Was ist eine bakterielle Vaginose?
Die bakterielle Vaginose (BV) ist die häufigste vaginale Infektion bei Frauen im gebärfähigen Alter. Es handelt sich um eine Störung des natürlichen bakteriellen Gleichgewichts in der Scheide (Dysbiose), bei der die schützenden Laktobazillen (Milchsäurebakterien) durch eine Überwucherung anaerober Bakterien – insbesondere Gardnerella vaginalis, Atopobium vaginae, Prevotella und Mobiluncus – verdrängt werden.
Anders als eine klassische Infektion ist die bakterielle Vaginose keine sexuell übertragbare Krankheit im engeren Sinne, obwohl sexuelle Aktivität das Risiko erhöht. Sie kann auch bei Frauen auftreten, die keinen Geschlechtsverkehr haben.
Etwa 10 bis 30 Prozent aller Frauen sind zu jedem Zeitpunkt von einer BV betroffen, wobei viele keine Symptome bemerken (asymptomatische BV). Die Erkrankung ist zwar in den meisten Fällen harmlos, kann aber unbehandelt das Risiko für Komplikationen in der Schwangerschaft sowie für sexuell übertragbare Infektionen erhöhen.
Die bakterielle Vaginose ist gut behandelbar, neigt aber leider zu Rezidiven – etwa 50 Prozent der Frauen erleben innerhalb von 12 Monaten ein Wiederauftreten.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der bakteriellen Vaginose sind nicht vollständig geklärt, aber verschiedene Faktoren begünstigen die Verschiebung der Vaginalflora:
Risikofaktoren
- Neue oder wechselnde Sexualpartner: Sexuelle Aktivität ist der stärkste Risikofaktor. Neue Partner bringen eine veränderte mikrobielle Besiedelung mit, die das Gleichgewicht der Vaginalflora stören kann.
- Vaginalspülungen (Douching): Das Ausspülen der Scheide mit Wasser oder Reinigungsmitteln zerstört die natürliche Laktobazillen-Flora und ist einer der wichtigsten vermeidbaren Risikofaktoren.
- Übertriebene Intimhygiene: Aggressive Seifen, Intimsprays, parfümierte Pflegeprodukte oder Desinfektionsmittel stören das saure Vaginalmilieu (pH unter 4,5).
- Intrauterinpessar (Spirale): Das Tragen einer Kupferspirale kann das BV-Risiko erhöhen.
- Rauchen: Zigarettenrauchen wurde als unabhängiger Risikofaktor identifiziert, möglicherweise durch die Wirkung auf die lokale Immunabwehr.
- Antibiotika: Eine vorangegangene Antibiotikatherapie kann die schützende Vaginalflora beeinträchtigen.
- Hormonelle Veränderungen: Menstruation, Schwangerschaft und hormonelle Kontrazeptiva beeinflussen die Zusammensetzung der Vaginalflora.
Schutzmechanismen
Die gesunde Vaginalflora wird dominiert von Laktobazillen, die Milchsäure und Wasserstoffperoxid produzieren. Diese halten den vaginalen pH-Wert niedrig (3,8 bis 4,5) und hemmen das Wachstum pathogener Keime. Eine Störung dieses Gleichgewichts führt zu einem Anstieg des pH-Wertes und ermöglicht die Vermehrung anaerober Bakterien.
Symptome der bakteriellen Vaginose
Etwa 50 Prozent der Frauen mit bakterieller Vaginose haben keine Beschwerden. Wenn Symptome auftreten, sind folgende typisch:
- Dünnflüssiger, grau-weißlicher Ausfluss: Das Leitsymptom der BV. Der Ausfluss ist oft homogen und beschichtet die Scheidenwand gleichmäßig.
- Unangenehmer, fischartiger Geruch: Besonders intensiv nach dem Geschlechtsverkehr (durch alkalisches Sperma) und während der Menstruation. Der Geruch entsteht durch Amine, die von anaeroben Bakterien produziert werden.
- Leichter Juckreiz: Gelegentlich kann ein milder Juckreiz auftreten, der jedoch deutlich weniger ausgeprägt ist als bei einer Scheidenpilzinfektion.
- Brennen beim Wasserlassen: Selten und meist mild.
Was die BV NICHT verursacht
Im Gegensatz zu einer Pilzinfektion oder Trichomonaden-Infektion verursacht die bakterielle Vaginose in der Regel keinen starken Juckreiz, keine Rötung oder Schwellung der Vulva und keinen bröckeligen weißen Ausfluss. Diese Unterscheidung ist wichtig für die korrekte Selbsteinschätzung und Behandlung.
Komplikationen bei unbehandelter BV
- Erhöhtes Risiko für sexuell übertragbare Infektionen (HIV, Chlamydien, Gonorrhoe, Herpes)
- In der Schwangerschaft: Frühgeburt, vorzeitiger Blasensprung, niedriges Geburtsgewicht
- Erhöhtes Risiko für Entzündungen nach gynäkologischen Eingriffen
- Beckenentzündung (Pelvic Inflammatory Disease, PID) in seltenen Fällen
Diagnose der bakteriellen Vaginose
Die Diagnose erfolgt in der gynäkologischen Praxis und basiert auf klinischen Kriterien und Laboruntersuchungen.
Amsel-Kriterien
Die klassischen Amsel-Kriterien erfordern mindestens drei von vier Befunden:
- Homogener, dünnflüssiger, grau-weißer Ausfluss
- pH-Wert der Vaginalflüssigkeit über 4,5 (gemessen mit pH-Indikatorpapier)
- Positiver Amintest (Whiff-Test): Beim Versetzen des Ausflusses mit 10-prozentiger Kalilauge (KOH) entsteht ein fischartiger Geruch durch freigesetzte Amine.
- Nachweis von Clue Cells: Im Nativpräparat (Mikroskopie) sichtbare Vaginalepithelzellen, deren Oberfläche dicht mit Bakterien besetzt ist.
Nugent-Score
Der Nugent-Score ist die Goldstandard-Methode und basiert auf der mikroskopischen Beurteilung eines Gram-gefärbten Vaginalabstrichs. Er bewertet das Verhältnis von Laktobazillen zu Gardnerella-/Mobiluncus-Morphotypen auf einer Skala von 0 bis 10:
- 0-3: Normale Flora
- 4-6: Intermediäre Flora
- 7-10: Bakterielle Vaginose
Darüber hinaus stehen molekulare Tests (PCR-basiert) zur Verfügung, die spezifische BV-assoziierte Bakterien nachweisen können. Diese sind besonders bei wiederkehrender BV sinnvoll.
Behandlung mit Metronidazol und Clindamycin
Die Behandlung der bakteriellen Vaginose erfolgt mit Antibiotika, die gezielt gegen anaerobe Bakterien wirken.
Erstlinientherapie
Metronidazol oral: 500 mg zweimal täglich über 7 Tage. Dies ist die am häufigsten verschriebene Therapie. Während der Einnahme und 48 Stunden danach muss strikt auf Alkohol verzichtet werden (Gefahr einer Disulfiram-ähnlichen Reaktion mit Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen).
Metronidazol-Vaginalgel (0,75%): Einmal täglich über 5 Tage intravaginal anzuwenden. Diese lokale Anwendung hat weniger systemische Nebenwirkungen als die orale Einnahme.
Clindamycin-Vaginalcreme (2%): Einmal täglich über 7 Tage intravaginal. Alternative zur Metronidazol-Therapie. Clindamycin kann die Wirksamkeit von Latexkondomen beeinträchtigen.
Alternativtherapien
- Clindamycin oral: 300 mg zweimal täglich über 7 Tage
- Secnidazol: Einmalige orale Dosis von 2 g (in einigen Ländern verfügbar)
- Tinidazol: 2 g täglich über 2 Tage oder 1 g täglich über 5 Tage
Rezidivprophylaxe
Bei häufigen Rezidiven können folgende Strategien hilfreich sein:
- Suppressive Therapie mit Metronidazol-Vaginalgel zweimal wöchentlich über 4 bis 6 Monate
- Vaginale Laktobazillen-Präparate zur Wiederherstellung der Normalflora
- Borsäure-Vaginalkapseln (600 mg) als adjuvante Therapie
Eine Mitbehandlung des männlichen Partners wird derzeit nicht routinemäßig empfohlen, da Studien keinen klaren Nutzen gezeigt haben. Bei gleichgeschlechtlichen Partnerinnen sollte eine gleichzeitige Behandlung erwogen werden.
Prävention und Tipps für eine gesunde Vaginalflora
Folgende Maßnahmen können helfen, einer bakteriellen Vaginose vorzubeugen und Rückfällen entgegenzuwirken:
- Keine Vaginalspülungen: Die Scheide reinigt sich selbst. Vaginalspülungen zerstören die schützende Flora und sind der wichtigste vermeidbare Risikofaktor.
- Milde Intimhygiene: Die äußeren Genitalien nur mit warmem Wasser oder einer milden, pH-neutralen Intimwaschlotion reinigen. Auf parfümierte Seifen, Duschgels und Intimsprays verzichten.
- Kondome verwenden: Kondomnutzung kann das BV-Risiko reduzieren, indem sie den Kontakt mit alkalischem Sperma und fremden Bakterien verringert.
- Probiotika: Vaginale oder orale Probiotika mit Laktobazillen (insbesondere L. crispatus, L. rhamnosus, L. reuteri) können die Vaginalflora unterstützen. Die Evidenz ist vielversprechend, aber noch nicht abschließend gesichert.
- Unterwäsche aus Baumwolle: Atmungsaktive Materialien schaffen ein weniger feuchtes Milieu, das für anaerobe Bakterien ungünstiger ist.
- Rauchen aufgeben: Rauchentwöhnung reduziert nachweislich das Risiko für bakterielle Vaginose.
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden sollte stets eine ärztliche Abklärung erfolgen, um andere Ursachen (Pilzinfektion, Trichomonaden, Chlamydien) auszuschließen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist eine bakterielle Vaginose ansteckend?
Die BV ist keine klassische sexuell übertragbare Infektion. Sie kann jedoch durch sexuelle Aktivität begünstigt werden. Eine Übertragung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnerinnen ist möglich. Männliche Partner müssen in der Regel nicht mitbehandelt werden.
Kann ich eine BV ohne Antibiotika behandeln?
In milden Fällen kann sich eine BV spontan zurückbilden. Bei Symptomen oder in der Schwangerschaft ist eine antibiotische Behandlung jedoch empfehlenswert. Probiotika allein sind als alleinige Therapie nicht ausreichend belegt.
Darf ich während der Behandlung Geschlechtsverkehr haben?
Geschlechtsverkehr ist grundsätzlich möglich, aber bei vaginaler Anwendung von Clindamycin-Creme können Latexkondome beschädigt werden. Bei oraler Metronidazol-Einnahme ist strikt auf Alkohol zu verzichten.
Warum kommt die BV immer wieder?
Die hohe Rezidivrate ist eines der größten Probleme der BV-Behandlung. Mögliche Gründe sind die Persistenz von Gardnerella-Biofilmen, die gegenüber Antibiotika resistent sind, sowie die Reinfizierung durch Sexualpartner. Langzeitprophylaxe und Probiotika können das Risiko senken.
Kann ich über deinrezept.de eine Behandlung erhalten?
Ja, über deinrezept.de können Sie eine ärztliche Online-Konsultation durchführen. Ein Arzt kann Ihre Symptome bewerten und gegebenenfalls ein Rezept für Metronidazol oder Clindamycin ausstellen.
Medizinischer Hinweis
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung. Die Inhalte wurden sorgfältig recherchiert, erheben jedoch keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden immer eine Ärztin oder einen Arzt. Selbstmedikation ohne ärztliche Rücksprache kann Risiken bergen. deinrezept.de bietet eine ärztliche Online-Konsultation an, bei der qualifizierte Mediziner Ihre individuelle Situation bewerten und gegebenenfalls ein Rezept ausstellen.




