Was ist Gonorrhoe?
Gonorrhoe, im Volksmund auch als Tripper bekannt, ist eine bakterielle sexuell übertragbare Infektion (STI), die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae (Gonokokken) verursacht wird. Sie zählt weltweit zu den häufigsten STI mit geschätzten 82 Millionen Neuinfektionen pro Jahr laut der Weltgesundheitsorganisation.
In Deutschland ist die Gonorrhoe nicht meldepflichtig (außer in Sachsen), weshalb die genaue Häufigkeit nur geschätzt werden kann. Experten gehen von einer steigenden Zahl der Infektionen aus, insbesondere bei jungen Erwachsenen und Männern, die Sex mit Männern haben.
Gonokokken befallen bevorzugt die Schleimhäute des Urogenitaltrakts, können aber auch den Rachen (Pharynx), das Rektum und die Augen infizieren. Unbehandelt kann eine Gonorrhoe zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter Unfruchtbarkeit und systemische Infektionen.
Übertragungswege
Gonokokken werden durch direkten Schleimhautkontakt übertragen. Die wichtigsten Übertragungswege sind:
- Vaginaler Geschlechtsverkehr: Häufigster Übertragungsweg, Ansteckungswahrscheinlichkeit pro Kontakt bei Frauen ca. 60-80 Prozent, bei Männern ca. 20-30 Prozent
- Analer Geschlechtsverkehr: Hohe Übertragungsrate, häufig asymptomatische rektale Infektionen
- Oraler Geschlechtsverkehr: Kann zu pharyngealer Gonorrhoe führen, die meist asymptomatisch verläuft
- Perinatale Übertragung: Während der Geburt von der Mutter auf das Neugeborene (Gonoblennorrhoe der Augen)
Eine Übertragung über Gegenstände wie Handtücher oder Toilettensitze ist äußerst unwahrscheinlich, da Gonokokken außerhalb des Körpers rasch absterben.
Die Inkubationszeit beträgt typischerweise 2 bis 6 Tage nach der Ansteckung, kann aber auch bis zu 14 Tage betragen.
Symptome bei Männern und Frauen
Symptome bei Männern
Bei Männern verläuft die Gonorrhoe in der Regel symptomatisch (nur etwa 10 Prozent bleiben asymptomatisch):
- Eitriger, gelblich-grüner Ausfluss aus der Harnröhre („bonjour-Tropfen“)
- Brennen und Schmerzen beim Wasserlassen (Dysurie)
- Rötung und Schwellung der Harnröhrenmündung
- Gegebenenfalls Hodenschmerzen und -schwellung bei Epididymitis
Symptome bei Frauen
Bei Frauen verläuft die Gonorrhoe häufig asymptomatisch (bis zu 50 Prozent). Falls Symptome auftreten:
- Veränderter, vermehrter Vaginalausfluss (oft gelblich-eitrig)
- Zwischenblutungen oder Kontaktblutungen
- Schmerzen beim Wasserlassen
- Unterbauchschmerzen bei aufsteigender Infektion
Extragenitale Manifestationen
- Pharyngeale Gonorrhoe: Meist asymptomatisch, gelegentlich Halsschmerzen
- Rektale Gonorrhoe: Oft asymptomatisch, möglich sind Juckreiz, Ausfluss, Schmerzen
- Disseminierte Gonokokkeninfektion: Selten, aber schwerwiegend – Arthritis, Hautläsionen, Fieber
Diagnose
Die Diagnose der Gonorrhoe basiert auf dem Erregernachweis, da die klinischen Symptome allein nicht spezifisch genug sind:
- Nukleinsäureamplifikationstest (NAAT/PCR): Der Goldstandard für die Diagnostik. Hochsensitiv und hochspezifisch. Geeignet für Abstriche aus Urethra, Zervix, Rektum und Pharynx sowie für Erststrahlurin.
- Kultur: Ermöglicht die Anzucht des Erregers und vor allem die Resistenztestung. Angesichts zunehmender Antibiotikaresistenzen ist die Kultur von großer Bedeutung.
- Mikroskopie (Grampraeparat): Schnelltest mit hoher Sensitivität bei symptomatischer Urethritis des Mannes (gramnegative intrazelluläre Diplokokken). Bei Frauen und asymptomatischen Infektionen weniger zuverlässig.
Bei Verdacht auf Gonorrhoe sollten immer alle potenziell betroffenen Lokalisationen getestet werden (urogenital, rektal, pharyngeal), da Mehrfachinfektionen häufig sind. Gleichzeitig ist ein Screening auf andere STI (Chlamydien, Syphilis, HIV) empfehlenswert.
Behandlung: Dualtherapie und Resistenzproblematik
Die Behandlung der unkomplizierten Gonorrhoe erfolgt nach den aktuellen Leitlinien der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) bevorzugt als Dualtherapie:
Standardtherapie
- Ceftriaxon 1 g als einmalige intravenöse oder intramuskuläre Injektion
- Plus Azithromycin 1,5 g als einmalige orale Gabe
Diese Kombination deckt auch eine mögliche Co-Infektion mit Chlamydien ab und wirkt synergistisch gegen Gonokokken.
Antibiotikaresistenz – ein wachsendes Problem
Gonokokken haben eine bemerkenswerte Fähigkeit, Resistenzen gegen Antibiotika zu entwickeln. In den letzten Jahrzehnten wurden Resistenzen gegen zahlreiche Antibiotikaklassen beobachtet:
- Penicilline – weitgehend unwirksam
- Tetracycline – hohe Resistenzraten
- Fluorchinolone (z.B. Ciprofloxacin) – in vielen Regionen nicht mehr empfohlen
- Azithromycin – zunehmende Resistenz, deshalb nur noch in Kombination
- Cephalosporine – vereinzelt verminderte Empfindlichkeit berichtet
Daher ist eine Kontrolle des Therapieerfolgs (Test of Cure) 2 bis 4 Wochen nach Behandlung dringend empfohlen. Bei Therapieversagen muss eine Kultur mit Resistenztestung durchgeführt werden.
Prävention
Die wichtigsten Maßnahmen zur Vorbeugung einer Gonorrhoe-Infektion sind:
- Kondomverwendung: Korrekte und konsequente Verwendung von Kondomen beim vaginalen, analen und oralen Geschlechtsverkehr reduziert das Risiko erheblich.
- Regelmäßiges STI-Screening: Insbesondere für Personen mit wechselnden Sexualpartnern, MSM und Personen in der Sexarbeit. Die PrEP-begleitenden Untersuchungen alle 3 Monate beinhalten standardmäßig ein Gonorrhoe-Screening.
- Partnerbenachrichtigung: Bei positiver Diagnose sollten alle Sexualpartner der letzten 60 Tage informiert und getestet werden.
- Partnerbehandlung: Gleichzeitige Behandlung der Sexualpartner zur Vermeidung einer Ping-Pong-Infektion.
- Aufklärung: Wissen über Übertragungswege und Schutzmöglichkeiten ist der Schlüssel zur Prävention.
Nach einer durchgemachten Gonorrhoe besteht keine Immunität – eine erneute Ansteckung ist jederzeit möglich. Regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen bleiben daher wichtig.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Gonorrhoe ist eine behandlungspflichtige Infektion, die fachärztlich diagnostiziert und therapiert werden muss. Bitte wenden Sie sich bei Verdacht auf eine Infektion zeitnah an eine Ärztin oder einen Arzt.




