Rizatriptan als Schmelztablette, Sumatriptan und Zolmitriptan als Nasenspray
Sumatriptan, 3 mg oder 6 mg unter die Haut
Wie der Wirkstoff aufgenommen wird
über den Magen-Darm-Trakt
Schmelztablette teilweise über die Mundschleimhaut, Nasenspray über die Nasenschleimhaut
über das Unterhautfettgewebe, am Magen-Darm-Trakt vorbei
Wirkeintritt laut Leitlinie
Eletriptan und Rizatriptan nach etwa 30 Minuten, Sumatriptan, Almotriptan und Zolmitriptan nach 45 bis 60 Minuten, Naratriptan und Frovatriptan bis zu vier Stunden
für das Nasenspray nennt die Leitlinie eine schnellere Aufnahme, aber keine eigene Zeitangabe
bei 6 mg nach etwa zehn Minuten
Stärke der Wirkung
Eletriptan und Rizatriptan gelten als stark wirksam, Naratriptan und Frovatriptan als schwächer, dafür mit der längsten Wirkdauer
nicht gesondert ausgewiesen — sie richtet sich nach Wirkstoff und Dosis
die stärkste Wirkung, die die Leitlinie unter den Triptanen ausweist
Wofür die Form gedacht ist
Attacken ohne ausgeprägte Übelkeit
Übelkeit, Erbrechen, unterwegs ohne Wasser
schwere Attacken, frühes Erbrechen, unzureichende Wirkung der Tablette
Rezeptpflicht
ausgenommen von der Verschreibungspflicht sind nach ärztlicher Erstdiagnose Sumatriptan 50 mg, Almotriptan 12,5 mg, Rizatriptan 5 mg und Naratriptan bis 2,5 mg je Tablette
verschreibungspflichtig — die Ausnahmen der Verschreibungsverordnung gelten nur für feste Zubereitungen zum Einnehmen
verschreibungspflichtig
Begleiterscheinungen
Engegefühl in Brust und Hals, kribbelnde Missempfindungen in Armen oder Beinen, Kältegefühl; bei Almotriptan, Naratriptan und Frovatriptan etwas geringer
wie beim selben Wirkstoff als Tablette
zusätzlich zu den üblichen Begleiterscheinungen eine Lokalreaktion an der Einstichstelle
Wo die Anwendung ihre Grenze hat
unzuverlässig, wenn die Tablette den Magen nicht erreicht oder nicht dort bleibt
dieselben Gegenanzeigen wie bei allen Triptanen — Herz- und Gefäßerkrankungen stehen dabei an erster Stelle
dieselben Gegenanzeigen; hinzu kommt die Handhabung des Fertigsystems
Die drei Darreichungswege im Detail
Die Nachteile stehen bei jedem Weg dabei. Der Wirkstoff entscheidet über Zeitverlauf und Stärke, die Form darüber, ob er im Ernstfall überhaupt ankommt.
Tablette zum Schlucken
Stärken
Deckt alle sieben Wirkstoffe ab und erlaubt damit die größte Auswahl
Umfasst sowohl rasch anflutende als auch besonders lang wirkende Wirkstoffe
Einzelne Wirkstärken sind nach ärztlicher Erstdiagnose ohne Verordnung erhältlich
Unauffällig anzuwenden, auch außer Haus
Limitationen
Braucht einen aufnahmefähigen Magen — bei Erbrechen ist die Wirkung unsicher
Wasser muss verfügbar sein
Die Spanne des Wirkungseintritts ist groß: von etwa einer halben Stunde bis zu vier Stunden
Die lang wirkenden Wirkstoffe wirken laut Leitlinie schwächer als die rasch anflutenden
Beste Wahl für
Der übliche Einstieg, solange keine ausgeprägte Übelkeit dazwischenkommt — die Auswahl innerhalb der Gruppe ist ärztlich zu treffen.
Schmelztablette und Nasenspray
Stärken
Die Schmelztablette kommt ohne Wasser aus und zerfällt im Mund
Nasensprays werden laut Leitlinie schneller aufgenommen als Tabletten
Beide Formen sind bei Übelkeit und Erbrechen eine brauchbare Alternative
Anwendbar auch dort, wo sich Rückzug und ein Glas Wasser nicht organisieren lassen
Limitationen
Die Auswahl ist auf wenige Wirkstoffe begrenzt
Für diese Formen weist die Verschreibungsverordnung keine Ausnahme aus — sie bleiben verordnungspflichtig
Ein Teil des Sprühstoßes gelangt in den Rachen und wird geschluckt statt aufgenommen
Der Zeitvorteil gegenüber der Tablette ist in der Leitlinie nicht mit einer eigenen Zahl hinterlegt
Beste Wahl für
Attacken, bei denen Übelkeit oder Erbrechen die Einnahme einer Tablette unzuverlässig machen.
Spritze in das Unterhautfettgewebe
Stärken
Umgeht den Magen-Darm-Trakt vollständig
Die Leitlinie führt diesen Weg als wirksamste und schnellste Behandlung der akuten Attacke
Bleibt anwendbar, wenn eine Attacke bereits mit Erbrechen begonnen hat
Als Fertigsystem konzipiert, das sich selbst anwenden lässt
Limitationen
Verschreibungspflichtig — für diesen Weg besteht keine Ausnahme
Die Anwendung will geübt sein und überwindet bei manchen eine Hemmschwelle
Zusätzlich zu den üblichen Begleiterscheinungen kommt eine Reaktion an der Einstichstelle
Die Gegenanzeigen sind dieselben — der schnellere Weg macht den Wirkstoff nicht verträglicher
Beste Wahl für
Schwere Attacken und Attacken mit frühem Erbrechen — ärztlich auszuwählen und in der Anwendung anzuleiten.
Was in Ihrem Fall vorab zu klären ist
Kein Wirkstoff wird hier empfohlen. Die Zeilen benennen die Frage, die der jeweiligen Beobachtung vorausgeht.
Ich nehme an zehn oder mehr Tagen im Monat ein Migränemittel
→ Das ist die Schwelle, ab der die Behandlung selbst Kopfschmerz unterhalten kann — sie gehört ärztlich beurteilt
Bei einer Attacke wird mir übel, ich behalte nichts bei mir
→ Dann ist die Darreichungsform die eigentliche Frage, nicht der Wirkstoff
Mein bisheriges Mittel wirkt bei mir nicht ausreichend
→ Ein Wechsel innerhalb der Wirkstoffgruppe ist eine der Möglichkeiten, die dabei zu prüfen sind
Ich habe eine Herz- oder Gefäßerkrankung
→ Dann steht vor allem anderen die Frage, ob diese Wirkstoffgruppe überhaupt in Betracht kommt
Meine Kopfschmerzen sind neu oder haben sich verändert
→ Dann geht es zuerst um die Diagnose — die Verschreibungsverordnung setzt sie sogar für den rezeptfreien Weg voraus
Häufige Fragen
Ab wann wird die Migränebehandlung selbst zum Auslöser von Kopfschmerz?
Für Triptane liegt die Grenze bei 10 Einnahmetagen im Monat. Die Patientenleitlinie Migräne zur Leitlinie mit der AWMF-Registernummer 030/057 nennt dieselbe Zahl für Kombinationsschmerzmittel und setzt sie für einzelne Schmerzmittelsubstanzen bei 15 Einnahmetagen pro Monat an. Wird das über längere Zeit regelmäßig überschritten, kann sich ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickeln — ein eigenständiges Krankheitsbild, das den ursprünglichen Kopfschmerz überlagert. Die gute Nachricht steht daneben: Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen bessert er sich, nachdem der Übergebrauch beendet und eine vorbeugende Behandlung begonnen wurde. Deshalb gehört ein Kopfschmerzkalender zu jeder Attackenbehandlung dazu.
Wirken Triptane auch vorbeugend?
Nein, und diese Unterscheidung ist entscheidend. Triptane behandeln die Attacke, die bereits begonnen hat. Die vorbeugende Behandlung der Migräne ist in der Leitlinie ein eigenes Kapitel mit völlig anderen Wirkstoffen. Wer häufige Attacken hat, braucht deshalb keine größere Packung Attackenmittel, sondern die Prüfung, ob eine Vorbeugung angezeigt ist. Ergänzend wichtig für den Einnahmezeitpunkt: Bei einer Migräne mit Aura sollen Triptane laut Leitlinie erst genommen werden, wenn die Kopfschmerzen einsetzen — nicht schon während der Aura.
Warum kehrt der Kopfschmerz nach einigen Stunden zurück?
Weil die meisten Triptane den Körper schneller wieder verlassen, als die Attacke von selbst abklingt. Die Leitlinie beziffert diesen Wiederkehrkopfschmerz mit bis zu 40 Prozent der mit Triptanen behandelten Attacken und führt ihn auf die kurze Halbwertszeit der meisten Wirkstoffe zurück. Eine zweite Dosis ist frühestens nach zwei Stunden vorgesehen und dann meist wieder wirksam. Als weitere Möglichkeiten nennt die Leitlinie ein länger wirksames Triptan oder die Kombination mit einem lang wirkenden Schmerzmittel — beides eine ärztliche Entscheidung, keine Selbstmedikation.
Ein Triptan hat bei mir nicht geholfen — sind dann alle wirkungslos?
Dieser Schluss wäre voreilig. Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass die Wirkung der einzelnen Triptane von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfällt, und hält es für sinnvoll, ein anderes Triptan zu versuchen, wenn eines nicht ausreichend gewirkt hat. Genauso lohnt der Blick auf zwei andere Stellschrauben: den Einnahmezeitpunkt und die Darreichungsform. Eine Tablette, die bei starker Übelkeit den Magen nicht mehr verlässt, wirkt nicht — das ist kein Urteil über den Wirkstoff, sondern über den Weg, auf dem er ankommen sollte.
Für wen kommen Triptane nicht infrage?
Die Leitlinie führt eine deutliche Liste von Gegenanzeigen: unzureichend behandelter hoher Blutdruck, bestimmte Herz- und Gefäßerkrankungen, ein früherer Herzinfarkt oder Schlaganfall, die Schaufensterkrankheit, ein Bündel von Gefäßrisikofaktoren, Schwangerschaft und Stillzeit sowie schwere Einschränkungen der Leber- oder Nierenfunktion. Hinzu kommen zwei Wechselwirkungen: die gleichzeitige Behandlung mit Ergotamin und ein Abstand von zwei Wochen nach dem Absetzen eines MAO-Hemmers. Diese Punkte sind der Grund, warum am Anfang die ärztliche Beurteilung steht und nicht die Auswahl einer Packung.
Sind Triptane rezeptfrei erhältlich?
Nur ein schmaler Ausschnitt, und dieser Ausschnitt hat eine Bedingung. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung nimmt für Sumatriptan 50 Milligramm, Almotriptan 12,5 Milligramm, Rizatriptan 5 Milligramm und Naratriptan bis 2,5 Milligramm je Tablette die Verschreibungspflicht zurück — aber ausschließlich zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen und ausdrücklich erst nach der Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt. Auch die Packungsgröße ist begrenzt, etwa auf 100 Milligramm Gesamtmenge bei Sumatriptan. Eletriptan, Frovatriptan und Zolmitriptan stehen ohne jede Ausnahme in der Liste. Die Diagnose ist damit auch beim rezeptfreien Weg gesetzliche Voraussetzung, nicht Formsache.
Pflichthinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.