Was ist eine Schilddrüsenunterfunktion?
Bei einer Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) produziert die Schilddrüse zu wenig Schilddrüsenhormone (T3 und T4). Diese Hormone steuern den Stoffwechsel nahezu aller Körperzellen und beeinflussen Energieverbrauch, Körpertemperatur, Herzfrequenz, Verdauung und psychisches Wohlbefinden.
Die häufigste Ursache in Deutschland ist die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem die Schilddrüse angreift. Weitere Ursachen sind operative Entfernung der Schilddrüse, Radiojodtherapie, bestimmte Medikamente und selten ein angeborener Schilddrüsenmangel.
Die Erkrankung betrifft etwa 5 Prozent der Bevölkerung, wobei Frauen fünf- bis achtmal häufiger betroffen sind als Männer. Das Risiko steigt mit dem Alter und ist bei familiärer Vorbelastung erhöht.
Symptome: Woran erkennt man eine Unterfunktion?
Die Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion sind oft unspezifisch und entwickeln sich schleichend, weshalb die Erkrankung häufig erst spät erkannt wird:
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit: Eines der häufigsten Symptome. Betroffene fühlen sich trotz ausreichend Schlaf erschöpft.
- Gewichtszunahme: Durch den verlangsamten Stoffwechsel nehmen Betroffene zu, obwohl sie nicht mehr essen als zuvor.
- Kälteempfindlichkeit: Verminderte Wärmeproduktion führt dazu, dass Betroffenen schneller kalt ist als anderen.
- Trockene Haut und brüchige Nägel: Die verminderte Stoffwechselaktivität zeigt sich auch an Haut, Haaren und Nägeln.
- Verstopfung: Die verlangsamte Darmtätigkeit führt bei vielen Betroffenen zu chronischer Verstopfung.
- Depressive Stimmung: Schilddrüsenhormone beeinflussen die Gehirnfunktion. Ein Mangel kann depressive Symptome, Konzentrationsstörungen und Gedächtnisprobleme verursachen.
- Zyklusstörungen: Bei Frauen kann eine Unterfunktion zu unregelmäßigen oder verstärkten Periodenblutungen und Fruchtbarkeitsproblemen führen.
Diagnose: TSH-Wert und weitere Untersuchungen
Die Diagnose einer Schilddrüsenunterfunktion erfolgt primär über Bluttests:
TSH (Thyreoidea-stimulierendes Hormon): Der wichtigste Screening-Wert. Bei einer Unterfunktion ist der TSH-Wert erhöht (über 4,0 mU/L), da die Hirnanhangdrüse versucht, die träge Schilddrüse zu mehr Hormonproduktion anzuregen. Der Normalbereich liegt zwischen 0,4 und 4,0 mU/L.
Freies T4 (fT4): Zeigt den Gehalt an aktivem Schilddrüsenhormon im Blut. Bei manifester Unterfunktion ist fT4 erniedrigt. Bei einer subklinischen (latenten) Unterfunktion ist nur TSH erhöht, während fT4 noch normal ist.
Schilddrüsenantikörper: TPO-Antikörper (Anti-TPO) sind bei Hashimoto-Thyreoiditis in über 90 Prozent der Fälle erhöht und bestätigen die Autoimmunursache.
Ultraschall: Eine Schilddrüsensonographie zeigt Größe, Struktur und mögliche Knoten. Bei Hashimoto ist das Gewebe typischerweise echoarm (dunkel) und ungleichmäßig.
Behandlung mit L-Thyroxin
Die Standardbehandlung der Schilddrüsenunterfunktion ist die tägliche Einnahme von L-Thyroxin (Levothyroxin), einem synthetischen Schilddrüsenhormon, das dem körpereigenen T4 entspricht.
Dosierung: Die Anfangsdosis richtet sich nach Alter, Gewicht und Schwere der Unterfunktion. Typische Startdosen liegen bei 25 bis 50 Mikrogramm, bei älteren oder herzkranken Patienten noch niedriger. Die Dosis wird alle 6 bis 8 Wochen anhand des TSH-Wertes angepasst, bis der Zielbereich erreicht ist.
Einnahme: L-Thyroxin sollte morgens nüchtern, mindestens 30 Minuten vor dem Frühstück, mit Wasser eingenommen werden. Kaffee, Milch, Calciumpräparate und Eisentabletten können die Aufnahme beeinträchtigen und sollten zeitversetzt eingenommen werden.
Langzeittherapie: In den meisten Fällen ist eine lebenslange Einnahme erforderlich. Die Dosis kann sich im Laufe der Zeit ändern, daher sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen (TSH alle 6 bis 12 Monate) wichtig.
Nebenwirkungen: Bei korrekter Dosierung hat L-Thyroxin praktisch keine Nebenwirkungen, da es das fehlende körpereigene Hormon lediglich ersetzt. Überdosierung kann zu Herzrasen, Unruhe, Schwitzen und Gewichtsverlust führen.
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L-Thyroxin ist verschreibungspflichtig und eines der am häufigsten verschriebenen Medikamente in Deutschland. Für Patienten mit stabiler, gut eingestellter Schilddrüsenunterfunktion ist die telemedizinische Verschreibung eines Folgerezepts eine bequeme Option.
Voraussetzung: Ihre Dosis ist seit mindestens drei Monaten stabil, und der letzte TSH-Wert lag im Zielbereich. Geben Sie bei der Online-Konsultation an, welches Präparat und welche Dosierung Sie einnehmen und wann der letzte Blutwert erhoben wurde.
Wichtig: Die Ersteinstellung und Dosisanpassungen sollten persönlich beim Arzt erfolgen, mit begleitenden Blutkontrollen. Auch bei Symptomveränderungen, Schwangerschaftswunsch oder neuen Begleitmedikamenten ist eine persönliche ärztliche Beratung empfehlenswert.
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