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Reisekrankheit (Kinetose): Übelkeit unterwegs vorbeugen
Reisemedizin20 May 20267 min reading time

Reisekrankheit (Kinetose): Übelkeit unterwegs vorbeugen

Übelkeit im Auto, auf dem Schiff oder im Flugzeug? Erfahren Sie, wie die Reisekrankheit entsteht, wie Sie ihr wirksam vorbeugen und welche Mittel helfen können.

deinrezept.de medical team
Updated on 20 May 2026

Was ist die Reisekrankheit (Kinetose)?

Die Reisekrankheit – medizinisch Kinetose oder Bewegungskrankheit – beschreibt das Unwohlsein, das viele Menschen bei passiver Fortbewegung im Auto, Bus, Zug, Schiff oder Flugzeug verspüren. Sie ist keine Krankheit im eigentlichen Sinne, sondern eine natürliche Reaktion des Körpers auf widersprüchliche Sinneseindrücke. Grundsätzlich kann sie jeden treffen.

Ursache ist ein sensorischer Konflikt: Das Gleichgewichtsorgan im Innenohr meldet dem Gehirn Bewegung und Beschleunigung – etwa das Schwanken eines Schiffs oder das Bremsen und Beschleunigen im Auto. Die Augen hingegen melden unter Umständen etwas anderes. Wer im fahrenden Auto auf das Handy oder ein Buch schaut, sieht eine scheinbar ruhende Umgebung, während das Innenohr eindeutig Bewegung registriert. Das Gehirn erhält dadurch widersprüchliche Informationen, die es nicht zu einem stimmigen Bild zusammenfügen kann.

Auf diesen Konflikt reagiert der Körper mit einer Reihe von Beschwerden, die sich oft langsam aufbauen und in Wellen verlaufen. Die genauen Mechanismen sind nicht vollständig geklärt; man nimmt an, dass das Gehirn die ungewohnte Reizkombination fehldeutet. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Verhalten lässt sich der Reisekrankheit in vielen Fällen wirksam vorbeugen, und die Beschwerden klingen nach Ende der Fahrt meist rasch wieder ab.

Symptome und wer besonders betroffen ist

Die Beschwerden einer Kinetose entwickeln sich typischerweise schleichend und steigern sich, je länger der auslösende Reiz anhält. Erste Anzeichen werden oft zu spät ernst genommen. Typische Symptome sind:

  • Übelkeit, in der Folge bis hin zu Erbrechen
  • auffallende Blässe
  • kalter Schweiß und ein allgemeines Schwächegefühl
  • vermehrter Speichelfluss, Aufstoßen
  • Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit
  • Müdigkeit, Gähnen und ein Gefühl der Antriebslosigkeit

Charakteristisch ist, dass die Beschwerden nachlassen, sobald der sensorische Konflikt endet – also wenn das Schiff den Hafen erreicht oder das Auto anhält. Bei manchen Menschen hält ein leichtes Schwankgefühl nach einer Schiffsreise noch eine Weile an.

Besonders häufig betroffen sind Kinder, vor allem im Alter von etwa zwei bis zwölf Jahren – Säuglinge dagegen kaum. Mit zunehmendem Alter lässt die Empfindlichkeit oft nach. Auch Schwangere sowie Menschen, die zu Migräne neigen, reagieren teils empfindlicher. Wer einmal stark unter Reiseübelkeit gelitten hat, entwickelt manchmal schon im Vorfeld eine ängstliche Erwartung, die die Beschwerden zusätzlich verstärken kann. Daher ist eine ruhige, vorausschauende Vorbereitung hilfreich.

Vorbeugen ohne Medikamente

In vielen Fällen lässt sich der Reisekrankheit allein durch das richtige Verhalten gut vorbeugen. Ziel ist es, den Widerspruch zwischen Augen und Gleichgewichtsorgan zu verringern. Bewährte Maßnahmen sind:

  • Blick auf den Horizont: Schauen Sie nach vorne in Fahrtrichtung und fixieren Sie einen festen Punkt in der Ferne, etwa den Horizont. So stimmen Seheindruck und Bewegungsempfinden besser überein.
  • Günstiger Sitzplatz: Wählen Sie eine Position, an der die Bewegung am geringsten ist und Sie nach vorne blicken können – im Auto vorne, im Bus oder Zug in Fahrtrichtung, auf dem Schiff mittschiffs, im Flugzeug über den Tragflächen.
  • Nicht lesen, nicht aufs Display schauen: Lesen, Filme schauen oder am Smartphone spielen verstärkt den sensorischen Konflikt erheblich.
  • Frische Luft: Lüften, ein geöffnetes Fenster oder ein Lüftungsstrom helfen vielen Betroffenen.
  • Leichte Mahlzeit: Reisen Sie nicht mit komplett leerem, aber auch nicht mit übervollem Magen; meiden Sie schwere, sehr fettige Speisen und Alkohol.
  • Ruhe und Entspannung: Bei ersten Anzeichen den Kopf anlehnen, die Augen schließen oder kurz schlafen kann helfen. Auch frühzeitige Pausen sind sinnvoll.

Gerade bei Kindern lohnt es sich, diese Maßnahmen vorausschauend umzusetzen, bevor die Übelkeit beginnt – ist sie erst einmal stark ausgeprägt, sind die Beschwerden deutlich schwerer in den Griff zu bekommen.

Mittel gegen die Reisekrankheit und Tipps für Kinder

Reichen die Verhaltensmaßnahmen nicht aus, stehen verschiedene Mittel zur Verfügung. Welche Option im Einzelfall geeignet ist, hängt von Alter, Vorerkrankungen und Art der Reise ab und sollte ärztlich oder in der Apotheke besprochen werden.

  • Dimenhydrinat: ein häufig genutztes Antihistaminikum gegen Reiseübelkeit, das vorbeugend vor Reisebeginn eingenommen wird. Es kann müde machen, weshalb Vorsicht beim aktiven Steuern eines Fahrzeugs geboten ist.
  • Scopolamin-Pflaster: ein verschreibungspflichtiges Pflaster, das den Wirkstoff über die Haut abgibt und vor allem bei längeren Reisen, etwa auf Schiffen, eingesetzt wird.
  • Ingwer: ein pflanzliches Mittel, dem viele Menschen eine lindernde Wirkung gegen Übelkeit zuschreiben; die Studienlage ist uneinheitlich, eine Anwendung gilt aber meist als gut verträglich.
  • Akupressurbänder: Armbänder, die Druck auf einen Punkt am Handgelenk ausüben sollen. Ein sicherer Wirknachweis fehlt, ein Versuch ist aber risikoarm.

Auto, Schiff und Flug

Im Auto hilft der Blick nach vorne und das selbst Steuern, da Fahrende seltener betroffen sind. Auf dem Schiff sind ein Platz in der Schiffsmitte und der Blick auf den Horizont günstig. Im Flugzeug bietet ein Sitz über den Tragflächen die geringste Bewegung.

Bei Kindern

Bei Kindern sollten Medikamente nur nach ärztlicher Rücksprache und in der für das Alter geeigneten Form angewendet werden – nicht jedes Mittel ist für jede Altersgruppe zugelassen. Oft helfen schon einfache Maßnahmen: nach vorne schauen lassen, regelmäßige Pausen, frische Luft, kein Spielen am Display und kleine, leichte Snacks. Eine telemedizinische Konsultation, etwa über deinrezept.de, kann eine erste Einschätzung erleichtern, wenn Sie unsicher sind, welches Mittel infrage kommt.

Wichtiger Hinweis

Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Die Reisekrankheit ist in der Regel harmlos und klingt nach der Fahrt rasch ab. Suchen Sie jedoch ärztlichen Rat, wenn Schwindel, Übelkeit oder Erbrechen unabhängig vom Reisen auftreten, sehr stark sind, lange anhalten oder von anderen Beschwerden wie heftigen Kopfschmerzen, Hörstörungen, Doppelbildern oder neurologischen Ausfällen begleitet werden, da dann andere Ursachen abzuklären sind. Achten Sie bei anhaltendem Erbrechen, besonders bei Kindern, auf ausreichendes Trinken, um einer Austrocknung vorzubeugen. Wenden Sie Medikamente bei Kindern nur nach ärztlicher Rücksprache an und nehmen Sie verschreibungspflichtige Medikamente nur nach ärztlicher Verordnung ein.

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This article is for general information only and does not replace individual medical advice. If you have health complaints, please consult a doctor. In emergencies, call the emergency number (112) or the medical on-call service (116117).