Schlafstörungen in Deutschland: Ein Volksleiden
Schlafstörungen (Insomnien) gehören zu den häufigsten Gesundheitsproblemen in Deutschland. Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Erwachsenen regelmäßig unter Ein- oder Durchschlafstörungen leidet. Bei etwa 6 bis 10 Prozent liegt eine behandlungsbedürftige chronische Insomnie vor.
Die Folgen schlechten Schlafs sind weitreichend: verminderte Konzentration und Leistungsfähigkeit, erhöhtes Unfallrisiko, Stimmungsschwankungen und langfristig ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Depressionen.
Von einer behandlungsbedürftigen Schlafstörung spricht man, wenn die Probleme mindestens dreimal pro Woche auftreten, seit mindestens einem Monat bestehen und die Tagesbefindlichkeit beeinträchtigen. Gelegentliche Schlafprobleme, etwa durch Stress oder Zeitverschiebung, sind normal und kein Grund zur Sorge.
Schlafhygiene: Die Basis guten Schlafs
Bevor Medikamente zum Einsatz kommen, sollten Maßnahmen der Schlafhygiene ausgeschöpft werden. Diese allein können bei vielen Betroffenen eine deutliche Verbesserung bewirken:
Regelmäßiger Schlafrhythmus: Gehen Sie jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett und stehen Sie zur gleichen Zeit auf, auch am Wochenende. Der Körper profitiert von einem stabilen zirkadianen Rhythmus.
Schlafumgebung optimieren: Dunkel, kühl (16 bis 18 Grad) und ruhig. Verwenden Sie das Bett nur zum Schlafen, nicht zum Arbeiten oder Fernsehen. Investieren Sie in eine gute Matratze und Verdunkelungsvorhänge.
Bildschirmzeit reduzieren: Blaues Licht von Smartphones, Tablets und Computern unterdrückt die Melatoninproduktion. Beenden Sie die Bildschirmnutzung mindestens 60 Minuten vor dem Schlafengehen oder verwenden Sie einen Blaulichtfilter.
Stimulanzien meiden: Koffein sollte ab dem frühen Nachmittag vermieden werden (Halbwertszeit 5 bis 7 Stunden). Alkohol fördert zwar das Einschlafen, verschlechtert aber die Schlafqualität in der zweiten Nachthälfte erheblich.
Rezeptfreie Schlafmittel: Melatonin und pflanzliche Mittel
Melatonin: Das körpereigene Schlafhormon ist in niedrigen Dosierungen (bis 1 mg) als Nahrungsergänzungsmittel frei verkäuflich. Es kann bei Einschlafstörungen und Jetlag helfen, indem es dem Körper signalisiert, dass Schlafenszeit ist. Retardiertes Melatonin (2 mg) ist für Patienten ab 55 Jahren als Arzneimittel verschreibungspflichtig. Die Einnahme sollte 30 bis 60 Minuten vor dem Schlafengehen erfolgen.
Baldrian: Das bekannteste pflanzliche Schlafmittel. Studien zeigen eine moderate Wirksamkeit, die erst nach zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme eintritt. Baldrian ist gut verträglich und macht nicht abhängig, wirkt aber schwächer als medikamentöse Alternativen.
Weitere pflanzliche Optionen: Hopfen, Passionsblume und Melisse werden häufig in Kombination mit Baldrian eingesetzt. Die Evidenz für ihre Wirksamkeit ist begrenzt, aber sie sind sicher und nebenwirkungsarm.
Antihistaminika: Diphenhydramin und Doxylamin sind rezeptfrei erhältlich und wirken sedierend. Sie sollten jedoch nur kurzzeitig eingesetzt werden (maximal zwei Wochen), da sie einen Hang-over-Effekt verursachen und bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen.
Verschreibungspflichtige Schlafmittel
Bei chronischen Schlafstörungen, die auf Schlafhygiene und rezeptfreie Mittel nicht ansprechen, kann der Arzt verschreibungspflichtige Medikamente verordnen:
Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon): Kurzzeitig wirksame Schlafmittel, die das Einschlafen fördern. Sie sollten maximal drei bis vier Wochen eingenommen werden, da ein Abhängigkeitsrisiko besteht. Kurzfristig sind sie wirksam und gut verträglich.
Niedrig dosierte Antidepressiva: Mirtazapin, Trazodon oder Amitriptylin in niedriger Dosis werden häufig bei chronischen Schlafstörungen eingesetzt, besonders wenn gleichzeitig depressive Symptome oder Ängste vorliegen. Sie machen nicht abhängig und können langfristig eingenommen werden.
Orexin-Rezeptor-Antagonisten: Neuere Schlafmittel wie Lemborexant blockieren das Wachheitssystem im Gehirn. Sie haben ein geringes Abhängigkeitsrisiko und können auch länger eingenommen werden.
Wichtig: Benzodiazepine (wie Diazepam oder Lorazepam) sollten nur in Ausnahmefällen und kurzzeitig als Schlafmittel eingesetzt werden. Das Abhängigkeitsrisiko ist hoch, und ein Entzug kann schwierig sein.
Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten
Eine ärztliche Abklärung ist empfehlenswert, wenn:
- Schlafprobleme länger als vier Wochen anhalten
- Sie sich tagsüber müde und unkonzentriert fühlen
- Schnarchen und Atemaussetzer berichtet werden (Verdacht auf Schlafapnoe)
- Unruhige Beine den Schlaf stören (Restless-Legs-Syndrom)
- Psychische Belastungen wie Depressionen oder Angstzustände vorliegen
Ihr Arzt kann die Ursache der Schlafstörung abklären und eine gezielte Behandlung einleiten. Bei Verdacht auf Schlafapnoe ist eine Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll.
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