deinrezept Logo
Hämorrhoiden: Ursachen, Stadien und wirksame Behandlung
Allgemein29. Januar 20268 min Lesezeit

Hämorrhoiden: Ursachen, Stadien und wirksame Behandlung

Hämorrhoiden sind weit verbreitet, aber ein Tabuthema. Erfahren Sie alles über Ursachen, Stadien und moderne Behandlungsmöglichkeiten.

deinrezept.de Ärzteteam
Aktualisiert am 14. April 2026

Was sind Hämorrhoiden?

Zunächst eine wichtige Klarstellung: Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Es handelt sich um Gefäßpolster (Schwellkörper) am Übergang vom Mastdarm zum Analkanal, die zusammen mit dem Schließmuskel für die Feinkontinenz sorgen.

Problematisch wird es, wenn sich diese Gefäßpolster krankhaft vergrößern. Man spricht dann von einem Hämorrhoidalleiden. Schätzungsweise sind 50–70 % der über 30-Jährigen im Laufe ihres Lebens betroffen. Viele Betroffene scheuen aus Scham den Arztbesuch, was unnötiges Leid verursacht – denn die Erkrankung ist gut behandelbar.

Die genaue Entstehung ist nicht vollständig geklärt. Man geht davon aus, dass eine Lockerung des Bindegewebes und eine Störung der Blutgefäße im Analbereich die Hauptursachen sind. Verschiedene Faktoren können diesen Prozess beschleunigen.

Stadien des Hämorrhoidalleidens (Grad I–IV)

Das Hämorrhoidalleiden wird nach dem Goligher-Schema in vier Grade eingeteilt:

  • Grad I: Die Hämorrhoiden sind vergrößert, aber von außen nicht sichtbar. Nur bei Proktoskopie erkennbar. Hauptsymptom: hellrotes Blut auf dem Toilettenpapier.
  • Grad II: Die Hämorrhoiden treten beim Pressen nach außen, ziehen sich aber spontan zurück. Typische Symptome: Blutung, Juckreiz, Nässen.
  • Grad III: Die Hämorrhoiden treten hervor und müssen manuell zurückgeschoben werden. Zunehmende Beschwerden: Druckgefühl, Schmerzen, Schleimsekretion.
  • Grad IV: Dauerhaft vorgefallen, können nicht mehr zurückgeschoben werden. Häufig mit Entzündung, starken Schmerzen und Einklemmung.

Je früher die Behandlung beginnt, desto einfacher und schonender ist sie. Bei Grad I und II sind konservative Maßnahmen meist ausreichend.

Ursachen und Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren begünstigen die Erkrankung:

  • Chronische Verstopfung: Starkes Pressen beim Stuhlgang erhöht den Druck auf die Gefäßpolster – der häufigste Auslöser.
  • Ballaststoffarme Ernährung: Führt zu hartem Stuhl und erschwertem Stuhlgang.
  • Bewegungsmangel: Langes Sitzen verschlechtert den venösen Rückfluss.
  • Schwangerschaft und Geburt: Erhöhter Druck auf die Beckenvenen.
  • Übergewicht: Erhöhter intraabdomineller Druck.
  • Genetische Veranlagung: Bindegewebsschwäche kann familiär bedingt sein.
  • Langes Sitzen auf der Toilette: Smartphone-Nutzung auf der Toilette verzögert den Stuhlgang und erhöht den Druck im Analbereich unnötig.

Auch chronischer Durchfall, schwere körperliche Arbeit mit Heben schwerer Lasten und Analverkehr können das Risiko erhöhen.

Symptome erkennen

Die Symptome hängen vom Stadium ab:

  • Hellrotes Blut: Am Toilettenpapier, auf dem Stuhl oder in der Toilettenschüssel – das häufigste Frühsymptom.
  • Juckreiz (Pruritus ani): Durch austretende Feuchtigkeit und Schleimsekretion.
  • Nässen und Schleimabsonderung: Gefühl unvollständiger Reinigung.
  • Druckgefühl und Fremdkörpergefühl: Als ob etwas im Analkanal steckt.
  • Schmerzen: Vor allem bei Einklemmung, Thrombosierung oder Entzündung.

Wichtig: Blut im Stuhl muss immer ärztlich abgeklärt werden, auch wenn Hämorrhoiden die häufigste Ursache sind. Andere Erkrankungen (Darmpolypen, Analfissur, selten Darmkrebs) müssen ausgeschlossen werden. Scheuen Sie nicht den Gang zur Proktologin oder zum Proktologen.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Therapie richtet sich nach dem Stadium:

Konservative Behandlung (Grad I–II)

  • Salben und Zäpfchen: Präparate mit Lidocain (lokal betäubend), Hydrocortison (entzündungshemmend) oder pflanzlichen Wirkstoffen (Hamamelis). Sie lindern Symptome, beseitigen aber nicht die Ursache.
  • Sitzbader: Warme Sitzbader mit Kamille oder Eichenrinde.
  • Stuhlregulation: Ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Trinken.

Interventionelle Verfahren (Grad II–III)

  • Gummibandligatur: Ein Gummiring wird über die Hämorrhoide gestülpt – sie stirbt ab und fällt nach Tagen ab. Ambulant und wenig schmerzhaft.
  • Verödung (Sklerosierung): Einspritzen eines Verödungsmittels. Einfach, aber höhere Rückfallrate.
  • Infrarotkoagulation: Hitzebehandlung der Hämorrhoide.

Operative Verfahren (Grad III–IV)

  • Hämorrhoidektomie: Chirurgische Entfernung (Milligan-Morgan oder Ferguson). Goldstandard bei Grad IV.
  • Stapler-Hämorrhoidopexie (Longo): Schonendere Methode mit Verlagerung nach oben.

Vorbeugung: Ernährung und Bewegung

Mit einfachen Maßnahmen können Sie vorbeugen:

  • Ballaststoffreich essen: Mindestens 30 g täglich aus Gemüse, Obst, Vollkorn und Hülsenfrüchten.
  • Ausreichend trinken: Mindestens 1,5–2 Liter Wasser oder ungesüßter Tee täglich.
  • Regelmäßige Bewegung: Mindestens 30 Minuten täglich fördern die Darmperistaltik.
  • Nicht pressen: Stuhldrang nicht unterdrücken, aber auch nicht erzwingen. Maximal 3–5 Minuten auf der Toilette.
  • Kein Smartphone auf der Toilette: Langes Sitzen ist ein Hauptrisikofaktor.
  • Analhygiene: Sanftes Reinigen mit Wasser statt aggressivem Toilettenpapier.

Wenn Sie bereits Beschwerden hatten: Diese Vorbeugungsmaßnahmen reduzieren das Risiko für ein erneutes Auftreten deutlich. Eine regelmäßige proktologische Kontrolle wird bei Grad II und höher empfohlen.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Blut im Stuhl sollte immer ärztlich abgeklärt werden, da auch andere Erkrankungen dahinterstecken können. Scheuen Sie nicht den Gang zur Proktologin oder zum Proktologen – die Behandlung ist heute schonend und effektiv.

Themen
hämorrhoidalleidenhämorrhoidenproktologiesalbenverödung

Weitere Artikel

Verwandte Behandlungen
Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Bei gesundheitlichen Beschwerden wenden Sie sich bitte an einen Arzt. In Notfällen rufen Sie den Notruf (112) oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).