Was ist Talvosilen forte®?
Talvosilen forte® ist ein verschreibungspflichtiges Kombinationspräparat aus Paracetamol und Codein. Die Kombination zweier Wirkstoffe mit unterschiedlichen Angriffspunkten ermöglicht eine stärkere Schmerzlinderung als die Einzelsubstanzen allein.
Paracetamol wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend über zentrale Mechanismen. Codein ist ein schwaches Opioid, das im Körper teilweise zu Morphin umgewandelt wird und die Schmerzwahrnehmung im Gehirn dämpft.
Talvosilen forte® ist als Kapseln und Suppositorien (Zäpfchen) erhältlich und wird bei mäßig starken bis starken Schmerzen eingesetzt, wenn einfache Analgetika nicht ausreichen.
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Paracetamol 500 mg + Codeinphosphat 30 mg
Die Kombination nutzt zwei verschiedene Wirkmechanismen:
Paracetamol (500 mg):
- Hemmt die Prostaglandin-Synthese im ZNS
- Wirkt schmerzlindernd und fiebersenkend
- Kein Entzündungseffekt
Codein (30 mg):
- Schwacher Opioid-Agonist (µ-Rezeptor)
- Wird im Körper durch CYP2D6 teilweise zu Morphin umgewandelt
- Dämpft die Schmerzweiterleitung im ZNS
- Hat zusätzlich hustenstillende Wirkung
Synergistische Wirkung: Die Kombination beider Wirkstoffe ist stärker als die Summe der Einzelwirkungen. Die überadditiven Effekte ermöglichen eine bessere Schmerzkontrolle bei niedrigerer Opioid-Dosis.
Pharmakokinetik:
- Wirkungseintritt: 30–60 Minuten
- Wirkdauer: 4–6 Stunden
Für wen ist es geeignet?
Talvosilen forte® ist geeignet für:
- Mäßig starke bis starke Schmerzen
- Schmerzen, die auf einfache Analgetika nicht ansprechen
- Postoperative Schmerzen
- Zahnschmerzen (nach Eingriffen)
- Kopfschmerzen (wenn Einzelanalgetika versagen)
- Kurzzeitbehandlung akuter Schmerzzustände
WHO-Stufe 2: Talvosilen forte® entspricht der WHO-Schmerzstufe 2 (schwaches Opioid + Nicht-Opioid).
Nicht geeignet:
- Bei Atemdepression
- Bei akutem Asthmaanfall
- Bei paralytischem Ileus
- Für Kinder unter 12 Jahren
- Bei bekanntem ultraschnellen CYP2D6-Metabolismus
Verfügbare Dosierungen
Hartkapseln:
- Paracetamol 500 mg + Codeinphosphat 30 mg je Kapsel
- Kinder ab 12 Jahren (ab 43 kg Körpergewicht), Jugendliche und Erwachsene: 1–2 Kapseln alle 6–8 Stunden
- Maximale Tagesdosis: 8 Kapseln (4.000 mg Paracetamol / 240 mg Codeinphosphat)
Zäpfchen (talvosilen forte 1000 mg/60 mg):
- Paracetamol 1.000 mg + Codeinphosphat-Hemihydrat 60 mg je Zäpfchen
- Kinder ab 12 Jahren (ab 43 kg Körpergewicht), Jugendliche und Erwachsene: 1 Zäpfchen, wenn erforderlich bis zu 4-mal täglich
- Abstand zwischen zwei Zäpfchen mindestens 6 Stunden
- Maximale Tagesdosis: 4 Zäpfchen
Empfehlung:
- Niedrigste wirksame Dosis
- So kurz wie möglich
- Nicht länger als 3 Tage ohne ärztliche Rücksprache
Darreichung und Packungsgrößen
Laut Arzneimittelkatalog ist eine Packungsvariante gelistet: eine Stärke in einer Packungsgröße.
- Darreichungsform
- Hartkapsel
- Stärken
- 500/30 mg
- Packungsgrößen
- 20 Stück
| Stärke | Packung | PZN | Reichweite |
|---|---|---|---|
| 500/30 mg | 20 Stück | 02725233 | 0 Tage |
Gelistete Packungen laut Arzneimittelkatalog. Welche davon aktuell lieferbar sind und was sie kosten, steht in der Preisübersicht.
Die Pharmazentralnummer (PZN) ist die bundesweit eindeutige Kennnummer einer Packung.
Die Reichweite ist der im Katalog hinterlegte Wert für die übliche Dosierung. Wie lange eine Packung tatsächlich reicht, hängt von der ärztlich festgelegten Dosis ab.
Einnahmehinweise
Kapseln:
- Mit einem Glas Wasser einnehmen
- Unabhängig von Mahlzeiten
- Mindestabstand zwischen Einzeldosen: 6 Stunden
Zäpfchen:
- Möglichst nach dem Stuhlgang tief in den After einführen
- Zur besseren Gleitfähigkeit das Zäpfchen evtl. in der Hand erwärmen oder ganz kurz in heißes Wasser tauchen
Wichtige Hinweise:
- Nicht mit anderen Paracetamol-haltigen Medikamenten kombinieren (Überdosis-Gefahr!)
- Kein Alkohol (verstärkte Sedierung und Leberschäden)
- Einschränkung der Verkehrstüchtigkeit
- Kann Verstopfung verursachen – auf ausreichend Flüssigkeit achten
- Abhängigkeitspotenzial bei längerer Einnahme
Gegenanzeigen
Talvosilen forte® darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe
- Atemdepression
- Akutem Asthmaanfall
- Schwerer Leberinsuffizienz
- Paralytischem Ileus
- Kindern unter 12 Jahren
- Bekanntem ultraschnellen CYP2D6-Metabolismus
- Gleichzeitiger Einnahme von MAO-Hemmern (oder innerhalb von 14 Tagen)
- Stillzeit
Vorsicht bei:
- Älteren oder geschwächten Patienten
- Niereninsuffizienz
- Hypothyreose
- Prostatahyperplasie
- Chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD)
- Leichter Leberinsuffizienz
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (Codein-bedingt):
- Verstopfung
- Übelkeit, Erbrechen
- Müdigkeit, Benommenheit
- Schwindel
Gelegentlich:
- Mundtrockenheit
- Kopfschmerzen
- Miosis (enge Pupillen)
- Harnverhalt
Selten, aber ernst:
- Atemdepression (dosisabhängig)
- Schwere Leberschäden (Paracetamol bei Überdosierung)
- Krampfanfälle
Abhängigkeitspotenzial: Codein kann bei längerer Einnahme zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen. Auch bei kurzer Anwendung kann es zu Entzugserscheinungen kommen.
CYP2D6-Ultraschnellmetabolisierer: Bei diesen Patienten wird Codein zu schnell in Morphin umgewandelt – erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen.
Wechselwirkungen
Kontraindiziert mit:
- MAO-Hemmern (14 Tage Abstand!)
Verstärkte ZNS-Dämpfung mit:
- Alkohol
- Benzodiazepinen
- Anderen Opioiden
- Antihistaminika
- Antidepressiva
- Neuroleptika
Paracetamol-Wechselwirkungen:
- Warfarin (INR kann ansteigen)
- Rifampicin, Carbamazepin (erhöhte Lebertoxizität)
Codein-Wechselwirkungen:
- CYP2D6-Hemmer (Paroxetin, Fluoxetin, Chinidin) reduzieren die Wirkung
- Serotoninerge Medikamente (Serotoninsyndrom-Risiko)
Häufige Fragen
Es enthält Codein, ein schwaches Opioid. Es ist daher verschreibungspflichtig und unterliegt besonderen Vorsichtsmaßnahmen. Das Abhängigkeitspotenzial ist geringer als bei starken Opioiden, aber dennoch vorhanden.
Alkohol verstärkt sowohl die sedierende Wirkung von Codein als auch das Leberschädigungsrisiko durch Paracetamol. Die Kombination kann zu gefährlicher Atemdepression und Leberversagen führen.
Etwa 1–2 % der Mitteleuropäer bauen Codein besonders schnell zu Morphin um. Bei diesen Personen kann es zu unerwartet starken Opioid-Wirkungen kommen, einschließlich schwerer Atemdepression. Genetische Tests können dies klären.
Beide enthalten Paracetamol und Codein, aber in unterschiedlicher Menge: eine Kapsel 500 mg/30 mg, ein Zäpfchen 1.000 mg/60 mg — also doppelt so viel. Ein Zäpfchen darf höchstens 4-mal täglich angewendet werden. Zäpfchen können bei Übelkeit, Erbrechen oder Schluckbeschwerden sinnvoll sein; welche Form passt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





