Was ist Hydroxychloroquin?
Hydroxychloroquin ist ein Antimalariamedikament, das zur Vorbeugung und Behandlung von Malaria in Gebieten ohne Chloroquin-Resistenz eingesetzt wird. Es wird unter dem Markennamen Quensyl® und als Generikum vertrieben.
Darüber hinaus ist Hydroxychloroquin ein wichtiges Medikament bei Autoimmunerkrankungen wie systemischem Lupus erythematodes (SLE) und rheumatoider Arthritis. Für die Malariaprophylaxe ist es nur in Regionen mit Chloroquin-empfindlichen Plasmodien geeignet (Teile Mittelamerikas, Naher Osten, Teile Asiens).
Wirkstoffe & Wirkungsweise
Wirkstoff: Hydroxychloroquin (als Sulfat)
Wirkmechanismus (Malaria):
- Reichert sich in der sauren Nahrungsvakuole des Malariaparasiten an
- Hemmt die Hämpolymerase des Parasiten
- Toxisches Häm akkumuliert und tötet den Parasiten ab
- Wirkt gegen die Blutstadien (erythrozytäre Schizonten)
Zusätzliche Eigenschaften:
- Immunmodulierend (daher Einsatz bei Autoimmunerkrankungen)
- Entzündungshemmend
- Antiproliferativ
Einschränkung: Hydroxychloroquin wirkt nicht gegen Leberschizonten. Daher ist eine Einnahme von 4 Wochen nach der Reise nötig, um Parasiten abzufangen, die aus der Leber in das Blut übergehen.
Für wen ist es geeignet?
Hydroxychloroquin zur Malariaprophylaxe ist geeignet für:
- Reisende in Gebiete MIT Chloroquin-empfindlicher Malaria
- Teile Mittelamerikas, Mittlerer Osten, Teile Südasiens
- Langzeitreisende (gut für längere Aufenthalte)
Nicht geeignet:
- Gebiete mit Chloroquin-Resistenz (subsaharisches Afrika, Südostasien, Südamerika)
- Schwere Netzhauterkrankungen (Retinopathie)
- Überempfindlichkeit gegen 4-Aminochinoline
- G6PD-Mangel (Hämolyserisiko)
- Myasthenia gravis
Verfügbare Dosierungen
Malariaprophylaxe:
- 400 mg (2 Tabletten à 200 mg) einmal wöchentlich
- Beginn: 1–2 Wochen vor Einreise
- Während des gesamten Aufenthalts: wöchentlich
- Nach Ausreise: weitere 4 Wochen
Verfügbare Stärken:
- 200 mg Filmtabletten
Einnahmetag:
- Immer am gleichen Wochentag einnehmen
- Beispiel: Immer montags
Einnahmehinweise
Einnahme:
- Einmal wöchentlich am gleichen Wochentag
- Zu einer Mahlzeit einnehmen
- Mit ausreichend Wasser
Prophylaxe-Schema: 1. Beginn: 1–2 Wochen vor der Reise 2. Wöchentlich während der Reise 3. 4 Wochen nach der Rückkehr weiter einnehmen
Wichtige Hinweise:
- Vergessene Dosis so bald wie möglich nachholen
- Sonnenschutz verwenden (Phototoxizität möglich)
- Mückenschutz bleibt essenziell
- Regelmäßige Augenuntersuchungen bei Langzeitanwendung
Gegenanzeigen
Hydroxychloroquin darf nicht eingenommen werden bei:
- Vorbestehender Makulopathie/Retinopathie
- Überempfindlichkeit gegen Hydroxychloroquin oder Chloroquin
- G6PD-Mangel
- Myasthenia gravis
Vorsicht bei:
- Epilepsie (Senkung der Krampfschwelle)
- Leberfunktionsstörungen
- Niereninsuffizienz
- Porphyrie
- Psoriasis (Verschlechterung möglich)
- QT-Zeit-Verlängerung oder Medikamente, die QT verlängern
- Schwangerschaft (Nutzen-Risiko-Abwägung, bei Malariaprophylaxe einsetzbar)
Mögliche Nebenwirkungen
Häufig (1–10 %):
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall)
- Kopfschmerzen
- Hautausschlag
Gelegentlich (0,1–1 %):
- Sehstörungen
- Schwindel
- Nervosität, Schlafstörungen
- Haarausfall
- Juckreiz
Selten, aber ernst (Langzeitanwendung):
- Retinopathie (irreversible Netzhautschäden) – regelmäßige Augenkontrollen!
- Kardiomyopathie
- Neuromyopathie
- Blutbildveränderungen
- QT-Zeit-Verlängerung
Hinweis: Bei kurzfristiger Malariaprophylaxe (wenige Wochen) ist das Risiko schwerer Nebenwirkungen sehr gering. Die Retinopathie ist vor allem ein Problem bei Langzeittherapie über Jahre.
Wechselwirkungen
Nicht gleichzeitig anwenden:
- Halofantrin
- MAO-Hemmer
- Leberschädigende Stoffe (Vorsicht auch bei Alkohol in größeren Mengen)
Nicht empfohlen:
- Arzneimittel, die die Netzhaut schädigen können (z. B. Tamoxifen)
Vorsicht bei gleichzeitiger Einnahme von:
- Arzneimitteln, die die QT-Zeit verlängern, z. B. Amiodaron, trizyklischen Antidepressiva, Antipsychotika, Moxifloxacin, Azithromycin oder Fluconazol (erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen)
- Anderen Arzneimitteln, die die Krampfschwelle senken können, z. B. Mefloquin oder Bupropion (erhöhtes Risiko für Krampfanfälle)
- Mitteln gegen Epilepsie (ihre Wirkung kann vermindert sein)
- Insulin und anderen blutzuckersenkenden Mitteln (die Blutzuckersenkung kann verstärkt sein, gegebenenfalls ist eine niedrigere Dosis dieser Mittel nötig)
- Digoxin, Dabigatran oder Ciclosporin (höhere Blutspiegel dieser Mittel möglich)
- Methotrexat (Wirkung wird verstärkt)
- Cimetidin und Mitteln, die den Abbau von Hydroxychloroquin hemmen, z. B. Clarithromycin, Itraconazol, Ritonavir, Fluoxetin, Paroxetin oder Grapefruitsaft (mehr Nebenwirkungen möglich)
- Rifampicin, Johanniskraut, Carbamazepin, Phenobarbital oder Phenytoin (Hydroxychloroquin kann schwächer wirken)
Abstand einhalten:
- Magnesiumhaltige Antazida (Magensäurebinder) oder Kaolin: mindestens zwei Stunden Abstand zu Hydroxychloroquin
Impfungen:
- Tollwutimpfung: Die Antikörperbildung kann vermindert sein. Empfohlen wird die Impfung in den Muskel.
- Auf Routineimpfungen (Tetanus, Diphtherie, Masern, Poliomyelitis, Typhus und Tuberkulose) wurde kein Einfluss beobachtet.
Die Aufzählung ist nicht vollständig. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen.
Häufige Fragen
In vielen Malariaregionen (Afrika, Südostasien, Südamerika) sind die Malariaparasiten resistent gegen Chloroquin/Hydroxychloroquin. Dort sind Malarone® oder Doxycyclin die empfohlenen Prophylaxen. Hydroxychloroquin ist nur in Gebieten ohne Resistenz sinnvoll.
Hydroxychloroquin wirkt nur gegen Parasiten im Blut, nicht in der Leber. Parasiten können nach der Reise noch aus der Leber in das Blut übertreten. Die 4 Wochen Nachlauf fangen diese Parasiten ab. Malarone® braucht nur 7 Tage Nachlauf, weil es auch in der Leber wirkt.
Bei kurzfristiger Anwendung zur Malariaprophylaxe (wenige Wochen) sind Augenkontrollen nicht zwingend nötig. Bei Langzeittherapie (z. B. bei Lupus über Jahre) werden jährliche Augenuntersuchungen empfohlen, da eine Retinopathie auftreten kann.
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Wichtiger Hinweis
Diese Informationen ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder zur Eignung dieses Medikaments wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.
Pflichthinweis
Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker.





