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Reisedurchfall: Vorbeugen, erkennen und richtig behandeln
Reisemedizin11. Februar 20267 min Lesezeit

Reisedurchfall: Vorbeugen, erkennen und richtig behandeln

Reisedurchfall ist die häufigste Reiseerkrankung. Erfahren Sie, wie Sie vorbeugen, welche Mittel helfen und wann Sie zum Arzt müssen.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Was ist Reisedurchfall?

Reisedurchfall (Reisediarrhö) ist die häufigste Gesundheitsstörung auf Reisen. Je nach Reiseziel sind 20–60 % aller Reisenden betroffen. Per Definition liegt Reisedurchfall vor, wenn während oder kurz nach einer Reise mindestens drei ungeformte Stuhlgänge innerhalb von 24 Stunden auftreten, oft begleitet von Bauchkrämpfen, Übelkeit oder Fieber.

In den meisten Fällen verläuft Reisedurchfall mild und klingt innerhalb von 3–5 Tagen von selbst ab. Dennoch kann er den Urlaub erheblich beeinträchtigen und in seltenen Fällen – insbesondere bei Kindern, älteren Menschen und chronisch Kranken – zu gefährlicher Dehydratation führen.

Die häufigste Ursache sind Bakterien, vor allem enterotoxische Escherichia coli (ETEC), gefolgt von Campylobacter, Salmonellen und Shigellen. Seltener sind Viren (Noroviren, Rotaviren) oder Parasiten (Giardia lamblia, Entamoeba histolytica) verantwortlich.

Risikoländer und Erreger

Das Risiko für Reisedurchfall variiert je nach Reiseziel erheblich:

  • Hohes Risiko (20–60 %): Südostasien, Südasien (Indien, Nepal), Afrika, Mittel- und Südamerika, Mittlerer Osten.
  • Mittleres Risiko (8–20 %): Südeuropa, Karibik, Osteuropa, Russland, China, Südafrika.
  • Niedriges Risiko (unter 8 %): Nordeuropa, Nordamerika, Australien, Neuseeland, Japan.

Risikofaktoren für den Einzelnen sind: junges Alter (Rucksackreisende 20–30 Jahre haben das höchste Risiko), Einnahme von Protonenpumpeninhibitoren (Magenschutz – reduziert die Säurebarriere), chronische Darmerkrankungen und Abenteuerreisen mit Straßenessen und lokalen Märkten.

Die meisten Infektionen erfolgen über kontaminierte Nahrungsmittel und Wasser – daher die alte Reiseregel: „Cook it, boil it, peel it – or forget it!“

Symptome und Warnsignale

Typische Symptome des Reisedurchfalls sind:

  • Wässrige Durchfälle: Mindestens drei ungeformte Stuhlgänge in 24 Stunden.
  • Bauchkrämpfe und Blähungen: Krampfartige Schmerzen im gesamten Bauchraum.
  • Übelkeit und Erbrechen: Besonders in den ersten Stunden.
  • Allgemeines Krankheitsgefühl: Müdigkeit, Appetitlosigkeit.

Warnsignale, bei denen umgehend ein Arzt aufgesucht werden muss:

  • Blut oder Schleim im Stuhl: Kann auf eine invasive Infektion (Shigellen, Amöben) hindeuten.
  • Hohes Fieber (über 38,5°C): Zeichen einer systemischen Infektion.
  • Schwere Dehydratation: Trockene Schleimhäute, dunkler Urin, Schwindel, Verwirrtheit, stehende Hautfalten.
  • Durchfall länger als 5–7 Tage: Kann auf Parasiten oder eine andere Ursache hindeuten.
  • Säuglinge, Kleinkinder, ältere Menschen: Dehydrieren schneller und brauchen frühzeitig ärztliche Hilfe.

Behandlung: ORS, Loperamid und Antibiotika

Die Behandlung richtet sich nach der Schwere der Symptome:

Leichter Reisedurchfall

  • Flüssigkeitsersatz: Die wichtigste Maßnahme! Orale Rehydratationslösung (ORS) enthält die ideale Mischung aus Salz, Zucker und Mineralien. Alternativ: verdünnte Fruchtsäfte, Brühe, salziges Gebäck und stilles Wasser.
  • BRAT-Diät: Bananen, Reis, Apfelmus, Toast – leicht verdauliche Nahrung, die den Darm schont.

Mäßiger Durchfall

  • Loperamid: Hemmt die Darmbewegung und reduziert die Stuhlfrequenz. Initialdosis 4 mg, dann 2 mg nach jedem ungeformten Stuhl (maximal 16 mg/Tag). Nicht anwenden bei blutigem Durchfall, Fieber oder Kindern unter 12 Jahren. Loperamid behandelt nicht die Ursache, sondern nur das Symptom.

Schwerer Durchfall oder Dysenterie

  • Antibiotika: Bei schwerem Verlauf, blutigem Stuhl oder hohem Fieber kann ein Arzt ein Antibiotikum verschreiben (z.B. Azithromycin, Ciprofloxacin). Die Selbstmedikation mit Antibiotika wird wegen zunehmender Resistenzen nicht empfohlen.

Prävention: Trink- und Nahrungshygiene

Die wichtigste Präventionsmaßnahme ist konsequente Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene:

  • Wasser: Nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser trinken. Vorsicht auch beim Zähneputzen, Eiswürfeln und Wasser beim Duschen (nicht schlucken).
  • Obst und Gemüse: Nur geschält oder gekocht essen. Salate und rohes Gemüse meiden, wenn die Wasserqualität unklar ist.
  • Fleisch und Fisch: Nur durchgegart und heiß serviert essen. Meeresfruchte und rohes Fleisch meiden.
  • Straßenessen: Nur frisch zubereitete, heiße Speisen von stark frequentierten Ständen (hoher Durchsatz = frischere Ware).
  • Händehygiene: Regelmäßig Hände waschen oder Handdesinfektionsmittel verwenden, besonders vor dem Essen.
  • Milchprodukte: Nur pasteurisierte Milchprodukte konsumieren.

Probiotika (z.B. Saccharomyces boulardii) können das Risiko für Reisedurchfall leicht reduzieren und werden von manchen Reisemedizinern empfohlen.

Reiseapotheke-Checkliste

Für die Reiseapotheke gegen Durchfall empfehlen wir:

  1. Orale Rehydratationslösung (ORS): 6–10 Beutel, leicht und platzsparend.
  2. Loperamid: 10–20 Tabletten als Symptomlinderung (nicht bei Fieber/blutigem Stuhl).
  3. Elektrolytpulver: Zum Ausgleich von Salz- und Mineralverlust.
  4. Handdesinfektionsmittel: Mindestens 60 % Alkoholgehalt.
  5. Fieberthermometer: Zur Kontrolle der Körpertemperatur.
  6. Notfall-Antibiotikum: Nach ärztlicher Verordnung für Reisen in Hochrisikogebiete (z.B. Azithromycin).
  7. Probiotika: Optional als Prävention (z.B. Saccharomyces boulardii).

Besprechen Sie die Zusammenstellung Ihrer Reiseapotheke rechtzeitig mit Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Je nach Reiseziel und -dauer können weitere Medikamente sinnvoll sein.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche oder reisemedizinische Beratung. Bei schwerem Durchfall mit Blut, hohem Fieber oder Zeichen der Dehydratation suchen Sie bitte umgehend ärztliche Hilfe. Antibiotika sollten nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden. Lassen Sie sich vor Reisen in Risikogebiete reisemedizinisch beraten.

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Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).