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HIV-PrEP: Vorsorge, Zugang und Kosten in Deutschland
STI22. Februar 20269 min Lesezeit

HIV-PrEP: Vorsorge, Zugang und Kosten in Deutschland

Die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) bietet einen hochwirksamen Schutz vor einer HIV-Infektion. Erfahren Sie alles über Zugang, Kosten und Anwendung in Deutschland.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Was ist PrEP?

Die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) ist eine medikamentöse Strategie zur Vorbeugung einer HIV-Infektion. Dabei nehmen HIV-negative Personen mit erhöhtem Infektionsrisiko täglich eine Tablette ein, die zwei antiretrovirale Wirkstoffe enthält: Emtricitabin und Tenofovir.

Bei korrekter und regelmäßiger Einnahme bietet die PrEP einen Schutz von über 99 Prozent vor einer HIV-Infektion durch sexuelle Kontakte. Damit ist die PrEP eine der wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen HIV überhaupt.

In Deutschland ist die PrEP seit 2019 eine Kassenleistung. Die Einführung hat den Zugang für viele Risikogruppen deutlich erleichtert und trägt wesentlich zur Reduktion von HIV-Neuinfektionen bei.

Wichtig: Die PrEP schützt ausschließlich vor HIV. Gegen andere sexuell übertragbare Infektionen wie Syphilis, Gonorrhoe oder Chlamydien bietet sie keinen Schutz. Regelmäßige STI-Screenings bleiben daher unverzichtbar.

Wie wirkt PrEP?

Die PrEP-Medikamente Emtricitabin und Tenofovir gehören zur Klasse der nukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NRTI). Sie blockieren ein Enzym des HI-Virus, das für dessen Vermehrung unerlässlich ist.

Gelangt das Virus beim Geschlechtsverkehr in den Körper, trifft es auf Zellen, die bereits mit dem Wirkstoff gesättigt sind. Das Virus kann sich dadurch nicht vermehren und die Infektion wird im Keim erstickt.

Damit der Schutz wirksam ist, müssen die Wirkstoffe in ausreichender Konzentration im Gewebe vorhanden sein:

  • Rektales Gewebe: Schutz nach etwa 7 Tagen täglicher Einnahme
  • Vaginales Gewebe: Schutz nach etwa 21 Tagen täglicher Einnahme

Deshalb ist eine regelmäßige, tägliche Einnahme entscheidend. Gelegentliches Vergessen einzelner Dosen kann den Schutz beeinträchtigen. Für Männer, die Sex mit Männern haben, gibt es auch das Modell der Bedarfs-PrEP (on-demand PrEP, 2-1-1-Schema), die nur rund um den Geschlechtsverkehr eingenommen wird.

Für wen ist PrEP geeignet?

Die PrEP richtet sich an HIV-negative Personen mit einem substanziellen HIV-Infektionsrisiko. Die Deutsche AIDS-Gesellschaft (DAIG) und das Robert Koch-Institut nennen folgende Indikationen:

  • Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und dabei Analverkehr ohne Kondom praktizieren
  • Trans-Personen mit erhöhtem Risiko
  • Sexualpartner von HIV-positiven Personen, die noch keine vollständige Virussuppression erreicht haben
  • Personen, die Sexarbeit ausüben
  • Personen mit kürzlich durchgemachter STI (Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien) als Hinweis auf Risikoverhalten
  • Personen, die intravenös Drogen konsumieren und dabei Injektionsbesteck teilen

Vor Beginn der PrEP muss eine HIV-Infektion sicher ausgeschlossen werden. Die Einnahme bei bereits bestehender HIV-Infektion kann zu Resistenzentwicklung führen.

Nicht geeignet ist die PrEP für Personen mit schwerer Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min bei Tenofovirdisoproxil) oder einer bekannten Überempfindlichkeit gegen die Wirkstoffe.

Zugang und Verschreibung in Deutschland

Seit September 2019 ist die HIV-PrEP in Deutschland eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung. Der Zugang ist wie folgt geregelt:

Verschreibungsberechtigte Ärzte

Die PrEP kann von Ärzten verschrieben werden, die eine besondere Qualifikation in der HIV-Behandlung nachweisen:

  • Schwerpunktpraxen und -ambulanzen für HIV/AIDS
  • Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Infektiologie
  • Praxen mit entsprechender Genehmigung der Kassenärztlichen Vereinigung

Ablauf der Verschreibung

  1. HIV-Test: Negativer HIV-Test (nicht älter als 4 Wochen)
  2. Nierenfunktionsprüfung: Bluttest zur Bestimmung der Kreatinin-Clearance
  3. Hepatitis-B-Screening: Überprüfung des HBV-Status
  4. STI-Screening: Test auf Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien
  5. Beratung: Ausführliches Gespräch über Nutzen, Risiken und Einnahme

Die PrEP wird in der Regel als Quartalsrezept ausgestellt. Regelmäßige Kontrollen (alle 3 Monate) mit HIV-Test, Nierenwerten und STI-Screening sind verpflichtend.

Kosten und Kassenleistung

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen seit 2019 die Kosten für:

  • Die PrEP-Medikamente (Generika ab ca. 40 bis 70 Euro pro Monat)
  • Die notwendigen Begleituntersuchungen (HIV-Tests, Nierenwerte, STI-Screenings)
  • Die ärztliche Beratung

Patienten zahlen lediglich die gesetzliche Zuzahlung von 5 bis 10 Euro pro Rezept.

Private Krankenversicherung

Bei privat Versicherten hängt die Kostenübernahme vom individuellen Tarif ab. Viele PKV-Tarife erstatten die PrEP, eine vorherige Klärung wird empfohlen.

Selbstzahler

Wer die PrEP selbst zahlt, muss mit monatlichen Kosten von etwa 40 bis 70 Euro für Generika rechnen. Originalpraeparate wie Truvada oder Descovy sind deutlich teurer (300 bis 800 Euro), werden aber seit Verfügbarkeit der Generika kaum noch verschrieben.

Zusätzlich fallen Kosten für die regelmäßigen Laborkontrollen an, sofern diese nicht von der Kasse getragen werden.

Nebenwirkungen und Kontrollen

Die PrEP ist insgesamt gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen treten vor allem in den ersten Wochen auf und klingen meist von selbst ab:

  • Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Durchfall, Blähungen (bei ca. 10 Prozent, meist vorübergehend)
  • Kopfschmerzen: Leicht bis mäßig, in der Regel vorübergehend
  • Müdigkeit: Gelegentlich in den ersten Wochen

Seltenere, aber ernst zu nehmende Nebenwirkungen:

  • Nierenfunktionsstörung: Tenofovirdisoproxil kann die Nierenfunktion beeinträchtigen. Deshalb sind regelmäßige Kontrollen der Kreatinin-Clearance alle 3 Monate obligat. Bei Tenofovir-Alafenamid (TAF, in Descovy) ist dieses Risiko geringer.
  • Knochendichteverlust: Geringfügige Reduktion der Knochendichte möglich, klinisch meist nicht relevant und nach Absetzen reversibel.

Die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen alle 3 Monate umfassen: HIV-Test, Nierenwerte, STI-Screening (Syphilis, Gonorrhoe, Chlamydien) und Beratungsgespräch. Diese Kontrollen sind ein wesentlicher Bestandteil der PrEP-Versorgung und dienen sowohl der Sicherheit als auch der Früherkennung anderer STI.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die HIV-PrEP ist ein verschreibungspflichtiges Medikament und muss unter ärztlicher Aufsicht mit regelmäßigen Kontrollen eingenommen werden. Bitte konsultieren Sie eine spezialisierte Ärztin oder einen spezialisierten Arzt für eine individuelle Risikobeurteilung und Verschreibung.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).