Herz-Kreislauf-Erkrankungen: ein vermeidbares Risiko
Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems – allen voran Herzinfarkt und Schlaganfall – gehören in Deutschland und weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Ihnen liegt meist die Arteriosklerose zugrunde: eine über Jahre fortschreitende Verkalkung und Verengung der Arterien, die das Herz und das Gehirn versorgen. Lange Zeit verläuft dieser Prozess unbemerkt, bis ein Gefäß sich verschließt.
Die gute Nachricht: Ein erheblicher Anteil dieser Ereignisse ist vermeidbar. Große Studien zeigen, dass sich das individuelle Risiko durch wenige, gut bekannte Stellschrauben deutlich senken lässt. Prävention bedeutet dabei nicht, perfekt zu leben, sondern an den richtigen Punkten anzusetzen.
Mediziner unterscheiden zwischen Primärprävention – der Vorbeugung, bevor je ein Ereignis aufgetreten ist – und Sekundärprävention, also dem Schutz vor einem erneuten Ereignis bei bereits Erkrankten. Für beide gilt: Je früher und konsequenter die Risikofaktoren angegangen werden, desto größer der Nutzen. Dieser Artikel gibt einen Überblick; die individuelle Risikoeinschätzung und Therapie gehören in ärztliche Hand.
Beeinflussbare und nicht-beeinflussbare Risikofaktoren
Ob Ihr persönliches Risiko hoch oder niedrig ist, hängt von einer Reihe von Faktoren ab. Manche lassen sich nicht ändern, viele entscheidende aber sehr wohl – und genau hier setzt wirksame Prävention an.
Nicht-beeinflussbare Faktoren
- Alter: Das Risiko steigt mit den Lebensjahren.
- Geschlecht: Männer sind in jüngeren Jahren häufiger betroffen; nach den Wechseljahren gleicht sich das Risiko an.
- Familiäre Veranlagung: Herzinfarkte oder Schlaganfälle bei nahen Verwandten in jungem Alter erhöhen das eigene Risiko.
Beeinflussbare Schlüsselgrößen
- Bluthochdruck: einer der wichtigsten Risikofaktoren überhaupt; eine konsequente Senkung schützt Herz und Gehirn.
- LDL-Cholesterin: das „schlechte" Cholesterin treibt die Arteriosklerose an; je höher das Risiko, desto niedriger sollte der Zielwert liegen.
- Diabetes mellitus: erhöhter Blutzucker schädigt die Gefäße zusätzlich.
- Rauchen: einer der stärksten und zugleich am besten vermeidbaren Risikofaktoren.
- Bauchumfang und Übergewicht: vor allem das Bauchfett ist stoffwechselaktiv und ungünstig; der Taillenumfang ist ein einfacher Marker.
- Bewegungsmangel und ungünstige Ernährung verstärken nahezu alle anderen Faktoren.
Diese Größen wirken nicht isoliert, sondern verstärken sich gegenseitig. Wer raucht und gleichzeitig erhöhte Blutdruck- und Cholesterinwerte hat, trägt ein überproportional hohes Risiko – die Faktoren addieren sich nicht einfach, sie multiplizieren ihre Wirkung. Deshalb betrachten Ärztinnen und Ärzte stets das Gesamtrisiko mithilfe etablierter Risikorechner, statt einzelne Werte isoliert zu bewerten. In diese Berechnung fließen Alter, Geschlecht, Blutdruck, Cholesterin und Rauchstatus ein, woraus sich das geschätzte Risiko für die kommenden Jahre ergibt. Das erklärt auch, warum dieselbe Maßnahme – etwa ein Rauchstopp oder eine Cholesterinsenkung – für unterschiedliche Menschen einen sehr unterschiedlich großen Nutzen bringt.
Lebensstil: die wirksamste Vorsorge
Der größte Hebel liegt bei Ihnen selbst. Ein herzgesunder Lebensstil kann das Risiko erheblich senken und verbessert gleichzeitig mehrere Risikofaktoren auf einmal.
Herzgesunde Ernährung
- Orientierung an der mediterranen Ernährung: viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Nüsse, Fisch und Olivenöl
- wenig stark verarbeitete Lebensmittel, Zucker und gesättigte Fette; Salz bewusst reduzieren
Bewegung
- regelmäßige körperliche Aktivität, idealerweise eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining
- als grobe Orientierung gelten mehrere Stunden moderate Bewegung pro Woche
Rauchstopp
- der Verzicht auf Tabak ist eine der wirksamsten Einzelmaßnahmen überhaupt; das Risiko sinkt bereits in den Monaten nach dem Aufhören spürbar
Gewicht und Alltag
- ein gesundes Körpergewicht und ein normaler Bauchumfang entlasten Herz und Stoffwechsel
- ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Dauerstress wirken zusätzlich schützend
Diese Maßnahmen sind die Basis jeder Prävention – auch dann, wenn zusätzlich Medikamente nötig sind. Sie ersetzen keine ärztlich verordnete Therapie, verstärken aber deren Wirkung deutlich.
Medikamente und der Vorsorge-Check-up
Wenn der Lebensstil allein nicht ausreicht oder das Gesamtrisiko hoch ist, kommt die medikamentöse Prävention hinzu. Sie wird individuell nach dem berechneten Risiko und den vorliegenden Werten festgelegt.
Wichtige Medikamentengruppen
- Statine (z. B. Rosuvastatin, Atorvastatin) senken das LDL-Cholesterin und stabilisieren die Gefäßwände. Sie gehören zu den am besten untersuchten Präventionsmedikamenten.
- Blutdrucksenker (z. B. Ramipril) bringen erhöhte Werte in den Zielbereich und entlasten so Herz und Gefäße.
- ASS (Acetylsalicylsäure) in niedriger Dosis hat seinen festen Platz vor allem in der Sekundärprävention – also nach einem bereits durchgemachten Herzinfarkt oder Schlaganfall. In der reinen Primärprävention wird der Einsatz dagegen zurückhaltend und nur nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung gehandhabt, da ASS das Blutungsrisiko erhöht.
All diese Mittel sind verschreibungspflichtig und werden ärztlich eingestellt. Ein zentraler Baustein der Vorsorge ist der Gesundheits-Check-up: Gesetzlich Versicherte haben ab einem bestimmten Alter Anspruch auf eine regelmäßige Gesundheitsuntersuchung, bei der unter anderem Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin bestimmt werden. So lassen sich Risikofaktoren frühzeitig erkennen, bevor Beschwerden auftreten. Für die Einstellung und Kontrolle stabiler Werte sowie für Folgerezepte kann ergänzend eine telemedizinische Betreuung, etwa über deinrezept.de, den Zugang erleichtern – die Risikobewertung selbst bleibt ärztliche Aufgabe.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Einschätzung Ihres persönlichen Herz-Kreislauf-Risikos und jede medikamentöse Vorbeugung gehören in ärztliche Hand. Setzen Sie Statine, Blutdrucksenker oder ASS nicht eigenmächtig an oder ab. Bei Anzeichen eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls – etwa plötzlichem Brustschmerz oder Engegefühl, Luftnot, kaltem Schweiß, einseitiger Lähmung, Sprach- oder Sehstörungen – zählt jede Minute: Rufen Sie sofort den Notruf 112. Nehmen Sie verschreibungspflichtige Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung ein.




