Skip to main content
deinrezept Logo
STI·9 October 2026·7 min reading time

HPV bei Männern: Risiken, Folgen und Impfung

HPV gilt vielen als Frauenthema — zu Unrecht. Auch Männer tragen die Viren, geben sie weiter und können selbst erkranken. Welche Risiken bestehen und wie die Impfung schützt.

Medically reviewed · deinrezept.de medical team
HPV bei Männern: Risiken, Folgen und Impfung

Warum HPV kein reines Frauenthema ist

Humane Papillomviren, kurz HPV, sind die häufigsten sexuell übertragenen Erreger überhaupt: Die meisten sexuell aktiven Menschen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mindestens einmal — Männer genauso wie Frauen. Übertragen werden die Viren durch direkten Haut- und Schleimhautkontakt, vor allem beim Geschlechtsverkehr; Kondome senken das Risiko deutlich, verhindern die Übertragung aber nicht vollständig, weil auch die umgebende Haut Viren tragen kann.

In der öffentlichen Wahrnehmung ist HPV eng mit dem Gebärmutterhalskrebs verknüpft, und tatsächlich war die Impfung zunächst ein Angebot an Mädchen. Das hat den falschen Eindruck entstehen lassen, Männer seien nur „Überträger“. Die Realität sieht anders aus: Männer erkranken selbst — an Genitalwarzen und an HPV-bedingten Krebsarten — und sie haben, anders als Frauen mit dem etablierten Zervix-Screening, kein vergleichbares Früherkennungsprogramm, das Vorstufen rechtzeitig entdeckt.

Die allermeisten HPV-Infektionen verlaufen übrigens unbemerkt und heilen innerhalb von ein bis zwei Jahren von selbst aus. Problematisch wird es, wenn bestimmte Virustypen über Jahre in der Schleimhaut verbleiben: Dann können sich aus der chronischen Infektion Zellveränderungen entwickeln — die Grundlage der HPV-bedingten Krebserkrankungen.

Welche Erkrankungen HPV bei Männern auslösen kann

Am häufigsten sind Genitalwarzen (Feigwarzen, Kondylome), verursacht überwiegend durch die Niedrigrisiko-Typen 6 und 11. Es handelt sich um gutartige, aber hartnäckige und psychisch belastende Wucherungen an Penis, Hodensack, Leiste oder After, die behandelt werden können, aber häufig wiederkehren. Sie sind ausgesprochen verbreitet — und komplett impfpräventabel, denn die modernen Impfstoffe decken genau diese Typen mit ab.

Ernster sind die Hochrisiko-Typen, allen voran HPV 16 und 18. Sie können bei Männern Krebs im Mund-Rachen-Raum, am After und am Penis verursachen. Besonders die HPV-bedingten Rachenkrebse haben in den vergangenen Jahrzehnten in westlichen Ländern deutlich zugenommen und betreffen Männer wesentlich häufiger als Frauen. Analkarzinome treten gehäuft bei Männern auf, die Sex mit Männern haben, sowie bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem — für diese Gruppen gibt es teils gesonderte Vorsorgeempfehlungen.

Ein Test-Screening wie den „HPV-Abstrich“ der Frauenmedizin gibt es für Männer nicht, und ein positiver Virusnachweis hätte allein auch keine Behandlungskonsequenz. Umso wichtiger sind zwei Dinge: aufmerksam bleiben — neue Knoten, nicht heilende Wunden, Blutungen im Genital- oder Analbereich, anhaltende einseitige Halsschmerzen oder Schluckbeschwerden ärztlich abklären lassen — und das Entstehen der Infektion möglichst von vornherein verhindern.

Die Impfung: wer, wann und wie gut sie schützt

Genau hier setzt die HPV-Impfung an. Die Ständige Impfkommission empfiehlt sie in Deutschland für alle Kinder und Jugendlichen — ausdrücklich auch für Jungen — im Alter von 9 bis 14 Jahren, mit Nachholimpfung bis zum 18. Geburtstag. In diesem Alter genügen zwei Impfdosen; wird später begonnen, sind drei Dosen nötig. Der Zeitpunkt ist bewusst gewählt: Die Impfung wirkt am besten, wenn sie vor den ersten sexuellen Kontakten erfolgt, denn sie verhindert Neuinfektionen, beseitigt aber keine bestehende Infektion.

Der heute verwendete Impfstoff deckt neun Virustypen ab — die wichtigsten Hochrisiko-Typen ebenso wie die Verursacher der Genitalwarzen. Die Schutzwirkung gegen die erfassten Typen ist in Studien und inzwischen auch in Bevölkerungsdaten eindrucksvoll belegt: In Ländern mit hohen Impfquoten sind Genitalwarzen und Krebsvorstufen bei Geimpften drastisch zurückgegangen. Die Verträglichkeit ist gut; am häufigsten sind vorübergehende Lokalreaktionen an der Einstichstelle.

Und Erwachsene? Eine generelle Empfehlung über 18 gibt es nicht, doch im Einzelfall kann die Impfung auch später noch sinnvoll sein — etwa weil längst nicht jeder mit allen Impfstoff-Typen in Kontakt gekommen ist. Der Nutzen sinkt allerdings mit zunehmender Zahl früherer Partnerinnen und Partner, und die Kosten werden dann nicht immer von der Krankenkasse übernommen; manche Kassen beteiligen sich freiwillig. Lassen Sie sich dazu individuell ärztlich beraten.

Was Sie darüber hinaus tun können

Für Väter und Mütter ist die wichtigste Botschaft: Denken Sie bei Ihren Kindern — Söhnen wie Töchtern — an die HPV-Impfung, idealerweise im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung zwischen 9 und 14 Jahren. Die Impfquoten bei Jungen liegen in Deutschland noch immer deutlich unter denen der Mädchen; hier wird viel vermeidbares Krebsrisiko verschenkt. Auch die eigene Hausarztpraxis spricht das Thema nicht immer von selbst an — fragen kostet nichts.

Für das eigene Verhalten gilt: Kondome reduzieren das Übertragungsrisiko für HPV und schützen zugleich vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen — sie bleiben deshalb sinnvoll, auch wenn ihr HPV-Schutz unvollständig ist. Nicht rauchen hilft doppelt, denn Rauchen schwächt die lokale Immunabwehr der Schleimhäute und erhöht das Risiko, dass eine HPV-Infektion bestehen bleibt statt auszuheilen.

Wer Genitalwarzen bei sich bemerkt, sollte sie ärztlich behandeln lassen — es gibt wirksame Verfahren von Cremes bis zu Vereisung oder Laser — und mit der Partnerin oder dem Partner offen sprechen. Ein Grund für Scham ist eine HPV-Infektion nicht: Sie ist der Normalfall im Leben sexuell aktiver Menschen. Entscheidend ist, die vermeidbaren Folgen zu vermeiden — und dafür ist die Impfung das wirksamste Werkzeug, das die Medizin derzeit hat.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Lassen Sie sich zur HPV-Impfung — für Ihre Kinder oder sich selbst — individuell ärztlich beraten und klären Sie neue Hautveränderungen, Knoten, nicht heilende Wunden oder anhaltende Schluckbeschwerden zeitnah ärztlich ab. Bei bestehenden Genitalwarzen gehört die Behandlung in ärztliche Hand; brechen Sie verordnete Therapien nicht eigenständig ab.

Topics:hpvmännergesundheitstiimpfunggenitalwarzenkrebsvorsorge
Related treatments
Start treatment

Found a suitable treatment? Start the medical questionnaire now.

More articles

STI · 30 September 2026Warum müssen bei einer STI immer beide behandelt werden?STI · 12 September 2026Wie lange nach einem Risikokontakt ist welcher Test aussagekräftig?STI · 22 August 2026HIV-Test: Fensterzeit, Ablauf und Sicherheit der Ergebnisse
← Back to the magazine

Health newsletter

The best of the magazine, once a month

Seasonal health tips, new articles and service news, free, unsubscribe any time. You'll first receive a confirmation email.