Was ist Malaria?
Malaria (auch Sumpffieber oder Wechselfieber genannt) ist eine potenziell lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten der Gattung Plasmodium verursacht wird. Die Übertragung erfolgt durch den Stich infizierter weiblicher Anopheles-Mücken, die vorwiegend in der Dämmerung und nachts aktiv sind.
Weltweit erkranken jährlich über 240 Millionen Menschen an Malaria, rund 600.000 sterben daran – überwiegend Kinder in Subsahara-Afrika. Für deutsche Reisende besteht das größte Risiko in tropischen und subtropischen Regionen Afrikas, Südostasiens und Südamerikas.
Es gibt mehrere Malaria-Erreger: Plasmodium falciparum (Malaria tropica, die gefährlichste Form), P. vivax und P. ovale (Malaria tertiana) sowie P. malariae (Malaria quartana). Die Inkubationszeit beträgt je nach Erreger 7–40 Tage, selten länger.
Risikogebiete weltweit
Malaria kommt in über 90 Ländern vor, die Risikogebiete lassen sich grob einteilen:
- Hohes Risiko (Chemoprophylaxe empfohlen): Subsahara-Afrika (Kenia, Tansania, Ghana, Nigeria, Mosambik), Papua-Neuguinea, Salomon-Inseln, Teile Indiens und Südostasiens.
- Mittleres Risiko (Standby-Therapie oder Prophylaxe): Südostasien (Thailand, Kambodscha – je nach Region), Indien (je nach Region und Saison), Mittelamerika, Amazonas-Gebiet.
- Geringes Risiko (Mückenschutz + Notfallmedikament): Nordafrika, Mittlerer Osten, städtische Gebiete in Asien, Mittelamerika außerhalb ländlicher Regionen.
Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) veröffentlicht jährlich aktualisierte Länderempfehlungen. Eine reisemedizinische Beratung 4–6 Wochen vor Reiseantritt ist dringend empfohlen. Das Malariarisiko kann saisonal und regional innerhalb eines Landes erheblich variieren.
Prophylaxe-Medikamente im Überblick
Für die medikamentöse Malariaprophylaxe stehen drei Hauptoptionen zur Verfügung:
Atovaquon/Proguanil (Malarone)
Das am häufigsten verschriebene Prophylaxe-Medikament in Deutschland. Dosierung: 1 Tablette täglich, Beginn 1–2 Tage vor Einreise, täglich während des Aufenthalts und 7 Tage nach Rückkehr. Vorteile: Gute Verträglichkeit, kurze Einnahme nach Rückkehr. Nebenwirkungen: Gelegentlich Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden.
Doxycyclin
Ein Antibiotikum mit guter Malaria-Schutzwirkung. Dosierung: 100 mg täglich, Beginn 1–2 Tage vor Einreise, täglich während des Aufenthalts und 4 Wochen nach Rückkehr. Vorteile: Kostengünstig. Nebenwirkungen: Photosensibilisierung (erhöhte Sonnenempfindlichkeit), Magen-Darm-Beschwerden, vaginale Pilzinfektionen. Nicht für Kinder unter 8 Jahren und Schwangere.
Mefloquin (Lariam)
Dosierung: 1 Tablette wöchentlich, Beginn 1–3 Wochen vor Einreise, wöchentlich während des Aufenthalts und 4 Wochen nach Rückkehr. Vorteile: Nur wöchentliche Einnahme, für Langzeitreisende geeignet. Nebenwirkungen: Neuropsychiatrische Störungen (Alpträume, Schwindel, Angst, Depression) – daher nur noch eingeschränkt empfohlen.
Einnahme und Dosierung
Für eine optimale Schutzwirkung beachten Sie folgende Regeln:
- Pünktliche Einnahme: Nehmen Sie das Medikament jeden Tag (bzw. jede Woche bei Mefloquin) zur gleichen Uhrzeit ein.
- Zu einer Mahlzeit: Alle Malariamittel sollten mit Nahrung und ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden, um die Verträglichkeit zu verbessern.
- Rechtzeitig beginnen: Atovaquon/Proguanil und Doxycyclin 1–2 Tage vor Einreise, Mefloquin 1–3 Wochen vorher (auch zum Verträglichkeitstest).
- Nach Rückkehr weiter einnehmen: Atovaquon/Proguanil 7 Tage, Doxycyclin und Mefloquin 4 Wochen nach Verlassen des Risikogebiets.
- Bei Erbrechen: Wenn Sie innerhalb von 1 Stunde nach Einnahme erbrechen, eine Ersatztablette einnehmen.
Die DTG-Leitlinien werden jährlich aktualisiert. Konsultieren Sie immer eine reisemedizinische Beratungsstelle für aktuelle Empfehlungen, da sich Resistenzmuster ändern können.
Mückenschutz als Basisschutz
Expositionsprophylaxe (Mückenschutz) ist die Basis jeder Malariavorbeugung und reduziert das Infektionsrisiko um 50–90 %:
- Repellentien: Insektenschutzmittel mit DEET (30–50 %), Icaridin (20 %) oder PMD auf unbedeckte Haut auftragen. Wirkdauer 4–8 Stunden.
- Impraegnierte Moskitonetze: Schlafen unter einem mit Permethrin imprägnierten Netz. Die wichtigste Einzelmaßnahme in Hochrisikogebieten.
- Helle, lange Kleidung: Lange Hosen und langärmelige Oberteile, möglichst hell, aus dicht gewebtem Stoff. Kleidung kann zusätzlich mit Permethrin impraegniert werden.
- Abendliche Vorsicht: Anopheles-Mücken stechen vorwiegend zwischen Dämmerung und Morgengrauen. In dieser Zeit besonderen Schutz beachten.
- Klimaanlage: Klimatisierte Räume und Fliegengitter an Fenstern und Türen.
Mückenschutz ist auch für Reisende mit medikamentöser Prophylaxe wichtig, da kein Medikament 100 % Schutz bietet.
Notfalltherapie (Standby-Behandlung)
Bei Reisen in Gebiete mit niedrigem bis mittlerem Malariarisiko kann statt einer durchgängigen Prophylaxe eine Notfallselbstbehandlung (Standby-Therapie) mitgeführt werden:
- Wann einsetzen: Wenn während oder nach der Reise Fieber (über 38,5°C) auftritt und innerhalb von 24 Stunden kein Arzt erreichbar ist.
- Medikament: In der Regel Atovaquon/Proguanil (4 Tabletten auf einmal, dann 4 Tabletten nach 24 und nach 48 Stunden) oder Artemether/Lumefantrin.
- Trotz Standby-Therapie: So schnell wie möglich ärztliche Hilfe suchen. Die Selbstbehandlung ist eine Überbrückungsmaßnahme, keine endgültige Therapie.
Wichtig: Jedes Fieber in den Tropen oder bis zu 3 Monate nach Rückkehr aus einem Malariagebiet ist ein medizinischer Notfall bis zum Beweis des Gegenteils. Informieren Sie den behandelnden Arzt immer über Ihre Reiseanamnese.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle reisemedizinische Beratung. Die Wahl der richtigen Malariaprophylaxe hängt von Ihrem Reiseziel, der Reisedauer, Vorerkrankungen und anderen Medikamenten ab. Lassen Sie sich mindestens 4–6 Wochen vor Reiseantritt ärztlich beraten. Malariaprophylaxe-Medikamente sind verschreibungspflichtig. Bei Fieber während oder nach einer Tropenreise suchen Sie sofort ärztliche Hilfe.




