Was ist Hirsutismus?
Hirsutismus bezeichnet das vermehrte Wachstum von dicken, dunklen Haaren bei Frauen in einem typisch männlichen Verteilungsmuster. Betroffen sind vor allem Gesicht (Oberlippe, Kinn, Wangen), Brust, Rücken, Bauch und Oberschenkel. Es handelt sich nicht nur um ein kosmetisches Problem, sondern häufig um ein Symptom einer zugrunde liegenden hormonellen Störung.
Etwa 5 bis 10 Prozent aller Frauen im gebärfähigen Alter sind von Hirsutismus betroffen. Die Ausprägung wird klinisch mit dem Ferriman-Gallwey-Score bewertet, der das Haarwachstum an neun Körperregionen auf einer Skala von 0 bis 4 beurteilt. Ein Gesamtwert von 8 oder mehr gilt als Hirsutismus.
Es ist wichtig, Hirsutismus von der Hypertrichose abzugrenzen: Während Hirsutismus androgenabhängig ist und einem männlichen Muster folgt, beschreibt Hypertrichose ein generalisiert verstärktes Haarwachstum ohne hormonelle Ursache.
Für viele betroffene Frauen bedeutet Hirsutismus eine erhebliche psychische Belastung. Scham, vermindertes Selbstbewusstsein und sozialer Rückzug sind häufige Begleiterscheinungen. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung kann die Lebensqualität deutlich verbessern.
Ursachen: PCOS und Hormonstörungen
In den meisten Fällen liegt dem Hirsutismus ein Überschuss an männlichen Geschlechtshormonen (Androgene) zugrunde oder eine erhöhte Empfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber normalen Androgenspiegeln.
Häufigste Ursache: Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS)
Das PCOS ist mit etwa 70 bis 80 Prozent die häufigste Ursache für Hirsutismus. Es handelt sich um eine komplexe hormonelle Störung, die neben Hirsutismus auch Zyklusstörungen, Akne, Haarausfall am Kopf (androgenetische Alopezie) und Übergewicht verursachen kann. Die Eierstöcke produzieren dabei vermehrt Androgene.
Weitere Ursachen
- Idiopathischer Hirsutismus: Bei etwa 5 bis 15 Prozent der Fälle findet sich keine messbare Androgenerhöhung. Die Haarfollikel reagieren hier überempfindlich auf normale Androgenspiegel, häufig genetisch bedingt.
- Nebennierenrindenhyperplasie (AGS): Angeborene oder erworbene Überproduktion von Androgenen in der Nebennierenrinde, insbesondere der nicht-klassische Typ des adrenogenitalen Syndroms.
- Cushing-Syndrom: Ein Überschuss an Cortisol kann zu erhöhter Androgenproduktion führen.
- Androgen-produzierende Tumoren: Selten können Tumoren der Eierstöcke oder Nebennieren zu einer raschen und ausgeprägten Virilisierung führen.
- Medikamente: Anabole Steroide, Danazol, Valproat und einige andere Medikamente können Hirsutismus auslösen.
- Hypothyreose: Eine Schilddrüsenunterfunktion kann indirekt zu erhöhten Androgenspiegeln beitragen.
Diagnose des Hirsutismus
Die Diagnose des Hirsutismus umfasst eine gründliche Anamnese, körperliche Untersuchung und Labordiagnostik.
Anamnese und körperliche Untersuchung
- Beginn und Verlauf der Behaarung (plötzlich vs. schleichend)
- Menstruationsanamnese (Zyklusunregelmäßigkeiten, Amenorrhoe)
- Gewichtsentwicklung und Akne
- Familienanamnese (Hirsutismus bei Verwandten ersten Grades)
- Medikamentenanamnese
- Bewertung nach dem Ferriman-Gallwey-Score
Labordiagnostik
Folgende Hormonspiegel werden bestimmt, idealerweise in der frühen Follikelphase (Tag 3 bis 5 des Zyklus):
- Gesamt-Testosteron und freies Testosteron: Erhöht bei PCOS und androgen-produzierenden Tumoren
- DHEA-S (Dehydroepiandrosteron-Sulfat): Ein Marker für adrenale Androgenproduktion
- 17-Hydroxyprogesteron: Zum Ausschluss eines nicht-klassischen AGS
- LH und FSH: Ein erhöhtes LH/FSH-Verhältnis (grösser als 2:1) spricht für PCOS
- TSH: Schilddrüsenfunktion prüfen
- Prolaktin: Zum Ausschluss einer Hyperprolaktinämie
Bildgebung
Ein transvaginaler Ultraschall der Eierstöcke kann polyzystische Ovarien nachweisen. Bei Verdacht auf Tumoren können CT oder MRT der Nebennieren und Eierstöcke erforderlich sein.
Bei schneller Progression mit Virilisierung (tiefe Stimme, Klitorishypertrophie, Muskelzunahme) muss dringend ein androgen-produzierender Tumor ausgeschlossen werden.
Behandlung des Hirsutismus
Die Behandlung des Hirsutismus richtet sich nach der Ursache und umfasst medikamentöse, kosmetische und physikalische Maßnahmen.
Medikamentöse Therapie
Eflornithin-Creme (Vaniqa): Eflornithin hemmt das Enzym Ornithindecarboxylase, das für das Haarwachstum notwendig ist. Die Creme wird zweimal täglich auf betroffene Gesichtsbereiche aufgetragen. Die Wirkung setzt nach etwa vier bis acht Wochen ein und ist reversibel – nach Absetzen wachsen die Haare wieder nach. Eflornithin verlangsamt das Haarwachstum, entfernt aber bestehende Haare nicht.
Kombinierte orale Kontrazeptiva (Pille): Antibabypillen mit antiandrogener Gestagenkomponente (Cyproteronacetat, Drospirenon, Dienogest, Chlormadinonacetat) senken die freien Androgene und verbessern den Hirsutismus nach drei bis sechs Monaten.
Spironolacton: Ein Aldosteronantagonist mit antiandrogener Wirkung, der in einer Dosierung von 50 bis 200 mg täglich eingesetzt wird. Kontraindiziert in der Schwangerschaft – eine sichere Verhütung ist obligat.
Finasterid: Ein 5-Alpha-Reduktasehemmer, der die Umwandlung von Testosteron in das wirksamere Dihydrotestosteron (DHT) blockiert. Ebenfalls streng kontraindiziert in der Schwangerschaft.
Physikalische Haarentfernung
- Laser-Haarentfernung: Die effektivste Methode zur dauerhaften Haarreduktion. Mehrere Sitzungen (4 bis 8) im Abstand von 4 bis 6 Wochen sind notwendig. Am besten wirksam bei dunklen Haaren und heller Haut.
- IPL (Intense Pulsed Light): Ähnliches Prinzip wie Laser, jedoch mit breiteren Wellenlängen. Weniger präzise, aber für größere Areale geeignet.
- Elektrolyse (Nadelepilation): Die einzige Methode, die auch bei hellen und weißen Haaren wirkt. Zeitaufwändig, aber dauerhaft.
Die besten Ergebnisse werden durch eine Kombination aus medikamentöser Therapie und physikalischer Haarentfernung erzielt. Eine medikamentöse Therapie allein reduziert das Haarwachstum, entfernt aber keine bestehenden Haare.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist Hirsutismus gefährlich?
Hirsutismus selbst ist nicht gefährlich, kann aber auf eine zugrunde liegende hormonelle Störung hinweisen, die behandelt werden sollte. Insbesondere PCOS geht mit metabolischen Risiken einher.
Wachsen die Haare vom Rasieren wirklich dicker nach?
Nein, das ist ein weit verbreiteter Mythos. Durch das Rasieren wird das Haar an der dicksten Stelle abgeschnitten, wodurch die nachwachsende Stoppel sich dicker anfühlt. Die tatsächliche Haardicke wird durch Rasieren nicht beeinflusst.
Wie lange dauert es, bis Eflornithin wirkt?
Die Wirkung von Eflornithin-Creme setzt in der Regel nach vier bis acht Wochen regelmäßiger Anwendung ein. Die volle Wirkung wird nach etwa vier Monaten erreicht. Die Creme verlangsamt das Haarwachstum, entfernt aber keine bestehenden Haare – daher wird sie mit Haarentfernungsmethoden kombiniert.
Kann Hirsutismus geheilt werden?
Die zugrunde liegende Ursache (z. B. PCOS) ist häufig nicht heilbar, aber gut behandelbar. Mit einer konsequenten Therapie lässt sich das Haarwachstum deutlich reduzieren. Bei idiopathischem Hirsutismus ist eine dauerhafte Lösung am besten durch Laser-Haarentfernung zu erreichen.
Kann ich über deinrezept.de Eflornithin-Creme erhalten?
Ja, über deinrezept.de können Sie eine ärztliche Online-Konsultation durchführen. Ein Arzt bewertet Ihre Symptome und kann gegebenenfalls ein Rezept für Eflornithin-Creme (Vaniqa) ausstellen.
Medizinischer Hinweis
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt. Selbstmedikation ohne ärztliche Rücksprache kann Risiken bergen. deinrezept.de bietet eine ärztliche Online-Konsultation an, bei der qualifizierte Mediziner Ihre individuelle Situation bewerten und gegebenenfalls ein Rezept ausstellen.




