Warum Blutdruck messen wichtig ist
Bluthochdruck (Hypertonie) ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für Herzinfarkt, Schlaganfall und Nierenerkrankungen. Das Tückische: Bluthochdruck verursacht lange Zeit keine Symptome — er wird daher auch als „stiller Killer" bezeichnet. In Deutschland sind rund 20–30 Millionen Menschen betroffen, doch schätzungsweise ein Drittel weiß nichts davon.
Regelmäßige Blutdruckmessungen zu Hause bieten mehrere Vorteile gegenüber Einzelmessungen in der Arztpraxis:
- Weißkittel-Hypertonie erkennen: Viele Menschen haben in der Arztpraxis höhere Werte als zu Hause (Nervosität)
- Maskierte Hypertonie: Umgekehrt haben manche in der Praxis normale Werte, zu Hause aber erhöhte
- Therapiekontrolle: Die Wirksamkeit von Blutdruckmedikamenten lässt sich zu Hause besser beurteilen
- Verlaufskontrolle: Langzeitige Trends erkennen
Schritt-für-Schritt: Richtig messen
Fehlerhafte Messungen sind die häufigste Ursache für falsche Blutdruckwerte. So messen Sie korrekt:
Vorbereitung
- 5 Minuten Ruhe: Setzen Sie sich entspannt hin, Beine nicht übereinander schlagen
- Kein Koffein: 30 Minuten vorher keinen Kaffee, Tee oder Energy Drinks
- Volle Blase? Vorher zur Toilette — eine volle Blase kann den Blutdruck um 10–15 mmHg erhöhen
- Nicht nach dem Sport: Mindestens 30 Minuten Pause nach körperlicher Anstrengung
Durchführung
- Arm auf Herzhöhe: Unterarm auf dem Tisch ablegen, Manschette auf Herzhöhe
- Richtige Manschettengröße: Die Manschette muss den Oberarm zu mindestens 80 % umschließen. Zu kleine Manschetten messen zu hohe Werte!
- Manschette korrekt anlegen: 2–3 cm oberhalb der Ellenbeuge, nicht zu fest und nicht zu locker (ein Finger sollte dazwischenpassen)
- Ruhig sitzen: Während der Messung nicht sprechen, nicht bewegen
- Zweite Messung: Nach 1–2 Minuten eine zweite Messung durchführen. Der niedrigere Wert (oder der Durchschnitt) ist der relevante
Blutdruckwerte verstehen
Der Blutdruck wird in mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) angegeben und besteht aus zwei Werten:
- Systolischer Wert (oberer): Der Druck, wenn das Herz sich zusammenzieht und Blut in die Arterien pumpt
- Diastolischer Wert (unterer): Der Druck, wenn das Herz sich entspannt und sich wieder mit Blut füllt
Klassifikation (nach ESC/ESH-Leitlinien)
- Optimal: unter 120/80 mmHg
- Normal: 120–129/80–84 mmHg
- Hoch-normal: 130–139/85–89 mmHg — noch kein Bluthochdruck, aber regelmäßige Kontrollen empfohlen
- Hypertonie Grad 1: 140–159/90–99 mmHg — Lebensstiländerung, ggf. Medikamente
- Hypertonie Grad 2: 160–179/100–109 mmHg — Medikamentöse Therapie meist erforderlich
- Hypertonie Grad 3: ab 180/110 mmHg — Schwerer Bluthochdruck, sofortige Behandlung
Wichtig: Bei Heimblutdruckmessungen gelten etwas niedrigere Grenzwerte. Ein Heimblutdruck ab 135/85 mmHg entspricht einem Praxiswert von 140/90 mmHg.
Häufige Messfehler und Tipps
Diese Fehler verfälschen Blutdruckwerte häufig:
- Sprechen während der Messung: Kann den systolischen Wert um 10–15 mmHg erhöhen
- Beine übereinander geschlagen: Erhöht den systolischen Wert um 5–8 mmHg
- Arm hängt herunter: Misst zu hohe Werte. Arm muss auf Herzhöhe sein
- Manschette über Kleidung: Verfälscht das Ergebnis. Immer auf nackter Haut oder dünnem Stoff messen
- Falsche Manschettengröße: Häufigster systematischer Fehler. Bei kräftigen Oberarmen eine größere Manschette verwenden
Geräte-Empfehlung
Verwenden Sie ein validiertes Oberarm-Blutdruckmessgerät. Handgelenkgeräte sind weniger genau und nur für Personen geeignet, bei denen die Oberarmmessung nicht möglich ist. Achten Sie auf das Prüfsiegel der Deutschen Hochdruckliga.
Blutdruck-Tagebuch: Notieren Sie Ihre Werte (Datum, Uhrzeit, systolisch/diastolisch, Puls). Viele Geräte speichern die Werte automatisch. Bringen Sie das Tagebuch zum Arzttermin mit.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei wiederholt erhöhten Blutdruckwerten (über 140/90 mmHg in der Praxis oder über 135/85 mmHg zu Hause) suchen Sie bitte Ihren Arzt auf. Bei Blutdruckwerten über 180/110 mmHg mit Symptomen wie Brustschmerzen, Sehstörungen oder Atemnot handelt es sich um einen Notfall — rufen Sie den Notruf 112.




