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Rechtslage am Steuer
Cannabis am Steuer: Was für Patienten gilt — und was nicht
Es gibt eine gesetzliche Ausnahme für Menschen mit ärztlicher Verordnung, und sie wird regelmäßig falsch verstanden. Sie betrifft ausschließlich den Grenzwert der Ordnungswidrigkeit — nicht die Frage, ob man fahrtüchtig ist. Diese Seite stellt drei Ausgangslagen nebeneinander und nennt zu jeder Aussage die Fundstelle. Sie ersetzt keine Rechtsberatung.
Stand: 2026-08-27
Kriterium
Mit ärztlicher Verordnung
Ohne ärztliche Verordnung
Andere dämpfende Arzneimittel
Gesetzlicher Grenzwert
§ 24a Abs. 1a StVG: 3,5 ng/ml THC im Blutserum
§ 24a Abs. 1a StVG: 3,5 ng/ml THC im Blutserum
für die meisten Wirkstoffe keiner
Ausnahme für Patienten
ja, § 24a Abs. 4 StVG bei bestimmungsgemäßer Einnahme
nein
die Frage stellt sich nicht
Fahrtüchtigkeit
muss trotzdem gegeben sein — sonst gilt das Strafrecht
muss gegeben sein
der eigentliche Maßstab
Bußgeldtatbestand
die Ordnungswidrigkeit greift nicht
ab dem Grenzwert
kein eigener Tatbestand ohne Grenzwert
Strafrecht
bei Ausfallerscheinungen anwendbar
bei Ausfallerscheinungen anwendbar
bei Ausfallerscheinungen anwendbar
Fahrerlaubnisbehörde
kann die Fahreignung gesondert prüfen
kann die Fahreignung prüfen
kann die Fahreignung prüfen
Die drei Ausgangslagen
Jeweils mit dem, was die Ausnahme NICHT abdeckt. Der gesetzliche Grenzwert und die Fahrtüchtigkeit sind zwei getrennte Fragen.
Mit ärztlicher Verordnung
Stärken
Die Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG greift nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines verschriebenen Arzneimittels stammt
Der bloße Nachweis im Blut ist damit für sich genommen kein Bußgeldtatbestand
Limitationen
Die Ausnahme sagt nichts über die Fahrtüchtigkeit — wer sich beeinträchtigt fühlt, darf nicht fahren
Bei Ausfallerscheinungen oder einem Unfall droht ein Strafverfahren, unabhängig von der Verordnung
„Bestimmungsgemäß“ heißt: nach ärztlicher Vorgabe. Eine eigenmächtig erhöhte Menge fällt nicht darunter
Die Fahrerlaubnisbehörde kann die Eignung gesondert prüfen
Zu Beginn einer Behandlung und nach jeder Umstellung ist die Beeinträchtigung besonders schwer einzuschätzen
Beste Wahl für
Die rechtliche Lage von Patientinnen und Patienten mit laufender Verordnung — mit dem ausdrücklichen Vorbehalt, dass sie kein Freibrief ist.
Ohne ärztliche Verordnung
Stärken
Besitz und Eigenkonsum sind seit 2024 in gesetzlich bestimmten Grenzen erlaubt
Limitationen
Ab 3,5 ng/ml THC im Blutserum liegt eine Ordnungswidrigkeit vor
Es gibt keine Ausnahme wie bei einer ärztlichen Verordnung
Bei Ausfallerscheinungen kommt zusätzlich das Strafrecht in Betracht
Die erlaubten Besitzmengen sagen nichts über das Fahren aus — das sind zwei verschiedene Fragen
Beste Wahl für
Die Lage ohne Verordnung. Der erlaubte Besitz und das Fahren sind rechtlich streng zu trennen.
Andere dämpfende Arzneimittel
Stärken
Für viele verordnete Arzneimittel gibt es überhaupt keinen gesetzlichen Grenzwert
Limitationen
Das Fehlen eines Grenzwerts bedeutet nicht, dass man fahren darf
Auch hier gilt: Wer nicht fahrtüchtig ist, macht sich strafbar
Manche Wirkstoffe beeinträchtigen besonders in den ersten Tagen der Einnahme
Beipackzettel und ärztlicher Hinweis sind hier der Maßstab, nicht ein Messwert
Beste Wahl für
Der Vergleichsfall, der zeigt: Ein Grenzwert ist die Ausnahme, nicht die Regel — entscheidend ist die Fahrtüchtigkeit.
Was in Ihrer Lage gilt
Rechtliche Einordnung, keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Ich habe eine laufende Verordnung und muss beruflich fahren
→ Die Ausnahme betrifft nur den Grenzwert — die Fahrtüchtigkeit ist gesondert und ärztlich zu beurteilen
Meine Behandlung wurde gerade begonnen oder umgestellt
→ Gerade dann ist die Beeinträchtigung schwer einzuschätzen — das gehört vor die Fahrt besprochen
Ich möchte wissen, was ich bei einer Kontrolle dabeihaben sollte
→ Den Nachweis der ärztlichen Verordnung — er ersetzt aber keine Fahrtüchtigkeit
Ich habe ohne Verordnung konsumiert
→ Dann gilt der Grenzwert aus § 24a Abs. 1a StVG ohne Ausnahme
Häufige Fragen
Darf ich mit einer ärztlichen Verordnung Auto fahren?
Die Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG greift nicht — das Gesetz nimmt in Absatz 4 ausdrücklich Fälle aus, in denen die Substanz „aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt“. Das ist aber kein Freibrief: Die Ausnahme betrifft allein den Grenzwert. Wer tatsächlich beeinträchtigt ist, darf nicht fahren, und bei Ausfallerscheinungen oder einem Unfall steht das Strafrecht im Raum — mit Verordnung wie ohne.
Wo genau steht der Grenzwert von 3,5 ng/ml?
In § 24a Absatz 1a StVG: Ordnungswidrig handelt, wer ein Kraftfahrzeug führt, obwohl er „3,5 ng/ml oder mehr Tetrahydrocannabinol im Blutserum“ hat. Häufig wird stattdessen Absatz 2 genannt — der betrifft die in der Anlage aufgeführten berauschenden Mittel allgemein. Die Ausnahme für verschriebene Arzneimittel steht wiederum in Absatz 4.
Was bedeutet „bestimmungsgemäße Einnahme“?
Die Einnahme nach ärztlicher Vorgabe — Menge, Zeitpunkt und Anwendungsform, wie sie verordnet wurden. Wer eigenmächtig mehr anwendet oder etwas anders anwendet als verordnet, bewegt sich außerhalb der Ausnahme. Sie schützt die Therapie, nicht den Umgang mit ihr.
Ich habe eine Verordnung und werde kontrolliert — was gilt dann?
Es empfiehlt sich, den Nachweis der ärztlichen Verordnung mitzuführen und ihn vorzeigen zu können. Damit ist die Frage aber nicht erledigt: Zeigen sich Ausfallerscheinungen, ändert die Verordnung daran nichts, und die Fahrerlaubnisbehörde kann die Eignung unabhängig davon gesondert prüfen.
Hängen die erlaubten Besitzmengen mit dem Fahren zusammen?
Nein, das sind zwei verschiedene Fragen. § 3 KCanG erlaubt Volljährigen den Besitz von bis zu 25 Gramm zum Eigenkonsum und am Wohnsitz von bis zu 50 Gramm sowie bis zu drei lebenden Pflanzen. Über das Führen eines Fahrzeugs sagt diese Vorschrift nichts — dafür gilt allein § 24a StVG und, bei Beeinträchtigung, das Strafrecht.
Pflichthinweis: Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.