Was ist Cholesterin?
Cholesterin ist eine fettähnliche Substanz, die in jeder Körperzelle vorkommt und lebenswichtige Funktionen erfüllt. Es ist Bestandteil der Zellmembranen, dient als Ausgangsstoff für Hormone (z. B. Cortisol, Testosteron, Östrogen), Vitamin D und Gallensäuren. Etwa 70–80 % des Cholesterins stellt der Körper selbst her (vor allem in der Leber), nur 20–30 % stammen aus der Nahrung.
Problematisch wird es, wenn die Blutfettwerte dauerhaft erhöht sind – insbesondere das LDL-Cholesterin. Dann kann sich Cholesterin in den Gefäßwänden ablagern und zur Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) führen. Dies ist ein wesentlicher Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall.
LDL und HDL: Der Unterschied
Cholesterin wird im Blut an Transportproteine gebunden – die sogenannten Lipoproteine:
- LDL (Low-Density Lipoprotein): Das „schlechte“ Cholesterin. Es transportiert Cholesterin von der Leber in die Gewebe. Bei erhöhten Werten lagert es sich in den Arterienwanden ab und fördert Arteriosklerose. Zielwert: unter 116 mg/dl für Gesunde, unter 70 mg/dl bei hohem Risiko, unter 55 mg/dl bei sehr hohem Risiko.
- HDL (High-Density Lipoprotein): Das „gute“ Cholesterin. Es transportiert überschüssiges Cholesterin zurück zur Leber, wo es abgebaut wird. Zielwert: über 40 mg/dl bei Männern, über 50 mg/dl bei Frauen.
- Triglyzeride: Diese Blutfette werden ebenfalls bestimmt. Zielwert: unter 150 mg/dl.
- Gesamtcholesterin: Sollte unter 200 mg/dl liegen, ist allein aber wenig aussagekräftig.
Entscheidend für das Risiko ist nicht nur die Höhe der Werte, sondern auch das Verhältnis von LDL zu HDL und das individuelle Gesamtrisikoprofil.
Risikofaktoren für hohes Cholesterin
Erhöhte Cholesterinwerte können verschiedene Ursachen haben:
- Ernährung: Hoher Konsum gesättigter Fettsäuren (fettes Fleisch, Wurst, Butter, Käse) und Transfette (Frittiertes, industrielle Backwaren).
- Bewegungsmangel: Fehlende körperliche Aktivität senkt das HDL und erhöht die Triglyzeride.
- Genetische Veranlagung: Familiäre Hypercholesterinämie betrifft etwa 1 von 250 Menschen und führt zu extrem hohen LDL-Werten bereits in jungen Jahren.
- Übergewicht: Bauchfett verschlechtert das Lipidprofil.
- Rauchen: Senkt das HDL-Cholesterin und schädigt die Gefäße.
- Grunderkrankungen: Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion und Nierenerkrankungen können Cholesterinwerte erhöhen.
- Medikamente: Bestimmte Arzneimittel (z. B. Betablocker, Kortison, manche Kontrazeptiva) beeinflussen die Blutfettwerte.
Diagnose und Blutfettwerte
Die Bestimmung der Blutfettwerte erfolgt durch eine einfache Blutabnahme, idealerweise nüchtern (8–12 Stunden). Ein komplettes Lipidprofil umfasst Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyzeride.
Ab dem 35. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen alle drei Jahre einen Gesundheits-Check-up, der die Blutfettwerte einschließt. Bei familiärer Vorbelastung sollte früher und häufiger untersucht werden.
Zur Einschätzung des Gesamtrisikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen werden neben den Blutfettwerten weitere Faktoren berücksichtigt: Alter, Geschlecht, Blutdruck, Raucherstatus, Diabetes und familiäre Vorbelastung. Hierfür werden standardisierte Risiko-Scores wie der SCORE2 der European Society of Cardiology verwendet.
Behandlung: Statine und weitere Medikamente
Wenn Lebensstiländerungen allein nicht ausreichen, stehen verschiedene lipidsenkende Medikamente zur Verfügung:
Statine
Statine (z. B. Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin) sind die wichtigsten und am besten untersuchten Cholesterinsenker. Sie hemmen das Enzym HMG-CoA-Reduktase in der Leber und senken das LDL-Cholesterin um 30–50 %. Statine reduzieren nachweislich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Mögliche Nebenwirkungen sind Muskelschmerzen (bei 5–10 % der Patienten), erhöhte Leberwerte und selten Diabetes.
Ezetimib
Ezetimib hemmt die Cholesterinaufnahme im Darm und senkt das LDL um weitere 15–20 %. Es wird oft mit Statinen kombiniert, wenn diese allein nicht ausreichen.
PCSK9-Hemmer
PCSK9-Hemmer (z. B. Evolocumab, Alirocumab) sind Antikörper, die alle 2–4 Wochen injiziert werden. Sie senken das LDL um 50–60 % und kommen bei Hochrisikopatienten oder Statinunverträglichkeit zum Einsatz. Die Kosten sind deutlich höher als bei Statinen.
Bempedoinsäure
Ein neuerer Wirkstoff für Patienten mit Statinunverträglichkeit, der ähnlich wie Statine wirkt, aber weniger Muskelprobleme verursacht.
Ernährung und Lebensstiländerung
Ernährungs- und Lebensstiländerungen sind die Grundlage jeder Cholesterintherapie und können das LDL um 10–20 % senken:
- Gesättigte Fettsäuren reduzieren: Weniger fettes Fleisch, Wurst, Butter und Käse. Stattdessen pflanzliche Öle, Nüsse und fetter Fisch.
- Ballaststoffe erhöhen: Haferflocken, Hülsenfrüchte, Obst und Gemüse enthalten lösliche Ballaststoffe, die Cholesterin im Darm binden.
- Transfette meiden: Industriell gehärtete Fette in Fertigprodukten, Chips und frittierten Speisen.
- Regelmäßige Bewegung: 30 Minuten täglich erhöhen das HDL und senken die Triglyzeride.
- Gewichtsreduktion: Bereits 5–10 % Gewichtsabnahme verbessern das Lipidprofil spürbar.
- Rauchstopp: Innerhalb eines Jahres nach dem Rauchstopp steigt das HDL deutlich an.
- Moderater Alkoholkonsum: Maximal ein Glas Wein täglich für Frauen, zwei für Männer.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Erhöhte Cholesterinwerte erfordern eine individuelle Risikobeurteilung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Nehmen Sie Statine oder andere Lipidsenker nur nach ärztlicher Verordnung ein und setzen Sie diese nicht eigenständig ab. Bei Fragen zu Ihren Blutwerten wenden Sie sich bitte an Ihre Arztpraxis.




