Was ist Sodbrennen und GERD?
Sodbrennen ist ein brennendes Gefühl hinter dem Brustbein, das durch den Rückfluss (Reflux) von saurem Mageninhalt in die Speiseröhre entsteht. Gelegentliches Sodbrennen ist weit verbreitet und meist harmlos – etwa 20 bis 40 Prozent der Erwachsenen in Deutschland erleben es mindestens einmal im Monat.
Wenn Sodbrennen häufig auftritt (mehr als zweimal pro Woche) und die Lebensqualität beeinträchtigt, spricht man von der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) – einer chronischen Erkrankung, die etwa 10 bis 20 Prozent der Bevölkerung betrifft.
Der Magen produziert täglich etwa 2 bis 3 Liter Salzsäure (pH-Wert 1 bis 2) zur Verdauung und zur Abtötung von Keimen. Die Magenschleimhaut ist gegen diese Säure geschützt, die Speiseröhrenschleimhaut jedoch nicht. Normalerweise verhindert der untere Ösophagussphinkter (ein Muskelring am Übergang von Speiseröhre zu Magen), dass Magensäure in die Speiseröhre gelangt. Wenn dieser Verschlussmechanismus gestört ist, entsteht Reflux.
Ursachen und Risikofaktoren
Sodbrennen und GERD entstehen durch ein Ungleichgewicht zwischen schädigenden Faktoren (Säurereflux) und schützenden Mechanismen (Sphinkterfunktion, Speiseröhren-Clearance). Die häufigsten Ursachen und Risikofaktoren sind:
Anatomische und funktionelle Ursachen
- Insuffizienz des unteren Ösophagussphinkters: Durch vorübergehende Erschlaffungen (transient lower esophageal sphincter relaxations, TLESR) oder dauerhaft verminderten Ruhetonus
- Hiatushernie (Zwerchfellbruch): Ein Teil des Magens verlagert sich durch das Zwerchfell nach oben, was den Verschlussmechanismus beeinträchtigt
Lebensstil-bedingte Faktoren
- Übergewicht und Adipositas: Erhöhter Bauchdruck fördert den Reflux. Schon eine moderate Gewichtsreduktion kann die Symptome deutlich bessern.
- Späte, fettige oder große Mahlzeiten: Fettreiche Speisen verzögern die Magenentleerung und reduzieren den Sphinktertonus.
- Rauchen: Senkt den Sphinkterdruck, erhöht die Säureproduktion und beeinträchtigt die Speichelproduktion.
- Alkohol, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke: Können den Sphinktertonus senken und die Säuresekretion anregen.
- Stress: Kann die Wahrnehmung von Reflux-Symptomen verstärken und die Magenmotilität beeinflussen.
Medikamentöse Ursachen
Verschiedene Medikamente können Sodbrennen begünstigen: Kalziumkanalblocker, Nitrate, Anticholinergika, Bisphosphonate, NSAR (Ibuprofen, Diclofenac) und Eisenpräparate.
Symptome und Warnsignale
Typische Symptome
- Sodbrennen: Brennendes Gefühl hinter dem Brustbein, das nach dem Essen, beim Bücken oder im Liegen schlimmer wird
- Saures Aufstoßen (Regurgitation): Rückfluss von saurem Mageninhalt bis in den Mund
- Dysphagie: Schluckbeschwerden, besonders bei fester Nahrung
- Retrosternaler Schmerz: Brustschmerzen, die von Herzschmerzen abgegrenzt werden müssen
Atypische (extraösophageale) Symptome
- Chronischer Husten: Besonders nachts, durch Mikroaspiration von Magensäure
- Heiserkeit: Durch Säureschädigung der Stimmbänder (Laryngopharyngealer Reflux)
- Asthma-ähnliche Beschwerden: Reflexbronchokonstriktion durch Ösophagus-Reizung
- Zahnerosionen: Schäden am Zahnschmelz durch chronische Säureeinwirkung
- Globusgefühl: Kloßgefühl im Hals
Alarmsymptome (Red Flags)
Folgende Symptome erfordern eine umgehende ärztliche Abklärung:
- Dysphagie – zunehmende Schluckbeschwerden
- Ungewollter Gewichtsverlust
- Blutungen – Bluterbrechen (Hämatemesis) oder schwarzer Stuhl (Melaena)
- Blutärmut (Anämie)
- Erstauftreten über 50 Jahre ohne vorherige Reflux-Anamnese
Diagnose
In den meisten Fällen kann die Diagnose anhand der typischen Symptome und des Ansprechens auf eine Probesauftherapie mit Säureblockern gestellt werden. Weiterführende Diagnostik ist bei Alarmsymptomen, Therapieversagen oder Komplikationen indiziert:
- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD): Endoskopische Untersuchung der Speiseröhre und des Magens. Goldstandard zur Erkennung von Ösophagitis (Schleimhautentzündung), Strikturen, Barrett-Ösophagus und Tumoren. Mit Biopsieentnahme möglich.
- 24-Stunden-pH-Metrie/Impedanzmessung: Eine dünne Sonde wird über die Nase in die Speiseröhre eingeführt und misst über 24 Stunden den Säure-Rückfluss. Der Goldstandard für die Quantifizierung des Reflux.
- Hochauflösende Manometrie: Messung der Druckverhältnisse und Bewegungsmuster der Speiseröhre. Wichtig vor allem bei geplanten Anti-Reflux-Operationen und bei atypischen Symptomen.
Die Einteilung nach Los Angeles (Grad A bis D) beschreibt den Schweregrad der erosiven Ösophagitis bei der Endoskopie. Etwa 60 Prozent der GERD-Patienten haben jedoch eine nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD) mit normaler Endoskopie trotz typischer Symptome.
Behandlung: PPI, H2-Blocker und Antazida
Die medikamentöse Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Beschwerden:
Protonenpumpeninhibitoren (PPI)
PPI sind die wirksamsten Medikamente zur Säurehemmung und Mittel der Wahl bei GERD:
- Pantoprazol 20 bis 40 mg einmal täglich, 30 Minuten vor dem Frühstück
- Omeprazol 20 bis 40 mg einmal täglich
- Esomeprazol 20 bis 40 mg einmal täglich
PPI hemmen die Säureproduktion an der Protonenpumpe der Belegzellen um bis zu 90 Prozent. Sie heilen erosive Ösophagitis in 80 bis 90 Prozent der Fälle innerhalb von 4 bis 8 Wochen.
Langzeitanwendung: Bei chronischem Reflux kann eine Dauertherapie mit der niedrigsten wirksamen Dosis erforderlich sein. Mögliche Langzeitnebenwirkungen (Vitamin-B12- und Magnesiummangel, erhöhtes Frakturrisiko) sollten regelmäßig überwacht werden.
H2-Rezeptorblocker
- Famotidin 20 bis 40 mg zweimal täglich
H2-Blocker hemmen die Säuresekretion weniger stark als PPI, können aber bei mildem Reflux oder als Ergänzung zur nächtlichen Säurekontrolle eingesetzt werden.
Antazida und Alginate
- Antazida (z.B. Hydrotalcit, Magaldrat) neutralisieren die Magensäure und wirken innerhalb von Minuten. Geeignet zur Bedarfstherapie bei gelegentlichem Sodbrennen.
- Alginate (z.B. Gaviscon) bilden eine schützende Schicht auf dem Mageninhalt und verhindern den Säure-Rückfluss mechanisch. Besonders wirksam nach dem Essen und vor dem Schlafengehen.
Ernährung und Lebensstiländerungen
Lebensstilmaßnahmen sind ein wesentlicher Bestandteil der Reflux-Therapie und können die Symptome bei vielen Patienten bereits deutlich lindern:
Ernährungsempfehlungen
- Kleine, häufige Mahlzeiten statt weniger großer Portionen
- Langsam essen und gründlich kauen
- Späte Mahlzeiten meiden: Letzte Mahlzeit mindestens 3 Stunden vor dem Schlafengehen
- Fettreiche Speisen reduzieren: Fett verzögert die Magenentleerung
- Bekannte Trigger meiden: Scharfe Gewürze, Zitrusfrüchte, Tomaten, Schokolade, Pfefferminze, Zwiebeln
- Getränke: Alkohol, Kaffee und kohlensäurehaltige Getränke einschränken
Lebensstil-Anpassungen
- Gewichtsreduktion: Bereits 5 bis 10 Prozent Gewichtsverlust können die Symptome signifikant verbessern. Dies ist die wirksamste einzelne Lebensstilmaßnahme.
- Kopfende des Bettes erhöhen: Um 15 bis 20 cm (z.B. durch Keil unter die Matratze), nicht nur Kissen verwenden. Besonders hilfreich bei nächtlichem Reflux.
- Linksseitenlage beim Schlafen: Der Magen liegt anatomisch links, diese Position reduziert den Reflux.
- Rauchen aufhören: Rauchen senkt den Sphinkterdruck und fördert Reflux.
- Enge Kleidung meiden: Enge Gürtel und Hosenbunde erhöhen den Bauchdruck.
- Nach dem Essen aufrecht bleiben: Nicht sofort hinlegen, ein Spaziergang kann hilfreich sein.
Ein Ernährungs- und Symptomtagebuch kann helfen, individuelle Trigger zu identifizieren, da die Auslöser von Person zu Person unterschiedlich sein können.
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Insbesondere bei Alarmsymptomen (Schluckbeschwerden, Gewichtsverlust, Blutungen) sollte umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen. Protonenpumpeninhibitoren sind in höheren Dosierungen verschreibungspflichtig. Bitte konsultieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt für eine individuelle Therapieempfehlung.




