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Triptane bei der Migräneattacke

Triptane im Vergleich: Wirkeintritt, Wirkdauer und Darreichungsform

Sieben Wirkstoffe tragen dieselbe Endung und verhalten sich doch deutlich verschieden. Der eine flutet rasch an und ist ebenso rasch wieder verschwunden, der andere lässt sich Stunden Zeit und bleibt dafür länger. Dazu kommt die Frage, auf welchem Weg der Wirkstoff überhaupt ankommt — was bei einer Attacke mit Erbrechen über Wirkung oder Wirkungslosigkeit entscheidet. Zwei Dinge gelten für alle: Sie behandeln die Attacke, nicht die Migräne. Und ab zehn Einnahmetagen im Monat können sie selbst zum Problem werden.

Stand: 2026-08-27
KriteriumTablette zum SchluckenSchmelztablette und NasenspraySpritze in das Unterhautfettgewebe
Wirkstoffe in dieser Form
Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan, ZolmitriptanZolmitriptan und Rizatriptan als Schmelztablette, Sumatriptan und Zolmitriptan als NasenspraySumatriptan, 3 mg oder 6 mg unter die Haut
Wie der Wirkstoff aufgenommen wird
über den Magen-Darm-TraktSchmelztablette teilweise über die Mundschleimhaut, Nasenspray über die Nasenschleimhautüber das Unterhautfettgewebe, am Magen-Darm-Trakt vorbei
Wirkeintritt laut Leitlinie
Eletriptan und Rizatriptan nach etwa 30 Minuten, Sumatriptan, Almotriptan und Zolmitriptan nach 45 bis 60 Minuten, Naratriptan und Frovatriptan bis zu vier Stundenfür das Nasenspray nennt die Leitlinie eine schnellere Aufnahme, aber keine eigene Zeitangabebei 6 mg nach etwa zehn Minuten
Stärke der Wirkung
Eletriptan und Rizatriptan gelten als stark wirksam, Naratriptan und Frovatriptan als schwächer, dafür mit der längsten Wirkdauernicht gesondert ausgewiesen — sie richtet sich nach Wirkstoff und Dosisdie stärkste Wirkung, die die Leitlinie unter den Triptanen ausweist
Wofür die Form gedacht ist
Attacken ohne ausgeprägte ÜbelkeitÜbelkeit, Erbrechen, unterwegs ohne Wasserschwere Attacken, frühes Erbrechen, unzureichende Wirkung der Tablette
Rezeptpflicht
ausgenommen von der Verschreibungspflicht sind nach ärztlicher Erstdiagnose Sumatriptan 50 mg, Almotriptan 12,5 mg, Rizatriptan 5 mg und Naratriptan bis 2,5 mg je Tabletteverschreibungspflichtig — die Ausnahmen der Verschreibungsverordnung gelten nur für feste Zubereitungen zum Einnehmenverschreibungspflichtig
Begleiterscheinungen
Engegefühl in Brust und Hals, kribbelnde Missempfindungen in Armen oder Beinen, Kältegefühl; bei Almotriptan, Naratriptan und Frovatriptan etwas geringerwie beim selben Wirkstoff als Tablettezusätzlich zu den üblichen Begleiterscheinungen eine Lokalreaktion an der Einstichstelle
Wo die Anwendung ihre Grenze hat
unzuverlässig, wenn die Tablette den Magen nicht erreicht oder nicht dort bleibtdieselben Gegenanzeigen wie bei allen Triptanen — Herz- und Gefäßerkrankungen stehen dabei an erster Stelledieselben Gegenanzeigen; hinzu kommt die Handhabung des Fertigsystems

Die drei Darreichungswege im Detail

Die Nachteile stehen bei jedem Weg dabei. Der Wirkstoff entscheidet über Zeitverlauf und Stärke, die Form darüber, ob er im Ernstfall überhaupt ankommt.

Tablette zum Schlucken

Stärken

  • Deckt alle sieben Wirkstoffe ab und erlaubt damit die größte Auswahl
  • Umfasst sowohl rasch anflutende als auch besonders lang wirkende Wirkstoffe
  • Einzelne Wirkstärken sind nach ärztlicher Erstdiagnose ohne Verordnung erhältlich
  • Unauffällig anzuwenden, auch außer Haus

Limitationen

  • Braucht einen aufnahmefähigen Magen — bei Erbrechen ist die Wirkung unsicher
  • Wasser muss verfügbar sein
  • Die Spanne des Wirkungseintritts ist groß: von etwa einer halben Stunde bis zu vier Stunden
  • Die lang wirkenden Wirkstoffe wirken laut Leitlinie schwächer als die rasch anflutenden
Beste Wahl für

Der übliche Einstieg, solange keine ausgeprägte Übelkeit dazwischenkommt — die Auswahl innerhalb der Gruppe ist ärztlich zu treffen.

Schmelztablette und Nasenspray

Stärken

  • Die Schmelztablette kommt ohne Wasser aus und zerfällt im Mund
  • Nasensprays werden laut Leitlinie schneller aufgenommen als Tabletten
  • Beide Formen sind bei Übelkeit und Erbrechen eine brauchbare Alternative
  • Anwendbar auch dort, wo sich Rückzug und ein Glas Wasser nicht organisieren lassen

Limitationen

  • Die Auswahl ist auf wenige Wirkstoffe begrenzt
  • Für diese Formen weist die Verschreibungsverordnung keine Ausnahme aus — sie bleiben verordnungspflichtig
  • Ein Teil des Sprühstoßes gelangt in den Rachen und wird geschluckt statt aufgenommen
  • Der Zeitvorteil gegenüber der Tablette ist in der Leitlinie nicht mit einer eigenen Zahl hinterlegt
Beste Wahl für

Attacken, bei denen Übelkeit oder Erbrechen die Einnahme einer Tablette unzuverlässig machen.

Spritze in das Unterhautfettgewebe

Stärken

  • Umgeht den Magen-Darm-Trakt vollständig
  • Die Leitlinie führt diesen Weg als wirksamste und schnellste Behandlung der akuten Attacke
  • Bleibt anwendbar, wenn eine Attacke bereits mit Erbrechen begonnen hat
  • Als Fertigsystem konzipiert, das sich selbst anwenden lässt

Limitationen

  • Verschreibungspflichtig — für diesen Weg besteht keine Ausnahme
  • Die Anwendung will geübt sein und überwindet bei manchen eine Hemmschwelle
  • Zusätzlich zu den üblichen Begleiterscheinungen kommt eine Reaktion an der Einstichstelle
  • Die Gegenanzeigen sind dieselben — der schnellere Weg macht den Wirkstoff nicht verträglicher
Beste Wahl für

Schwere Attacken und Attacken mit frühem Erbrechen — ärztlich auszuwählen und in der Anwendung anzuleiten.

Was in Ihrem Fall vorab zu klären ist

Kein Wirkstoff wird hier empfohlen. Die Zeilen benennen die Frage, die der jeweiligen Beobachtung vorausgeht.

  • Ich nehme an zehn oder mehr Tagen im Monat ein Migränemittel
    Das ist die Schwelle, ab der die Behandlung selbst Kopfschmerz unterhalten kann — sie gehört ärztlich beurteilt
  • Bei einer Attacke wird mir übel, ich behalte nichts bei mir
    Dann ist die Darreichungsform die eigentliche Frage, nicht der Wirkstoff
  • Mein bisheriges Mittel wirkt bei mir nicht ausreichend
    Ein Wechsel innerhalb der Wirkstoffgruppe ist eine der Möglichkeiten, die dabei zu prüfen sind
  • Ich habe eine Herz- oder Gefäßerkrankung
    Dann steht vor allem anderen die Frage, ob diese Wirkstoffgruppe überhaupt in Betracht kommt
  • Meine Kopfschmerzen sind neu oder haben sich verändert
    Dann geht es zuerst um die Diagnose — die Verschreibungsverordnung setzt sie sogar für den rezeptfreien Weg voraus

Häufige Fragen

Ab wann wird die Migränebehandlung selbst zum Auslöser von Kopfschmerz?

Für Triptane liegt die Grenze bei 10 Einnahmetagen im Monat. Die Patientenleitlinie Migräne zur Leitlinie mit der AWMF-Registernummer 030/057 nennt dieselbe Zahl für Kombinationsschmerzmittel und setzt sie für einzelne Schmerzmittelsubstanzen bei 15 Einnahmetagen pro Monat an. Wird das über längere Zeit regelmäßig überschritten, kann sich ein Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickeln — ein eigenständiges Krankheitsbild, das den ursprünglichen Kopfschmerz überlagert. Die gute Nachricht steht daneben: Bei etwa 70 bis 80 Prozent der Betroffenen bessert er sich, nachdem der Übergebrauch beendet und eine vorbeugende Behandlung begonnen wurde. Deshalb gehört ein Kopfschmerzkalender zu jeder Attackenbehandlung dazu.

Wirken Triptane auch vorbeugend?

Nein, und diese Unterscheidung ist entscheidend. Triptane behandeln die Attacke, die bereits begonnen hat. Die vorbeugende Behandlung der Migräne ist in der Leitlinie ein eigenes Kapitel mit völlig anderen Wirkstoffen. Wer häufige Attacken hat, braucht deshalb keine größere Packung Attackenmittel, sondern die Prüfung, ob eine Vorbeugung angezeigt ist. Ergänzend wichtig für den Einnahmezeitpunkt: Bei einer Migräne mit Aura sollen Triptane laut Leitlinie erst genommen werden, wenn die Kopfschmerzen einsetzen — nicht schon während der Aura.

Warum kehrt der Kopfschmerz nach einigen Stunden zurück?

Weil die meisten Triptane den Körper schneller wieder verlassen, als die Attacke von selbst abklingt. Die Leitlinie beziffert diesen Wiederkehrkopfschmerz mit bis zu 40 Prozent der mit Triptanen behandelten Attacken und führt ihn auf die kurze Halbwertszeit der meisten Wirkstoffe zurück. Eine zweite Dosis ist frühestens nach zwei Stunden vorgesehen und dann meist wieder wirksam. Als weitere Möglichkeiten nennt die Leitlinie ein länger wirksames Triptan oder die Kombination mit einem lang wirkenden Schmerzmittel — beides eine ärztliche Entscheidung, keine Selbstmedikation.

Ein Triptan hat bei mir nicht geholfen — sind dann alle wirkungslos?

Dieser Schluss wäre voreilig. Die Leitlinie hält ausdrücklich fest, dass die Wirkung der einzelnen Triptane von Mensch zu Mensch unterschiedlich ausfällt, und hält es für sinnvoll, ein anderes Triptan zu versuchen, wenn eines nicht ausreichend gewirkt hat. Genauso lohnt der Blick auf zwei andere Stellschrauben: den Einnahmezeitpunkt und die Darreichungsform. Eine Tablette, die bei starker Übelkeit den Magen nicht mehr verlässt, wirkt nicht — das ist kein Urteil über den Wirkstoff, sondern über den Weg, auf dem er ankommen sollte.

Für wen kommen Triptane nicht infrage?

Die Leitlinie führt eine deutliche Liste von Gegenanzeigen: unzureichend behandelter hoher Blutdruck, bestimmte Herz- und Gefäßerkrankungen, ein früherer Herzinfarkt oder Schlaganfall, die Schaufensterkrankheit, ein Bündel von Gefäßrisikofaktoren, Schwangerschaft und Stillzeit sowie schwere Einschränkungen der Leber- oder Nierenfunktion. Hinzu kommen zwei Wechselwirkungen: die gleichzeitige Behandlung mit Ergotamin und ein Abstand von zwei Wochen nach dem Absetzen eines MAO-Hemmers. Diese Punkte sind der Grund, warum am Anfang die ärztliche Beurteilung steht und nicht die Auswahl einer Packung.

Sind Triptane rezeptfrei erhältlich?

Nur ein schmaler Ausschnitt, und dieser Ausschnitt hat eine Bedingung. Die Arzneimittelverschreibungsverordnung nimmt für Sumatriptan 50 Milligramm, Almotriptan 12,5 Milligramm, Rizatriptan 5 Milligramm und Naratriptan bis 2,5 Milligramm je Tablette die Verschreibungspflicht zurück — aber ausschließlich zur akuten Behandlung der Kopfschmerzphase bei Migräneanfällen und ausdrücklich erst nach der Erstdiagnose einer Migräne durch einen Arzt. Auch die Packungsgröße ist begrenzt, etwa auf 100 Milligramm Gesamtmenge bei Sumatriptan. Eletriptan, Frovatriptan und Zolmitriptan stehen ohne jede Ausnahme in der Liste. Die Diagnose ist damit auch beim rezeptfreien Weg gesetzliche Voraussetzung, nicht Formsache.

Pflichthinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.

Hinweis zur Methodik

Die Daten in diesem Vergleich wurden zuletzt am 2026-08-27 überprüft. Quellen: S1-Leitlinie Therapie der Migräne, AWMF 030/057 — mit Patientenleitlinie, AMVV — Verordnung über die Verschreibungspflicht von Arzneimitteln, Anlage 1, § 48 AMG — Verschreibungspflicht, deinrezept.de — Behandlung bei Migräne. Angaben zu eigenen Preisen und Versandkosten stammen aus dem laufenden System, nicht aus dem Marketing. Preise und Verfügbarkeit können sich kurzfristig ändern. Kein bezahltes Placement, keine Affiliate-Links.

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