Was ist Hashimoto-Thyreoiditis?
Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Autoimmunerkrankung der Schilddrüse, bei der das Immunsystem die eigenen Schilddrüsenzellen angreift und zerstört. Im Laufe der Zeit führt dies zu einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) — die Schilddrüse produziert zu wenige Hormone.
Benannt nach dem japanischen Arzt Hakaru Hashimoto, der sie 1912 erstmals beschrieb, ist sie heute die häufigste Autoimmunerkrankung überhaupt. In Deutschland sind schätzungsweise 4–8 Millionen Menschen betroffen, Frauen etwa 5–10-mal häufiger als Männer.
Die Erkrankung verläuft oft schleichend: Die Schilddrüse wird langsam zerstört, und die Hormonproduktion nimmt über Monate bis Jahre ab. In der Anfangsphase kann es paradoxerweise zu einer vorübergehenden Überfunktion kommen (Hashitoxikose), wenn aus den geschädigten Zellen gespeicherte Hormone freigesetzt werden.
Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion
Da Schilddrüsenhormone nahezu jeden Stoffwechselvorgang im Körper beeinflussen, sind die Symptome vielfältig und oft unspezifisch:
- Müdigkeit und Erschöpfung: Das häufigste Symptom — trotz ausreichend Schlaf ständig müde
- Gewichtszunahme: Trotz normaler Ernährung, oft begleitet von Wassereinlagerungen
- Kälteempfindlichkeit: Ständiges Frieren, kalte Hände und Füße
- Verstopfung: Verlangsamte Darmtätigkeit
- Trockene Haut und brüchige Nägel: Die Haut wird rau und schuppig
- Haarausfall: Diffuser Haarverlust, brüchiges Haar, auch Ausdünnung der Augenbrauen
- Depressive Verstimmung: Antriebslosigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisprobleme (oft als „Brain Fog" beschrieben)
- Zyklusstörungen: Verlängerte oder verstärkte Menstruationsblutungen
- Muskelschwäche und Gelenkschmerzen
- Heiserkeit: Durch Schwellung der Schilddrüse oder Stimmbandveränderung
Viele Betroffene berichten, dass sie sich jahrelang unwohl fühlen, bevor die richtige Diagnose gestellt wird. Die Symptome werden oft auf Stress, Alter oder Depression zurückgeführt.
Diagnose und Blutwerte
Die Diagnose erfolgt über Blutuntersuchungen und Ultraschall:
Blutwerte
- TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Der wichtigste Screeningwert. Erhöhtes TSH (>4,0 mU/l) deutet auf eine Unterfunktion hin. Optimal liegt er oft bei 0,5–2,5 mU/l.
- Freies T4 (fT4) und freies T3 (fT3): Die aktiven Schilddrüsenhormone. Erniedrigte Werte bestätigen die Unterfunktion.
- TPO-Antikörper (Anti-TPO): Bei über 90 % der Hashimoto-Patienten erhöht. Beweisen die autoimmune Ursache.
- Thyreoglobulin-Antikörper (Anti-Tg): Bei etwa 70 % der Hashimoto-Patienten erhöht.
Schilddrüsensonographie
Im Ultraschall zeigt sich typischerweise eine inhomogen echoarme Schilddrüse (dunkler als normal) mit reduzierter Durchblutung. In späteren Stadien kann die Schilddrüse verkleinert sein.
Wichtig: Erhöhte Antikörper bei normalen Hormonwerten bedeuten, dass eine Hashimoto vorliegt, aber noch keine manifeste Unterfunktion. Regelmäßige Kontrollen (alle 6–12 Monate) sind dann empfehlenswert.
Behandlung mit L-Thyroxin
Die Behandlung einer manifesten Schilddrüsenunterfunktion ist vergleichsweise einfach und effektiv:
L-Thyroxin (Levothyroxin)
Das Standardmedikament ersetzt das fehlende Schilddrüsenhormon T4. Es wird einmal täglich eingenommen — idealerweise morgens nüchtern, 30 Minuten vor dem Frühstück, mit einem Glas Wasser. Kaffee, Milch, Kalzium und Eisenpräparate hemmen die Aufnahme.
Dosisfindung
Die Dosis wird individuell angepasst, beginnend mit 25–50 µg/Tag (bei älteren Patienten oder Herzerkrankungen niedriger). Die Zieldosis liegt meist bei 1,5–1,8 µg/kg Körpergewicht/Tag. Kontroll-Blutwerte nach 6–8 Wochen.
Ernährungstipps bei Hashimoto
- Selen: 200 µg/Tag kann die TPO-Antikörper senken. Gute Quellen: Paranüsse, Fisch, Eier
- Vitamin D: Ein Mangel ist bei Hashimoto-Patienten häufig. Supplementierung nach Blutspiegelbestimmung
- Jod: Moderate Jodzufuhr über die Ernährung (jodiertes Salz). Hohe Joddosen können Hashimoto verschlechtern!
- Gluten: Bei zusätzlicher Zöliakie (häufige Komorbidität) glutenfreie Ernährung. Ohne Zöliakie gibt es keine wissenschaftliche Evidenz für glutenfreie Kost
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Schilddrüsenmedikamente müssen ärztlich verordnet und regelmäßig kontrolliert werden. Ändern Sie die Dosis nicht eigenmächtig. Bei Verdacht auf eine Schilddrüsenerkrankung lassen Sie Ihre Blutwerte beim Hausarzt oder Endokrinologen überprüfen.




