Zum Hauptinhalt springen
deinrezept Logo
Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen: Otitis externa erkennen
Allgemein10. Juni 20266 min Lesezeit

Ohrenschmerzen nach dem Schwimmen: Otitis externa erkennen

Stechende Ohrenschmerzen nach dem Badetag? Das Schwimmerohr ist eine Entzündung des Gehörgangs — gut behandelbar, wenn sie früh erkannt wird.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 10. Juni 2026

Was das Schwimmerohr von einer Mittelohrentzündung unterscheidet

Die Otitis externa — umgangssprachlich Schwimmerohr — ist eine Entzündung der Haut des äußeren Gehörgangs, also der Strecke zwischen Ohrmuschel und Trommelfell. Sie ist damit etwas anderes als die Mittelohrentzündung, die hinter dem Trommelfell sitzt und häufig im Rahmen von Erkältungen auftritt.

Ein einfaches Unterscheidungsmerkmal: Beim Schwimmerohr schmerzt es deutlich, wenn man am Ohrläppchen zieht oder auf den kleinen Knorpelvorsprung vor dem Gehörgang drückt. Bei der Mittelohrentzündung löst dieser Druck typischerweise keinen zusätzlichen Schmerz aus. Weitere typische Zeichen der Gehörgangsentzündung sind Juckreiz zu Beginn, ein Gefühl der Verstopfung, gerötete und geschwollene Gehörgangshaut sowie mitunter Ausfluss aus dem Ohr.

Die Beschwerden entwickeln sich oft in zwei Etappen: Erst juckt der Gehörgang harmlos, ein bis zwei Tage später folgen Schmerz und Schwellung. Genau in dieser frühen Juckphase lohnt Konsequenz — Ohr trocken halten, nicht manipulieren —, denn dann lässt sich der Vollausbruch häufig noch abwenden. Ist die Schwellung erst da, kann sie den Gehörgang so verengen, dass das Hören gedämpft wird wie unter einer Watteschicht.

Warum Wasser im Ohr zum Problem wird

Der Gehörgang schützt sich normalerweise selbst: Das Ohrenschmalz bildet einen leicht sauren, wasserabweisenden Film, der Bakterien und Pilzen das Leben schwer macht. Häufiges Schwimmen — besonders in warmem Wasser — weicht diese Schutzschicht auf und spült sie aus. In der verbleibenden feuchten Wärme vermehren sich Keime ausgezeichnet.

Begünstigend wirken außerdem Wattestäbchen, die die Haut aufschürfen und das Schmalz erst recht in die Tiefe schieben, häufig getragene In-Ear-Kopfhörer oder Ohrstöpsel sowie Hauterkrankungen wie Neurodermitis oder Schuppenflechte im Gehörgang. Auch chlorhaltiges Poolwasser reizt die empfindliche Haut zusätzlich.

Ein unterschätzter Faktor ist die Wasserqualität: Whirlpools und schlecht gepflegte Pools sind regelrechte Keimreservoirs, und der typische Erreger der Gehörgangsentzündung fühlt sich in warmem, stehendem Wasser besonders wohl. Auch nach dem Tauchen in Seen mit hoher sommerlicher Wassertemperatur häufen sich die Fälle. Wer im Urlaub täglich ins Wasser geht, gibt seinem Gehörgang idealerweise jeden Abend die Chance, vollständig zu trocknen.

Wie die Entzündung behandelt wird

Eine leichte Reizung bessert sich oft von allein, wenn das Ohr konsequent trocken bleibt. Bei deutlichen Schmerzen, Schwellung oder Ausfluss gehört der Blick in den Gehörgang in ärztliche Hand: Dort wird der Gehörgang schonend gereinigt und beurteilt, ob das Trommelfell intakt ist — davon hängt ab, welche Ohrentropfen verwendet werden dürfen.

Behandelt wird die bakterielle Gehörgangsentzündung in der Regel örtlich mit antibiotischen, teils kortisonhaltigen Ohrentropfen; Tabletten-Antibiotika sind nur in besonderen Situationen nötig. Gegen die oft erheblichen Schmerzen helfen übliche Schmerzmittel. Wichtig während der Behandlung: kein Wasser ins Ohr — Duschen mit Watte-Vaseline-Schutz oder Ohrstöpseln, Schwimmpause bis zur Ausheilung.

Wichtig bei der Anwendung von Ohrentropfen: Sie wirken nur, wenn sie ankommen. Legen Sie sich für die Anwendung auf die Seite, ziehen Sie die Ohrmuschel leicht nach hinten oben, um den Gehörgang zu strecken, und bleiben Sie danach einige Minuten liegen. Bei stark geschwollenem Gehörgang setzt die HNO-Praxis manchmal einen kleinen Docht ein, der die Tropfen in die Tiefe leitet — ein einfacher Handgriff, der die Wirkung deutlich verbessert.

Vorbeugen: das Ohr trocken halten, ohne es zu reizen

Nach dem Baden das Ohr sanft trocknen: Kopf zur Seite neigen, am Ohr zupfen, damit das Wasser abläuft, und die Ohrmuschel mit dem Handtuch abtupfen. Ein Föhn auf niedriger Stufe mit Abstand hilft, Restfeuchte zu entfernen. Verzichten Sie auf Wattestäbchen im Gehörgang — sie schaffen mehr Probleme, als sie lösen.

Wer häufig badet und zu Gehörgangsentzündungen neigt, kann mit individuell angepassten Schwimm-Ohrstöpseln vorbeugen. Menschen mit wiederkehrenden Beschwerden sollten die Ursache hno-ärztlich abklären lassen: Manchmal stecken ein Ekzem, eine Pilzbesiedlung oder anatomische Besonderheiten dahinter, die gezielt behandelt werden können.

Wer beruflich oder sportlich viel im Wasser ist, kann zusätzlich mit sauren Ohrentropfen aus der Apotheke nach dem Schwimmen das schützende Milieu des Gehörgangs unterstützen — eine bewährte Prophylaxe bei wiederkehrenden Entzündungen, die aber nur ins intakte Ohr gehört, nicht bei bestehender Trommelfellperforation oder einliegenden Paukenröhrchen. Im Zweifel gehört genau diese Frage einmalig hno-ärztlich geklärt.

Zwei Sonderformen verdienen Erwähnung, weil sie anders verlaufen: Bei einer Pilz-Otitis — erkennbar oft an intensivem Juckreiz und weißlichen oder schwärzlichen Belägen — helfen antibiotische Tropfen nicht; hier braucht es antimykotische Präparate und besonders gründliche Reinigungen in der HNO-Praxis. Und die seltene, aber gefürchtete nekrotisierende Otitis externa bei Diabetikern und Immungeschwächten beginnt wie eine normale Gehörgangsentzündung, frisst sich aber in Knochen und Weichteile — anhaltende starke Schmerzen trotz Behandlung sind bei diesen Patientengruppen deshalb immer ein Alarmzeichen, das eine sofortige Wiedervorstellung rechtfertigt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Suchen Sie bei starken Ohrenschmerzen, Fieber, Schwellung hinter dem Ohr, Hörminderung, Schwindel oder Gesichtslähmung umgehend ärztliche Hilfe auf. Menschen mit Diabetes oder geschwächtem Immunsystem sollten Ohrenschmerzen grundsätzlich frühzeitig abklären lassen, da schwere Verlaufsformen möglich sind.

Themen
otitis externaschwimmerohrohrenschmerzengehörgangsentzündungsommerbaden
Behandlung starten

Passende Behandlung gefunden? Starten Sie jetzt den medizinischen Fragebogen.

Gesundheitspost

Einmal im Monat das Beste aus dem Magazin

Saisonale Gesundheitstipps, neue Artikel und Neuigkeiten zum Service. Kostenlos und jederzeit abbestellbar. Sie erhalten zuerst eine E-Mail zur Bestätigung.

Weitere Artikel

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).