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Migräne behandeln: Von Triptanen bis Cannabis-Therapie
Allgemein11. Januar 202610 min Lesezeit

Migräne behandeln: Von Triptanen bis Cannabis-Therapie

Migräne betrifft rund 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung und ist weit mehr als nur Kopfschmerzen. Erfahren Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wann verschreibungspflichtige Medikamente sinnvoll sind.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Migräne verstehen: Mehr als nur Kopfschmerzen

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch wiederkehrende, oft einseitige, pulsierende Kopfschmerzen auszeichnet. In Deutschland leiden etwa 10 bis 15 Prozent der Bevölkerung an Migräne, Frauen etwa dreimal häufiger als Männer.

Ein Migräneanfall dauert typischerweise 4 bis 72 Stunden und wird häufig von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet. Etwa ein Drittel der Betroffenen erlebt zusätzlich eine Aura: vorübergehende neurologische Symptome wie Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachstörungen, die dem Kopfschmerz vorausgehen.

Die Auslöser (Trigger) sind individuell verschieden: Stress, Schlafstörungen, hormonelle Schwankungen, bestimmte Nahrungsmittel oder Wetterveränderungen können einen Anfall auslösen. Ein Migränetagebuch hilft, persönliche Trigger zu identifizieren und künftige Anfälle zu reduzieren.

Akutbehandlung: Triptane und Schmerzmittel

Bei einem akuten Migräneanfall stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

Einfache Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Anfällen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen (400 bis 600 mg), ASS (1000 mg) oder Paracetamol (1000 mg) ausreichen. Sie sollten frühzeitig eingenommen werden, am besten in Kombination mit einem Antiemetikum wie Metoclopramid, das die Resorption verbessert.

Triptane: Bei mittelschweren bis schweren Anfällen sind Triptane die wirksamsten Medikamente. Sie wirken gezielt an den Serotonin-Rezeptoren im Gehirn und lindern sowohl den Kopfschmerz als auch Begleitsymptome. Gängige Wirkstoffe sind Sumatriptan (auch rezeptfrei in niedriger Dosierung), Rizatriptan, Zolmitriptan und Almotriptan.

Wichtig bei Triptanen: Sie sollten nicht während der Aura, sondern erst bei Einsetzen der Kopfschmerzen eingenommen werden. Pro Monat sollten Triptane an nicht mehr als 10 Tagen angewendet werden, um einen Medikamenten-Übergebrauchs-Kopfschmerz zu vermeiden.

Migräne-Prophylaxe: Anfälle verhindern

Bei häufigen Migräneattacken (mehr als drei pro Monat) oder besonders schweren Verläufen kann eine vorbeugende Therapie sinnvoll sein:

Klassische Prophylaxe: Betablocker (Metoprolol, Propranolol), Antikonvulsiva (Topiramat, Valproinsäure), Antidepressiva (Amitriptylin) und Kalziumkanalblocker (Flunarizin) sind bewährte Optionen. Sie müssen täglich eingenommen werden und brauchen einige Wochen, bis die volle Wirkung eintritt.

CGRP-Antikörper: Eine neuere Medikamentenklasse, die gezielt das Calcitonin-Gene-Related Peptide (CGRP) blockiert, das eine zentrale Rolle bei der Migräneentstehung spielt. Präparate wie Erenumab, Fremanezumab und Galcanezumab werden als monatliche Injektionen verabreicht und sind gut verträglich. Sie werden von den Krankenkassen erstattet, wenn andere Prophylaxen versagt haben.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen: Ausdauersport, Entspannungsverfahren (progressive Muskelrelaxation), Biofeedback und Akupunktur haben sich als ergänzende Maßnahmen bewährt. Sie können die Anfallshäufigkeit um 30 bis 50 Prozent reduzieren.

Cannabis bei Migräne: Eine Option?

Medizinisches Cannabis wird zunehmend als ergänzende Option bei chronischer Migräne diskutiert. Die Studienlage ist noch begrenzt, aber erste Ergebnisse deuten auf eine mögliche Wirksamkeit hin:

Cannabinoide können über das Endocannabinoidsystem schmerzlindernd und entzündungshemmend wirken. Einige Patienten berichten über eine Reduktion der Anfallshäufigkeit und -schwere unter Cannabis-Therapie.

Wichtig zu wissen: Cannabis ist bei Migräne keine Erstlinientherapie. Es kommt in Frage, wenn konventionelle Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden. Die Verschreibung erfolgt durch einen Arzt und erfordert eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung.

Besonders CBD (Cannabidiol) wird aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften ohne psychoaktive Wirkung als ergänzende Option diskutiert. Die Evidenz ist jedoch noch nicht ausreichend, um eine generelle Empfehlung auszusprechen.

Migräne-Rezept online erhalten

Viele Migräne-Medikamente sind verschreibungspflichtig, darunter höher dosierte Triptane, Prophylaxe-Medikamente und Cannabis-Präparate. Über telemedizinische Plattformen können Sie ein Rezept erhalten, wenn der behandelnde Arzt die Behandlung für angemessen hält.

Der Ablauf: Sie schildern Ihre Migränesymptome, Anfallshäufigkeit, bisherige Behandlungen und Vorerkrankungen in einem strukturierten Fragebogen. Der Arzt beurteilt, ob eine medikamentöse Therapie angezeigt ist und welches Präparat am besten geeignet ist.

Bei erstmaliger Migränediagnose oder komplexen Verläufen ist eine persönliche neurologische Untersuchung empfehlenswert, um andere Kopfschmerzursachen auszuschließen. Für Folgerezepte bei bekannter Migräne ist die Telemedizin jedoch eine bequeme und zeitsparende Alternative.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).