Was ist Jetlag und warum trifft er uns?
Jetlag entsteht, wenn unsere innere Uhr (circadianer Rhythmus) nicht mit der lokalen Zeit am Reiseziel übereinstimmt. Der Körper braucht Zeit, um sich an die neue Zeitzone anzupassen — als Faustregel gilt: Ein Tag pro überquerter Zeitzone.
Unsere innere Uhr wird vor allem durch Licht synchronisiert. Der Nucleus suprachiasmaticus im Hypothalamus steuert den 24-Stunden-Rhythmus von Schlaf-Wach-Zyklus, Hormonausschüttung (Cortisol, Melatonin), Körpertemperatur und Verdauung.
Typische Jetlag-Symptome:
- Schlafstörungen: Einschlafprobleme oder frühes Erwachen je nach Flugrichtung
- Müdigkeit: Extreme Erschöpfung tagsüber
- Konzentrationsprobleme: Eingeschränkte kognitive Leistungsfähigkeit
- Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit, Appetitlosigkeit, Verdauungsprobleme
- Stimmungsschwankungen: Reizbarkeit, allgemeines Unwohlsein
Flugrichtung matters: Flüge nach Osten (verkürzter Tag) sind für die meisten Menschen schwieriger zu bewältigen als Flüge nach Westen (verlängerter Tag), da es einfacher ist, später ins Bett zu gehen als früher.
Vor dem Flug: Vorbereitung
Mit der richtigen Vorbereitung können Sie die Jetlag-Symptome deutlich mildern:
3–4 Tage vor Abflug
- Bei Flügen nach Osten: Gehen Sie jeden Abend 30–60 Minuten früher ins Bett und stehen Sie entsprechend früher auf. Morgens Tageslicht tanken.
- Bei Flügen nach Westen: Gehen Sie jeden Abend 30–60 Minuten später ins Bett. Abends helles Licht, morgens Licht meiden.
Am Reisetag
- Uhr sofort umstellen: Stellen Sie Ihre Uhr beim Boarding auf die Zielzeit um und richten Sie Ihr Verhalten danach aus
- Ausreichend trinken: Die trockene Kabinenluft dehydriert — trinken Sie alle Stunde ein Glas Wasser
- Alkohol meiden: Alkohol verstärkt die Dehydrierung und stört den Schlaf
- Leichte Mahlzeiten: Schweres Essen belastet die Verdauung zusätzlich
Am Zielort: Schnelle Anpassung
Die wichtigsten Strategien für die schnelle Anpassung am Zielort:
Lichtexposition gezielt nutzen
Licht ist der stärkste Zeitgeber für die innere Uhr:
- Flug nach Osten: Morgens helles Licht suchen (Tageslicht, notfalls Lichttherapielampe). Abends Sonnenbrille tragen oder drinnen bleiben.
- Flug nach Westen: Abends Licht tanken (Spaziergang, helle Innenbeleuchtung). Morgens Licht meiden.
Schlafzeiten anpassen
- Nicht ins Bett gehen, bevor es lokal Schlafenszeit ist — auch wenn Sie todmüde sind
- Ein kurzer Power-Nap (maximal 20 Minuten) am Nachmittag ist akzeptabel, um die Funktion aufrechtzuerhalten
- Halten Sie sich an die lokale Essenszeiten — Mahlzeiten helfen, die innere Uhr zu synchronisieren
Bewegung
Moderate Bewegung am Tageslicht (Spaziergang, leichtes Joggen) beschleunigt die Anpassung, da sie Cortisol-Ausschüttung und Körpertemperatur beeinflusst.
Melatonin und andere Hilfsmittel
Melatonin ist das am besten untersuchte Mittel gegen Jetlag:
- Dosierung: 0,5–3 mg, 30–60 Minuten vor der gewünschten Schlafenszeit am Zielort
- Bei Flügen nach Osten: An den ersten 4–5 Abenden am Zielort einnehmen
- Bei Flügen nach Westen: Melatonin ist hier weniger hilfreich, da der Tag verlängert wird
- In Deutschland: Melatonin ist in Dosierungen bis 1 mg rezeptfrei erhältlich, höhere Dosen verschreibungspflichtig
Die Cochrane-Analyse bestätigt, dass Melatonin den Jetlag bei Überquerung von 5 oder mehr Zeitzonen signifikant reduziert.
Weitere Hilfsmittel
- Koffein: Strategisch eingesetzt (morgens am Zielort) kann Koffein die Wachheit verbessern. Ab 14 Uhr meiden.
- Schlafmaske und Ohrstöpsel: Im Flugzeug und am Zielort für ungestörten Schlaf
- Jetlag-Apps: Apps wie Timeshifter berechnen individuelle Licht- und Melatonin-Pläne basierend auf Ihrem Chronotyp
Wichtiger Hinweis
Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Melatonin kann Wechselwirkungen mit Medikamenten haben (z. B. Blutverdünner, Immunsuppressiva). Schwangere und Stillende sollten Melatonin nicht einnehmen. Bei chronischen Schlafstörungen nach Reisen suchen Sie bitte ärztlichen Rat.




