Was ist Endometriose?
Endometriose ist eine chronische, gutartige Erkrankung, bei der Gewebe, das der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) ähnelt, außerhalb der Gebärmutter wächst. Dieses Gewebe findet sich häufig an den Eierstöcken, Eileitern, im Bauchfell, am Darm oder an der Blase — in seltenen Fällen auch an weiter entfernten Stellen.
In Deutschland sind schätzungsweise 2 Millionen Frauen betroffen, das entspricht etwa jeder 10. Frau im reproduktiven Alter. Trotz dieser hohen Zahl dauert es im Durchschnitt 7–10 Jahre, bis die Diagnose gestellt wird — ein Zustand, der dringend verbessert werden muss.
Das versprengte Gewebe unterliegt dem hormonellen Zyklus: Es baut sich auf, blutet ab und verursacht Entzündungen. Anders als die normale Menstruationsblutung kann dieses Blut jedoch nicht abfließen, was zu Verklebungen, Verwachsungen und Zysten (Endometriome oder „Schokoladenzysten") führt.
Symptome der Endometriose
Die Symptome sind vielfältig und von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche Betroffene haben kaum Beschwerden, andere sind massiv eingeschränkt:
- Starke Periodenschmerzen (Dysmenorrhoe): Krämpfe, die mit normalen Schmerzmitteln kaum zu kontrollieren sind — das Leitsymptom
- Chronische Unterbauchschmerzen: Auch außerhalb der Menstruation, oft zyklusabhängig
- Schmerzen beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie): Besonders bei tiefem Eindringen
- Schmerzen beim Stuhlgang oder Wasserlassen: Besonders während der Periode, bei Darm- oder Blasenbefall
- Unerfüllter Kinderwunsch: 30–50 % der Frauen mit Endometriose sind in ihrer Fruchtbarkeit eingeschränkt
- Müdigkeit und Erschöpfung (Fatigue): Ein häufig unterschätztes Symptom
- Blutungsstörungen: Starke oder unregelmäßige Blutungen, Schmierblutungen
Wichtig: Die Schwere der Symptome korreliert nicht mit dem Ausmaß der Endometriose. Kleine Herde können starke Schmerzen verursachen, während ausgedehnte Endometriose manchmal kaum Beschwerden macht.
Diagnose: Warum dauert es so lange?
Die Diagnoseverzögerung hat mehrere Gründe:
- Normalisierung von Menstruationsschmerzen: Starke Regelschmerzen werden oft als „normal" abgetan — von Betroffenen, Angehörigen und leider auch von Ärzten.
- Unspezifische Symptome: Bauchschmerzen und Müdigkeit können viele Ursachen haben.
- Unsichtbar im Ultraschall: Kleine Endometrioseherde sind im Ultraschall oft nicht sichtbar. Nur Endometriome (Zysten) lassen sich gut darstellen.
Die definitive Diagnose erfolgt durch eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) mit Gewebeprobe. Dabei wird in Vollnarkose eine Kamera durch einen kleinen Schnitt am Nabel in den Bauchraum eingeführt. Gleichzeitig können sichtbare Herde entfernt werden.
Zunehmend gibt es aber Bestrebungen, eine klinische Diagnose anhand von Symptomen, Untersuchungsbefund und spezialisiertem Ultraschall zu stellen, um nicht jede Betroffene operieren zu müssen.
Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie richtet sich nach Symptomen, Kinderwunsch und Ausmaß der Erkrankung:
Schmerztherapie
NSAR (Ibuprofen, Naproxen) sind das Mittel der ersten Wahl bei Endometriose-Schmerzen. Bei unzureichender Wirkung können stärkere Schmerzmittel erforderlich sein.
Hormonelle Therapie
Ziel ist die Unterdrückung der Menstruation, um das Wachstum der Endometriose zu bremsen:
- Gestagene im Langzyklus: Die Antibabypille oder Dienogest (Visanne®) ohne Pause durchgenommen
- Hormon-IUD: Die Hormonspirale setzt lokal Gestagen frei
- GnRH-Analoga: Versetzen den Körper in eine Art künstliche Menopause — nur zeitlich begrenzt wegen Nebenwirkungen
Operative Therapie
Bei der Laparoskopie werden Endometrioseherde mit Hitze, Laser oder Schere entfernt. Bei Endometriomen ist die operative Entfernung meist sinnvoll. In schweren Fällen mit Darm- oder Blasenbefall kann eine spezialisierte, interdisziplinäre Operation notwendig sein.
Kinderwunsch und Endometriose
Frauen mit Endometriose und Kinderwunsch sollten sich frühzeitig in einer Kinderwunschpraxis vorstellen. Je nach Ausmaß können IVF/ICSI die Chancen auf eine Schwangerschaft deutlich erhöhen.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Endometriose ist eine komplexe Erkrankung, die eine spezialisierte Betreuung erfordert. Suchen Sie bei Verdacht ein zertifiziertes Endometriose-Zentrum auf.




