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Schmerzen richtig behandeln: Von Ibuprofen bis rezeptpflichtige Optionen
Allgemein31. Januar 20268 min Lesezeit

Schmerzen richtig behandeln: Von Ibuprofen bis rezeptpflichtige Optionen

Von rezeptfreien Schmerzmitteln bis hin zu verschreibungspflichtigen Optionen: Ein Überblick über moderne Schmerztherapie und das WHO-Stufenschema.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Schmerz verstehen: Akut und chronisch

Schmerz ist ein lebenswichtiges Warnsignal des Körpers. Die Unterscheidung zwischen akutem und chronischem Schmerz ist für die Behandlung entscheidend.

Akuter Schmerz tritt plötzlich auf und hat eine klare Ursache: Verletzung, Entzündung, Operation oder Zahnschmerzen. Er verschwindet, wenn die Ursache behandelt wird. Chronischer Schmerz dauert länger als drei Monate an und verselbstständigt sich häufig – der Schmerz wird zur eigenständigen Erkrankung. In Deutschland leiden schätzungsweise 12–15 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen.

Weitere wichtige Schmerzarten sind nozizeptiver Schmerz (Gewebeschädigung), neuropathischer Schmerz (Nervenschädigung, z.B. bei Diabetes oder Gürtelrose) und gemischter Schmerz (z.B. Rückenschmerzen mit Nervenbeteiligung). Die korrekte Einordnung ist entscheidend, da neuropathische Schmerzen auf klassische Schmerzmittel oft schlecht ansprechen und spezifische Medikamente (Antikonvulsiva, Antidepressiva) benötigen.

Das WHO-Stufenschema der Schmerztherapie

Die Weltgesundheitsorganisation hat ein dreistufiges Schema entwickelt:

  1. Stufe 1 – Nicht-Opioid-Analgetika: Paracetamol, Ibuprofen, Diclofenac, Metamizol und andere NSAR. Für leichte bis mäßige Schmerzen.
  2. Stufe 2 – Schwache Opioide: Tramadol, Tilidin/Naloxon, Codein. In Kombination mit Nicht-Opioiden bei mäßigen bis starken Schmerzen.
  3. Stufe 3 – Starke Opioide: Morphin, Oxycodon, Fentanyl, Hydromorphon. Bei starken und stärksten Schmerzen.

Das Prinzip: Zunächst die niedrigste wirksame Stufe wählen. Wenn eine Stufe nicht ausreicht, wird auf die nächste gewechselt. Koanalgetika (Antidepressiva, Antikonvulsiva bei neuropathischen Schmerzen) können auf jeder Stufe ergänzt werden. Das Schema ist heute nicht mehr als starres Stufenmodell zu verstehen, sondern als flexible Orientierungshilfe.

NSAR: Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen

Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind die am häufigsten verwendeten Schmerzmittel. Sie wirken schmerzlindernd, entzündungshemmend und fiebersenkend:

Ibuprofen

Das beliebteste rezeptfreie Schmerzmittel in Deutschland. Bis 400 mg pro Einzeldosis (maximal 1.200 mg/Tag) rezeptfrei erhältlich. Wirkt gut bei Kopfschmerzen, Zahnschmerzen, Regelschmerzen und leichten Gelenkbeschwerden. Einnahmedauer ohne ärztliche Kontrolle: maximal 3–4 Tage.

Diclofenac

Besonders wirksam bei Gelenk- und Muskelschmerzen. Als Tablette, Gel oder Pflaster erhältlich. Höhere Dosierungen verschreibungspflichtig. Kardiovaskuläres Risiko etwas höher als bei Ibuprofen.

Naproxen

Länger wirksam (8–12 Stunden), daher weniger häufige Einnahme. Niedrigstes kardiovaskuläres Risiko unter den NSAR.

Wichtige Nebenwirkungen aller NSAR: Magengeschwüre und Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bei Langzeitanwendung. NSAR sollten möglichst kurz und niedrig dosiert eingenommen werden.

Paracetamol und Metamizol

Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend, hat jedoch keine entzündungshemmende Wirkung. Es ist magenverträglicher als NSAR und besonders geeignet bei Magenerkrankungen. Die maximale Tagesdosis beträgt 4.000 mg. Vorsicht: Paracetamol ist in vielen Kombinationspräparaten (Grippemedikamente) enthalten, was zu unbeabsichtigter Überdosierung führen kann. Eine Überdosierung schädigt die Leber schwer und kann lebensbedrohlich sein.

Metamizol (Novalgin) ist in Deutschland verschreibungspflichtig und eines der stärksten Nicht-Opioid-Schmerzmittel. Es wirkt krampflösend und ist besonders wirksam bei Kolikschmerzen und postoperativen Schmerzen. Die seltene, aber gefährliche Nebenwirkung Agranulozytose (schwere Störung der Blutbildung) erfordert eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung und regelmäßige Blutbildkontrollen bei längerer Einnahme.

Rezeptpflichtige Optionen: Opioide

Bei starken Schmerzen, die mit Nicht-Opioid-Analgetika nicht kontrolliert werden können, kommen Opioide zum Einsatz:

Schwache Opioide (WHO-Stufe 2)

  • Tramadol: Häufigstes schwaches Opioid. Einzeldosis 50–100 mg, maximal 400 mg/Tag. Nebenwirkungen: Übelkeit, Schwindel, Benommenheit.
  • Tilidin/Naloxon: Retardtabletten für länger anhaltende Wirkung. Der Naloxon-Zusatz soll Missbrauch verhindern.

Starke Opioide (WHO-Stufe 3)

  • Morphin: Goldstandard bei starken Schmerzen, insbesondere Tumorschmerzen.
  • Oxycodon: Ähnlich wirksam wie Morphin, oft besser verträglich.
  • Fentanyl: Als Pflaster für konstante Schmerzlinderung über 72 Stunden.

Alle Opioide können Abhängigkeit verursachen und unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Eine sachgemäße, ärztlich kontrollierte Anwendung bei echten Schmerzen führt jedoch selten zur Sucht. Typische Nebenwirkungen sind Verstopfung, Übelkeit, Sedierung und Atemdepression.

Nicht-medikamentöse Ansätze

Eine umfassende Schmerztherapie schließt nicht-medikamentöse Verfahren ein:

  • Physiotherapie und Bewegung: Gezielte Übungen stärken die Muskulatur. Bei chronischen Rückenschmerzen oft wirksamer als Medikamente.
  • Wärme- und Kältetherapie: Wärme bei Verspannungen, Kälte bei akuten Entzündungen.
  • TENS (Transkutane elektrische Nervenstimulation): Elektrische Impulse blockieren Schmerzsignale und regen die Endorphinproduktion an.
  • Akupunktur: Bei chronischen Kopf-, Rücken- und Knieschmerzen als wirksam belegt.
  • Psychologische Schmerztherapie: Kognitive Verhaltenstherapie und Entspannungsverfahren helfen bei der Schmerzbewältigung.
  • Multimodale Schmerztherapie: Kombination verschiedener Ansätze in spezialisierten Schmerzzentren – Goldstandard bei chronischen Schmerzen.

Besonders bei chronischen Schmerzen ist ein biopsychosoziales Behandlungskonzept entscheidend, das körperliche, psychische und soziale Faktoren berücksichtigt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Schmerzmittel sollten grundsätzlich so kurz und so niedrig dosiert wie möglich eingenommen werden. Bei Schmerzen, die länger als drei Tage anhalten oder regelmäßig wiederkehren, suchen Sie bitte eine Ärztin oder einen Arzt auf. Opioide und Metamizol sind verschreibungspflichtig und dürfen nur unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).