Was ist Scheidenpilz?
Der Scheidenpilz (medizinisch: Vulvovaginalcandidose oder vaginale Candidose) ist eine Pilzinfektion der Scheide und der äußeren Genitalien (Vulva). In über 85 Prozent der Fälle wird die Infektion durch den Hefepilz Candida albicans verursacht. Andere Candida-Arten (C. glabrata, C. tropicalis, C. krusei) sind seltener, können aber schwieriger zu behandeln sein.
Scheidenpilz ist außerordentlich häufig: Etwa 75 Prozent aller Frauen erleiden mindestens einmal im Leben eine Pilzinfektion der Scheide. Bei 40 bis 45 Prozent treten zwei oder mehr Episoden auf, und bei etwa 5 bis 8 Prozent liegt eine rezidivierende Vulvovaginalcandidose vor (vier oder mehr Episoden pro Jahr).
Candida-Hefen sind Bestandteil der normalen Flora und besiedeln in geringer Zahl die Scheide bei 20 bis 50 Prozent aller gesunden Frauen, ohne Beschwerden zu verursachen. Erst wenn sich die Hefepilze übermäßig vermehren – etwa durch eine Störung des vaginalen Mikromilieus – entsteht eine behandlungsbedürftige Infektion.
Der Scheidenpilz ist keine sexuell übertragbare Infektion und kein Zeichen mangelnder Hygiene. Er entsteht durch ein Ungleichgewicht der normalen Vaginalflora.
Ursachen und Risikofaktoren
Verschiedene Faktoren können das vaginale Gleichgewicht stören und eine Candida-Überwucherung begünstigen:
- Antibiotikatherapie: Der häufigste Auslöser. Breitbandantibiotika zerstören auch die schützenden Laktobazillen der Vaginalflora, wodurch Candida-Hefen sich ungehindert vermehren können.
- Hormonelle Veränderungen: Erhöhte Östrogenspiegel (Schwangerschaft, hormonelle Kontrazeptiva, Hormonersatztherapie) begünstigen das Pilzwachstum, da Östrogen die Glykogenproduktion der Scheidenschleimhaut steigert – ein Nährsubstrat für Candida.
- Diabetes mellitus: Schlecht eingestellter Diabetes mit erhöhten Blutzuckerspiegeln fördert das Candida-Wachstum.
- Immunsuppression: HIV-Infektion, Chemotherapie, Kortisontherapie und andere immunsuppressive Behandlungen erhöhen das Risiko.
- Übertriebene Intimhygiene: Aggressive Reinigung mit Seifen, Intimsprays oder Vaginalspülungen zerstört die Schutzbarriere.
- Enge, synthetische Kleidung: Feuchtigkeit und Wärme im Genitalbereich schaffen ein pilzfreundliches Milieu.
- Stress und Schlafmangel: Chronischer Stress kann das Immunsystem schwächen und die Anfälligkeit für Infektionen erhöhen.
- Menstruation: Viele Frauen bemerken, dass Pilzinfektionen bevorzugt in den Tagen vor der Menstruation auftreten, wenn sich das hormonelle Milieu verändert.
Symptome des Scheidenpilzes
Die Symptome einer vaginalen Candidose sind in der Regel recht charakteristisch und unterscheiden sich deutlich von einer bakteriellen Vaginose:
- Intensiver Juckreiz: Das Leitsymptom des Scheidenpilzes. Der Juckreiz betrifft Scheide und Vulva und kann quälend stark sein.
- Brennen: Besonders beim Wasserlassen und beim Geschlechtsverkehr (Dyspareunie).
- Weißlicher, bröckeliger Ausfluss: Der Ausfluss wird oft als quarkähnlich oder krümelig beschrieben. Er ist geruchlos oder hat einen leicht hefigen Geruch – im Gegensatz zum fischartigen Geruch der bakteriellen Vaginose.
- Rötung und Schwellung: Vulva und Scheideneingang sind häufig gerötet, geschwollen und empfindlich.
- Hautrisse: In ausgeprägten Fällen können kleine Risse (Fissuren) und Erosionen an der Vulva auftreten.
Abgrenzung zu anderen Infektionen
Die Unterscheidung zwischen Scheidenpilz, bakterieller Vaginose und anderen Infektionen ist wichtig für die richtige Behandlung:
- Scheidenpilz: Starker Juckreiz, weißer bröckeliger Ausfluss, kein Geruch
- Bakterielle Vaginose: Wenig Juckreiz, dünnflüssiger grauer Ausfluss, Fischgeruch
- Trichomonaden: Gelblich-grüner, schaumiger Ausfluss, unangenehmer Geruch, Juckreiz
Bei Unsicherheit über die Diagnose sollte eine ärztliche Untersuchung mit mikroskopischer Analyse des Vaginalabstrichs erfolgen.
Diagnose des Scheidenpilzes
Die Verdachtsdiagnose basiert auf den typischen Symptomen und der klinischen Untersuchung. Zur Bestätigung stehen folgende diagnostische Methoden zur Verfügung:
Gynäkologische Untersuchung
Bei der Spekulumuntersuchung zeigen sich typische Befunde: Rötung und Schwellung der Vaginalschleimhaut sowie weißliche, anhaftende Beläge (Plaquen), die beim Abwischen eine gerötete, leicht blutende Schleimhaut freilegen.
Nativpräparat
Die Mikroskopie eines Vaginalabstrichs in Kochsalzlösung oder mit KOH-Lösung (10 Prozent) kann Hefezellen und Pseudohyphen sichtbar machen. Die Sensitivität liegt bei etwa 50 bis 70 Prozent.
Pilzkultur
Die Anlage einer Pilzkultur auf Sabouraud-Agar oder Chromagar ist sinnvoll bei:
- Negativem Nativpräparat trotz typischer Symptome
- Rezidivierender Vulvovaginalcandidose (zur Speziesbestimmung)
- Verdacht auf Non-albicans-Candida-Arten
- Therapieversagen
Die Speziesidentifizierung ist wichtig, da C. glabrata und C. krusei gegen bestimmte Antimykotika (z. B. Fluconazol) resistent sein können.
pH-Wert
Der vaginale pH-Wert ist bei Scheidenpilz normalerweise niedrig (unter 4,5), im Gegensatz zur bakteriellen Vaginose (pH über 4,5). Dies kann als differenzialdiagnostischer Hinweis dienen.
Behandlung: Antimykotika, Zäpfchen und Tabletten
Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad und der Häufigkeit der Infektionen.
Unkomplizierte Vulvovaginalcandidose
Lokale Therapie (Vaginalzäpfchen/Cremes):
- Clotrimazol: Vaginalzäpfchen 200 mg täglich über 3 Tage oder 500 mg einmalig. Zusätzlich Clotrimazol-Creme 1% für die Vulva. Clotrimazol ist rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und die am häufigsten verwendete lokale Therapie.
- Miconazol: Vaginalzäpfchen 400 mg täglich über 3 Tage.
- Nystatin: Vaginaltabletten 100.000 IE täglich über 6 Tage. Etwas geringere Wirksamkeit als Azol-Antimykotika.
Systemische Therapie (orale Tabletten):
- Fluconazol: Eine einmalige orale Dosis von 150 mg. Ebenso wirksam wie lokale Therapie und von vielen Frauen als bequemer empfunden. Verschreibungspflichtig.
- Itraconazol: 200 mg zweimal täglich über einen Tag. Alternative zu Fluconazol.
Rezidivierende Vulvovaginalcandidose
Bei vier oder mehr Episoden pro Jahr wird eine Erhaltungstherapie empfohlen:
- Fluconazol 150 mg wöchentlich über 6 Monate
- Alternativ: Clotrimazol-Vaginaltablette 500 mg wöchentlich
Nach Beendigung der Erhaltungstherapie erleiden etwa 30 bis 50 Prozent der Frauen ein erneutes Rezidiv. In diesen Fällen kann der Zyklus wiederholt werden.
Non-albicans-Candida
Bei Infektionen mit C. glabrata oder C. krusei, die gegen Fluconazol resistent sein können, kommen höher dosierte Azole, Borsäure-Vaginalkapseln (600 mg täglich über 14 Tage) oder Nystatin zum Einsatz.
Prävention von Scheidenpilz
Folgende Maßnahmen können helfen, Scheidenpilzinfektionen vorzubeugen:
- Unterwäsche aus Baumwolle: Atmungsaktive Baumwollunterwäsche hält den Genitalbereich trocken und reduziert die Wärme- und Feuchtigkeitsansammlung.
- Enge Kleidung vermeiden: Hautenge Jeans und synthetische Strumpfhosen begünstigen ein feuchtwarmes Klima.
- Schonende Intimhygiene: Nur mit warmem Wasser oder milden, pH-neutralen Waschlotionen waschen. Auf Vaginalspülungen, parfümierte Seifen und Intimsprays verzichten.
- Nach dem Schwimmen umziehen: Nasse Badekleidung schnell wechseln, um ein feuchtes Milieu zu vermeiden.
- Zucker reduzieren: Eine zuckerreiche Ernährung kann theoretisch das Candida-Wachstum begünstigen. Insbesondere bei Diabetes ist eine gute Blutzuckereinstellung wichtig.
- Probiotika: Vaginale oder orale Laktobazillen-Präparate können die Vaginalflora unterstützen und das Rezidivrisiko möglicherweise senken.
- Bei Antibiotikatherapie: Bei Frauen mit bekannter Neigung zu Pilzinfektionen kann prophylaktisch eine einmalige Dosis Fluconazol am Ende einer Antibiotikatherapie erwogen werden.
Wichtig: Scheidenpilz ist keine Geschlechtskrankheit. Eine Mitbehandlung des Partners ist nur bei Vorliegen einer Balanitis (Eichelentzündung) oder bei rezidivierenden Infektionen sinnvoll.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Kann ich Scheidenpilz selbst behandeln?
Bei typischen Symptomen und einer bereits früher ärztlich bestätigten Diagnose können Sie rezeptfreie Clotrimazol-Präparate aus der Apotheke verwenden. Bei erstmaligen Beschwerden, Schwangerschaft, Unsicherheit oder fehlender Besserung nach 3 Tagen sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
Kann Scheidenpilz während der Schwangerschaft behandelt werden?
Ja, lokale Clotrimazol-Therapie gilt in der Schwangerschaft als sicher und wird empfohlen. Orale Antimykotika (Fluconazol) sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Im letzten Schwangerschaftsdrittel wird eine Sanierung empfohlen, um eine Übertragung auf das Neugeborene (Mundsoor) zu verhindern.
Warum bekomme ich immer wieder Scheidenpilz?
Rezidivierende Infektionen können durch verschiedene Faktoren begünstigt werden: genetische Veranlagung (vermindertes Immunansprechen gegen Candida), hormonelle Schwankungen, Diabetes, Stress oder eine gestörte Vaginalflora. Eine Speziesbestimmung mittels Pilzkultur kann helfen, die richtige Therapie zu wählen.
Ist Joghurt ein wirksames Hausmittel gegen Scheidenpilz?
Die vaginale Anwendung von Joghurt wird oft empfohlen, ist aber wissenschaftlich nicht belegt und kann durch Zusatzstoffe die Situation verschlechtern. Medizinische Laktobazillen-Präparate für die vaginale Anwendung sind sinnvoller.
Medizinischer Hinweis
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt. Selbstmedikation ohne ärztliche Rücksprache kann Risiken bergen. deinrezept.de bietet eine ärztliche Online-Konsultation an, bei der qualifizierte Mediziner Ihre individuelle Situation bewerten und gegebenenfalls ein Rezept ausstellen.




