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Trichomonaden-Infektion: Symptome erkennen und behandeln
STI1. März 20267 min Lesezeit

Trichomonaden-Infektion: Symptome erkennen und behandeln

Trichomoniasis ist eine häufige, aber oft übersehene sexuell übertragbare Infektion. Erfahren Sie alles über Symptome, Diagnose und die wirksame Behandlung mit Metronidazol.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Was ist Trichomoniasis?

Trichomoniasis ist eine sexuell übertragbare Infektion, die durch den einzelligen Parasiten Trichomonas vaginalis verursacht wird. Es handelt sich um die weltweit häufigste nicht-virale, sexuell übertragbare Infektion mit geschätzten 156 Millionen Neuinfektionen pro Jahr laut WHO.

Trichomonas vaginalis ist ein birnenförmiger, begeisselter Einzeller, der die Schleimhäute des Urogenitaltrakts besiedelt. Er lebt bevorzugt in der Vagina und der männlichen Harnröhre und ernährt sich von Glykogen und Bakterien der Schleimhautflora.

Trotz ihrer Häufigkeit wird Trichomoniasis in Deutschland vergleichsweise selten diagnostiziert, was zum Teil daran liegt, dass sie in Routine-STI-Screenings oft nicht enthalten ist. Die Prävalenz in der deutschen Allgemeinbevölkerung wird auf etwa 1 bis 3 Prozent geschätzt, in STI-Hochrisikopopulationen liegt sie deutlich höher.

Unbehandelt kann Trichomoniasis das Risiko für HIV-Übertragung erhöhen und in der Schwangerschaft zu Komplikationen führen. Eine effektive Behandlung ist verfügbar und heilt die Infektion zuverlässig aus.

Übertragung

Trichomonas vaginalis wird fast ausschließlich durch sexuellen Kontakt übertragen:

  • Vaginaler Geschlechtsverkehr: Der Hauptübertragungsweg. Das Übertragungsrisiko pro ungeschütztem Kontakt liegt bei Frauen bei etwa 60 bis 80 Prozent.
  • Vulva-zu-Vulva-Kontakt: Übertragung zwischen Frauen ist möglich.
  • Gemeinsame Nutzung von Sexspielzeug: Ohne gründliche Reinigung möglich.

Eine Übertragung über analen oder oralen Geschlechtsverkehr ist äußerst selten, da Trichomonaden bevorzugt den Urogenitaltrakt besiedeln. Die Übertragung über Gegenstände (Handtücher, Toilettensitze) ist theoretisch möglich, da Trichomonaden in feuchter Umgebung einige Stunden überleben können, spielt aber epidemiologisch keine relevante Rolle.

Die Inkubationszeit beträgt 4 bis 28 Tage, im Durchschnitt etwa 7 Tage. Manche Infektionen bleiben über Monate oder Jahre asymptomatisch bestehen.

Symptome bei Frauen und Männern

Symptome bei Frauen

Bei Frauen verläuft die Trichomoniasis in etwa 50 Prozent der Fälle symptomatisch:

  • Vaginaler Ausfluss: Typischerweise dünnflüssig, schäumig, gelblich-grün und übelriechend (fischiger Geruch)
  • Starker Juckreiz und Brennen im Vaginal- und Vulvabereich
  • Dysurie: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen
  • Dyspareunie: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr
  • Kolpitis: Entzündung der Vaginalschleimhaut, bei Spekulum-Untersuchung gelegentlich punktförmige Blutungen („Erdbeer-Zervix“ / Kolpitis macularis)

Symptome bei Männern

Bei Männern verläuft die Infektion in 70 bis 80 Prozent der Fälle asymptomatisch. Wenn Symptome auftreten:

  • Leichte Urethritis: Dezenter, klarer Ausfluss aus der Harnröhre
  • Leichtes Brennen beim Wasserlassen oder nach der Ejakulation
  • Juckreiz an der Eichel oder in der Harnröhre

Da Männer häufig asymptomatisch sind, fungieren sie oft als unbewusste Überträger. Die Infektion kann bei Männern auch spontan innerhalb weniger Wochen abklingen, bei Frauen persistiert sie jedoch ohne Behandlung häufig über Monate oder Jahre.

Diagnose

Für die Diagnose der Trichomoniasis stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Nativpräparat (Mikroskopie): Untersuchung eines Vaginalabstrichs im Phasenkontrastmikroskop. Die beweglichen, birnenförmigen Trichomonaden mit ihren Geißeln sind bei frischem Material oft direkt erkennbar. Sensitivität liegt jedoch nur bei 50 bis 70 Prozent.
  • NAAT/PCR: Der Goldstandard mit einer Sensitivität von über 95 Prozent. Geeignet für Vaginalabstriche und Urinproben. Empfohlen bei Verdacht trotz negativer Mikroskopie.
  • Schnelltests (Antigentests): Point-of-Care-Tests mit guter Sensitivität (80 bis 90 Prozent), die Ergebnisse innerhalb von 10 bis 30 Minuten liefern.
  • Kultur: Wurde früher als Goldstandard betrachtet, inzwischen weitgehend durch PCR abgelöst. Ergebnis nach 2 bis 7 Tagen.

Da Trichomoniasis in Standard-STI-Screenings oft nicht enthalten ist, sollte bei typischen Beschwerden (insbesondere schäumiger, übelriechender Ausfluss) gezielt danach gefragt und getestet werden. Gleichzeitig empfiehlt sich ein Screening auf weitere STI.

Behandlung mit Metronidazol

Die Behandlung der Trichomoniasis ist unkompliziert und hochwirksam:

Standardtherapie

  • Metronidazol 2 g als orale Einmaldosis – die bevorzugte Therapie mit Heilungsraten von 90 bis 95 Prozent

Alternative Therapieschemata

  • Metronidazol 500 mg zweimal täglich über 7 Tage – insbesondere bei Therapieversagen der Einmaldosis oder bei HIV-positiven Frauen empfohlen
  • Tinidazol 2 g als orale Einmaldosis – ähnliche Wirksamkeit, möglicherweise besser verträglich

Wichtige Hinweise zur Therapie

  • Alkoholverzicht: Während der Einnahme von Metronidazol und 48 Stunden danach muss auf Alkohol vollständig verzichtet werden (Disulfiram-ähnliche Reaktion mit Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen).
  • Sexuelle Abstinenz: Bis zum Abschluss der Behandlung und negativer Kontrolle sollte auf Geschlechtsverkehr verzichtet oder konsequent Kondome verwendet werden.
  • Schwangerschaft: Metronidazol kann in der Schwangerschaft (ab dem 2. Trimenon) eingesetzt werden, da eine unbehandelte Trichomoniasis mit vorzeitigem Blasensprung und Frühgeburt assoziiert ist.

Eine Kontrolluntersuchung wird 2 bis 4 Wochen nach Therapie empfohlen, insbesondere bei persistierenden Symptomen.

Partnerbehandlung und Prävention

Die gleichzeitige Behandlung aller Sexualpartner ist bei Trichomoniasis obligat. Ohne Partnerbehandlung liegt die Reinfektionsrate bei über 20 Prozent innerhalb von 3 Monaten.

  • Partnerbehandlung: Alle aktuellen Sexualpartner (der letzten 60 Tage) sollten informiert und mitbehandelt werden – unabhängig davon, ob sie Symptome haben oder nicht.
  • Expedited Partner Therapy (EPT): In einigen Ländern kann das Rezept für den Partner ohne vorherige Untersuchung ausgestellt werden. In Deutschland ist dies aufgrund der Verschreibungspflicht nur eingeschränkt möglich.

Präventive Maßnahmen:

  • Kondomnutzung: Konsequente Verwendung von Kondomen reduziert das Übertragungsrisiko erheblich
  • Regelmäßiges STI-Screening: Insbesondere bei wechselnden Partnern sollte Trichomoniasis in das Screening einbezogen werden
  • Partnerkommunikation: Offener Umgang mit sexueller Gesundheit erleichtert die Früherkennung und Behandlung

Es besteht keine Immunität nach durchgemachter Infektion – wiederholte Ansteckungen sind jederzeit möglich.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Trichomoniasis erfordert eine ärztliche Diagnose und verschreibungspflichtige Medikamente. Bitte wenden Sie sich bei Verdacht auf eine Infektion an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).